mini|250px|Katholische Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist von Nordosten mini|250px|Ensemble der Riedenburger Altstadt mit der Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist, im Hintergrund das Schloss Rosenburg (links) und die Burgruine Tachenstein (rechts) St. Johann Baptist ist die römisch-katholische Stadtpfarrkirche von Riedenburg im niederbayerischen Landkreis Kelheim. Das spätbarocke Gotteshaus steht erhöht am Rande der Altstadt, am Hang unterhalb der Rosenburg. Charakteristisch für die Kirche ist der noch aus gotischer Zeit stammende Turm mit einem sehr hohen und schlanken Spitzhelm, wie er sonst nur im Alpenraum zu finden ist. Zur Pfarrgemeinde gehören auch die Nebenkirche St. Anna, das Gotteshaus des gleichnamigen Klosters und die Filialkirche St. Martin, eine romanische Burgkapelle des 12. Jahrhunderts, im Stadtteil Aicholding. Die Riedenburger Pfarrkirche gehört zu den geschützten Baudenkmälern in Bayern., Denkmalnummer D-2-73-164-9.
Geschichte Bereits seit dem 13. Jahrhundert ist an der Stelle der heutigen Stadtpfarrkirche eine kleinere Kirche nachgewiesen, die seit jeher Johannes dem Täufer (Gedenktag: 24. Juni) geweiht war. Der Bau der heutigen, spätbarocken Kirche unter Einbeziehung des mittelalterlichen Turmes erfolgte im Jahr 1739. Der Baumeister ist unbekannt; jedoch spricht die Gesamtheit der Stilelemente für den Landshuter Hofmaurermeister Johann Georg Hirschstötter, der diese acht Jahre später beim Bau der Pfarrkirche St. Andreas in Hofendorf in noch konzentrierterer Form angewendet hat.Kultur & Erlebnis – Kirchen. Online auf riedenburg.de; abgerufen am 9. April 2016.Lampl, S. 8f.
Es ist nachgewiesen, dass St. Johann Baptist in Riedenburg spätestens seit dem 14. Jahrhundert eine Filialkirche der Pfarrei Schambach (heute Ortsteil von Riedenburg) war, einer sogenannten Urpfarrei, aus der im Laufe der Zeit zahlreiche Pfarreien in der Gegend ausgegliedert wurden. Nachdem Riedenburg als Kuratie mit eigenem Seelsorger bereits eine gewisse Selbstständigkeit erhalten hatte, konnte im Jahr 1921 eine eigene Pfarrei gegründet werden.Geschichte. Online auf www.st-johannes-riedenburg.de; abgerufen am 9. April 2016.
Architektur Außenbau mini|Pfarrkirche St. Johann Baptist Der nach Osten ausgerichtete Saalbau besteht aus einem Langhaus zu dreieinhalb Jochen und einem nur wenig schmäleren Chor, zu dem am Außenbau lediglich eine Rundung an Wänden und Dachtraufe überleitet. Diese korrespondiert mit den Rundsäulen am westlichen Ende des Langhauses. Der Chor ist wie die im zweiten Joch von Osten beiderseits angebauten Seitenkapellen in Form einer halbrunden Apsis geschlossen. Aufgrund der knappen Länge des zur Verfügung stehenden Hanggrundstücks ist St. Johann Baptist im Vergleich zu anderen Barockkirchen eher breit proportioniert. Die gelb getünchten Außenwände sind lediglich durch die von Lisenen eingefassten Fensteröffnungen gegliedert. Diese sind im Langhaus hochrechteckig mit leicht eingezogenem, rundbogigem Abschluss; darüber sind wie in den Seitenapsiden kreisrunde Oculi angeordnet. Der Chor hat dieselbe zweigeschossige Fensteranordnung; jedoch sind die unteren Fenster als sogenannte Bassgeigenfenster in kurvierter Form gestaltet, wie sie in Rokokokirchen der Landshuter Gegend häufiger zu finden sind.
Auf der Westseite stößt der Barockbau an den noch aus gotischer Zeit stammenden Turm, der zum Kirchenschiff etwa mittig positioniert ist und leicht in das Langhaus einspringt. Der schlanke, nahezu quadratische Turmunterbau ist weitgehend ungegliedert, während es oberhalb der allseitigen Turmuhren jeweils auch rundbogig abschließende Klangarkaden gibt. Durch vier Dreiecksgiebel vermittelt, ergibt sich der Übergang zu dem achtseitigen, sehr spitzen Turmhelm, der mit Kugel und Kreuz bekrönt ist. An der Nordseite des Turmes ist eine nach außen offene Kapelle angebaut, die sogenannte Kerkerkapelle mit einer Darstellung des Schmerzensmannes. An der Südseite des Langhauses steht die Sakristei.
Innenraum mini|links|Innenraum mit Blick zur Empore mini|Innenraum Aufgrund der großzügigen Breite des Kirchenbaus und der zahlreichen Fenster mit schrägen Gewänden, mit denen wie auch mit dem Solnhofener Plattenkalk als Bodenbelag eine Streuwirkung des Lichts erzielt wird, macht der Innenraum einen weiten und lichten Eindruck. Er ist von einem flachen Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt, das als sogenanntes Schalgewölbe über eine Holzkonstruktion am Dachstuhl aufgehängt ist. Es entspringt aus einem rundum laufenden, profilierten Kranzgesims, das wiederum auf flachen Pilastern abgestützt ist, welche zugleich die Jochgliederung übernehmen. Der Altarraum ist lediglich um eine Stufe erhöht und durch einen kaum merklichen, aufgrund der Gewölbeform gedrückten Chorbogen vom Langhaus abgesetzt. Im rückwärtigen Halbjoch des Langhauses ist eine Doppelempore eingezogen. Deren unteres Geschoss ruht auf Rundsäulen; das obere Geschoss, auf dem die Orgel steht, wird von verputzten, rechteckigen Holzpfeilern mit Karyatidenengeln getragen. Die Brüstungen beider Emporengeschosse sind in der Mitte nach vorne gewölbt.
Ausstattung Fresken und Stuck mini|Deckenstuck und Malerei im Chor Seitenwände und Decke sind mit spätbarocken Stuckornamenten in Pastelltönen auf weißem Kalkgrund verziert, die in ihren Formen teilweise bereits auf das beginnende Rokoko verweisen. Hauptelemente sind Bandelwerk, Akanthusrankwerk, Muschelwerk, Blütengehänge, Rosetten, asymmetrisch berandete Kartuschen, Drachenkämme und Lambrequins. In den Stichkappen ist der Stuck als illusionierte Brokatstoffe modelliert, die Kanten der Stichkappen sind von Profilstuckleisten eingerahmt. Am Chorbogen befindet sich ein geschwungenes Spruchband mit der Aufschrift „VIDI SPIRITUM DESCENDENTEM QUASI COLUMBAM DE COELO“ (Ich sah den Geist vom Himmel heruntersteigen wie eine Taube, ).Lampl, S. 10f.
Die beiden Deckenfresken sind von klaren Profilstuckrahmen umgeben: das kleinere im Chor von einer einfachen, ovalen Kontur; das größere im Langhaus von einer geschwungenen Kontur mit vier Voluten, aus denen jeweils ein Akanthuswedel in das Innere des Bildes ragt. Beide Fresken wurden im Jahr 1937 von dem berühmten Münchner Kirchenmaler Josef Wittmann neu gestaltet. Auf dem Chorfresko ist das Thema Mariä Heimsuchung dargestellt, also der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabet. Im Hintergrund sind auch Zacharias, Elisabets Ehemann, und Josef, Marias Verlobter, zu sehen. Das Motiv erinnert an das Patrozinium der Mutterpfarrei Schambach. Das weitaus größere, langgestreckte Deckengemälde im Langhaus nimmt dagegen Bezug auf das Patrozinium der Stadtpfarrkirche selbst. Es zeigt in der östlichen Bildhälfte die Taufe Jesu durch Johannes am Jordan. In der Bildmitte ist Gott Vater dargestellt, umgeben von mehreren Engeln und der Taufszene zugewandt. Darunter befindet sich die Heilig-Geist-Taube, die den Gnadenstrahl auf Jesus hinabsendet. In der westlichen Bildhälfte, die gegenüber der anderen Darstellung um 180 Grad gedreht ist, erkennt man die Predigt Johannes' des Täufers in der Einsamkeit der Wüste, in der er auf den kommenden Erlöser hinweist.
In den Zwickeln zwischen den Stichkappen des Langhauses sind in mehreren Grisaillen, die ebenfalls 1937 von Josef Wittmann gemalt wurden, Szenen aus der Vita des Täufers im Uhrzeigersinn dargestellt. Auf der Südseite sind von Ost nach West zu sehen: Die Verkündigung des Engels an Zacharias, dass ihm und seiner Frau Elisabet noch ein Sohn geboren würde; die Geburt des Täufers, bei der Zacharias mit dem Finger auf eine Tafel „Johannes soll er heißen“ schreibt und daraufhin die Sprache zurück erhält; sowie die Predigt in der Wüste, bei der Johannes auf Jesus Christus hinweist. Auf der Nordseite sind von West nach Ost folgende Szenen dargestellt: Die Bußrede des Johannes vor dem Herrscher Herodes Antipas, dem er die unrechtmäßige Ehe mit Herodias vorwirft, Der Tanz der Salome, der Tochter der Herodias, die als Belohnung für den Tanz im Auftrag ihrer Mutter das Haupt des Täufers auf einer Schüssel forderte, sowie Johannes vor seiner Enthauptung.
Hochaltar mini|Hochaltar Der im Jahr 1748 von einem unbekannten Künstler geschaffene Hochaltar zieht aufgrund seiner imposanten Größe die Blicke des Kirchenbesuchers unmittelbar beim Eintreten in das Gotteshaus auf sich. Wie die Seitenaltäre besteht er aus einem Holzaufbau mit marmorierter Fassung in Rosa-, Beige- und Grüntönen. Inmitten einer doppelten Sockelzone befinden sich die Mensa und der barocke Tabernakel, dessen Türchen mit Ähren und Trauben sowie den Buchstaben Alpha und Omega verziert sind. Darüber wird die Aussetzungsnische von zwei Pilastern und zwei Volutensäulchen eingerahmt. Daneben sitzen zwei geflügelte Anbetungsengel. Oben befindet sich entweder das Lamm Gottes oder der Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut nährt; die beiden Figuren sind austauschbar.Lampl, S. 20–22.
Über dem zweiten Sockel ragt auf beiden Seiten der Aufbau mit je zwei Rundsäulen und dazwischen angeordneten Pilastern, alle mit reich verzierten Rokoko-Kapitellen, auf und leitet den Blick durch die leicht konkave Säulenstellung zum großen Altarblatt. Dieses zeigt die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel, der ihr mit der Linken eine weiße Lilie als Symbol ihrer Keuschheit überreicht. Mit seiner Rechten weist er auf die Heilig-Geist-Taube in der Glorie. Von dieser fällt ein Gnadenstrahl auf das Haupt Mariens, das ebenfalls von einer dezenten Glorie umgeben ist. Oberhalb des Gemäldes in einem vergoldeten Rahmen befindet sich eine von zwei Putti gehaltene Kartusche mit reichem Akanthusrankwerk. Die Inschrift lautet: „AVE MARIA, GRATIA PLENA“ (Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade).
Flankiert wird das Altarblatt von den lebensgroßen Statuen von Johannes dem Täufer (links) und dem Evangelisten Johannes (rechts), die jeweils zwischen den Säulen auf dem oberen Sockel stehen. Sie werden dem Bildhauer Georg Wallner aus Parsberg in der Oberpfalz zugeschrieben. Johannes der Täufer hält in seiner rechten Hand den Kreuzstab mit der Inschrift „ECCE AGNUS DEI“ (Seht das Lamm Gottes) und blickt nach oben in die göttliche Zone am Altarauszug. Der Evangelist Johannes trägt als Attribute den Kelch mit der herauszüngelnden Schlange und das Evangeliar; er blickt auf die Maria im Hauptbild. Seitlich außen befinden sich zwei kleine Reliquienpyramiden, darüber sind an den Seiten des Altaraufbaus geschnitzte und vergoldete Akanthuswangen angebracht.
Das von den Säulen getragene, mehrfach verkröpfte Gesims, das sich in der Mitte nach oben wölbt und so eine Art Bogen über die vorgenannte Kartusche spannt, wird vom Altarauszug überragt. Dieser ist nahezu so breit wie das untere Retabel und wird wiederum von zwei Säulenpaaren und zwei einzelnen Pilastern getragen. Auf den äußeren Voluten sitzen geflügelte Engelsfiguren; weiter innen wenden sich stehende Putti zur vollplastisch gearbeiteten Auszugsdarstellung hin. Von einer Goldkugel aus segnet Jesus Christus mit seiner rechten Hand die vor ihm betenden Menschen; in seiner Linken hält er das Kreuz in Richtung seines göttlichen Vaters. Dieser thront neben ihm auf der Kugel und hält das Zepter in seiner Linken, während er die rechte Hand ebenfalls schützend über die Gläubigen hält. Von den beiden göttlichen Gestalten geht ein Strahlenkranz aus, der von dem dahinter befindlichen Oculus vor allem in der Morgensonne eindrucksvoll hinterleuchtet wird. Oberhalb davon ist unter einem Baldachin die Taube als Symbol des Heiligen Geistes dargestellt, das die Heilige Dreifaltigkeit vervollständigt.
Seitenaltäre