mini|Erzherzog Friedrich (Foto von Ernst Förster, 1916) Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl Erzherzog von Österreich, Herzog von Teschen (* 4. Juni 1856 in Groß Seelowitz, Mähren; † 30. Dezember 1936 in Ungarisch-Altenburg/Magyaróvár, heute Mosonmagyaróvár, Ungarn) war österreichisch-ungarischer Feldmarschall, Heerführer im Ersten Weltkrieg, Großgrundbesitzer und Unternehmer. Vorkriegszeit Familie und militärische Ausbildung hochkant|mini|links|Erzherzog Friedrich in jüngeren JahrenSeine Eltern waren Karl Ferdinand von Habsburg und Elisabeth Franziska Maria von Österreich (1831–1903), Tochter von Joseph Anton Johann von Österreich. Friedrich war Erbe seines Onkels und Adoptivvaters, Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen, dem neben einem riesigen Vermögen auch das Palais Erzherzog Albrecht samt Sammlung in Wien, gehörte. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter waren Enkel von Kaiser Leopold II., der damit gleich zweifacher Urgroßvater Friedrichs ist bzw. war.
Zu den Geschwistern Friedrichs gehörten Erzherzog Eugen, Admiral Erzherzog Karl Stephan und die spätere spanische Königin Maria Christina. Aus der ersten Ehe seiner Mutter stammte die Halbschwester und spätere Königin von Bayern, Marie Therese von Österreich-Este.300px|mini|Erzherzog Friedrich, Herzog von Teschen mit Gattin (am Arm), davor seine Schwester, Halbschwester und Mutter
1874 begann Friedrich seine militärische Laufbahn. Seit 8. Oktober 1878 war er mit Prinzessin Isabella von Croy-Dülmen (1856–1931) verheiratet; das Paar hatte neun Kinder. Als dem Paar nach acht Töchtern 1897 ein Sohn geboren wurde, stiftete Friedrich in Albertkázmérpuszta (Albrecht-Kasimir), auf seinen ungarischen Gütern in Sichtweite der heutigen Ostgrenze Österreichs gelegen, eine neugotische Votivkirche. Am 10. Dezember des Jahres berief er Anatol Graf von Bigot de Saint-Quentin zu seinem Obersthofmeister.
Friedrich war ein eifriger Förderer des k.k. Heeresmuseums (heute Heeresgeschichtliches Museum) in Wien. Nach dem Freitod des Kronprinzen Rudolf 1889 übernahm Friedrich dessen Vorsitz und Protektorat des 1885 konstituierten Komitees, dem die Bildung und Ausgestaltung des Museums oblag. Unter seiner Patronanz wurde das Museum am 25. Mai 1891 durch Kaiser Franz Joseph eröffnet und seiner Bestimmung zugeführt.Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): 100 Jahre Heeresgeschichtliches Museum. Bekanntes und Unbekanntes zu seiner Geschichte. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 1991, S. 8 f.
Erzherzog Friedrich wurde später vom Kaiser zum Generaltruppeninspektor ernannt und war ab 1907 Chef der k.k. Landwehr.
Thronfolger Franz Ferdinands unebenbürtige Gattin Sophie (Heirat 1900) war zuvor Hofdame bei Friedrichs Gattin Isabella.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, S. 121 ff. Deren Entdeckung, dass Franz Ferdinand nicht einer Tochter Friedrichs, sondern Gräfin Choteks wegen häufig bei Friedrich in Pressburg im Palais Grassalkovich zu Gast war, löste einen Skandal aus. (PDF; 3,3 MB) abgerufen am 27. Mai 2010.
Großgrundbesitzer und Unternehmer mini|Jagdschloss Friedrichs in Hercegszántó (1910) Zu den ererbten Besitzungen, nämlich dem Herzogtum Teschen, den Herrschaften Ungarisch-Altenburg und Bellye, den Allodialgütern Saybusch, Seelowitz und Friedek, erwarb er große Güter in Véghles, Topolovac und Klachau bei Tauplitz.Brigitte Hamann, Georg Hamann: Die Habsburger: Ein biographisches Lexikon. Hrsg. von Brigitte Hamann. Überarbeitete, ergänzte und korrigierte E-Book-Ausgabe. Hrsg. und mit einem Vorwort von Georg Hamann, Amalthea Signum Verlag, 7. Juli 2016 1905 übersiedelte Friedrich mit seiner Familie von Pressburg nach Wien und wohnte im Palais Erzherzog Albrecht, das er großzügig ausbaute. Ebenso gehörte auch der Friedrichshof, den der Erzherzog ab 1890 besaß und zu einem landwirtschaftlichen Mustergut ausbaute, zu den weitläufigen Latifundien Friedrichs. Weitere Wohnsitze Erzherzog Friedrichs und seiner Familie waren auch die beiden Sommerresidenzen Schloss Weilburg in Baden bei Wien und Schloss Halbturn im heutigen Burgenland. mini|links|Erzherzog Friedrich um 1900 Friedrich war auch als erfolgreicher Unternehmer bekannt. Zu seinen Gesellschaften gehörten neben Kohlebergwerken, Erzgewinnung und Eisenverhüttung auch Lebensmittelerzeugung wie eine Likörfabrik in Teschen sowie die Erzherzog Friedrichsche Zentral-Molkerei mit Standorten in Teschen und Wien-Landstraße. Hier wurde die Milch der allein über 3.400 Kühe der Herrschaft Ungarisch-Altenburg verarbeitet. Die Erzherzog Friedrichsche Molkerei besaß mit ihren über 60 Filialen in Wien und Umgebung (inklusive einiger Sommerfrischen) eine fast monopolistische Stellung. Mit 25.000 Litern Milch täglich lag die Molkerei im Jahre 1905 in Wien an dritter Stelle nach der Wiener Molkerei und der Niederösterreichischen Molkerei. Laut einer Legende lässt sich auch die Namensherkunft der Teebutter als Teschener Erzherzögliche Butter (Abkürzung TEE für Teschen Erzherzog Friedrich) auf Friedrich und seinen Besitz in Teschen zurückführen. Diese geradezu berühmte Teschener Butter wurde, in Dosen verpackt, auch ins Deutsche Reich exportiert, weshalb er in Schlesien auch als „Butterfritze“ bezeichnet wurde. Ein anderer Scherzname war „der Rahmreiche“. Die Wiener nannten ihn hingegen ironisch „Erzherzog Milipantscher“, was Friedrich angeblich geschmeichelt hat.
Auch die heute noch existierenden Brauereien in Saybusch (Żywiec) und Teschen (Cieszyn) gehörten zum Wirtschaftsimperium Friedrichs bzw. der Teschener Kammer, in deren Besitz der Erzherzog durch Erbgang kam. Durch den Besitz einer Zuckerfabrik in Chybi war Friedrich, neben böhmischen Fürsten und dem k.u.k Familienfonds, ein Mitglied im sogenannten Zuckerkartell.
Kaiser Franz Joseph soll das mitunter sehr emsig betriebene Unternehmertum seines Cousins jedoch sehr kritisch gesehen haben, der Meinung des Kaisers nach ließ sich die Würde eines Erzherzogs nicht mit den finanziellen Interessen eines Unternehmers vereinbaren. Durch die ihm zugefallenen Erbschaften, seine ausgedehnten Besitzungen und Unternehmen besaß Friedrich letztendlich jedoch ein größeres Vermögen als der Kaiser selbst und bezog aufgrund dessen auch keine Apanage.
Erster Weltkrieg mini|hochkant|Erzherzog Friedrich als Armeeoberkommandant (1914). PR-Postkarte im Felde mit Unterschrift und Kürzel „FM“ (Feldmarschall) sowie unüblicherweise mit Erzherzogtitel Friedrich sollte 1914 wegen seiner Disharmonie mit Franz Ferdinand sein Kommando zurücklegen. Nach der Ermordung des Thronfolgers beim Attentat von Sarajevo bestimmte der 84-jährige Kaiser Franz Joseph am 5. Juli 1914 Friedrich für den Kriegsfall als Oberbefehlshaber. Mit der Mobilmachung trat er diese Stellung (Armeeoberkommandant) am 31. Juli 1914 schließlich an. Nominell stand er damit an der Spitze der Armee und der k.u.k. Kriegsmarine, doch die Führung der Operationen lag tatsächlich beim Chef des Generalstabes Franz Conrad von Hötzendorf. Beide hatten sich bereits 1871 als Leutnants im 11. Feldjägerbataillon kennengelernt.Franz Conrad von Hötzendorf: Aus meiner Dienstzeit, Bd. 4, Wien/Leipzig/München 1923, S. 230.
Der Kaiser ernannte Friedrich per 8. Dezember 1914 zum Feldmarschall.Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien in fünf Bänden, Band 2, Wien 1993, S. 415. Das genaue Datum seiner Ernennung zum Armeeoberkommandanten ist aus der amtlichen Wiener Zeitung, die ansonsten alle Beförderungen von Offizieren enthielt, nicht ermittelbar. Sie publizierte am 14. Juli 1914 ein Schreiben des Kaisers an Friedrich vom 12. Juli, in dem er des Landwehr-Oberkommandos enthoben und als rangshöchster Armee-Inspektor zur Disposition des Allerhöchsten Oberbefehls gestellt wurde. Sie druckte am 21. August 1914, mittlerweile hatte der Erste Weltkrieg begonnen, ein Schreiben Friedrichs vom 18. August ab, in dem der Erzherzog als Armee-Oberkommandant, dem die gesamten Land- und Seestreitkräfte der Monarchie unterstehen, namens aller Soldaten dem Kaiser zum 84. Geburtstag gratuliert. Die Ernennung muss somit zwischen 13. Juli und 17. August 1914 erfolgt sein.
Die tatsächliche Leitung der Operationen oblag jedoch, wie der Kaiser mit Friedrich vereinbart hatte, dem Chef der Generalstabs, General Franz Conrad von Hötzendorf. Die deutschen Verbündeten schätzten Friedrich als Galionsfigur ein, da er von seinem Generalstabschef nicht immer vollständig informiert wurde.
Zu Beginn des Krieges wurde unter der Patronanz des Armeeoberkommandos (AOK) das Kriegsüberwachungsamt (KÜA) gegründet, das für die Überwachung des Ausnahmezustandes zuständig war und die Streitkräfte gegen äußere und innere Feinde schützen sollte. Das Amt hegte enormes Misstrauen speziell gegenüber den slawischen Nationalitäten. Das AOK mit Erzherzog Friedrich an der Spitze trachtete, die beiden Ministerpräsidenten Karl Stürgkh und Stephan Tisza zu überreden, dass die Zivilverwaltung in den slawischen Ländern beider Reichshälften abgeschafft werden müsse.Zbynek A. Zeman: Der Zusammenbruch des Habsburgerreiches 1914–1918. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1963 (Originalausgabe: The Break-Up of the Habsburg Empire. Oxford University Press, Oxford 1961)
links|mini|Friedrich als Armeeoberkommandant im Feld (September 1916) mini|Friedrich begrüßt Zar Ferdinand I. von Bulgarien (1916) Nach seiner Thronbesteigung im November 1916 übernahm Kaiser Karl I. selbst das Armeeoberkommando und ernannte Erzherzog Friedrich zu seinem Stellvertreter, was einer Degradierung gleichkam. Am 2. Dezember 1916 proklamierte der neue Souverän in einem kurzen Tagesbefehl, er übernehme „in Ausübung seiner Herrscherrechte“ den unmittelbaren Befehl über alle Land- und Seestreitkräfte der Monarchie. Die Gerüchte, wonach Erzherzog Friedrich dem Kaiser seine Entlassung übel genommen habe, stimmten nur zum Teil. Er selbst wollte sich schon länger ins Privatleben zurückziehen und hatte das Thema der Kommandoübergabe angeblich in den letzten Wochen der Regierung Franz Josephs mit Karl abgesprochen.Gordon Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. Die Tragödie des letzten Habsburgerkaisers. Molden, Wien/München/Zürich 1968, S. 73 (Originalausgabe: The Last Habsburg). Allerdings soll der Befehl des Kaisers auf Friedrich trotzdem eine „niederschmetternde Wirkung“ gehabt haben, obwohl er keinen Hehl daraus gemacht hatte, nicht mit Leib und Seele Armeeoberkommandant zu sein. Das Verhältnis von Karl zu Friedrich war – vermutlich familiär bedingt – angespannt, der junge Kaiser soll den Erzherzog schlicht einen „Deppen“ genannt haben. Das Armeeoberkommando wurde bereits Anfang 1917 nach Baden bei Wien, in die Erzherzog Friedrich gehörende Weilburg verlegt.
Am 11. Februar 1917 enthob der Kaiser Friedrich von seiner nunmehrigen Funktion als stellvertretender Armeekommandant und stellte ihn zur Disposition meines Oberbefehls.Handschreiben des Kaisers vom 11. Februar 1917, zitiert nach der Aussendung des Kriegspressequartiers vom 15. Februar 1917 Friedrich lebte hierauf in Pressburg und Halbturn, damals beide in Altungarn gelegen. Durch seine zahlreichen Betriebe war er nolens volens einer der Hauptlieferanten der k.u.k Armee geworden und verdiente sowohl an der Versorgung mit Rüstungsgütern als auch der Bevölkerung im Hinterland sehr gut, missbrauchte jedoch diese Position nicht.