Reichenfels ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wolfsberg in Österreich, im Bundesland Kärnten.

Geographie Reichenfels liegt im Oberen Lavanttal zwischen der Packalpe und den Seetaler Alpen. Nördlich des 87,21 km² großen Gemeindegebiets verläuft die Landesgrenze zur Steiermark.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde zählen vier Ortschaften, die zugleich auch Katastralgemeinden sind (in Klammern Einwohner Stand ): Reichenfels () St. Peter im Lavanttal () Sommerau () Weitenbach ()

Nachbargemeinden

Geschichte Der Name Reichenfels (ursprünglich Castrum Richenvelse) leitet sich von den Gold- und Silbervorkommen ab, die auf dem heutigen Gemeindegebiet schon in der Römerzeit abgebaut wurden. Diese Bodenschätze waren auch für die mittelalterliche Blüte des Ortes verantwortlich.

Seit dem 11. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum fränkischen Bistum Bamberg. Die Burg Reichenfels wurde 1227 erstmals erwähnt. Der Ort wurde 1457 zum Markt erhoben. Bis ins 18. Jahrhundert blieb das Gebiet bambergisch, erst unter Maria Theresia wurde Reichenfels 1759 österreichisch.

Die Gemeinde Reichenfels konstituierte sich im Jahr 1850. 1958 wurde ihr die bis dahin selbständige Ortsgemeinde St. Peter angeschlossen.

Bevölkerungsentwicklung

Die Abnahme der Bevölkerung von 2001 bis 2011 ist auf die Abwanderung zurückzuführen. Die Geburtenbilanz war mit +45 positiv, die Wanderungsbilanz jedoch mit −230 negativ. Laut Volkszählung 2001 hatte Reichenfels 2.083 Einwohner. Davon waren 97,4 % österreichische Staatsbürger. 95,5 % der Bevölkerung bekannten sich zur römisch-katholischen und 1,5 % zur evangelischen Kirche. 1,0 % war ohne religiöses Bekenntnis.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Reichenfels mini|hochkant|Pfarrkirche St. Peter im Lavanttal

Burgruine Reichenfels: Die Ruine besteht aus wenigen Resten. Katholische Pfarrkirche Reichenfels hl. Jakobus der Ältere: Die Kirche, die sich im Zentrum des alten Marktes erhebt, wurde im 13. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut, im Laufe der Zeit jedoch mehrfach umgebaut und erneuert. Sehenswert sind der mächtige Ostturm mit dem barocken Zwiebelhelm, ein gotischer Taufstein, der barocke Hochaltar und der romanische Rundkarner im alten Friedhof. Katholische Pfarrkirche St. Peter im Lavanttal hll. Peter und Paul: Die wohl älteste Kirche des Oberen Lavanttales. Das Gotteshaus wird schon 931 urkundlich erwähnt. 1480 wurde die romanische Kirche von den Türken zerstört und danach im Baustil der Gotik wieder errichtet. Sehenswert sind neben dem mächtigen Westturm vor allem ein achteckiger spätgotischer Taufstein und der Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert. Im alten Bergbaugebiet in der Sommerau errichteten Knappen im Mittelalter eine kleine Kirche, die dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist die älteste Oswaldikirche Kärntens.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftlich dominierend in der ländlich geprägten Gemeinde ist die Holzwirtschaft. Daneben gibt es Sommertourismus.

Wirtschaftssektoren Von den 133 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 wurden 57 im Haupt-, 66 im Nebenerwerb, 2 von Personengemeinschaften und 8 von juristischen Personen geführt. Im Produktionssektor arbeiteten 126 Erwerbstätige im Bereich Herstellung von Waren und 38 in der Bauwirtschaft. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (40), Handel (30), Beherbergung und Gastronomie (24) und Verkehr (18 Mitarbeiter). WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige202120112001202120112001Land- und Forstwirtschaft831331349912990Produktion222217127164194Dienstleistung545450156134157

Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 lebten 960 Erwerbstätige in Reichenfels. Davon arbeiteten 290 in der Gemeinde, siebzig Prozent pendelten aus.

Verkehr Eisenbahn: Reichenfels liegt an der Lavanttalbahn. Derzeit fahren nur Güterzüge, der Personenverkehr wurde 2010 eingestellt (Stand 2021). Straße: Die Obdacher Straße B78 durchquert das Gemeindegebiet und bietet etwas über 10 Kilometer entfernt eine Anbindung an die Süd Autobahn A2.

Politik mini|Gemeindeamt Gemeinderat Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder.

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1997: SPÖ 10, ÖVP 4, FPÖ 4, GRÜNE 1. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2003: SPÖ 11, ÖVP 6, FPÖ 2.(19 Mitglieder) Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2009: ÖVP 7, SPÖ 6, BZÖ 6.(19 Mitglieder) Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015: ÖVP 6, SPÖ 6, FPÖ 3. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2021: SPÖ 7, ÖVP 6, FPÖ 2.

Bürgermeister

1997–2004 Otto Monsberger (SPÖ) 2005–2009 Horst Friedl (SPÖ) seit 2009 Manfred Führer (ÖVP), abgerufen am 17. März 2009.

Wappen Obschon seit Mitte des 15. Jahrhunderts Markt, wurde Reichenfels erst am 24. März 1557 durch Bischof Georg von Bamberg das Recht zur Führung eines Siegels gewährt. Dabei handelte es sich nicht um eine förmliche Verleihungsurkunde, sondern lediglich um die Gewährung des Rechts von Richter, Rat und Gemeinde, bürgerliche Kaufkontrakte über Realitäten sowie Geburtsurkunden mit diesem Siegel zu unterfertigen. Das Siegel zeigte den Pfarrpatron, den Apostel Jakobus den Älteren, als Ganzfigur mit Pilgerstab und Mantel, der in seiner Linken ein Wappen mit einem zerklüfteten Fels und zwei Jakobsmuscheln hielt.

Der Heilige Jakobus fungierte auch noch in jüngeren Darstellungen als Schildhalter oder (in einem Siegel aus dem Jahr 1595) gar als Hauptfigur des Reichenfelser Wappens. Anlässlich der förmlichen Bescheinigung bzw. Verleihung von Wappen und Fahne im Jahr 1971 ist jedoch auf Empfehlung des Landesarchivs nur noch der „redende“ Binnenschild mit dem altkristallinen Felsen (der „reiche Fels“) und den beiden silbernen Jakobsmuscheln, die auf den Patron hinweisen, verblieben.

Die amtliche Blasonierung des Wappens lautet:

Die Fahne ist Blau-Weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Gemeindepartnerschaften seit 1975 mit Aurachtal in Mittelfranken (Deutschland).

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Josef Baumgartner (1809–1880), österreichischer Landwirt und Politiker Konrad Walcher (1871–1928), Geistlicher und Politiker der CS Ferdinand Gollob (1940–2016), Volksmusikant

Literatur

Rosemarie Eichwalder: Reichenfels im Lavanttal. Eine Ortsgeschichte des Marktes bis zum Verkauf der bambergischen Besitzungen in Kärnten an Maria Theresia. (Dissertation, Univ. Graz). Gedruckte Ausgabe im Eigenverlag, Wolfsberg 2008, ohne ISBN. Werner Thelian: Reichenfels – Ein Markt im Wandel der Zeit. Eigenverlag, Bad St. Leonhard 1996, ohne ISBN.

Weblinks

Marktgemeinde Reichenfels

Einzelnachweise