mini|Flensburger Holm (2011) Der Holm () in Flensburg ist heute eine Fußgängerzone im Zentrum der Stadt. Er verbindet zusammen mit der Großen Straße (Storegade) Sankt Nikolai am Südermarkt mit Sankt Marien am Nordermarkt (Nørretorv).
Geschichte
Der Holm im Mittelalter Der Name Holm für den Bereich der Straße in Flensburg ist seit dem Jahr 1284 belegt, doch der Begriff Holm war schon vorher im Gebrauch.Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. 2., überarbeitete Auflage. Flensburg 2005. unter: Holm Der Begriff bezeichnete nämlich in der Altnordischen Sprache, dem Altenglischen sowie dem Mittelniederdeutschen eine Erhebung, etwas Herausragendes.Holm. In: Duden – Deutsches Universalwörterbuch. Das heutige norddeutsche Wort, das in gleicher Weise in der heutigen Dänischen Sprache zu finden ist, bezeichnet heutzutage allgemein, genauso wie im Dänischen, eine kleine Insel oder Halbinsel. Teilweise auch weiterhin eine Landfläche, die sich über die Umgebung erhebt und sich von dieser unterscheidet. Im Mittelalter hatte aber das Flensburger Kirchspiel St. Nikolai durch den Hafen, durch Flüsse, den Mühleteich und den Stadtgraben eine Art Insellage.Vgl. Karte: Flensburg in der Mitte des 15. Jahrhunderts. In: Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966 sowie: Holm. In: Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. 2., überarbeitete Auflage. Flensburg 2005. Die Flensburger Holm war Teil der Herscopstrate (hochdeutsch: Herrschaftsstraße – im Sinne von: „Straße des Landesherren“),Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 439Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Große Straße die Hauptstraße Flensburgs die nördlich vom Südermarkt begann und bis zum Nordertor reichte.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: HeerwegSchriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 42 f. Gemeinsam mit der Norderstraße und der südwestlich am Südermarkt abzweigenden Roten Straße (Rødegade/Rudegade) bildet der Holm also von jeher einen Hauptteil der ursprünglichen Nord-Süd-Achse der Flensburger Innenstadt. In der Stadtmitte an der Kirchspielsgrenze zwischen St. Nikolai und St. Marien lag früher der gemeinsame Thingplatz der Kirchspiele. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts stand dort an der Stelle das Rathaus der Stadt.
Am 3. Mai 1485 wurde der Süden der Stadt durch eine Feuersbrunst zerstört. Auch der Holm war betroffen. Noch im selben Jahr fanden der Wiederaufbau und Ausbau der Nikolaikirche statt.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 388. Während des Mittelalters befand sich die Hafenspitze noch weiter südlich. Im Laufe der Jahrhunderte sollte der Hafen verlanden und die Hafenspitze weiter nach Norden wandern. Dennoch lag über eine ganze Zeit lang unterhalb des Holms noch der Hafen Flensburgs.
Groschen-Seite und 5-Pfennig-Seite Auf der Ostseite des Holms, zum Hafen hin, entstanden seit dem Mittelalter große Kaufmannshöfe. Kaufleute und Handelsherren bevorzugten diese Seite der Straße wegen der verkehrsgünstigeren Lage. Sie errichteten dort Lager- und Packhäuser. Die Hofenden dieser Kaufmannshöfe wurden im 18. und 19. Jahrhundert mit Gartenanlagen versehen, die an der Straße Süderhofenden lagen. Diese Gartenanlagen wurden später aufgegeben und sind heute bebaut. Auf der Westseite, dem Hafen abgewandt, entstanden am dortigen stark abfallenden Hangbereich nur kleinere Höfe. Dort ließen sich überwiegend Handwerker, Fuhrleute und kleinere Gewerbetreibende nieder. Diese weniger reiche Seite erhielt den Namen „5-Pfennig-Seite“,Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 43 f. da sie nur wenige Pfennige Wert warDaher offenbar auch teilweise verkürzt zu „Pfennig-Seite“. Vgl. Flensburger Tageblatt: Ein Rundgang mit der Petuhtante, vom: 23. August 2016; abgerufen am: 11. April 2018 und die Ostseite, den Namen „Groschen-Seite“, da sie doppelt so teuer war, nämlich einen ganzen Groschen.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Groschen-Seite
Am Holm sind noch heutzutage viele Patrizierhäuser und die für die Stadt typischen Handelshöfe zu sehen, die im Laufe der Zeit an der Ostseite zum Hafen hinab entstanden waren. So befindet sich einer der ältesten Handelshöfe aus Flensburgs Blütezeit vor dem Dreißigjährigen Krieg am Holm.
Der Holm während des 18. und 19. Jahrhunderts Der Dethleffsen-Hof, der im 18. Jahrhundert entstand, ist in unseren Tagen einer der sehenswerten Höfe. Im 19. Jahrhundert wurde die Herscopstrate in die heute noch existierenden einzelnen Straßen: Holm, Große Straße und Norderstraße aufgeteilt.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 43 sowie Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. 2., überarbeitete Auflage. Flensburg 2005. unter: Holm, Große Straße und Noderstraße Das erwähnte Rathaus am Ende des Holms wurde im Jahr 1883 aus Platzgründen entfernt, die Stadtverwaltung residierte fortan bis 1964 im ausgebauten Kaufmannshof Holm 7, dem Provisorischen Rathaus.
Der Holm seit dem 20. Jahrhundert mini|Der Holm mit alter Bepflasterung (2002) Am 29. Januar 1968 wurde der Holm zur Fußgängerzone erklärt.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 412. Der Autoverkehr wurde herausgenommen und 1973 wurde die Straßenbahnlinie 1 eingestellt. 1976 wurde die Fußgängerzone neu gestaltet. Ungefähr in der Mitte des Holms wurde noch im selben Jahr ein Brunnen mit einer Skulptur von Ulrich Beier, der Holmnixe (siehe Abschnitt unten) aufgestellt. Am 3. September 1977 wurde die neue Fußgängerzone offiziell eröffnet.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Holmnixe Ab dem Jahr 1987 bis ungefähr 1993 fand alle zwei Jahre das Holm-Nixen-Fest statt. Es beschränkte sich im Gegensatz zu anderen Flensburger Stadtfesten nur auf den Holm. Beim Südermarkt sowie der Holmnixe waren Bühnen aufgebaut, dazwischen einige Buden.Marsch und Förde, Holm-Nixen-Fest; abgerufen am 20. Juli 2014
Im Zuge einer Stadtsanierung wurde der Holm, genauso wie die Große Straße, 2007–2008 komplett überarbeitet und bekam neben neuer Bepflasterung auch neue Lampen und Bänke. Als neuen Belag wählte man wetterbeständigen chinesischen Granit aus der Provinz Shandong.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Chinesischer Granit
Der Holm ist heutzutage der am stärksten frequentierte Bereich der Innenstadt.Marsch und Förde, Holm Flensburg; abgerufen am 20. Juli 2014
Einzelne Bauten Die beiden vom Holm ausgehenden Einkaufspassagen, die 1986 fertiggestellte Holmpassage und die 20 Jahre später eröffnete Flensburg Galerie, verbinden heute historische Bausubstanz mit moderner Architektur. In einem Hinterhof im Holm 66 befindet sich die Galerie, eine Musikkneipe bzw. ein Restaurant, die/das früher als Kleinkunstbühne bekannt war. Ein weiteres Restaurant (der alte Ratskeller) liegt im denkmalgeschützten Gnomenkeller im Holm 3. Ebenfalls sehr bekannt ist das Borgerforeningen im Hof Borgerforeningen (Holm 17).
Sehenswert ist beispielsweise das restaurierte Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert.Gemäß Nicoletta Adams: DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Ostseeküste Schleswig-Holstein, Seite 84; abgerufen am: 22. Oktober 2014
Das Straßenstück Katsund mini|Straßenstück von Katsund (2014) Zwischen Holm und Südermarkt bestand ein kleiner Bereich, welcher früher auch den Namen Katsund (beziehungsweise auch: Kattsund geschrieben) trug.Die geschriebene Fassung: „Katsund“ ist offenbar die Fassung, die sich später als offizieller Straßenname durchsetzte; Vgl. Alle Einträge für Adress-Buch der Stadt Flensburg 1847; abgerufen am: 24. Oktober 2014 Der Name Katsund setzt sich gut erkennbar aus dem Wort Kat(t) sowie dem Wort Sund zusammen. Mit Kat könnte etwas gemeint sein das vergleichbar klein einer Katze ist (vgl. Kattegat); abgerufen am: 24. Oktober 2014 oder Kat bezeichnet in direkter Weise ein „kleines Boot“ (vgl. auch Katboot). Ein anderes Wort für Sund ist Meerenge. Bevor die Hafenspitze im Laufe der Zeit verlandete, lag der Südermarkt nicht weit entfernt vom Wasser. Der Name Katsund könnte also darauf hindeuten, dass in diesem Bereich früher kleine Boote im Wasser lagen.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Artikel: Kattsund; abgerufen am 24. Oktober 2014 Die dort befindliche kleine Straße trug also offenbar daher den Namen Katsund.Alle Einträge für Adress-Buch der Stadt Flensburg 1847; abgerufen am: 24. Oktober 2014 Sie hatte eine Länge von ungefähr 45 Metern und zu ihr gehörten wohl ungefähr 14 Häuser. Ab dem Jahr 1688 wohnte dort über viele Generationen die Reepschlägerfamilie Landt. Flensburg Journal, Flensburger Straßen und Stadtteile, 26. Februar 2014. Heutzutage existiert Katsund offiziell jedoch nicht mehr. Es wurde am 15. März 1881 dem Holm hinzugefügt.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 1972, , S. 442. Die Häuser der Westseite von Katsund wurden 1898 abgebrochen, womit der Südermarkt vergrößert wurde und die Kirche von der Bebauung befreit und damit optisch an den Marktplatz gerückt wurde. Heute steht dort eine Aussichtsplattform. die auch bei Veranstaltungen auf dem Südermarkt als Rathausbalkonersatz dient.Historische Stadtansichten in der Nikolai-Kirche. In: Flensburger Tageblatt, 28. Juli 2012; abgerufen am: 24. Oktober 2014 In einigen anderen Städten existierten und existieren sogar noch heute Straßen mit diesem Namen, teilweise auch mit der Namensvariante Kattesundet; beispielsweise: Eckernförde, Ekenis, Schleswig, Heiligenhafen, dem dänischen Kolding, Kopenhagen oder dem schwedischen Lund. Von Flensburgs altem Katsund blieb aber das Steinbach-Haus, Holm 59 übrig, welches als Kulturdenkmal eingetragen wurden. Das Haus der Reepschlägerfamilie, mit der späteren Adresse Holm 63, wurde im Jahre 1908 abgebrochen. Das anschließend dort errichtete Haus trägt das Familienwappen der Landts.Dieter Pust: , Seite 47 Das besagte östliche Straßenstück des heutigen Holms wird weiterhin noch ab und an Katsund genannt. Beim Flensburger Stadtbezirk Sünderup liegt heutzutage zudem noch die Siedlung Kattloch, welche einen offenbar ähnlichen Namen trägt.
Sage von Tort Jepsen mini|Das Haus mit der Adresse Holm 19–21