Der Alsergrund ist der 9. Wiener Gemeindebezirk und liegt innerhalb des Gürtels, der an Stelle des ehemaligen Linienwalls angelegt wurde. Der Bezirksname wird mit Artikel verwendet, für den Bezug auf das Bezirksgebiet wird statt in/im die Präposition am gebraucht. Der Alsergrund besteht aus Gründerzeitvierteln.

Geografie Der 9. Bezirk, Alsergrund, liegt im nördlichen Zentrum Wiens. Er ist 2,99 km² groß und damit der siebentkleinste Bezirk Wiens. Seine größte Nord-Süd-Ausdehnung erreicht der Bezirk mit 2,35 km von der Gürtelbrücke zur Universitätsstraße. Die größte Ost-West-Ausdehnung liegt zwischen Augartenbrücke und Zimmermannplatz (2 km).Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. S. 77

Der Bezirk wird vom Hernalser und vom Währinger Gürtel sowie der Heiligenstädter Straße im Westen und Nordwesten, dem Donaukanal im Osten sowie dem Straßenzug Maria-Theresien-Straße–Universitätsstraße–Alser Straße im Süden begrenzt. Benachbarte Bezirke sind Döbling im Norden, Währing und Hernals im Westen sowie die Josefstadt und die Innere Stadt im Süden. Im Osten ist der Alsergrund durch den Donaukanal von der Brigittenau und der Leopoldstadt getrennt.

Topografie Die ursprüngliche Topografie des Bezirksgebietes ist durch die starke Verbauung heute nur noch eingeschränkt zu erkennen. Der größte Höhenunterschied befindet sich zwischen dem Bauernfeldplatz (163 Meter) und der U-Bahn-Station Michelbeuern (202 Meter).

Bedeutend für die Formung des Gebietes waren die Donauarme. Neben dem Donaukanal (früher auch Wiener Arm genannt) durchfloss der Salzgriesarm das heutige Bezirksgebiet. Dieser zweigte ursprünglich in Nußdorf ab und durchfloss in etwa die heutige Linie Heiligenstädter Straße–Liechtensteinstraße–Salzgries, wo er wieder in den Donaukanal mündete. Zwischen dem Donaukanal und dem Salzgriesarm entstand der Obere Werd, eine Insel, die auch die Spittelau und die Roßau umfasste. Ab dem 13. Jahrhundert versandete der Donauarm immer mehr, sodass der Flusslauf 1750 nur noch aus einem seichten, schmalen Arm bestand, der schließlich zugeschüttet wurde.Christian Gantner: Vom Bach zum Bachkanal, Wien 2004, ISBN 3-200-00259-X, S. 44 ff. Die Uferkante ist heute noch durch den Geländeabfall zwischen der Nußsdorfer Straße bzw. Währinger Straße und der Liechtensteinstraße erkennbar, der durch mehrere Stiegenanlagen (siehe hiezu den entsprechenden Abschnitt unter Sehenswürdigkeiten) ausgeglichen wird.

Prägend für den Bezirk waren auch die heute kanalisierten Wienerwaldbäche. Der markanteste war der Alserbach, der sich bei der heutigen Kreuzung Nußdorfer Straße / Alserbachstraße mit dem Währinger Bach vereinigte und oft für Überschwemmungen, insbesondere im Lichtental, sorgte. Durch den Althangrund verlief der in der Cottage entspringende Döblinger Bach.

Die Ausläufer des Wienerwaldes bildeten auch am Alsergrund mehrere Anhöhen, auf denen im Mittelalter teilweise Weinbau betrieben wurde. Der Schottenpoint befand sich im Bereich der heutigen Berggasse, der Herzogspoint nahe der Lazarettgasse und der Sechsschimmelberg im Bereich der Sechsschimmelgasse.

Nutzung Die Flächen des Bezirks Alsergrund werden fast ausschließlich von Bau- und Verkehrsflächen eingenommen. Alleine 58,9 % des dichtbebauten Bezirksgebietes entfallen auf Baugebiet (Wien 33,32 %), wobei der Anteil von Kultur-, Sport-, religiösen und öffentlichen Einrichtungen mit einem Gesamtanteil von 23,9 % an der Bezirksfläche den höchsten Wert eines Wiener Bezirks darstellt. Der Rest der Baufläche entfällt fast zur Gänze auf Wohngebiete, Betriebsbaugebiete nehmen einen verschwindend geringen Anteil der Bezirksfläche ein. 34,6 % des Bezirks sind mit Verkehrsflächen verbaut (Wien 13,7 %), während Grünflächen (überwiegend Parkanlagen) nur 6,5 % (Wien 48,3 %) ausmachen. Landwirtschaftliche Flächen existieren auf dem früher teilweise für den Weinbau genutzten Gebiet ebenso wenig wie Wiesen und Kleingärten. Der Alsergrund verfügt heute auch über keine Gewässer mehr, da die Wasserfläche des Donaukanals zur Leopoldstadt bzw. Brigittenau gehört und die ehemaligen Bäche kanalisiert wurden.Stadtgebiet nach Nutzungsklassen und Bezirken 2013 Am Alsergrund befindet sich in der Sensengasse ein (für innerstädtische Bezirke untypischer) „Stadtwald“. In der Fläche ist er allerdings so klein, dass er statistisch selten ausgewiesen wird.

Bezirksteile Der Bezirk Alsergrund wurde 1850 aus sieben Vorstädten gebildet. Die Namen der Vorstädte sind noch heute als Namen der Bezirksteile erhalten.

Im Nordosten des Bezirksgebietes befindet sich der Althangrund, der überwiegend mit öffentlichen Einrichtungen und Infrastrukturbauten wie dem Franz-Josefs-Bahnhof, den Instituten für Geowissenschaft, Pharmazie und Biologie der Universität Wien, der ehemaligen Wirtschaftsuniversität Wien und dem Bundesamtsgebäude Josef-Holaubek-Platz verbaut ist. Im Norden befindet sich zudem die Spittelau mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau und der Verkehrsstation Wien Spittelau.

Südlich des Althangrunds schließt sich die Roßau an, die großteils mit Wohnbauten verbaut ist. Zu den wichtigsten Anlagen gehören die Roßauer Kaserne, das Servitenviertel samt dem Servitenkloster und der Jüdische Friedhof in der Seegasse. Das markante Gebäude gegenüber der Roßauer Kaserne (Oskar-Morgenstern-Platz 1) wird seit 2013 von der Universität Wien unterhalten: Die Fakultäten für Mathematik sowie für Wirtschaftswissenschaften haben hier ihren Sitz. Auch das Gartenpalais Liechtenstein gehört zur Roßau und nicht zum nördlich gelegenen Lichtental, einem Wohngebiet mit gleichnamiger Pfarrkirche, ehemalige Wirkungsstätte Franz Schuberts.

Im Süden des Bezirksgebietes liegt die Alservorstadt, deren südlicher Teil 1861 dem 8. Bezirk, Josefstadt, zugeschlagen wurde. Der Bezirksteil ist großflächig mit universitären Einrichtungen wie dem Campus der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien bebaut. Zudem liegen in der Alservorstadt die Votivkirche und das St.-Anna-Kinderspital.

Im Westen, am Gürtel, liegt der Bezirksteil Michelbeuern, dessen südlicher Teil praktisch vollständig vom Wiener AKH eingenommen wird. Nördlich davon liegt der Himmelpfortgrund. Dieser Bezirksteil ist fast ausschließlich mit Wohnhäusern bebaut, aber auch mit dem Sanatorium Hera.

Der ebenfalls nördlich gelegene Thurygrund ist zweigeteilt und ebenfalls hauptsächlich Wohngebiet.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die sechs Zählbezirke am Alsergrund sind Lichtental-Spittelau, Roßau, Allgemeines Krankenhaus, Nußdorfer Straße-Volksoper, Liechtensteinstraße und Universitätsviertel.

Wappen 150px|rechts|Wappen vom Alsergrund Das Bezirkswappen wurde 1904 von Hugo Gerard Ströhl entworfen und setzt sich aus den Siegeln der ehemaligen Vorstädte zusammen. Der Schild im Zentrum des Wappens steht für den namensgebenden Bezirksteil, die Alservorstadt. Er zeigt eine auf einem Ast sitzende Elster vor gelbem Grund und steht für den namensgebenden Alserbach. Dieser wurde umgangssprachlich auch Alsterbach (= Elster) genannt. Der vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) obere Wappenteil steht für den Michelbeuerngrund, dessen Wappen ursprünglich ebenfalls eine Elster zeigte. 1986 wurde dieser Teil durch das Wappen des ursprünglichen Grundherrn (Abtei Michaelbeuern) mit zwei Flügeln des Erzengels Michael in geteiltem, rotem bzw. blauem Feld ersetzt. Das mittlere Feld in der oberen Reihe steht für den Bezirksteil Himmelpfortgrund und zeigt das Osterlamm mit Kreuzfahne. Abgeleitet wurde die Darstellung vom Siegel der Grundherren des Himmelpfortklosters. Im rechten oberen Feld befindet sich eine Darstellung Johannes des Täufers mit Kirchenmodell, Lamm und Fahne. Es symbolisiert dabei den Namenspatron des Gründers des Thurygrundes, Johann Thury. Das linke Feld in der unteren Reihe steht für den Bezirksteil Lichtental. Es ist ein sprechendes Wappen mit einem steilen, sonnenbeschienenen Tal, über dessen beiden Seiten je ein Haus thront. Daneben symbolisiert ein Hirsch mit einem Kreuz im Geweih den Althangrund. Christoph Johann Graf Althan war oberster Hof- und Landjägermeister. Im letzten Feld im rechten, unteren Bereich symbolisieren Bäume auf blauem Grund die ehemalige Aulandschaft der Roßau.Wolf: Alsergrund. Bezirk der Dichter und Denker. S. 34

Geschichte

mini|Zinshäuser verdrängen die traditionelle Vorstadt um 1900. August Stauda: Liechtensteinstraße 117, Hofansicht, 1904 mini|Zentrale der Fernwärme Wien mit der Müllverbrennungsanlage Spittelau und rechts die Hochtrasse der ehemaligen Verbindungsbogen-Bahnstrecke Römerzeit und Frühmittelalter Die frühsten Ausgrabungen am Alsergrund stammen aus der Römerzeit, als der Limes durch den Bezirk führte. Zu den erhaltenen Überresten dieser Zeit zählen Reste der Straße, Grundmauern eines Limesturmes, Überreste der Lagervorstadt sowie einige Votivsteine und Altäre.

Erste Besiedelungen erfolgten um das Jahr 800 durch bayrische Kolonisten, die mit St. Johann an der Als eine von mehreren stützpunktartig angelegten Kirchensiedlungen entlang des Limes gründeten. Ein weiterer früher Besiedelungspunkt befand sich im heutigen Bezirksteil Michelbeuern, wo ein Hof der Benediktinerabtei St. Michael zu Beuern erstmals 1072 urkundlich genannt wurde.

Hoch- und Spätmittelalter Um St. Johann an der Als entwickelte sich im Hochmittelalter eine erste Siedlung (Siechenals), die über ein Hospital und eine Kirche auf einem Hügel rechts der Als verfügte. 1158 überantwortete Heinrich der II. Jasomirgott dem Schottenstift den Grundbesitz und das Pfarrrecht des Gebietes zwischen dem Tiefen Graben, der Kirche St. Johann und der Als bis zur Mündung in die Donau. Wichtigste Einnahmequelle des Gebietes war der Weinbau am sogenannten „Schottenpoint“.

Auch am heutigen Donaukanal entwickelte sich ein kleines Fischerdorf, dessen Kirche 1255 als St. Johann im Werd erstmals genannt wurde. Am Schottenpoint ist des Weiteren 1239 das Maria-Magdalen-Kloster belegt, in nächster Nähe befand sich der Neuburgerhof (Klosterneuburger Hof) des Stifts Klosterneuburg. Neben dem Weinbau wurde auch Löss abgebaut und Ziegel erzeugt. Einer der Öfen löste 1276 einen Großbrand aus, der neben dem Fischerdorf auch die Stadt Wien vernichtete. Nur 150 Häuser der Stadt blieben verschont.

Das Fischerdorf wurde in der Folge wiederaufgebaut, befand sich im 13. und 14. Jahrhundert in ständig wechselndem Besitz verschiedener Klöster. Die sogenannte Fischervorstadt verfügte jedoch immerhin über eine eigene Pfarrkirche. Die Bewohner lebten vor allem vom Fischfang. 1477 und 1485 war das heutige Bezirksgebiet vom Ungarnkönig Matthias Corvinus besetzt, der die Stadt Wien belagerte. 1486 konnte Matthias Corvinus schließlich in Wien einziehen.

Frühe Neuzeit Als 1529 die Türken unter Süleyman II. Wien erreichten, wurden die äußeren Verteidigungsanlagen aufgegeben. Durch das in Brand Stecken der Vorstädte sollte den Türken die Deckungsmöglichkeiten genommen werden, wobei der Maßnahme auf dem heutigen Bezirksgebiet das Maria-Magdalena-Kloster, der Klosterneuburger Hof, die Kirche St. Johann im Werd sowie die Kirche und das Lazarett von Siechenals mit dem gleichnamigen Dorf zum Opfer fielen.

Die ehemaligen Verteidigungsanlagen wurden 1538 abgebrochen und um die Stadt ein Glacis errichtet. Das Stadtumland wurde durch begradigte Straßenachsen neu erschlossen und auf dem ehemaligen Klosterareal Weingärten angelegt. Während der Ort Siechenals verödete, wurden das Lazarett und die Kirche wiedererrichtet. Am Donaukanal siedelten sich zudem Mitte des 16. Jahrhunderts Glashütten an. Durch die Erweiterung des Glacis musste unter anderem das Fischerdörfchen am Donaukanal abgebrochen werden.