Giancarlo Baghetti (* 25. Dezember 1934 in Mailand; † 27. November 1995 ebenda) war ein italienischer Automobilrennfahrer, der als bislang einziger sein Debüt in der Formel-1-Weltmeisterschaft gewann. Der Große Preis von Frankreich 1961 blieb zwar sein einziger Sieg in der WM, er hatte allerdings schon seinen ersten Einsatz bei einem nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Formel-1-Rennen gewonnen. In der als Fahrerweltmeisterschaft bezeichneten Saison 1950 errangen die erstmaligen Sieger zwangsläufig einen „Debütsieg“, Nino Farina im allerersten F1-WM-Lauf, zudem ebenfalls automatisch der Indy-500-Sieger, da das Rennen in Indianapolis auch zur Fahrerweltmeisterschaft gezählt wurde, obwohl ganz andere Fahrer und Wagen teilnahmen.
Anfänge im Motorsport Giancarlo Baghetti war der älteste Sohn einer Mailänder Industriellenfamilie. Nach dem Krieg besuchte er die höhere Schule und sollte später das Werk seines Vaters übernehmen. Schon früh bekam er Zugang zum Motorsport. Als Kind hatte er ein Miniaturauto mit einem 750-cm³-Motor. Mit 14 Jahren bekam er eine Innocenti Lambretta, mit der er als Jugendlicher bei einem Bergrennen die Klasse der Motorroller gewann.
1956 fuhr Baghetti mit einem Alfa Romeo 1900 TI sein erstes Rundstreckenrennen. Im folgenden Jahr startete er auf einem Alfa Romeo Giulietta Sprint in der 1300er GT-Klasse bei Bergrennen. 1958 gewann er zwei internationale Bergprüfungen und belegte bei der Mille Miglia, die in diesem Jahr als Rallye mit Sonderprüfungen ausgetragen wurde, den zweiten Platz bei den 1300ern. 1959 kaufte er einen Fiat-Abarth mit 700-cm³-Motor, den er erfolgreich bei zwei internationalen Rennen in Montlhéry einsetzte, woraufhin ihn Carlo Abarth in sein Team für Rekordfahrten in Monza nahm.
Ab 1960 fuhr Baghetti in der Formel Junior und siegte zweimal in Monza (27. März und 25. April 1960), jeweils knapp vor der damaligen italienischen Formel-Junior-Elite.
Ende der Saison 1960 vereinbarten die FISA (Federazione Italiana Scuderie Automobilistiche)Hintergründe zu Baghettis Formel-1-Debut 1961 auf 8w.forix.com, abgerufen am 5. Dezember 2017 – eine Vereinigung italienischer Rennteams (die Namensgleichheit mit dem internationalen Automobilsportverband war rein zufällig) – und Ferrari, 1961 einem jungen Italiener die Chance zum Aufstieg in die Formel 1 zu geben. Ferrari stellte den überarbeiteten 1960er Wagen der FISA zur Verfügung, die Giancarlo Baghetti als Fahrer auswählte.
Karriere in Formel-, Sport- und Tourenwagen thumb|Baghetti im Ferrari 156 beim Großen Preis von Italien 1962
Baghetti gewann mit dem Ferrari 156, den die FISA einsetzte, gleich sein erstes Formel-1-Rennen, den nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Gran Premio di Siracusa, am 25. April 1961 vor Dan Gurney auf Porsche 718. Elf Wochen später, am 2. Juli 1961, siegte er beim Großen Preis von Frankreich. Seine besten Ergebnisse in der Saison 1962 waren der vierte Platz beim Großen Preis der Niederlande und der fünfte Platz beim Großen Preis von Italien. Baghetti fuhr in seinen ersten beiden Formel-1-Saisons insgesamt sieben Rennen, kam viermal ins Ziel und erreichte insgesamt 14 WM-Punkte.
Vor seinem Formel-1-Debüt startete Baghetti schon als Werksfahrer für Ferrari beim 12-Stunden-Rennen. Beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring 1961 fuhr er zusammen mit Willy Mairesse einen Ferrari 250 GT auf den fünften Platz im Gesamtklassement; 1962 war er – ebenfalls auf Ferrari – Partner von Lorenzo Bandini.
Seine weiteren Einsätze in der Formel 1 waren weniger erfolgreich. Im Jahr 1963 startete er fünfmal für das ATS-Team (Automobili Tourismo Sport), 1964 sechsmal für B.R.M. und die Scuderia Centro Sud und in den folgenden drei Jahren absolvierte er jeweils ein Rennen beim Großen Preis von Italien für Brabham, Reg Parnell Racing und Lotus. Von 14 gestarteten Rennen konnte er lediglich sechs beenden. Weitere WM-Punkte erreichte er dabei nicht.
In den darauffolgenden Jahren startete Baghetti in der Tourenwagen-Europameisterschaft mit Alfa Romeo und Fiat Abarth. Abschließend wechselte er in die Formel 2 und beendete dort seine Rennfahrerkarriere nach einem schweren Unfall bei einem Rennen in Monza im Jahr 1968.
Später arbeitete er als Journalist und Fotograf in den Bereichen Motorsport und Mode.
Statistik Statistik in der Automobil-Weltmeisterschaft Diese Statistik umfasst alle Teilnahmen des Fahrers an der Automobil-Weltmeisterschaft, die heutzutage als Formel-1-Weltmeisterschaft bezeichnet wird.
Grand-Prix-Siege 1961 (Reims)
Gesamtübersicht Saison Team Chassis Motor Rennen Siege Zweiter Dritter Poles schn.Rennrunden Punkte WM-Pos.1961 FISAFerrari 156Ferrari 1.5 V6 1 1 − − − −99. Scuderia Sant’Ambroeus 2 − − − − 1 1962 Scuderia Ferrari Ferrari 156 Ferrari 1.5 V6 4 − − − − − 5 11. 1963 Automobili Turismo e Sport A.T.S. 100 A.T.S. 1.5 V8 5 − − − − − − NC 1964 Scuderia Centro Sud BRM P57 BRM 1.5 V8 6 − − − − − − NC 1965 Brabham Racing Organisation Brabham BT7 BRM 1.5 V8 1 − − − − − − NC 1966 Reg Parnell Racing Ferrari 246 Ferrari 2.4 V6 1 − − − − − − NC 1967 Team Lotus Lotus 49 Ford-Cosworth 3.0 V8 1 − − − − − − NC Gesamt 21 1 − − − 1 14
Einzelergebnisse
Saison 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 111961 1 DNF DNF1962 4 DNF 10 51963 DNF DNF 15 DNF DNF1964 DNA 10 8 12 DNF 7 81965 DNF1966 NC1967 DNF
Le-Mans-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1961 Ferrari 250 GT/TR SWB Experimental Fernand Tavano Ausfall Motorschaden 1962 Spa Ferrari SEFAC Ferrari Dino 268SP Ludovico Scarfiotti Ausfall Kupplungsschaden 1964 Spa Ferrari SEFAC Ferrari 275P Umberto Maglioli Ausfall Unfall 1965 Spa Ferrari SEFAC Ferrari Dino 166P Mario Casoni Ausfall Motorschaden 1967 North American Racing Team Ferrari 330P Pedro Rodríguez Ausfall Kolbenschaden 1968 Alfa Romeo Tipo 33 Nino Vaccarella Ausfall Benzinpumpe
Sebring-Ergebnisse Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1961 Ferrari 250TRI Richie Ginther Willy Mairesse Rang 2 1965 Kleiner Racing Enterprises Ferrari 275P Umberto Maglioli Rang 8
24-Stunden-von-Spa-Ergebnisse
Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund 1966 Alfa Romeo Automobiles S.p.A. Alfa Romeo 1600 GTA Lucien Bianchi Ausfall Kolbenschaden 1967 Autodelta S.p.A. Alfa Romeo 1600 GTA Jean Rolland Ausfall kein Benzin
Einzelergebnisse in der Sportwagen-Weltmeisterschaft Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 1961 Scuderia Ferrari Ferrari 250TRIFerrari 250 GTFerrari Dino 246SP 2 5 DNF DNF 1962 Scuderia Ferrari Ferrari Dino 196SPFerrari Dino 268SP 2 DNF DNF 1963 Porsche Porsche 718 7 1964 Scuderia Centro SudAbarthScuderia Ferrari ATS 2500 GT CoupéAbarth-Simca 2000Ferrari 275P DNF DNF DNF 1965 Kleiner Racing EnterprisesScuderia Ferrari Ferrari 275PFerrari Dino 166PFerrari 275P2Ferrari 275 GTB 8 DNF DNF 13 DNF 1966 AbarthScuderia Ferrari Abarth 1300 OTFerrari Dino 206S 14 2 1967 AutodeltaNART Alfa Romeo T33Ferrari 330P DNF DNF DNF 1968 Algar EnterprisesAutodelta Lancia FulviaAlfa Romeo T33 DNF 14 6 DNF
Literatur Richard von Frankenberg in: Motor-Revue. Europa-Motor. Heft 40, Winterausgabe 1961, .
Weblinks
Giancarlo Baghetti bei Racing Sports Cars
Einzelnachweise
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