mini|hochkant|Hadza üben Bogenschießen mini|Verbreitungsgebiet des Hadza-Volkes (dunkelgrau) in Tansania
Die Hadza (auch Hadzabe, Hadzapi, Tindiga, Watindiga, Kindiga, Kangeju) sind eine Volksgruppe im zentralen Norden des ostafrikanischen Staates Tansania, deren Zahl heute auf ungefähr 1000 Menschen geschätzt wird.“There are about a thousand people whose first language is Hadzane.” Nicholas Blurton Jones: Demography and Evolutionary Ecology of Hadza Hunter-Gatherers. Cambridge University Press, Cambridge 2016, ISBN 978-1-107-06982-4, erster Satz der Einleitung auf Seite 3. Sie leben verstreut an den Ufern des Eyasi-Sees im zentralen Ostafrikanischen Graben, mit einer Position von etwa 35° östlicher Länge und 3° südlicher Breite, in südlicher Nachbarschaft zum Ngorongoro-Naturschutzgebiet sowie in der benachbarten Serengeti-Ebene. Dieses unzugängliche und wenig fruchtbare Gebiet von Savanne und Waldland, dessen Größe im 21. Jahrhundert mit etwa 4000 Quadratkilometern"They live in a 4000 km2/1544 sq. mile region of northern Tanzania, south of the Serengeti, in a savanna woodland habitat around the shores of Lake Eyasi." Alyssa Crittenden: Hadza. In: Bernard Wood (Hrsg.): Wiley Blackwell student dictionary of human evolution. Wiley, Oxford 2015, ISBN 978-1-4051-5506-9, S. 168. oder zwei Dritteln dieser FlächeSo in der Reportage von Michael Finkel: The Hadza. S. 105: “The Hadza, who once moved freely over 4,000-plus square miles of the Great Rift Valley, are down to a quarter of their homeland […]” / Vergleiche unten Der geographische Rahmen. angegeben wird, stellt ein letztes Rückzugsgebiet von einem früher erheblich größeren Lebensraum dar.
Die Hadza sind traditionell Jäger und Sammler und eine der letzten naturnah lebenden Gemeinschaften, die noch Steinwerkzeuge verwenden, beziehungsweise in jüngster Vergangenheit verwendet haben. Zudem leben sie in dieser ursprünglichen Weise in einer Region, die oft als bezeichnet wird und in unmittelbarer Nähe zu wichtigen Urmenschen-Fundstätten (vergleiche Stammesgeschichte des Menschen) liegt. 2.1 In: Hans Hecklau: Ostafrika. S. 123–127; Zitat auf S. 125. (Vergleiche dazu die Detailkarte.) H. Burda (u. a.): Humanbiologie. S. 39 (Hervorhebungen im Original). Aus diesem Grund finden sie verstärkt seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts großes Interesse bei Wissenschaftlern, die in ihnen eine Modell-Ethnie für Fragestellungen der Anthropologie, der Menschheitsentwicklung und der Frühmenschenforschung sehen.
Mittlerweile wächst ihre Beeinflussung durch die Moderne. Die Anzahl der Angehörigen des Volkes, die noch der traditionellen nomadischen Lebensweise nachgehen, wird auf wenige Hundert geschätzt. Durch eine Reihe von sehr langfristigen historischen Entwicklungen und zudem durch moderne gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen sind sie in ihrer Lebensweise sowie in ihrer kulturellen und ethnischen Identität und Existenz akut bedroht.
Namen Für die Hadza wurden in der Reise- und Fachliteratur verschiedene Namen verwendet. Da die afrikanischen Sprachen überwiegend schriftlos waren, gehen geschriebene Versionen erst auf europäische Autoren zurück, wobei deutsche und englische Autoren gemäß den Mustern ihrer Muttersprachen unterschiedliche Schreibweisen wählten. Zudem gibt es wie in weltweit vielen Fällen sowohl Eigen- als auch Fremdbezeichnungen durch Nachbarvölker, d. h. in diesem Fall durch Angehörige anderer Sprachfamilien.
Hadza ist eine Eigenbezeichnung und bedeutet lediglich „Mensch, menschliches Wesen“. Hadzabe oder Hadzabee ist die Pluralform dazu und Hadzapi (Hadzaphii) bedeutet „sie sind Menschen“. Hatza und Hatsa sind deutsche Schreibweisen älterer Zeit. Heute hat sich durch den Verlauf der Kolonialgeschichte und die angloamerikanische Forschungsliteratur die englische Schreibweise durchgesetzt.
Tindiga geht zurück auf ein Wort der Swahilisprache (die in Ostafrika seit langem als lingua franca oder Verkehrssprache und heute als Nationalsprache Tansanias dient), watindiga, was „Leute/Volk der / von den Sumpfdornenpflanzen“ oder etwas freier „Bewohner der Sumpfdornenpflanzen-Gegend“ bedeutet„tindiga (-) eine dornige Sumpfpflanze“. Nach: Hildegard Höftmann, Irmtraud Herms: Wörterbuch Swahili – Deutsch. 5. Auflage. Langenscheidt-Verlag Enzyklopädie, Leipzig u. a. 1992, ISBN 3-324-00521-3, S. 325 (Hervorhebungen durch Fett- bzw. Kursivdruck im Original). Der Querstrich in Klammern hinter dem Worteintrag zeigt an, dass in diesem Fall die Pluralform mit der angegebenen des Singulars identisch ist. Dies wird in den „Hinweise[n] für die Benutzung“ auf Seite 7 des Buches erläutert. und auf eine große Wasserquelle im Ort Mangola zurückzuführen ist. Kitindiga bezeichnet dann deren Sprache; Kindiga ist offensichtlich eine Variantenform derselben aus einer der lokalen Bantusprachen; Wakindiga wäre eine Pluralform dazu (zu den Sprachfamilien siehe unten Vorgeschichte).
Kangeju ist eine heute aufgegebene Namensform unklaren Ursprungs aus der älteren deutschsprachigen Literatur.
Für die traditionell sehr ähnlich lebenden Wildbeuter des südlichen Afrikas wurde in der Kolonialzeit der englische Name bushmen geprägt (heute verwendet man meist die Kollektivbezeichnung San, die von den sesshaften Nachbarvölkern jener Region stammt) und als Buschmänner oder Buschleute ins Deutsche entlehnt. Dieser Ausdruck wurde auch auf die Hadza Ostafrikas übertragen und in der deutschen wissenschaftlichen Literatur noch zum Ende des 20. Jahrhunderts gelegentlich für sie verwendet.„[…] Reste der prähistorischen Bevölkerung Ostafrikas scheinen die Buschmänner zu sein. HUNTINGFORD (1982, S. 61) hält die Hadzapi im Gebiet des Eyasisees für die einzigen Überlebenden der ehemaligen Buschmannbevölkerung Ostafrikas. […]“. Hans Hecklau: Ostafrika. S. 125 (Hervorhebungen im Original).
Den Hadza selber missfallen solche Ausdrücke sesshafter Fremdvölker „wegen ihrer abschätzigen und diskriminierenden Konnotationen“ oder „Beiklänge“.“[…] They are also known as Tindiga (Swahili) and Kindiga (Isanzu) but dislike these terms für their derogatory and discriminatory connotations.” Bwire Kaare, James Woodburn: Hadza. In: Richard B. Lee, Richard Daily (Hrsg.): The Cambridge encyclopedia of hunters and gatherers. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1999, ISBN 0-521-57109-X, S. 200.
Geographischer Rahmen: Lebensraum und Klima mini|Der Lebensstil der Hadza ist höchst einfach. Hütten wurden in diesem Stil errichtet, seit Aufzeichnungen darüber berichten. mini|hochkant|Der Afrikanische Affenbrotbaum oder Baobab liefert mit seinen Früchten und Samen begehrte Nahrung für Tier und Mensch sowie seit Jahrtausenden hohe Dosen an natürlichen Vitaminen. Zudem dienen die ausgehöhlten Schoten später als Transportgefäße für Wasser, Honig und Feuersglut, sowie als Rasselspielzeug für Kleinkinder. mini|Der Baum der Spezies Cordia sinensis trägt zahlreiche Beerenfrüchte, von denen die Hadza sich in der Reifezeit hauptsächlich ernähren. Der einheimische Name dieser Beeren wird in der Fachliteratur mit undushipi wiedergegeben. mini|Weiters bereichern die Beeren des Zahnbürstenbaumes das Menü. Seine Zweige nutzen sie auf andere Weise… (siehe unten). mini|hochkant|Maulbeerfeigen sind sehr beliebt. Schon junge Mädchen können sehr große Mengen davon sammeln und damit bisweilen beträchtlich zur Familienernährung beitragen. mini|Auch reife Früchte des Marula-Baumes werden verzehrt… mini|…sowie dessen Steine mit Felssteinen aufgeschlagen, um an die ölreichen Samen zu gelangen. mini|hochkant|Hülsenfrüchte sind ebenfalls in der Hadza-Ernährung vertreten mit den gekochten Samen der Arabischen Gummiakazie (hier die Schoten am Baum). mini|Der ostafrikanischen Hochlandbiene verdanken die Hadza eine überaus geschätzte, sehr energiereiche Speise (und heute auch Tauschhandelsware), den Honig. Er ist bei ihnen so begehrt, dass die Männer große Mühen auf sich nehmen, um an ihn zu gelangen, trotz der beträchtlichen Gefahren, die das Erbeuten in großer Baumhöhe mit sich bringt. mini|hochkant|…Dabei kooperieren sie mit dem Großen Honiganzeiger, der sie aktiv zu Bienennestern führt, um anschließend selber von deren Plünderung zu profitieren. mini|Auch die Jungvögel des in sehr großen Kolonien brütenden Blutschnabelwebers sind saisonal eine Hauptnahrung.
Der Lebensraum der Hadza ist in den letzten sechzig Jahren auf etwa ein Viertel der ursprünglichen Ausdehnung eingeengt worden und erstreckte sich davor noch viel weiter vor allem im Westen und Südwesten.Gezeigt auf der Landkarte, die die US-amerikanische nationale geographische Gesellschaft auf der Grundlage von tansanischen Behördenunterlagen erarbeitete und die in der Reportage von Michael Finkel: The Hadza. S. 105 abgebildet ist. Die Unterschrift dort lautet: “Shifting Ground: The Hadza, who once moved freely over 4,000-plus square miles of the Great Rift Valley, are down to a quarter of their homeland as farms and livestock expand. Some Tanzanians see the group as an embarrassment for a modernizing nation.” (Etwa: „Boden-Grundlage in Bewegung: Die Hadza, die sich einst frei über mehr als 4.000 Quadratmeilen des Großen Grabenbruches bewegten, sind nun auf ein Viertel ihres Heimatlandes eingeengt, während sich Ackerbaubetriebe und Nutzvieh ausbreiten.“) Im Laufe der letzten hundert Jahre ist er schätzungsweise sogar um 90 Prozent gegenüber der früheren Größe geschrumpft.“Over the past century, the Hadza have lost exclusive possession of as much as 90 percent of their homeland.” („Während des letzten Jahrhunderts haben die Hadza sogar den exklusiven Besitz von 90 Prozent ihres Heimatlandes verloren.“) Michael Finkel: The Hadza. S. 112. Es gibt heute vier verschiedene Gebiete, in denen die Hadza während der Trockenzeit leben: Westlich vom Südende des Eyasi-Sees, zwischen Eyasi-See und dem östlich davon gelegenen Yaeda-Sumpf, östlich des Yaeda-Tales im Mbulu-Hochland und nördlich des Tales rund um das Dorf Mang'ola. Bei Trockenheit können sie leicht von einem Lebensraum zum nächsten wechseln. Der Zugang zum westlichsten Gebiet erfolgt über das Südende des Eyasi-Sees, der in der Trockenzeit zuerst austrocknet, oder über die Böschung des Serengeti-Plateaus am Nordufer. Auch das Yaeda-Tal kann leicht überquert werden. Während der Regenzeit leben die Hadza zwischen und außerhalb der beschriebenen Gebiete, da diese dann schlecht zugänglich sind.
Die Lebensweise und Subsistenzwirtschaft der Hadza (siehe unten Traditionelle Lebensweise) ist an die ökologischen Verhältnisse der Waldland- und Savannenlandschaft, in der sie leben. Ihr Waldland-Habitat wird von Bäumen der Gattungen Acacia, Commiphora und von Adansonia digitata (siehe unten Nahrungserwerb) beherrscht, ist typischerweise hügelig und felsig, mit verstreuten natürlichen Quellen und saisonalen Wasserläufen. An den Rändern des Eyasisees und des Yaedatals gehen die felsigen Hügel in alluviale Sandebenen über. Diese Gegend kann je nach Jahreszeit recht heiß, trocken und windig sein, aber auch üppiges Grün tragen.Die Landschaftsbeschreibung in diesem Absatz folgt dem englischen Text der Projektbeschreibung "Hadza Foragers" auf dem Portal des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte (siehe unten Weblinks) (abgerufen am 20. Dezember 2019).
Das Klima im Norden Tansanias ist durch eine deutliche Saisonalität gekennzeichnet: Die Regenzeit dauert von Dezember bis Mai, woran sich die Trockenzeit von Juni bis November anschließt. Dieser Naturrhythmus prägt mit Wasserangebot, Vegetation und Reproduktionsphasen der Tiere auch das Leben der unmittelbar von natürlichen Nahrungsquellen abhängigen Hadza.
(Siehe auch Geographie Tansanias.)
Geschichte und Vorgeschichte Vorgeschichte