Ume (Prunus mume; von jap. , kana ), auch Japanische Aprikose, Japanische Pflaume oder Winterkirsche, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie gehört wie die Aprikose und die Sibirische Aprikose zur Sektion Armeniaca in der Untergattung Prunus. Eine andere oft als „Japanische Pflaume“ bezeichnete Art ist die Sumomo (Prunus salicina).
Der asiatische Ume-Baum stammt aus China, aus der Gegend von Sichuan, Shaanxi, West-HubeiRuth Schneebeli-Graf, Ernest Henry Wilson: Blütenland China: Zierpflanzen. Band 1, 2. Auflage, Birkhäuser, 1995, ISBN 978-3-7643-5182-3, S. 98., dort méi () bzw. méishù () genannt. Über kulturellen Austausch mit China wuchs der Ume-Baum jedoch schon in alten Zeiten auch in Japan und in Korea (dort maesil genannt). Er wird wegen seiner Früchte und Blüten kultiviert.Jules Janick: Horticultural Reviews. Band 23, Wiley, 1999, ISBN 0-471-25445-2, S. 209.
In Japan gibt es mehr als 300 Kultursorten der Ume. Sie werden in drei Typen eingeteilt: Wildpflaumen-Typ (, yabai-kei), als Pfropfunterlage genutzt Purpur-blütiger Typ (, kōbai-kei), eher als Zierbaum angebaut Bungo-Typ (, Bungo-kei), liefert die besten Früchte
Etymologie Der wissenschaftliche Name (Prunus mume) bewahrt eine andere alte japanische Aussprache, möglicherweise die ursprüngliche mme (jap. ), was historisch als „mume“ (jap. ) geschrieben wurde, da es damals noch kein spezielles Kana für den verwendeten einzelnen Nasallaut gab. Alle drei Namen (chin. méi, jap. ume und kor. maesil) stammen von der länderspezifischen Aussprache desselben Schriftzeichens ab.
Merkmale Die Ume ist ein laubabwerfender Baum mit einer runden Krone, der Wuchshöhen von 1 bis zu 15 Meter erreicht, oder ein hoher Strauch. Die dünne Rinde ist graugrün, einzelne Exemplare dieser Bäume können über tausend Jahre alt werden.Patricia Jonas, Brooklyn Botanic Garden: Japanese-inspired Gardens: Adapting Japan's Design Traditions for Your Garden. Brooklyn Botanic Garden, 2001, ISBN 1-889538-20-5, S. 74.
Die einfachen, wechselständigen, frischgrünen, unterseits helleren, leicht ledrigen Laubblätter sind 4 bis 10 Zentimeter lang, eiförmig bis elliptisch und am Rand gesägt. In der Jugend sind sie beidseitig behaart, später oberseitig kahl, unterseitig nur auf den Nerven behaart und haben oft eine zugespitzte, schiefe Spitze.Leopold Dippel: Handbuch Der Laubholzkunde. Band 3, Paul Parey, Berlin 1893, Wentworth Press, 2016, ISBN 978-1-362-69958-3 (Reprint), S. 632 f, online auf biodiversitylibrary.org, abgerufen am 14. Februar 2017.
Die Blüten sind einzeln oder zu zweit, einfach oder gefüllt. Sie sind weiß bis dunkelrosa gefärbt, fast sitzend, erscheinen vor den Blättern und duften insbesondere abends stark. Der Blütenbecher ist breit becherförmig, es ist ein Winterblüher und die Blüten erscheinen vor den Blättern.Leah Chester-Davis, Toby Bost: The Successful Gardener Guide. John F. Blair (Hrsg.), 2011, ISBN 978-0-89587-515-0, S. 99 f.Hideyuki Doi: Winter flowering phenology of Japanese apricot Prunus mume reflects climate change across Japan. In: Climate Research. Vol. 34, No. 2, 2007, online (PDF; 168 kB), auf int-res.com, abgerufen am 14. Februar 2017, doi:10.3354/cr034099.
Die kleine Steinfrucht hat einen Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern und ist gelb oder grün, etwas behaart, kugelig und sauer bis bitter. Der Steinkern ist grubig und haftet gut am Fruchtfleisch.Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunus. In: Hans. J. Conert u. a. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band 4 Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3). Rosaceae 2. Blackwell 1995, ISBN 3-8263-2533-8.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16, selten 32.
Nutzung mini|Huàméi (chin. ); getrocknete Ume-Früchte mini|links|Chinesischer „Pflaumenwein“ méijiǔ (chin. ) mit Eiswürfeln mini|Umeboshi-Pflaumen (jap. )
Ume-Sirup, ein Extrakt, wird durch Einlegen der Früchte in Zucker gewonnen.Green Plum Syrup auf kimchimari.com, abgerufen am 16. Februar 2017. Er schmeckt süß-sauer und wird im Sommer als erfrischendes Getränk in Tee als Maesil-cha (koreanisch ) geschätzt. In Nord- und Südkorea wird er mit zunehmendem Erfolg als gesundes Tonikum unter den Namen Maesil-cheong (kor. ) vermarktet. Die nach dem Einlegen übrig bleibenden Ume-Früchte werden zu Maesil-jangajji (kor. ) verarbeitet, entweder mit Gochujang oder koreanischer Sojasauce Ganjang und Sojabohnenpaste Doenjang, auch mit Chili-Pulver Gochutgaru, Perilla-Blättern, Knoblauch, Gurken, Winterrettich, Zuckermelone, Essig und Deodeok-Wurzeln (Codonopsis lanceolata).
So wird auch der Saft der unreifen Ume-Früchte in Japan und Korea verwendet. Zur Konservierung werden sie lediglich in Sole eingelegt.
In China werden die Ume-Früchte in Salz, Zucker und Essig sowie Kräutern eingelegt als Suān méizǐ (chin. ).Ken Albala: Three World Cuisines: Italian, Mexican, Chinese. Altamira Press, 2012, ISBN 978-0-7591-2125-6, S. 201. Eine andere Variante ist Huàméi (chin. ), wofür die Ume-Früchte in Sole eingelegt und danach an der Sonne getrocknet, gezuckert und mit Zitronensaft sowie weiteren Gewürzen (Anis, Gewürznelken oder Zimt) abgeschmeckt werden.
Ein traditionelles kaltes, süßsaures, Erfrischungsgetränk ist das Bīngzhèn Suānméitāng (chin. ) aus geräucherten Ume-Früchten (chin. ) sowie wahlweise weiteren Zutaten. Gewürzt wird es meistens mit Kandiszucker, der mit der süßen Duftblüte parfümiert wird, Fiederblatt-Weißdorn (Crataegus pinnatifida), Chinesischem Süßholz (Glycyrrhiza uralensis) und etwas Salz.Sour Plum Drink; Suanmeitang auf pressurecookrecipes.com, abgerufen am 15. Februar 2017. Zusätzlich können wahlweise getrocknete Mandarine oder Chinesische Jujube, Zimtkassien-Rinde und -Blüten, Gewürznelken sowie Rosenblüten zugefügt werden.
Des Weiteren gibt es eine dicke, süße Sauce, Méizǐjiàng (chin. ), auch Méijiàng (chin. ) genannt, aus eingekochten Ume-Früchten mit raffiniertem oder Rohzucker, Salz und etwaigen Gewürzen oder einfach als süße Marmelade.
In der japanischen Küche findet die Ume folgende Verwendung: Umeshu (jap. ), also „Ume-Alkohol“, ist ein alkoholisches Getränk, das durch Einlegen von grünen Ume-Früchten in Shōchū, einem klaren Branntwein, hergestellt wird; es gibt auch chinesische und koreanische Varianten Umeboshi (jap. ), also „getrocknete Ume“, sind in Salz und in Shiso-Blättern eingelegte Ume-Früchte; das Pendant in China heißt Suān méizǐ (chin. ) Ume-Su (jap. ), also „Ume-Essig“, ist die Flüssigkeit, die während der Milchsäuregärung der Früchte entstanden ist. Mit seinem säuerlichen Geschmack kann man ihn wie Essig einsetzen. Mit einem Unterschied: Ume-Su ist sehr salzig, somit muss das Gericht nicht gesalzt werden. Ume Su ist weniger säurehaltig als herkömmliche Essigsorten.
Kulturelle Bedeutung In der chinesischen Kultur wird die Ume, besonders aber ihre Blüte, hochgeschätzt. Ume blüht in der kältesten Zeit des Jahres und wird deswegen als Symbol für Lebenskraft und das Trotzen widriger Bedingungen angesehen. Ume, Kiefer und Bambus werden die „Drei Winterfreunde“ (chin. ) genannt. Ferner bildet die Ume mit Orchidee, Bambus und Chrysantheme (chin. ) die sogenannten „Vier Edelmänner“ (chin. ). Dieses Quartett symbolisiert im sinokulturellen Raum Asiens die vier Jahreszeiten, Orchidee () für den Frühling, Bambus (chin. ) für den Sommer, Chrysantheme (chin. ) für den Herbst und Ume (chin. ) für den Winter. mini|Der Ume-Baum, der angeblich nach Kyūshū flog, um bei Sugawara no Michizane zu sein Am 21. Juli 1964 bestimmte das Parlament der Republik China (Taiwan) Ume als Staatsblüte.Republic of China (Taiwan): The Republic of China Yearbook 2015. Executive Yuan, 2015, ISBN 978-986-04-6013-1, S. 5 China Airlines zeigt deswegen auf der Heckflosse seiner Maschinen eine Ume-Blüte. Jedes dieser Bilder ist von Hand gemalt, weswegen sie alle unterschiedlich sind.
1928 bestimmte die damalige Hauptstadt der Republik China, Nanjing, die Ume als Stadtblüte. 1982 wurde dieser Beschluss von der (nun volksrepublikanischen) Stadtregierung bestätigt.
Viele Autoren, unter anderem Wang AnshiJürgen Weber: In den späten Jahren begehr ich nur die Stille: Chinesische Gedichte. Norderstedt, 2009, ISBN 978-3-8370-8551-8, S. 77. und Mao ZedongHans-Christian Günther, Gu Zhengkun (Hrsg.): Mao Zedong - Gedichte. Traugott Bautz, Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-864-7, S. 136 ff., haben der Ume Gedichte gewidmet, sie wurde auch im Man’yōshū erwähnt.
Auf der chinesischen 100-Yuan-Renminbi-Note ist eine Ume-Blüte abgebildet.100 Yuan-Note mit Prunus mume-Blüte auf currencyguide.eu, abgerufen am 14. Februar 2017. Beispielsweise nutzt die chinesische Reederei OOCL eine stilisierte Ume-Blüte im Firmenlogo.
In China wird das Schriftzeichen Méi (chin. ) für Ume auch als Name genutzt sowohl als Familienname (z. B. Anita Mui, ) als auch in Vornamen, besonders beliebt bei Frauen.
Ume-Blüten werden in der japanischen Poesie oft als Symbol des beginnenden Frühlings verwendet. Vor allem in traditionellen japanischen Gedichten (Haiku, Tanka und Renga) sind sie ein Sinnbild (Kigo) für den Frühlingsanfang.
Die Blüten werden mit dem Singvogel Uguisu, einem der Symbole der Stadt Nara, in Verbindung gebracht.S. Katsumata: Gleams From Japan. Routledge, 2011, ISBN 978-0-415-67958-9 (Reprint). Zusammen bilden beide eine der zwölf Farben der japanischen Spielkarten (Hanafuda).
In der Nara-Zeit war die Ume-Blüte beliebter als die heute bevorzugte Kirschblüte (Sakura), die erst nach der Heian-Zeit populär wurde.Michel Conan, W. John Kress: Botanical Progress, Horticultural Innovation and Cultural Changes. Harvard University Press, 2007, ISBN 978-0-88402-327-2, S. 132.
Der Ume-Baum wird im Shintō mit dem Kami Tenjin in Verbindung gebracht und deshalb an dessen Schreinen gepflanzt. Auch in China wird er geliebt und gefeiert und dort oft zur Dekoration des chinesischen Neujahrsfestes verwendet.
Einzelnachweise „Ume – Prunus mume Sieb.“ – – méi (englisch): , auf efloras.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online „Ume – Prunus mume Sieb.“ (englisch): , auf ipni.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Ume“ – (englisch, japanisch): , auf tangorin.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Ume“ – (deutsch, japanisch): , auf wadoku.de, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Ume“ – (deutsch, japanisch): In: lingweb.eva.mpg.de, abgerufen am 1. Mai 2019 – Online „Ume - Armeniaca mume Sieb.“ – – méi (englisch): , auf efloras.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Ume“ – – méi (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Ume“ – – méi (chinesisch, deutsch): , auf dict.leo.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „geräucherte Ume“ – (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff Meizijiang – (chinesisch): , auf xiachufang.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff Meizijiang – : , auf xiachufang.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online „Ume-Essig“ – (japanisch): , auf ume1.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff Ume-Su – – „Ume-Essig“ (englisch, japanisch): , auf tangorin.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff Ume-Su – – „Ume-Essig“ (deutsch, japanisch): , auf wadoku.de, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Drei Winterfreunde“ – (chinesisch, englisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Orchidee“ – (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Bambus“ – (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Chrysantheme“ – (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online Begriff „Vier Edelmänner“ – (chinesisch): , auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
Weblinks
Prunus mume im JC Raulston Arboretum, abgerufen am 12. Februar 2017. Prunus mume auf ndsu.edu, abgerufen am 12. Februar 2017. Japanische Aprikose (Prunus mume) auf baumkunde.de, abgerufen am 12. Februar 2017.