Santa Maria sopra Minerva (), vollständig Basilica di Santa Maria sopra Minerva, ist der einzig verbliebene bedeutende Kirchenbau Roms aus der Zeit der Gotik und eine der Hauptkirchen des Dominikanerordens. Seit 1566 ist die Basilica minor eine Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Sie befindet sich an der Piazza della Minerva im Rione Pigna, einem historischen Zentrum Roms, dem Marsfeld südöstlich des Pantheons. Südlich grenzt die Straße Via di S. Caterina da Siena an, benannt nach der Heiligen Katharina von Siena, deren Grab sich unter dem Hauptaltar der Kirche befindet.Clemens Bombeck: Auch sie haben Rom geprägt. An den Gräbern der Heiligen und Seligen in der Ewigen Stadt. Schnell & Steiner, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1691-4, S. 128. Die Kirche wurde über den Ruinen der Saepta Julia und in der Nähe eines römischen Minerva-Tempels errichtet, daher der Name (italienisch sopra, lateinisch supra „über“).

Unter Papst Nikolaus III. begann ca. 1280 die Entstehungsgeschichte des heute existierenden Kirchenbaus, der innen endgültig 1453 und die Fassade 1725 unter Papst Benedikt XIII. fertig gestellt wurde. Umbauten im Barock und im 19. Jahrhundert verliehen der Kirche ihr heutiges Aussehen. Sie ist Grabeskirche der Päpste Leo X., Clemens VII., Paul IV., Benedikt XIII. und Urban VII., zahlreicher Kardinäle sowie Künstler. Ferner ist Santa Maria sopra Minerva bekannt durch eine Vielzahl von Kunstwerken, unter anderen von Michelangelo, Filippino Lippi, Andrea Bregno und Gian Lorenzo Bernini. Die Kirche war Schauplatz von zwei Papstkonklaven und wichtiger Inquisitionsverfahren, so etwa die Prozesse gegen Galileo Galilei, Luigi Pasquali, Giordano Bruno, Miguel de Molinos und Giovanni Mollio. Die Kirche und das angrenzende Kloster dienten dem Dominikanerorden lange Zeit als Generalkurie.

Geschichte Historische Topografie mini|Topographie augusteische Zeit Zu Beginn der römischen Kaiserzeit befand sich an der Stelle der heutigen Kirche und ehemaligen Konvent-Gebäudes die Säulenhalle Saepta Julia. Hinter dieser lagen das Heiligtum der ägyptischen Göttin Isis, das Iseum Campense, und das Serapeum, ein dem Gott Serapis geweihter Tempel. In unmittelbarer Nähe stand der Tempel der Göttin Minerva Chalcidica, möglicherweise eine Stiftung des Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus, der von Kaiser Domitian neu errichtet wurde.Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer, S. 284 ff. Der Name der Göttin Minerva wurde später in den Namen der Kirche einbezogen, obwohl der Tempel tatsächlich außerhalb des Gebiets der Kirche lag. Die bis zum 16. Jahrhundert erhaltene kleine Cella im angrenzenden Konvent gehörte daher auch nicht zum Minerva-, sondern zum Isistempel.Mariano Armellini: Le Chiese di Roma, Edizione del Pasquino, 1891 Der ägyptische Obelisk vor der Kirche im Zentrum der Piazza della Minerva wurde 1665 im Garten des Dominikaner-Klosters gefunden. Er kam wahrscheinlich im 1. Jahrhundert nach Rom und stand am Eingang des Isis-Tempels. Eine erste Kirchengründung östlich des Pantheon lässt sich im 8. Jahrhundert nachweisen.F. Gregorovius: Itinerario aus dem Kloster Einsiedeln, Band 1, 2, S. 689 ff.

Geschichte Papst Zacharias überließ um 750 den aus Konstantinopel vor den Bilderstürmern geflüchteten Basilianerinnen das Areal des Tempels der Minerva Chalcidica. Später übersiedelten sie in das benachbarte neue Kloster Monastero di Campo Marzio, behielten aber den Namen der Domäne Santa Maria sopra Minerva. Diese Zuweisung wurde 1197 von Papst Coelestin III. bestätigt.Memorie istoriche della chiesa di S. Maria sopra Minerva, S. 3 f. Um 1266 erhielt der Dominikaner-Orden vom Papst die ursprünglich vorhandene kleine Kirche Santa Maria in MinervioUnter dieser Bezeichnung ist die Kirche im „Itinerario aus dem Kloster Einsiedeln“ erstmals erwähnt. aus dem 9. Jahrhundert zusammen mit weiteren umfangreichen Besitzungen und Grundstücken zugesprochen, die vordem den Benediktinerinnen vom Campus Martius (Marsfeld) unterstanden. Durch das Erstarken des Dominikaner-Ordens in Rom wurde neben den von Papst Honorius III. zugeteilten Niederlassungen am Aventin und an der Via Appia ein weiterer Platz nötig. Sie wünschten sich diesen näher der Stadt, um sich besser des Seelenheils der dort lebenden Bevölkerung annehmen zu können. Die Pfarr- und Besitzrechte wurden erst 1275 rechtskräftig. Der Legat Papst Gregors X. und Dominikanermönch Fra Aldobrandini Cavalcanti, verhandelte maßgeblich die endgültige Schenkung der Kirche mit allen Rechten und beendete dadurch einen andauernden RechtsstreitStefano Orlandi: Necrologio di Santa Maria Novella, Florenz 1955, Bd. 2, S. 418 ff.. 1276 bestätigte Papst Johannes XXI. die Rechte. Der Orden benutzte die Übereignung, um unmittelbar darauf ein Kloster und ein studium conventuale zu gründen. Der Kirchenbau, in der Größe wie er heute noch besteht, erfolgte ab ca. 1280 durch Mittel des Senats der Stadt RomBulle Nikolaus III. vom 24. Juni 1280 – Fontana 1670 und zahlreicher Spenden frommer und berühmter Persönlichkeiten aus Klerus und Bürgertum. Die endgültige Fertigstellung des Kirchenbaues dauerte bis 1453.

Er entstand im Wesentlichen in drei BauphasenU. Kleefischer-Jobst: Die römische Dominikanerkirche S. Maria sopra Minerva, S. 9:

I. Den Bau des Querhauses veranlasste ab 1280 Papst Nikolaus III. aus der römischen Adelsfamilie der Orsini. Bis ca. 1320 waren auch der verbundene Campanile an der Nordwestseite und die fünf Kapellen fertiggestellt. Am Langhaus errichtete man an der Nord- und Südseite jeweils an das Querhaus angrenzend drei Seitenkapellen und wölbte sie ein. Das Langhaus wurde bis zum Obergaden ausgeführt. Der Neffe des Papstes Latino Malabranca Orsini war Prior des Dominikanerordens in Santa Sabina und legte 1279 in Florenz den Grundstein für Santa Maria Novella, die in Architektur und Raumproportion als Vorbild bzw. Parallelbau der Kirche in Rom gilt. Sein Grabmal befindet sich noch heute im Durchgang (23) links neben der Hauptchorkapelle von S. Maria sopra Minerva.

II. Bis ca. 1340, in der zweiten Bauphase, errichtete man das Mittelschiff, schloss die Joche mit einem offenen Dachstuhl und setzte die Fassade davor. Die mittelalterlichen Baustrukturen sind z. T. bis heute erhalten, in den unverputzten Mauerwerken oberhalb der Gewölbe sind die einzelnen Bauphasen erkennbar und voneinander abgrenzbar.mini|Inschrift an der KirchenfassadeFrancesco di Orsini, Graf von Gravina und Conversano, Präfekt der segensreichen Stadt (Rom) hat aus eigenen Mitteln dafür gesorgt, dass die seit längerem zur Hälfte unterbrochenen Arbeiten am Bau der berühmten Kirche der Heiligen Maria der Jungfrau sopra Minerva vollendet wurden zu seinem Seelenheil. Im Jahr des Herrn 1453 Im Pontifikat unseres Herrn Papst Nikolaus V.

III. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts und nach der Rückkehr der Päpste aus dem Exil in Avignon wurde das Querhaus erhöht und zusammen mit dem Langhaus neu eingewölbt. Die Maßnahmen finanzierten im Wesentlichen Kardinal Antonio Caetani, einer der reichsten Kardinäle Italiens aus dem Adelsgeschlecht der Caetani, durch eine testamentarische Verfügung, sowie der Präfekt Francesco Orsini. Gemäß der großen Inschrift an der Kirchenfassade ist der Bau 1453 unter Papst Nikolaus V. vollendet. Die Kirche muss mit prächtigen Gemälden ausgestattet gewesen sein.vgl. F. Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Kapitel 366: „… so ließ Torquemada seine Betrachtungen über die Gemälde in S. Maria sopra Minerva schon im Jahre 1467 drucken“. Ab dem 15. Jahrhundert entstanden die Anbauten für die Familienkapellen im rechten Seitenschiff, mit Ausnahme der Cappella Orsini (heute Aldobrandini (10)), die bereits im Mittelalter vorhanden war.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Hauptchorkapelle umgestaltet um Platz für die Grabmonumente der Medici-Päpste Leo X. und Clemens VII. zu schaffen. Da die Florentiner bis zur Fertigstellung ihrer Nationalkirche San Giovanni dei Fiorentini über keine eigene Kirche in Rom verfügten, führten die Grabstätten der beiden Medici-Päpste dazu, dass Santa Maria sopra Minerva zur Lieblingskirche der Florentiner in Rom wurde. Das erklärt auch die ungewöhnlich hohe Anzahl an Grabmälern wohlhabender florentiner Edelleute in der Kirche.Arne Karsten, Philipp Zizlsberger: Tod und Verklärung S. 296 f. Vermutlich ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Kirche wesentliche Veränderungen, jedoch ist über diese Bauphase wenig bekannt, mit Ausnahme des Einbaus der barocken Fenster im Obergaden und des Querhauses. Bis ca. 1560 grenzte der Kreuzgang des Konvents direkt an die Nordwand der Basilika. Im Zuge der Neugestaltung des Kreuzganges Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden die Kapellen im linken Seitenschiff. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts musste der Hauptchor erneuert werden und erhielt dabei eine halbkreisförmige Apsis mit drei großen Fenstern.

Die große Restaurierung der Kirche erfolgte zwischen 1848 und 1855 unter dem Pontifikat Papst Pius IX., der sich persönlich für die Renovatio der frühchristlichen Denkmäler einsetzte. Besonders im Inneren der Kirche wurden erhebliche Veränderungen vorgenommen. Der Konvent strebte vordergründig nicht den Stil der Gotik zu erhalten an. Girolamo Bianchedi, ein Architekt aus dem Dominikanerorden, entwarf Pläne, die den Innenraum der Kirche in die mittelalterliche Kirche des 13. Jahrhunderts zurückverwandeln sollte. Bianchedi legte seine Entwürfe der Accademia di San Luca vor, die jedoch die Restaurierung im neugotischen Stil empfahl. Die ausgeführten Umbauten waren im Wesentlichen:U. Kleefischer-Jobst: Die römische Dominikanerkirche S. Maria sopra Minerva, S. 21 ff. • Im Hauptchor wurden das Kreuzrippengewölbe eingezogen sowie die Okuli und die Biforienfenster eingesetzt. • Der Triumphbogen erhielt wieder einen Spitzbogen und die Vierungspfeiler wurden umgestaltet. • Das Gewölbe des Mittelschiffs aus dem 15. Jahrhundert ergänzte man mit Rippen und Schildbögen, um den Eindruck eines gotischen Kreuzrippengewölbes zu erzeugen. • Die barocken Fenster im Obergaden tauschte man gegen Okuli aus. • Wegen der Feuchtigkeit und zur Anpassung an das neue Erscheinungsbild erfuhr der Fußboden eine Sanierung. • Die Ausmalung der Kirche im neugotischen Stil sowie die Ausstattung mit Stuckmarmor waren die zuletzt vorgenommenen Arbeiten. Am 23. August 1855 überführte man, anlässlich der Einweihung des Hauptaltars durch Papst Pius IX., die Gebeine der Hl. Katharina aus der Cappella Capranica unter den Hauptaltar.

Architektur Wer die Architekten und Planer der gotischen Kirche S. Maria sopra Minerva waren, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. In zahlreichen Veröffentlichungen werden die Laienbrüder Fra Ristoro da Campi und Fra Xistus, die als die Architekten der Dominikanerkirche Santa Maria Novella in Florenz gelten, genannt. Diese Theorie, Ende des 19. Jahrhunderts entstanden,Kleefisch-Jobst: S. 45 ist jedoch überholt. Das Gleiche trifft, nach heutigem Forschungsstand, auf die Planung der florentinischen Kirche zu. Zweifelsfrei weisen die beiden Dominikaner-Kirchen des Mittelalters eine enge Verwandtschaft auf, doch finden sich viele Stilelemente der römischen Bautradition, die eine eigenständige Planung der Kirche belegen. Stilistische Vergleiche mit zeitgleicher Architektur für die Mendikantenorden in der Toskana und Umbrien lassen Rückschlüsse in der Planung und Konzeption auf mögliche beteiligte Persönlichkeiten sowie Kunst- und Architekturformen zu, die die gotische Kirche S. Maria sopra Minerva in ihrer Einzigartigkeit prägten. Festgestellt werden kann, dass diese für Rom neue Form der Präsentation für den aufstrebenden Bettelorden der Dominikaner bewusst Programm war, um sich von dem Franziskanerorden, der die Kirche Santa Maria in Aracoeli noch ganz in der Tradition der frühchristlichen Basilika erbauen ließ, abzugrenzen.

Bauformen mini|Das Hauptschiff