mini|hochkant|Gibson Les Paul mini|hochkant|Gibson ES 355 '59 (Gibson Custom Shop)
Die Gibson Guitar Corporation (kurz Gibson, Aussprache: []Oxford Dictionaries: (hier Aussprache des Cocktails als Beispiel), abgerufen am 6. März 2018.), gegründet 1902, mit heutigem Sitz in Nashville, Tennessee, USA ist einer der ältesten und bekanntesten US-amerikanischen Hersteller von Zupfinstrumenten – Banjos, Mandolinen, Gitarren, E-Gitarren und E-Bässen – sowie von Gitarrenverstärkern. Diese Instrumente werden auch unter der Marke „Gibson“ vertrieben. Zum Gibson-Konzern gehören weitere bekannte Gitarrenmarken wie Epiphone, Kramer, Dobro und Steinberger sowie u. a. die Instrumentenmarken Wurlitzer (Elektrische Orgeln, Klaviere), Oberheim (Synthesizer) und Slingerland (Schlagzeuge).
Neben Mitbewerber Fender ist Gibson eines der Pionierunternehmen bei der Entwicklung der E-Gitarre. Die weltweit erste industriell in Serie hergestellte E-Gitarre war 1936 eine Gibson – das Modell ES-150. Die seit 1952 hergestellte Gibson Les Paul gilt neben der Fender Stratocaster und der Fender Telecaster als der Klassiker unter den E-Gitarren.
Mit Mesa/Boogie gehört seit Januar 2021 auch ein US-amerikanischer Hersteller von Verstärkern für E-Gitarren und E-Bässen zum Konzern.
Der Namensgeber
Orville Gibson, Namensgeber für die spätere Gibson Guitar Corporation, wurde 1856 bei Chateaugay im US-Bundesstaat New York geboren. Im Jahr 1881 war der junge Gibson im Melderegister von Kalamazoo im US-Staat Michigan aufgeführt. Nach einigen anderen beruflichen Tätigkeiten führte er ab 1894 einen auf Mandolinen spezialisierten Laden für Musikinstrumente in Kalamazoo.Totally Guitar. S. 389. Während dieser Zeit experimentierte er mit der Übertragung von Herstellungsverfahren aus dem Geigenbau auf Zupfinstrumente. Im Jahr 1898 erhielt er ein US-Patent für ein Konstruktionsprinzip für Archtop-Mandolinen und -Gitarren. Anfang 1902 verkaufte Gibson die Rechte an der Verwendung seines Namens und des Patents an eine Gruppe Geschäftsleute, die im selben Jahr die Gibson Mandolin-Guitar Manufacturing Company gründeten und Orville Gibson als Berater anstellten. Der erste Katalog von Gibson erschien 1903 und bot Mandolinen, Mandolas, Gitarren und „Harp“-Gitarren an. Bereits im selben Jahr verließ Orville Gibson das Unternehmen, woraufhin ihm für die folgenden fünf Jahre eine jährliche Abfindung sowie eine lebenslange monatliche Rente zugestanden wurden. Orville Gibson starb 1918 im Alter von 62 Jahren.
Unternehmensgeschichte
Gründung Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war Gibson als Hersteller hochwertiger Mandolinen, Banjos und Ukulelen bekannt. Zur Förderung des Umsatzes setzte Gibson auf ein seinerzeit ungewöhnliches Vertriebssystem, das, anstatt sich auf den Einzelhandel zu konzentrieren, besonders Mandolinenlehrer als Vertriebs- und Werbepartner einsetzte. Im Jahr 1919 wurde der landesweit bekannte Mandolinen-Virtuose Lloyd Loar als Leiter der Entwicklungs-Abteilung eingestellt. Mit seiner einschlägigen praktischen Erfahrung war Lloyd der ideale Mann, der die von Orville Gibson angestoßenen Entwicklungen weiterzuführen imstande war. Die ersten Instrumente, für die Lloyd komplett verantwortlich zeichnete, waren die F-5 Mandoline und eine Gitarre mit der Typen-Bezeichnung L-5 (1923).
Als in den 1920er-Jahren Popularität von und Nachfrage nach Ukulelen und Banjos stetig fiel, jene nach Gitarren aber heftig anstieg, verlagerte Gibson den Produktionsschwerpunkt. So wurden im Jahre 1926 bei Gibson noch über 6.000 Ukulelen und 1.433 Gitarren hergestellt; im Jahr 1935 jedoch noch 197 Ukulelen, aber 20.575 Gitarren.Ralf Bauer: Gibson Roy Smeck Stage de Luxe, 1935. In: Akustik Gitarre, Ausgabe 5/2011, S. 126 f. Auch auf diesem neuen Markt stellte sich das Unternehmen als beständiger Innovator heraus. Eine der bahnbrechenden Entwicklungen von Gibson auf diesem Gebiet ist der Einsatz von einstellbaren metallenen Spannstäben (truss rod), die versenkt in die Hälse der Instrumente eingebaut wurden. Diese verstärkten nicht nur den Instrumentenhals, sondern hatten besonders den Zweck, die Krümmung des Halses (und damit die Saitenlage) zu justieren und so gegebenenfalls Verziehungen auszugleichen. Halsspannstäbe kommen heute in nahezu allen Gitarrenmodellen zum Einsatz. Ebenfalls in den 20er-Jahren begann Gibson, mit elektromagnetischen Tonabnehmern zu experimentieren. Im Jahr 1936 stellte Gibson mit der ES-150 die erste Gitarre vor, die serienmäßig mit einem solchen Tonabnehmer ausgestattet war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Der durch den Zweiten Weltkrieg bedingte Materialmangel bereitete dem Instrumentenbau erhebliche Probleme. 1944 entschloss sich Gibson daher zu einer Kooperation mit CMI (Chicago Musical Instruments Co.), einem der größten Musikinstrumenten-Vertriebe der USA.
Im Jahr 1952 erschienen die ersten Modelle der Gibson Les Paul auf dem Markt, die allerdings nach schleppenden Verkaufszahlen 1961 wieder eingestellt wurde. Nachdem die Les Paul in den 1960er Jahren zur Kultgitarre des aufstrebenden Bluesrock wurde, entschied man sich bei Gibson im Jahr 1967 zur Wiederaufnahme der Produktion.
Aufgrund der Erfolge der Marke Gibson wurde CMI im Jahr 1969 von Norlin Industries aufgekauft („Norlin-Ära“). Ziel des Konzerns war die Gewinnoptimierung durch ökonomischere Herstellungsmethoden. In der Folge spielte in der Produktion von Gibson die Kostenreduzierung eine große Rolle, was sich nachhaltig negativ auf die Qualität der Instrumente auswirkte. So wurden aus Kostengründen zum Beispiel preiswertere Hölzer verwendet und Laminate statt Massivhölzern verbaut. Dies verminderte jedoch die Klangqualität der Instrumente, so dass das Unternehmen letztlich Umsatzeinbußen verzeichnen musste.
Als in den 1980er-Jahren eine Flaute im Musikgeschäft dazu führte, dass Gibson aufgrund hochpreisiger Instrumente in zum Teil bestenfalls mittelmäßiger Fertigungsqualität weiter an Marktanteilen verlor, entschloss Norlin Industries sich, das für sie unrentabel gewordene Geschäftsfeld aufzugeben.
Im Januar 1986 wurde Gibson von einer neuen Unternehmensleitung, angeführt von Henry Juszkiewicz, Gery Zebrowski und David Berryman, übernommen. Das neue Management zeigte Gespür für die Wünsche des Marktes und hielt an der Idee der Rückbesinnung auf die Vorzüge der besten Vintage-Instrumente fest. Auch wurde nach Norlins Ausstieg wieder mehr Wert auf Qualität gelegt, wenn auch die Serien-Gibson-Instrumente nicht mehr die Qualität der Zeit vor 1969 erreichten. Lediglich die in der Produktlinie Custom Shop verkauften hochpreisigen Instrumente von Gibson erreichen diese Qualität annähernd.
Januar 2012 erwarb Gibson Anteile an der Onkyo Corporation in Japan sowie die mehrheitlichen Anteile an Onkyo USA und wurde damit zweitgrößter Gesellschafter des Audio-Herstellers. Im April 2013 erfolgte die Übernahme von TEAC für $52 Mio. 2014 wurde für 135 Millionen Dollar WOOX Innovation, die Audio-, Video-, Multimedia- und Zubehörsparte von Philips gekauft.
Nach der Insolvenz 2018 Im Februar 2018 wurde bekannt, dass das Unternehmen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehe. Gibson hatte Verbindlichkeiten in Höhe von über 500 Millionen Dollar angehäuft, die in jenem Jahr hätten bedient werden müssen. Zwischen 2013 und 2016 war der Umsatz von 2,1 auf 1,7 Milliarden US-Dollar gesunken.
Am 1. Mai 2018 beantragte Gibson Gläubigerschutz nach Chapter 11 und legte eine Vereinbarung mit mehr als zwei Dritteln ihrer Gläubiger über eine Umstrukturierung vor.https://www.guitarworld.com/gear/gibson-files-for-bankruptcy-protectionLegendärer US-Gitarrenhersteller Gibson insolvent orf.at, 2. Mai 2018, abgerufen am 2. Mai 2018.Firmenpleite: Die Fakten zur Gibson Insolvenz, 3. Mai 2018. Das Unternehmen konnte schließlich mit der Hilfe des U.S.-amerikanischen Alternative-Country-Musikers Nat Zilkha und der Investmentgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. gerettet werden, bei der der Gitarrist seit 2007 als „Head of Special Situations“ und Partner tätig war. Am 2. Oktober 2018 wurde das Unternehmen durch richterliche Zustimmung aus der gesetzlichen Beaufsichtigung entlassen und in die Eigentümerschaft von Kohlberg Kravis Roberts & Co. und weiteren Investoren übergeben. Am 23. Oktober wurde das neue Management von Gibson mit James Curleigh als neuen CEO bekanntgegeben.
Im Januar 2021 wurde der US-amerikanische Verstärkerhersteller Mesa/Boogie übernommen.
Im Mai 2023 verließ James („JC“) Curleigh Gibson und wurde ad interim durch den bisherigen Marken-Chef Cesar Gueikian ersetzt. Gleichzeitig wurde Luke Ericson zum Interim-COO ernannt.
Vorwürfe von Umweltschützern Im November 2009 und erneut im August 2011 durchsuchten US-Bundesbehörden die Geschäftsräume von Gibson und beschlagnahmten Tropenhölzer wie Ebenholz und Palisander, daraus hergestellte Instrumente sowie Aktenmaterial. Das Holz soll aus illegalem Holzeinschlag auf Madagaskar und in Indien stammen. Grundlage für die Beschlagnahme ist das so genannte Lacey-Gesetz, das den Import illegal geschlagenen Holzes in die USA verbietet, auch wenn die Gesetzesverstöße selbst nicht in den USA begangen wurden. Im Oktober 2011 wurde ein Antrag zur Änderung dieses Gesetzes in den Kongress eingebracht. Umweltschutzorganisationen wie Rettet den Regenwald beschuldigen Gibson, zusammen mit dem Holzkonzern APP hinter diesem Vorstoß zu stehen, und riefen international zu Protesten gegen Gibson und die angestrebte Gesetzesänderung auf. Im November 2011 veröffentlichte der Zoo Zürich eine Untersuchung, nach der die großen Mengen des von Gibson verarbeiteten Tropenholzes unmöglich aus legalen Forstkonzessionen stammen können. Sieben von acht Bäumen seien illegal gefällt worden; außerdem würde Holz auch im Nationalpark Masoala geschlagen. (PDF-Datei; 48 kB) Der Gitarrenbauer stimmte einer Strafzahlung von 300.000 US-Dollar zu.
Gitarren der Marke Gibson Bald nachdem der Produktionsschwerpunkt Gibsons auf Gitarren verlagert worden war, nahmen Archtop-Gitarren („Jazzgitarren“, Schlaggitarren) einen besonderen Rang in der Produktpalette ein. Dies sind akustische Vollresonanzgitarren mit gewölbter, in der Regel geschnitzter Decke (und Boden) und F-Schalllöchern; Instrumente, die zumeist mit Stahlsaiten gespielt werden. Das Konstruktionsprinzip dieser Instrumente ist dem des Geigenbaus entlehnt. Berühmte Archtop-Gitarrenmodelle, die seit den 1920er- und 1930er-Jahren praktisch unverändert gebaut werden, sind die Super 400, die L-5, sowie seit den 50er-Jahren die ES-175 und die Byrdland. Diese vier aufgeführten Modelle stehen aufgrund ihrer aufwendigen und hochwertigen Herstellung bis zur Gegenwart an der Spitze von Gibsons Produktsortiment.
Die vom Unternehmen seit den 1930er-Jahren verwendete Typenbezeichnung „ES“ für zahlreiche ihrer Gitarrenmodelle steht als Abkürzung für Electric-Spanish, wobei das Attribut Spanish vom Unternehmen ausschließlich verwendet wird, um hochkant, also mit aufrecht stehendem Korpus gespielte Instrumente von den mit flachliegendem Korpus gespielten Lap-Steel-Gitarren abzugrenzen. Dies wird vom Unternehmen jedoch ausschließlich für seine Voll- und Halbresonanz-Gitarren angewendet; keine der seit Anfang der 1950er-Jahre von Gibson entwickelten Solidbody-E-Gitarren trägt diese Bezeichnung.