mini|hochkant=1.2|Das Grabmal des Kyros II. in Pasargadae, in der Nähe der heutigen Stadt Schiras

Kyros II. ( Kūruš, , babylonisch Kuraš, elamisch Kuraš, aramäisch Kureš, , , ; * um 590 bis 580 v. Chr.; † August 530 v. Chr.),Das Geburtsjahr ist eine Schätzung und der Encyclopædia Britannica (15. Auflage, 2007, Band 3, S. 831, Artikel Cyrus II.) entnommen. Unwahrscheinlich ist die Berechnung des Geburtsjahres auf 600 v. Chr. nach dem griechischen Historiker Dinon von Kolophon (zitiert bei Cicero, De Divinatione 1,23), laut dem Kyros II. 70 Jahre alt wurde, weil diese Angabe unzuverlässig ist (so schon F. H. Weißbach, in: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Supplementband IV, Sp. 1157). Das Todesjahr ist durch Datierungen von Keilschrifttexten gesichert. oft auch Kyros der Große genannt, Sohn des Kambyses I., regierte Persien von etwa 559 bis 530 v. Chr. als sechster König der Achämeniden-Dynastie und ernannte seinen ältesten Sohn Kambyses II. zum Nachfolger.

Kyros weitete durch seine Expansionspolitik die Grenzen des ehemals kleinen altpersischen Reichs deutlich aus, das unter seinen Nachfolgern von Indien über Iran, Babylon, Kleinasien bis Ägypten reichte und bis 330 v. Chr. bestand, ehe es von Alexander dem Großen erobert wurde.

Archäologische Kampagnen und inzwischen verbesserte Übertragungen einer Reihe von Keilschrifttexten führten zu neuen Erkenntnissen, die das bisherige Bild des historischen Kyros verfeinern konnten. Schon bald nach seinem Tod wurde der Perserkönig von seinem Volk als idealer König legendenhaft verklärt. Die Griechen übernahmen diese positive Sichtweise. Sie wurde durch seine Darstellung in der Bibel als religiös toleranter Regent verstärkt und beherrscht bis heute seine Beurteilung. Seine Person gilt heute noch als das Vorzeigebild eines Königs und Herrschers.

Historische Quellen Die erhaltenen Berichte der antiken Historiker gehen insbesondere über die Herkunft und frühen Jahre des Kyros wegen der schon sehr früh aufgekommenen, widersprüchlichen Legenden weit auseinander. Die höchste Glaubwürdigkeit schreibt man den zeitgenössischen Keilschrifttexten zu, anhand derer Wissenschaftler die Aussagen der griechischen Historiker teilweise überprüfen können.

Primärquellen Kyros II. ist der erste Herrscher des Achämenidenreichs, der durch Inschriften und Baudenkmäler als Herrscherpersönlichkeit greifbar ist.Erika Bleibtreu: Achaimenidische Kunst. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 186–219, hier: S. 187. Als Primärquellen für Kyros II. gelten archäologische Zeugnisse und drei Inschriften, die von Kyros II. selbst verfasst oder in seinem Auftrag angefertigt wurden. Die Inschriften sind in neu-babylonischer Keilschrift abgefasst. Der Kyros-Zylinder wurde in Babylon gefunden; eine Inschrift stammt von Uruk (Kyros A) und die dritte von Ur (Kyros B). Ob die drei Inschriften aus Pasargadae, CMa, CMb, CMc und drei weitere Fragmente (Zendan-Inschrift und CM-Fragmente) Kyros II. zugewiesen werden können, konnte noch nicht eindeutig beantwortet werden. Bedeutend ist ferner die sogenannte Nabonid-Chronik, benannt nach dem von Kyros besiegten Nabonid, die in ihrem lesbaren Teil über die letzten Jahre des selbstständigen Babylonien und seine Eroberung durch Kyros berichtet.

Antike Historiker Von den antiken griechischen Autoren ist Herodot rund einhundert Jahre nach Kyros der Historiker, der die früheste Darstellung überliefert, die auch vollständig erhalten ist.Herodot, Historien, 1. Buch, ab 46. Spalte. Deshalb ist er die griechische Hauptquelle über das Leben des Kyros. Schon er kannte verschiedene Legenden über den Perserkönig, so zum Beispiel sowohl über seine Jugendjahre als auch seine Todesumstände. Deshalb wählte er unter den ihm vorliegenden Fassungen die ihm „am wahrscheinlichsten“ erscheinende Variante aus.

Die schon bei Herodot teilweise übernommenen ausschmückenden Elemente entwickelten sich bei späteren Geschichtsschreibern noch ausgeprägter. Dies gilt insbesondere für das politisch motivierte Werk Erziehung des Kyros von Xenophon. Aber auch die umfangreichen Darstellungen des Historikers Ktesias von Knidos über die Geschichte der Perser in seinen Persika, die in den Bänden 7–11 über Kyros berichtet, jedoch heute nur noch in Fragmentform in Auszügen des byzantinischen Patriarchen Photios vorliegt, werden von der Forschung als zweifelhaft und schwer überprüfbar angesehen.

Ein ausführliches Exzerpt des Nikolaos von Damaskus hat die Jugend und den frühen Aufstieg des Perserkönigs zum Inhalt. Der Althistoriker Richard Laqueur widersprach in einer textkritischen Analyse der allgemein verbreiteten, unter anderem von Felix Jacoby vertretenen Ansicht, dass dieser von Nikolaos von Damaskus überlieferte Bericht ein reines Exzerpt aus Ktesias sei. Vielmehr nimmt Laqueur an, dass Nikolaos zwei Quellen ineinanderarbeitete: Die Hauptquelle sei ein lydischer Autor, vielleicht Xanthos, gewesen, der Kyros gegenüber eine ähnlich positive Auffassung wie Herodot vertreten und ihn als edlen Helden gefeiert habe. Ganz anders sei die Anschauung der von Nikolaos verwendeten Nebenquelle gewesen, die Laqueur mit Ktesias identifiziert: Der so lange am Perserhof lebende griechische Historiker habe den Gründer des Perserreiches als Person niedriger Abstammung charakterisiert, die völlig unselbstständig gehandelt habe und nur durch die Hilfe anderer geleitet und schließlich auf den Thron gehoben worden sei. Nach dieser Analyse gab Ktesias ein äußerst negatives Porträt von Kyros und alle Berührungspunkte der Darstellung des Herodot mit Nikolaos beruhten auf dessen lydischer Quelle. Es ist möglich, dass die Erzählung Herodots lydischen Ursprungs ist, nur hat er diese Quelle nicht so rein erhalten wie Xanthos.Richard Laqueur: Nikolaos 20. In: RE XVII 1, Sp. 362–424, hier: Sp. 375–390.

Der babylonische Historiker Berossos ist zu den Quellen zu zählen, die mehrheitlich zuverlässige Darstellungen enthalten, zum Beispiel auch in dem kurzen erhaltenen Exzerpt, das über die Eroberung Babylons berichtet. Über das Grab des Kyros berichten außerdem Fragmente der Alexanderhistoriker.

Schließlich spielt Kyros „als Befreier“ des jüdischen Volks aus dem Babylonischen Exil eine prominente Rolle in der Bibel und wird dementsprechend dargestellt.F. H. Weißbach: Kyros II. In: RE, Supplementband IV., Sp. 1129–1131.

Name Die Herkunft und Deutung des Namens ist nach wie vor umstritten. Wouter F. M. Henkelman postuliert eine elamische Herkunft und übersetzt ihn mit „verliehene Sorgfalt“, „beschützt“ oder auch „Vermittler des Glücks“.Wouter F. M. Henkelman: Cyrus the Persian and Darius the Elamite: a Case of Mistaken Identity. In: Robert Rollinger, Brigitte Truschnegg, Reinhold Bichler (Hrsg.): Herodot und das Persische Weltreich. Akten des 3. Internationalen Kolloquiums zum Thema „Vorderasien im Spannungsfeld klassischer und altorientalischer Überlieferungen“. Innsbruck 24.–28. November 2008. Wiesbaden 2011, S. 585. Der Autor verwendet im englischen Text folgende Begriffe: „[DN] bestowed care“, „[DN] protected“ und „[DN] gave fortune“, wobei die Abkürzung [DN] für „göttlicher Name“ steht, siehe dazu Wouter F. M. Henkelman: The other gods who are. Leiden 2008, S. XXVI. Sprachwissenschaftler wie beispielsweise Karl Hoffmann und Rüdiger Schmitt übersetzen den Namen mit „Gnädiger Herrscher über die Feinde/Herrscher mit dem gnädigen Urteil über die Feinde“. Eine Ableitung aus der vedischen Sprache unter Verwendung von „Ku, ru-“ auf „junger Mann oder Kind“ wird ebenfalls erwogen.

Die antiken Historiker Ktesias von Knidos und Plutarch übersetzten den Namen Kyros mit „Sonne“ (Kur-u). Zusätzlich erfolgte der Versuch, eine Erweiterung auf „wie die Sonne“ vorzunehmen, da ein Bezug zur indoeuropäischen Wortwurzel „khor“ und dem Suffix „-vash“ hergestellt wurde.Plutarch: Artaxerxes 1. 3; Photius, Diese Übersetzung wird aber zwischenzeitlich von der modernen Forschung abgelehnt.Rüdiger Schmitt und Karl Hoffmann in der Encyclopædia Iranica (online)

Herkunft

Herodots Angaben zur Abstammungslinie des Kyros werden durch die inschriftlichen Ausführungen des Kyros-Zylinders väterlicherseits bestätigt. Demnach war der Perserkönig ein Sohn des Kambyses I. und Enkel des Kyros I.Allerdings charakterisierte Herodot Kambyses I. fälschlich als einen Perser mittleren Standes, während ihn Xenophon richtiger als „König der Perser“ bezeichnet. Die Mutter von Kyros war laut Herodot Mandane, die Tochter des Astyages, unter dessen Oberherrschaft Kyros’ Vater Kambyses I. als „König von Anschan“ (wie sich und seine Vorfahren in den 30er Jahren des 6. Jahrhunderts v. Chr. Kyros der Große nannteJosef Wiesehöfer: Die Geschichte Irans von den Achaimeniden bis in frühislamische Zeit. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, ISBN 3-85497-018-8, S. 54–74, hier: S. 55.). Astyages war zu diesem Zeitpunkt als maßgeblicher Heerführer mit dem medischen Herrschertitel versehen.Robert Rollinger: Das Phantom des Medischen „Großreichs“; in Edward Dabrowa: Ancient Iran and its Neighbours; Krakau 2005, S. 21. Ktesias bestritt die Ausführungen Herodots und nannte eine andere Genealogie der Eltern des Perserkönigs, der demnach kein Königssohn, sondern der Sohn eines Räubers und einer Ziegenhirtin gewesen sei. Herodots Bericht erzählt, dass Astyages, durch einen Traum gewarnt, eine Gefahr im kleinen Kyros erkannte und ihn deshalb töten lassen wollte, der Säugling jedoch stattdessen ohne Wissen des Herrschers von einem im fernen Gebirge wohnenden Hirten, dessen Frau ein totes Kind gebar, das heimlich gegen Kyros ausgetauscht worden sein soll, großgezogen und so errettet wurde. All diese Versionen verbinden volkstümliche Themen mit uralten mesopotamischen Überlieferungen wie zum Beispiel mit derjenigen von Sargon von Akkad. Dabei variieren sie je nach Inspiration der Volkserzähler und politischen Zielen. Ihnen gemeinsam ist die Ansiedelung der Ursprünge von Kyros II. im Kontext der Beziehungen zwischen den mächtigen Medern und ihren persischen Vasallen.Pierre Briant: Histoire de l’Empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996. S. 26.

Der Zylinder-Inschrift, der Nabonid-Chronik und einem weiteren Keilschrifttext kann entnommen werden, dass Kyros um 559 v. Chr. als regionales Mitglied der medischen Konföderation seinem Vater Kambyses I. als König von Anschan folgte.Das Jahr vom Herrschaftsantritt des Kyros wird geschätzt nach seinem sicher feststehenden Todesjahr (530 v. Chr.) und der Angabe des Herodot (Historien 1, 214, 3), dass er 29 Jahre regiert habe. Auch nach Diodor (Eusebius von Caesarea, Praeparatio evangelica 10,10) wurde Kyros Anfang der 55. Olympiade (um 560 v. Chr.) König.