mini|Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück (2006)
Die Premium Food Group ApS & Co. KG (bis Ende 2024 Tönnies Holding [];) ist die Konzernobergesellschaft eines fleischverarbeitenden Lebensmittel-Konzerns mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück. Der Geschäftsbereich für die Fleischproduktion, sprich die Schlachtung und Zerlegung, firmiert auch nach 2024 unter dem vorherigen Holding-Namen Tönnies. Die Premium Food Group ist der größte Fleischverarbeiter in Deutschland.
Der Bereich der Schlachtung und Zerlegung ist der größte Teil der Premium Food Group. Zudem gehören zu dem Unternehmen zahlreiche andere Geschäftsbereiche, wie vegetarische Wurstalternativen, Lebensmittellogistik, Tierfutter, Soßen oder Suppen, Lieferung von Rohstoffen für die Pharma-Industrie und für Bio-Kraftstoff sowie eigene Kühlhäuser.
Unternehmensgeschichte 1971: Unternehmensgründung und Expansion Das Unternehmen ging aus einem kleinen handwerklichen Fleischereibetrieb in Rheda hervor. 1971 gründete Bernd Tönnies ein Unternehmen für Fleisch- und Wursthandel in Rheda-Wiedenbrück. Seine Geschäftsidee war, Tiere nicht nur zu schlachten, sondern das Fleisch als fertige Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel anzubieten. Dafür wurden Schlachtung und Zerlegung mit hohem Maschineneinsatz zentral gebündelt. Clemens Tönnies, der Bruder des Gründers, stieg ebenfalls in das Unternehmen ein, als bereits 20 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Daraufhin wurde das Unternehmen in B.& C.Tönnies Fleischwerk umbenannt.
Bis 1974 wuchs die Anzahl der Beschäftigten auf 60. Wegen der raschen Expansion und der engen Standortsituation in Rheda wich das Unternehmen 1975 in das benachbarte Herzebrock aus. Ab 1977 wurde an dem neuen Standort produziert.
1982 beteiligte Bernd Tönnies, der bis dahin alleiniger Gesellschafter des Unternehmens war, seinen Bruder Clemens Tönnies mit 40 Prozent der Unternehmensanteile.
Ab 1990 umfangreiche Unternehmens-Übernahmen und Bau von Europas größtem Schlachthof 1990 erwarb Tönnies den Schlachthof in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) von der Treuhand. Noch kurz vor der Wende hatte die SED einen Ausbau des Werks auf eine Schlachtkapazität von 2.000 Schweinen pro Tag beauftragt, der Umbau wurde kurz vor der Übernahme durch Tönnies abgeschlossen.
In den 1980er Jahren hatten sich außerdem bereits Pläne für einen großmaßstäblichen Neubau eines Schweine-Schlachthofs auf der grünen Wiese in Rheda-Wiedenbrück konkretisiert. Die Planung übernahm das Architekturbüro ATP Architekten und Ingenieure aus Innsbruck. Die Bauarbeiten begannen 1992. Mit Fertigstellung im Jahr 1997 wurde der Standort zum größten Schlachthof in Europa.Westdeutscher Rundfunk Köln: Aktuelle Stunde: Überwachung am Arbeitsplatz. Erstausstrahlung am 12. April 2008, Redaktion Stefan Brandenburg und Michael Schimmel. Tönnies etablierte damit die Zusammenlegung von Schlachtung und Zerlegung in einer biologischen Einheit. Der Betrieb bildete eine Produktionseinheit mit einer überdachten Produktionsfläche von 50.000 m² und 1.950 Mitarbeitern. Die im Jahr 2001 fertiggestellte Verkaufsabteilung (Fleisch-Börse) sollte kurze Wege und Informationen auf allen Produktlinien des Unternehmens gewährleisten. 2007 erweiterte Tönnies den Standort um ein neues Logistikzentrum, das nach Branchenmeinungen als modernstes seiner Art in Europa galt. Das neue Logistikzentrum wurde zentral für die Anforderungen des sensiblen 0-bis-2-Grad-Celsius-Bereichs (Hackfleischprodukte etc.) konzipiert.
1995 eröffnete Tönnies einen Standort im Industriegebiet von Schmerzke, Brandenburg.
Im Dezember 1998 übernahm Tönnies zwei Betriebe des Unternehmens Bawinkeler Fleischwaren GmbH (BFW Fleisch) nach dessen Konkurs: einen Schlacht-Betrieb in Sögel mit 250 Beschäftigten und einen Zerlege-Betrieb in Salzgitter mit 40 Beschäftigten. Tönnies führte den Schlachthof in Sögel ab 1999 unter der Marke Weidemark weiter. Ebenfalls im Jahr 1999 begründete Tönnies mit der Tillman's Convenience GmbH den Geschäftsbereich Convenience Food.
2006 übernahm Tönnies den zuvor städtischen Rinder-Schlachthof in Beckum. Ende 2019 wurde der Standort geschlossen.
1994: Tod des Gründers Bernd Tönnies und Neuaufstellung Bernd Tönnies starb 1994 im Alter von 42 Jahren an den Folgen einer Nierentransplantation und hinterließ seinen zwei Söhnen Robert (* 1978) und Clemens jun. ein Millionenvermögen und seinen Anteil von 60 Prozent am Unternehmen. In seinem Testament verfügte Bernd Tönnies, dass die Unternehmensanteile der zu dem Zeitpunkt noch minderjährigen Söhne bis zu deren 30. Geburtstag unter Aufsicht eines Testamentsverwalters stehen sollten. Diese Funktion übernahm Josef Schnusenberg bis zum 30. Geburtstag von Robert Tönnies im Jahr 2008. Clemens Tönnies übernahm die Geschäftsführung.
Ab 2002 Erneute Umstrukturierungen unter den Gesellschaftern und Konflikte 2002 vereinbarten die Gesellschafter, auf der einen Seite Josef Schnusenberg in Vertretung für Robert und Clemens jun. Tönnies und auf der anderen Seite Clemens Tönnies, umfassende Umstrukturierungen im Unternehmen. Unter anderem wurde bestimmt, dass künftig die Tönnies Holding GmbH & Co. KG anstelle der B&C Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG die Führungsgesellschaft der Unternehmensgruppe sein wird, sowie dass Clemens Tönnies ein Doppelstimmrecht erhält.
2008 endete mit dem 30. Geburtstag von Robert Tönnies die Vertretungsrolle von Josef Schnusenberg. Im selben Jahr schenkten Robert und Clemens jun. Tönnies jeweils 5 Prozent der Unternehmensanteile ihrem Onkel Clemens Tönnies und kamen damit einem Wunsch von Bernd Tönnies nach, den dieser auf dem Sterbebett geäußert hatte. 2011 verkaufte Clemens jun. seine Anteile in Höhe von 25 Prozent an seinen Bruder Robert, sodass von da an Robert und Clemens Tönnies jeweils 50 Prozent der Anteile besaßen.
Seitdem kam es wiederholt zum Streit zwischen Clemens und Robert Tönnies. Ende 2012 forderte Robert Tönnies vor Gericht wegen grobem Undank seine 2008 an Clemens Tönnies verschenkten 5 Prozentpunkte der Unternehmensanteile zurück. 2014 erstritt Robert Tönnies vor Gericht eine Aberkennung des Doppelstimmrechts, das Clemens Tönnies ab 2002 beanspruchte.
2017 übertrug Clemens Tönnies 5 Prozent der Unternehmensanteile an seinen Sohn Maximilian Tönnies.
2021 beendeten Clemens und Robert Tönnies das Zerrüttungsverfahren. Dadurch fiel die Entscheidung, dass das Unternehmen in Familienbesitz blieb und dass die bisherige Eigentümerstruktur unverändert beibehalten werde.
Ab 2005 internationale Expansion 2005 übernahm Tönnies das dänische Schweinefleisch-Schlachtunternehmen SB Pork mit Sitz in Brørup.
2008 kündigte Tönnies an, nach Russland zu expandieren. Das Russlandgeschäft lief über das Tochterunternehmen APK Don.
Im Jahr 2012 stockte das Unternehmen seine Anteile am britischen Unternehmen CPC Foods Limited auf 100 Prozent auf.
Mit Rückwirkung zum 1. Oktober 2015 übernahm Tönnies einen der größten dänischen Schweineschlachter, die Tican-Gruppe. Im Jahr 2017 übernahm die Unternehmensgruppe den Schlachthof der insolventen Lutz-Unternehmensgruppe in Badbergen. Das Unternehmen investierte rund 85 Millionen Euro in den Standort und entwickelte es zu Europas modernsten Rinderschlachthof weiter.
Im Herbst 2015 schloss Tönnies eine Vereinbarung mit dem französischen Agrarkonzern Avril. Sie beschlossen die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Produktion von Fleischwaren aus französischer Erzeugung mit einer Investitionssumme von etwa sechs Millionen Euro. Im April 2016 nahm das Joint Venture L'Atelier des Viandes de France den Betrieb auf.
Im Jahr 2019 übernahm die Tönnies den britischen Schlacht- und Zerlegebetrieb von C&K Meats.
2021 trennte sich die Premium Food Group von ihrem Russland-Geschäft. Mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs distanzierte sich Clemens Tönnies von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er sagte u. a.: „Ich bin schockiert über den Vernichtungskrieg von Putin in der Ukraine und verurteile ihn auf das Schärfste“, so Tönnies auf Twitter.
Ab 2006 Betrugsermittlungen und 2011 sog. Hackfleisch-Prozess Ab Dezember 2006 stand das Unternehmen unter dem Verdacht, Lieferanten und Kunden betrogen und illegal Arbeitnehmer überlassen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelte, unter anderem wurden Hausdurchsuchungen in rund 30 Gebäuden Wohn- und Geschäftsräume durchgeführt.
Clemens Tönnies stritt die Vorwürfe ab und mutmaßte, dass es sich um einen Komplott gegen ihn handle und der Wettbewerber Vion N. V. darin verwickelt sei. In Medien wurde darüber spekuliert, ob die Vorwürfe im Zusammenhang mit einer versuchten, aber nicht erfolgreichen Übernahme der Tönnies-Unternehmensgruppe durch Vion stehen könnten.
Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurden einige der anfangs im Raum stehenden Vorwürfe fallengelassen. 2011 wurden schließlich Clemens Tönnies sowie zwölf leitende Angestellte wegen der Falschetikettierung von Hackfleisch vor dem Landgericht Essen angeklagt: der Vorwurf im sogenannten Hackfleisch-Prozess lautete, dass das Unternehmen in den Jahren 2005 bis 2007 Millionen Packungen Hackfleisch vermarktet habe, bei denen der Rindfleischanteil geringer war als deklariert.
Im Rahmen des Strafverfahrens räumte ein langjähriger Produktionsleiter falsche Angaben auf den Etiketten ein. Clemens Tönnies wies die Beschuldigungen jedoch zurück. Er wurde freigesprochen. Laut Oberlandesgericht lag kein Betrug vor und es entstand kein Schaden.
Ende August 2011 einigten sich die Angeklagten und das Gericht auf eine Einstellung des Strafverfahrens unter der Auflage der Zahlung von 2,89 Millionen Euro. Der größte Anteil der persönlichen Geldauflagen entfiel auf Clemens Tönnies mit 900.000 Euro sowie auf seinen Geschäftsführer Josef Tillmann mit 700.000 Euro. Zu den persönlichen Geldauflagen kam noch eine zusätzliche Geldauflage für das Unternehmen in Höhe von 1 Million Euro.
2008 Bußgeld wegen Videoüberwachung in Umkleideräumen Im April 2008 berichtete das ARD-Magazin Report Mainz, dass bei Tönnies Mitarbeiter flächendeckend videoüberwacht würden, insbesondere auch in Umkleidekabinen und auf Toiletten. Das Unternehmen räumte gegenüber Report Mainz die Videoüberwachung teilweise ein und begründete sie mit Hygienekontrollen. Das Reinigen der Hände und das Anziehen der Schutzkleidung werde überwacht. Gefilmt würden „Garderobenräume, […] keinesfalls aber Dusch- oder Umkleidekabinen.“Report Mainz: Kritik an Mitarbeiter-Überwachung bei Tönnies Erstausstrahlung am 7. April 2008, Redaktion Birgitta Weber. Die Datenschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen stellte daraufhin fest, dass das Unternehmen seine Mitarbeiter mit über 200 Kameras in allen betrieblichen Einrichtungen, auch in so genannten Schutzbereichen wie Umkleidebereichen, überwache. Tönnies musste ein Bußgeld von 80.000 € zahlen.
Ab 2008 Wachstum als Tönnies Holding mini|Jade Schlachthof Wilhelmshaven Zum Geschäftsjahr 2008 erfolgte die Umbenennung der Unternehmensgruppe von B. & C. Tönnies Holding in Tönnies Holding.Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2008 der Tönnies Holding GmbH & Co. KG, Rheda-Wiedenbrück. In: Bundesanzeiger, 31. März 2011. Abgerufen im Bundesanzeiger am 9. Februar 2023. In den Folgejahren erfuhr die Unternehmensgruppe ein weiteres Wachstum. Im Zehnjahreszeitraum von 2007 bis 2016 wurde der Konzernumsatz von 2,46 Milliarden Euro auf 5,47 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016 der Tönnies Holding GmbH & Co. KG, Rheda-Wiedenbrück. In: Bundesanzeiger, 19. Februar 2018. Abgerufen im Bundesanzeiger am 9. Februar 2023.
Zum 1. Juli 2009 übernahm Tönnies den Rinderschlachthof der Unternehmensgruppe Vosding in Wilhelmshaven. Der Betrieb wurde unter der Firmierung Jade Schlachthof Wilhelmshaven GmbH weitergeführt, die Schlachttage wurden von zwei auf vier Tage pro Woche erhöht und die Schlachtkapazität auf rund 1.200 Tiere pro Woche gesteigert.