Guatemala ([], offiziell Republik Guatemala, spanisch República de Guatemala) ist mit etwa 18,5 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Zentralamerikas. Guatemala liegt südlich der Halbinsel Yucatán, grenzt an zwei Ozeane – den Pazifik im Westen und das zum Atlantik gehörige Karibische Meer im Osten – sowie an vier Nachbarstaaten: Mexiko im Norden, Belize im Nordosten, Honduras im Südosten und El Salvador im Süden.
In den 2010er Jahren entwickelte sich das Land unter mehreren rechtsgerichteten Staatschefs von einer bereits stark angeschlagenen Demokratie immer weiter in Richtung Diktatur. Vor allem ab 2020, mit der Machtübernahme durch Präsident Alejandro Giammattei als Präsident, spitzten sich die Probleme zu. So wurden beispielsweise Journalisten politisch inhaftiertzeit.de, abgerufen am 15. Juni 2023. und Richter angeklagt, die Korruption verurteilten. Zur Präsidentschaftswahl 2023 wurden mehrere aussichtsreiche Gegenkandidaten nicht zugelassen. Dennoch wurde der sozialliberale Oppositionskandidat Bernardo Arévalo zum Präsidenten gewählt und 2024 vereidigt. Seine bisherigen Versuche der Re-Demokratisierung verlaufen jedoch noch schleppend aufgrund des übrigen über die Jahre aufgebauten rechtsgerichteten Staatsapparates.
Geographie Lage Guatemala liegt in Zentralamerika auf 15° 30′ Nord, 90° 15′ West. Damit befindet sich auch der geographische Mittelpunkt des amerikanischen Doppelkontinents in Guatemala, genauer in der Stadt Cuilapa. Die Fläche des Staates entspricht in etwa der Fläche der neuen Bundesländer in Deutschland.
Es grenzt im Norden an Mexiko (962 km gemeinsame Grenze), im Osten an Belize (266 km), im Südosten an Honduras (256 km) und im Süden an El Salvador (203 km). Die Gesamtlänge der Grenze beträgt somit 1687 Kilometer.
Geomorphologie Die Region an der Pazifikküste wird als Costa Sur (Südküste) bezeichnet. Es handelt sich um einen 40 bis 50 Kilometer breiten, rund 240 Kilometer langen Flachland-Streifen, dessen natürliche Vegetation von Trockenwald geprägt ist. Die Küstenlinie ist kaum strukturiert und weist nur sehr vereinzelt Nehrungen auf. Der Strand besteht hauptsächlich aus schwarzem Sand. Die Küstenlandschaft besteht im Wesentlichen aus Schwemmland, das sich aus den Ablagerungen der Flüsse gebildet hat.
An die Küstenregion schließt sich nördlich der schmale, höher gelegene Boca Costa an. Auch dort sind die Böden sandig. Das Gelände weist mitunter extreme Höhenunterschiede auf kurzer Entfernung auf und ist von Nebelwald bedeckt.
Das zentrale Hochland, der Altiplano de Guatemala, macht rund ein Viertel der Landesfläche aus, erreicht eine Breite von 100 bis 150 Kilometern und ist von mehreren von Nordwest nach Südost verlaufenden Gebirgsketten geprägt, unter anderem von der Sierra Madre de Chiapas im Süden und der Sierra de los Cuchumatanes im Norden des Hochlands. Teil der Sierra Madre de Chiapas ist eine Vulkankette. In ihrem Westen befindet sich einer der höchsten Vulkane Mittelamerikas, der Tajumulco. Mit seinen überragt er das Hochland von Guatemala. In Richtung Osten nimmt die Höhe der Vulkane ab. Es handelt sich in der Mehrheit um vergleichsweise junge Schichtvulkane, die durch das Aufeinandertreffen von Cocosplatte, Karibischer und Nordamerikanischer Platte entstehen. Siehe hierzu auch Liste von Vulkanen in Guatemala. Das übrige Hochland liegt meist auf 1500 bis 3000 Metern Höhe. Der Untergrund setzt sich vor allem aus Granit und Schiefer sowie geologisch alten Kalk- und Sandsteinen aus dem Paläozoikum sowie deren Verwitterungsprodukten zusammen. Das Hochland ist von Grasflächen des Páramo und von Bergregenwald bedeckt. Der Altiplano ist die bevölkerungsreichste Region Guatemalas; unter anderem befinden sich dort die Hauptstadt und die nächstgrößten Städte, die meist in klimatisch günstigen Tälern angelegt sind.
Das Gebiet östlich und nordöstlich der Hauptstadt bis an den Izabal-See und die Grenze zu Honduras und El Salvador wird als Oriente bezeichnet. Es handelt sich um ein überwiegend trockenes Gebiet. Der Páramo geht teilweise in Dornstrauchsavanne über. Lediglich am Motagua-Fluss erstreckt sich eine fruchtbare Ackerbau-Region.
Im Nordosten des Landes um den Izabal-See herum und an der Karibikküste sind dagegen von reichlich Niederschlägen und tropischem Regenwald geprägt.
Die Regionen nördlich des zentralen Hochlands weisen gemäßigtes Klima, hohe Niederschlagsmengen und Übergänge zwischen tropischem Regenwald, Nebelwald und Berg-Regenwald auf. Die Landschaft ist vielerorts von stark verkarstetem Kalkgestein geprägt.
Der nördlichste Landesteil, Petén, ist Tiefland mit fast durchgehendem tropischen Regenwald. Lediglich an der Grenze zu Belize gibt es eine größere Kiefernsavanne. Die Geologie ist von der teilweise verkarsteten Kalktafel der Halbinsel Yucatán geprägt. Die Region macht den größten Teil der Landesfläche aus, ist aber nur dünn besiedelt.
Klima Der flache und fruchtbare Küstenstreifen am Pazifik hat durchgehend feuchttropisches Klima, die größten Regenmengen mit bis zu 5000 Millimetern im Jahr gehen allerdings an der Karibikküste sowie über dem Petén im Norden nieder. Prägende Luftströmung und wichtigste Regenquelle ist der Nordostpassat.
Das Hochland ist von sehr unterschiedlichen Klimazonen geprägt. Wegen seiner Lage zwischen 1300 und 1800 Metern über dem Meer herrscht fast das ganze Jahr über ein mildes Klima mit Tagestemperaturen zwischen 18 und 28 Grad Celsius. In höheren Lagen kann die Lufttemperatur vor allem im Januar und Februar stark sinken. Darüber hinaus beginnt in den Bergen jedes Jahr Anfang Mai eine ausgeprägte Regenzeit mit täglichen, intensiven Regenfällen. Die Regenzeit endet im Oktober. Da die Passatwolken im Wesentlichen im Nordstau des Hochlands abregnen, sind in den höhergelegenen Regionen des Altiplano lediglich 600 bis 1500 Millimeter Regen im Jahr zu verzeichnen.
An beiden Küsten sowie im Petén erreicht die mittlere Jahrestemperatur mit 26 Grad Celsius den Höchstwert. Im westlichen Altiplano werden mit knapp unter 15 Grad die niedrigsten Durchschnittstemperaturen erreicht.
Im Oktober 2005 sorgte der Hurrikan Stan vielerorts für Überschwemmungen und Schlammlawinen. Laut Weltrisikobericht 2021 liegt Guatemala auf Rang 10 der Länder mit dem weltweit höchsten Katastrophenrisiko.
Flora und Fauna Rund 35 Prozent der Landesfläche sind von Wald bedeckt, 45,4 Prozent davon werden bewirtschaftet (Stand 2006). Die übrige Waldfläche steht unter Naturschutz. Größtes Schutzgebiet ist das Maya-Biosphärenreservat im Norden des Landes. Der Naturschutz wird allerdings in allen Landesteilen chronisch missachtet, sodass ein zunehmender Waldverlust zu verzeichnen ist.
Der nördliche Teil des Landes ist größtenteils von tropischem Regenwald bedeckt. Der zentrale Landesteil besteht hingegen wegen der starken Trockenheit und großer Höhe aus Kiefernsavanne, während die Gebirgsseiten hauptsächlich tropische Berg- und Nebelwälder aufweisen. Die Binnenhochländer sind trockener und verfügen über typische Savannenvegetation mit Grasfluren und einzelnen Bäumen sowie an gewissen Stellen auch Mischwälder aus Kiefern und Eichen. Das Tiefland an der Küste des Pazifiks ist im Osten mit Trockenwald, im Westen mit tropischem Feuchtwald bewachsen, während das Tiefland am Karibischen Meer auch tropischen Feuchtwald aufweist. An den Küsten sind auch kleine Mangrovenwälder vorhanden.
Vor allem in den bewaldeten Tiefländern gibt es eine reiche Artenvielfalt. Obwohl seltener geworden, findet man Affen und Tapire genauso wie Ozelots, Jaguare und Nabelschweine. Unter den Reptilien des Regenwalds sind insbesondere zahlreiche Schlangenarten sowie Krokodile und Leguane hervorzuheben. Auch gibt es in den Regenwäldern zahlreiche Vogelarten. Zum Beispiel ist der etwa 35 cm große Quetzal – das Wappentier von Guatemala – mit seinen grün schillernden Federn, die bis zu einem Meter lang werden können, einer der farbenprächtigsten Vögel des tropischen Regenwalds.
Städte Im Jahr 2023 lebten 53 Prozent der Einwohner Guatemalas in Städten. Das Hochland ist das kulturelle und bevölkerungsreichste Zentrum Guatemalas. In einem tiefergelegenen Teil dieser Hochlandregion liegt die heutige Hauptstadt Guatemala-Stadt. Die wichtigsten Städte haben folgende Einwohnerzahlen (Stand 1. Oktober 2013):
Bevölkerung Demografie
Guatemala hatte 2022 17,4 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1,4 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 20,9 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,8 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,4, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Die Lebenserwartung der Einwohner Guatemalas ab der Geburt lag 2022 bei 68,7 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 22,1 Jahren. Im Jahr 2023 waren 31,9 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, während der Anteil der über 64-Jährigen 4,9 Prozent der Bevölkerung betrug.
+ BevölkerungsentwicklungJahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl19503.115.00019909.264.00019604.211.000200011.651.00019705.622.000201014.630.00019807.283.000202016.858.000
Bevölkerungsstruktur 56,0 % der Guatemalteken sind Mestizen. Die europäisch-indianische Bevölkerungsgruppe trägt im Gegensatz zu den anderen Ländern Mittelamerikas die Bezeichnung Ladinos. Weitere 41,7 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Angehörige der Völkergruppe der Maya und 1,8 % sind Xinka (nicht zu den Maya gehörige Indigene). Mehr als 20 indigene Volksgruppen werden im Land gezählt. Der Rest der Bevölkerung ist asiatischer Abstammung oder zählt zu den Garifuna, an der Karibikküste lebenden Nachkommen von Angehörigen der indigenen Völker der Kariben und Arawak sowie entflohener afrikanischer Sklaven der Insel St. Vincent.
Guatemala ist ein Auswanderungsland und viele Menschen haben das Land verlassen. Für das Jahr 2015 wurde die Emigrantenquote auf 5 % der Bevölkerung geschätzt. Das Land selbst erhält nur wenige Migranten und gehört zu den Ländern mit einem der niedrigsten Ausländeranteile weltweit. Im Jahre 2017 waren 0,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Sprachen und Dialekte Alleinige Amtssprache Guatemalas ist Spanisch.Artikel 143 der Verfassung Constitución de Guatemala Es ist die Sprache der Mestizen und der europäischstämmigen Bevölkerung und ist die Muttersprache von rund 70 % der Guatemalteken. Daneben sind weitere sieben Sprachen anerkannt. Dazu zählen neben einigen Maya-Sprachen (wie der Kekchí-Sprache und der Quiché-Sprache mit jeweils über 1 Million Sprechern) beispielsweise auch die Arawak-Sprache der Garifuna, das Igñeri. Bei den Garifuna, die enge Verbindungen mit Belize unterhalten, ist auch Englisch mit karibischem Einschlag sehr weit verbreitet. Die Xinca-Sprache wird nur noch von einigen älteren Menschen gesprochen. Hinzu kommen weitere Maya-Sprachen, die teilweise starke regionale Unterschiede aufweisen. Insgesamt werden in Guatemala 53 verschiedene indigene Sprachen und Idiome gesprochen, davon 22 Maya-Sprachen: