mini|St. Nikolai in Hamburg-Harvestehude mini|Das Gebäudeensemble
Die Hauptkirche St. Nikolai wurde 1962 in Hamburg-Harvestehude am Harvestehuder Weg nahe dem Klosterstern eingeweiht und löste als Hauptkirche die kriegszerstörte ehemalige Hauptkirche St. Nikolai im Stadtzentrum ab, die heute als Ruine und Mahnmal weiterbesteht. Das Gemeindegebiet der neuen Nikolaikirche wurde aus Teilen der Kirchengemeinden St. Johannis (Harvestehude), St. Johannis (Hamburg-Eppendorf), Matthäusgemeinde (Winterhude) und St. Andreas (Harvestehude) gebildet. Das alte Gemeindegebiet der zerstörten St.-Nikolai-Kirche wurde in die Zuständigkeit der Hauptkirchen St. Katharinen und St. Michaelis überführt.
Architektur und Baugeschichte St. Nikolai wurde als Rundbau mit Glockenturm ausgeführt. Der Entwurf stammt von den Architekten Dieter und Gerhard Langmaack. Der Turm erreicht mit der rund 3 Meter hohen Wetterfahne eine Höhe von 89,4 MeternHöhe von St. Nikolai durch indirekte Höhenmessungen am 19. August 2009 durch J. Möhring bestimmt. und ist damit der siebthöchste Kirchturm in Hamburg nach den Türmen der fünf alten Hauptkirchen und der St.-Gertrud-Kirche auf der Uhlenhorst. Die gesamte Länge beträgt etwa 40,5 Meter und die Breite etwa 35 Meter.Bestimmung der Gesamtlänge und -breite über Satellitenbild (August 2009); Abmessungen ohne Gemeindehaus.
Der Bau gilt als einer der bedeutendsten in der Nachkriegszeit erstellten Sakralbauten Hamburgs. Die Architekten wählten für das asymmetrisch geschwungene Kirchenschiff einen kelchförmigen Grundriss. Dieser soll die Gemeinde vor dem Altar zusammenschließen, ohne die räumliche Grenze zum Altarbereich zu verwischen. So wird der von einer hellen strukturieren Holzdecke überwölbte Kirchenraum mit seinen über 500 Sitzplätzen auf den schlichten Altar und das Altarbild ausgerichtet.
Am 27. Januar 2006 wurde die Kirche mit ihrer Ausstattung in die Denkmalschutzliste Hamburgs eingetragen.
Ausstattung mini|Coester-Fenster im Baptisterium Da die neue Hauptkirche St. Nikolai als Nachfolgerin der zerstörten Nikolaikirche verstanden wird, nimmt die Ausstattung an vielen Stellen Bezug auf das heutige Mahnmal.
Das Altarbild, ein Mosaik mit dem Namen Ecce Homines („Seht, die Menschen“), das 1974 nach einem Entwurf Oskar Kokoschkas von dem italienischen Künstler Sergio Cicognani geschaffen wurde, ist ein Pendant zu dem gleichartigen Mosaik in schwarz-weißer Ausführung im Chorraum der alten Nikolaikirche.Altarbild Ecce Homines, siehe auch: Mahnmal St. Nikolai: Ecce Homo. Oskar Kokoschka abgerufen am 7. Mai 2011 Das Mosaik ist nicht in die Wand eingelassen, sondern hängt frei als Bild über dem Altarkreuz.
Dieses Kruzifix wurde wie auch drei Bronze-Reliefs an der Kanzel vom Bildhauer Fritz Fleer gestaltet. Ebenfalls von ihm ist die 1985 geschaffene Nikolaustür an der Westfassade, die drei Szenen der Nikolauslegende darstellt.
Der Eingang in die Kirche erfolgt durch das Baptisterium, einer Taufkapelle mit einem Taufaltar, in dem das sogenannte Coester-Fenster verschiedene Szenen aus der Johannesoffenbarung zeigt. Das Fenster wurde 1939 von Elisabeth Coester noch für die alte St.-Nikolai-Kirche fertiggestellt, aber aufgrund des Krieges dort nicht mehr eingebaut. Das Baptisterium der neuen Kirche wurde von den Architekten speziell für dieses Fenster gestaltet. In diesem Raum stammen auch die Steine des Taufaltars, der Torso einer Christusfigur und eine Statue des Erzbischofs Ansgar aus der Ruine der alten Nikolaikirche.
Orgeln Hauptorgel mini|Peter-Orgel (1962–2018) Auf der rechten Empore steht die Hauptorgel. Mit dem Bau einer neuen Kirche am Klosterstern wurde 1962 auch der Bau einer neuen großen Orgel in Auftrag gegeben. Die Planung übernahm Ernst Karl Rößler von der Hochschule für Musik Freiburg. Das Instrument wurde von dem Orgelbauer Orgelbaufirma Willi Peter (Köln) erbaut und 1966 fertig gestellt.
Auffallend ist der Orgelprospekt: Er greift das in Hamburg beliebte Motiv des Schiffsbugs bzw. von Schiffssegeln auf. Die äußere Gestaltung der Orgel geht auf eine Idee des Architekten Gerhard Langmaack zurück, der das Instrument wegen des hohen Gewichtes an einem Stahlgerüst an der Außenwand der Kirche befestigen ließ. Das Schleifladen-Instrument hatte 63 Register auf vier Manualwerken und Pedal. Die Spieltrakturen und die Registertraktur waren elektrisch.
Das Instrument wurde in Gottesdiensten und Konzertveranstaltungen genutzt. Ab Ostern 2018 war die Orgel nicht mehr spielbereit.
I Rückpositiv C–g3 Musiziergedeckt 8′ Spitzflöte 8′ Praestant 4′ Rohrflöte 4′ Nasat ′ Octave 2′ Nachthorn 2′ Terz ′ Rohrgemsquinte ′ Octave 1′ Cimbel V ′ Rohrkrummhorn 16′ Vox Virginia 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 Rohrpommer 16′ Principal 8′ Gemshorn 8′ Trichtergedeckt 8′ Octave 4′ Rohrflöte 4′ Schwiegel ′ Octave 2′ Blockpfeife 2′ Großmixtur VIII–IX ′ Scharff V 1′ Trompete 16′ Trompete 8′ Cimbelstern III Schwellwerk C–g3 Gemshorn 16′ Bleioctave 8′ Rohrgedeckt 8′ Spitzgambe 8′ Principal 4′ Octava Nazarda 4′ Spitzflöte 4′ Octave 2′ Doppelrohrflöte 2′ Sesquialtera III ′ Span. Hintersatz III–IV 4′ Mixtur VI ′ Fagott 16′ Kopftrompete 8′ Clarine 4′ Tremulant IV Kronwerk C–g3 Gedecktflöte 8′ Koppelflöte 4′ Gemshorn 2′ Terzglockenton IV ′ Cimbel II ′ Gemshornregal 8′ Helle Trompete 4′ Tremulant Pedal C–f1 Prinzipal 16′ Subbass 16′ Quintbass ′ Octavbass 8′ Rohrtraverse 8′ Octave 4′ Schweizerflöte 4′ Dulcian 2′ Rauschwerk IV ′ Großterzian II ′+2′ Mixtur V–VI 2′ Posaune 16′ Dulcian 16′ Trompete 8′ Helle Trompete 4′ Koppeln: I/II, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
In den Jahren 2019–2023 wurde die denkmalgeschützte Peter-Orgel durch Johannes Klais Orgelbau saniert und weiterentwickelt. Das Instrument wurde auf 101 Register erweitert und um Schlagwerkregister ergänzt (darunter Röhrenglocken, Celesta, Snare-Drum und Tamtam). Fünf Register sind als Antiphonal in einem separaten Gehäuse über dem Haupteingang untergebracht. Insgesamt hat die Orgel nun 7279 Pfeifen (1966: 5201 Pfeifen), von denen 282 aus Holz und der Rest aus einer Zinn-Legierung gefertigt sind. Sie wurde mit einer Setzeranlage ausgestattet und erhielt einen MIDI-Anschluss. Ein zweiter, fahrbarer Spieltisch im Kirchenraum bietet fünf Manuale.
Der größte Teil der Kosten von mehr als 3 Millionen Euro konnte durch Spenden finanziert werden sollten.Die neue Orgel für St. Nikolai , abgerufen am 3. April 2023. Am Ostersonntag, 9. April 2023, wurde die erneuerte Orgel eingeweiht.Disposition auf der Website von Orgelbau Klais, abgerufen am 11. Mai 2023.
I Rückpositiv C–a3 Musiziergedeckt 8′ Spitzflöte 8′ Praestant 4′ n Sextade 4′ n Nasat ′ Octave 2′ Nachthorn 2′ Terz ′ Rohrgemsquinte ′ Octave 1′ Cimbel V ′ Rohrkrummhorn 16′ Vox virginia 8′ Tremulant II Hauptwerk C–a3 Principal 16′ n Rohrpommer 16′ Principal 8′ Hornprincipal 8′ n Harmonieflöte 8′ n Gemshorn 8′ Trichtergedeckt 8′ Weitoctave 4′ n Octave 4′ Rohrflöte 4′ Schwiegel ′ Octave 2′ Blockpfeife 2′ Cornett V 8′ n Großmixtur VIII–IX ′ Scharff V 1′ Trompete 16′ tn Trompete 8′ III Schwellwerk C–a3 Gemshorn 16′ Bordun 16′ n Bleioctave 8′ Rohrgedeckt 8′ Spitzgambe 8′ Schwebung 8′ n Principal 4′ Octava Nazarda 4′ Spitzflöte 4′ Octave 2′ Doppelrohrflöte 2′ Sesquialtera III ′ Span. Hintersatz III–IV 4′ Mixtur VI ′ Un-Tredezime II ′ + ′ tn Fagott 16′ tn Kopftrompete 8′ Horn 8′ n Clarine 4′ Tremulant IV Kronwerk C–a3 Gedecktflöte 8′ n Koppelflöte 4′ Gemshorn 2′ Terzglockenton IV ′ tn Cimbel II ′ Gemshornregal 8′ Helle Trompete 4′ Tremulant Zimbelstern V Solo C–a3Klarinette 8′ nSaxophon 8′ n Celesta n Chorwerk I C–a3 (schwellbar mit Aliquotwerk)Geigenprincipal 8′ nConcertflöte 8′ nDolce 8′ nAeoline 8′ nVox coelestis 8′ nFlauto amabile 4′ nVioline 4′ nTrompete 8′ nVox humana 8′ nTremulant n Aliquotwerk C–a3 (schwellbar mit Chorwerk) Octav Reihe 8′ n kl. Sekunde Reihe ′ n gr. Sekunde Reihe ′ n kl. Terz Reihe ′ n gr. Terz Reihe ′ n Quarte Reihe 6′ n Quinte Reihe ′ n Sexte Reihe ′ n kl. Septime Reihe ′ n gr. Septime Reihe ′ n Antiphonal C–a3 Principal 8′ n Dolce 8′ n Bordun 8′ n Traversflöte 4′ n Tuba 8′ n Tremulant n Pedal C–f1 Untersatz 32′ n Flöte 16′ n Prinzipal 16′ Subbass 16′ Quintbass ′ Octavbass 8′ n Rohrtraverse 8′ Octave 4′ n Schweizerflöte 4′ Dulcian 2′ Rauschwerk IV ′ Großterzian II ′ Mixtur V–VI 2′ Posaune 16′ Dulcian 16′ Trompete 8′ Helle Trompete 4′ Röhrenglocken 16’ Celesta Schlagwerke Gong I weich n Gong I hart n Gong II weich n Gong II hart n Tam-Tam weich n Tam-Tam hart n Snare Einzelschlag n Snare Wirbel n Große Trommel Einzelschlag n Große Trommel Wirbel n
Koppeln: I–P, II–P, III–P, IV–P, V–P, CW–P, ANT–P, III–I, IV–I, V–I, CW–I, ANT–I, I–II, III–II, IV–II, V–II, CW–II, ANT–II, IV–III, CW–III, ANT–III, V–IV, CW–IV, ANT–IV, I–V, II–V, III–V, IV–V, CW–V, CW–CW sub, CW–CW super, CW Äqual ab Anmerkung: Mit n bezeichnete Register wurden von Klais gebaut, mit tn bezeichnete Register sind teilweise neu.
Baptisterium Die Orgel des Baptisteriums wurde 2019 von der Orgelbaufirma Klais (Bonn) erbaut. Das rein mechanische Instrument hat 11 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Der Prospekt wurde in Anlehnung an die Formensprache der Hauptorgel gestaltet und greift das Segelmotiv wieder auf.Informationen zur Orgel des Baptisteriums auf der Website der Erbauerfirma
I Rückpositiv C–f3 1. Copula 8′ 2. Flauten 4′ Quinte (vorab Nr. 3) ′ 3. Sesquialter II ′ Tremulant II Hauptwerk C–f3 4. Principal 8′ 5. Gamba 8′ 6. Bordun 8′ 7. Octav 4′ 8. Quinte ′ 9. Mixtur III 2′ Pedal C–f1 10. Subbass 16′ 11. Gedacktbass 8′ Koppeln: I/II, I/P, II/P
Glocken Das fünfstimmige, pentatonisch aufgebaute GeläutName, Masse und Schlagton lt. Tafel im Kircheneingang. 20. Januar 2012. wurde im Jahre 1962 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen. Benutzt wurde dabei das Material der Glocken aus der alten Nikolaikirche.Videoaufnahme der Glocken bei YouTube.de
Glocke Name Durchmesser Masse Schlagton 1 Friedensglocke 2.170 mm 7.354 kg g0 2 Apostelglocke ≈1.900 mm 4.751 kg a0 3 Vaterstadtglocke ≈1.590 mm 2.639 kg c1 4 Nikolausglocke ≈1.400 mm 1.945 kg d1 5 Ewigkeitsglocke ≈1.320 mm 1.590 kg e1
Fotografien
Siehe auch Hauptpastoren an St. Nikolai Hamburger Knabenchor Liste von Kirchen, die nach dem Hl. Nikolaus benannt sind
Literatur
Weblinks
St. Nikolai am Klosterstern - Kirche und Ausstattung auf der Website der Gemeinde Website der Kantorei St. Nikolai
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Hamburg-Ost Hamburg Kategorie:Kulturdenkmal in Hamburg-Harvestehude Kategorie:Erbaut in den 1960er Jahren Kategorie:Bauwerk der Moderne in Hamburg Nikolai Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Hamburg Kategorie:Geläut Nikolai Hamburg Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Bauwerk im Bezirk Eimsbüttel