mini|hochkant=1.3|Die Burg um 1600 (Zeichnung W. Pabst)
Die Küssaburg, auch Schloss Küssenberg genannt, ist die Ruine einer Gipfelburg auf im Klettgau im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg.
Die Küssaburg ist Eigentum des Landkreises Waldshut. Ihre Betreuung obliegt dem Küssaburg-Bund.
Die Burganlage befindet sich auf dem Territorium der Gemeinde Küssaberg innerhalb der Gemarkung von Bechtersbohl, historisch war sie eng mit dem Dorf Küßnach verbunden.
Die nach dem Bauernkrieg ab 1529 ausgebaute Festung wurde 1634 im Dreißigjährigen Krieg zerstört.
Die Höhenburg ist historisches Baudenkmal am Hochrhein und ein Wahrzeichen des Landkreises. In den Anfangsjahren der Wertschätzung von Archäologie im 19. Jh. schützte ein erstes Gesetz die Erhaltung und Freilegung der Burgruine (1855), die heute ein beliebtes Ausflugsziel in der Region ist.Dirk Salzmann: Küssaburg [Küssaburg (KBG)].Zur Zeit der Burgenromantik., Südkurier, 6. Mai 2010. Die Gesetzgebung stoppte den Abbruch von Baumaterial und lenkte Schatzgräberei in geordnete Bahnen. Erste Ausgrabungen waren noch abenteuerlich und bereits mit Aufwand zur Dokumentation verbunden.
mini|Dampflokomotive Küssaburg (1856) Die Aufmerksamkeit auf alte Geschichte brachte auch Technik und Historie zusammen – im Namen der ersten Lokomotive für die Hochrheinbahn: Dampflokomotive Küssaburg. Mit ihr wurde die Verbindung Basel-Konstanz am 15. Juni 1863 eröffnet. Ein Meilenstein für den Tourismus am Bodensee.
Der Sicherungsbereich von Platz und Festung reichte historisch um Zürich – Tiengen – Stühlingen – Schaffhausen. Die römische HeeresstraßeAlb-Bote: Waldshuter Erzähler (WTE) Tor der Römer nach Germanien. 9. Dezember 2017. von Italien und den mittleren Alpen nach Norden zwischen Schwarzwald und der Donau nach Germanien verlief über den Pass von Bechtersbohl am Westfuß der Burg.
Umfassend siehe: Die Geschichte der Küssaburg
Lage und Umfeld mini|Fußweg von Bechtersbohl aus
Die Küssaburg befindet sich in der Linie der Ausflugsziele am Hochrhein zwischen Bad Säckingen (Münster) und dem Rheinfall bei Schaffhausen. Der Küssenberg befindet sich auf dem südlichen Ausläufer des Randen-Gebirges und beherrscht unmittelbar einen alten Verkehrsweg aus dem Schweizer Alpenvorland in den Klettgau, dessen nächste Station von dem nördlichen Bergzug des Randen und der dahinter verlaufenden Wutach begrenzt wurde. Das nächste Machtzentrum war historisch nach dreihundert Jahren als römischer Ort Iuliomagus (Schleitheim), das Schloss Stühlingen mit der anschließenden Landgrafschaft.
Am westlichen Fuß der Burg liegt Bechtersbohl (> hier die Zufahrt zur Burg) mit der in römischer Zeit ausgebauten Passstraße. Der Ort Küßnach im Südosten ist über einen Fußsteg erreichbar.
mini|Ehemalige Jugendherberge, heute Ferienhaus Die Serpentinenstraße zur Anhöhe wurde 1933/34 gebaut – sie führt zur Gaststätte Küssaburg – deren Eröffnung „nach alten Urkunden auf den 25. Januar 1917 datiert.“ Der landwirtschaftliche Betrieb („Schloßhof“) zählte früher zu den Versorgern der Burg. Oben, am Aufstieg zur Ruine, steht „die ehemalige [Nachkriegs-]Jugendherberge. (1933 „Wehrertüchtigungslager“ für Jugendliche/Bohlhofpiloten) erbaut.“Rudolph Morath: Alte Burgruine ein Ziel vieler Wochenendausflüge. Südkurier, Juli 1996. Seit dem Umbau 1979 dient sie als Ferienhaus.
Nach Osten führt ein Wanderweg zum Kalten Wangen an der Verbindungsstraße von Grießen nach Hohentengen.
Die Küssaburg liegt in einer Einflugschneise zum Flughafen Zürich.
Siehe auch: Touristische Kurzbeschreibung
Aktuelles Sanierungsvorhaben Nach Übernahme der Burg in die Verantwortung des Landkreises 1978 erfolgte eine Reihe von Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen. Letzte Arbeiten in diesem Rahmen erfolgten 2017. Mit Erwin Schwing von der Hochschule in Karlsruhe wurde im Auftrag von Landkreis und Küssaburgbund 2018 ein neues Sanierungskonzept „entwickelt, das nach Prioritäten in den nächsten sechs bis sieben Jahren abgearbeitet werden soll und mit rund 140.000 Euro geplant ist. […] Mitte September werden die nächsten Arbeiten an der Burg ausgeführt. Geplant sind Arbeiten am vorderen Turm und an der Mauer. Zunächst muss der Bewuchs entfernt werden, der mit seinem Wurzelwerk die Steine gelockert hat. Die Maßnahme dauert rund zwei Monate.“Tina Prause: Renovierung auf der Küssaburg. Alb-Bote/Südkurier, 17. Juli 2018.
Namensgebung Zur Namensgebung gibt es zwei wissenschaftlich begründete Ableitungen und einige regionale, poetische und auch spekulative Deutungen, die sich auf Vergleiche im Wortklang oder in der Schreibweise beziehen.
mini|Die Küssaburg von Küßnach aus. Bild von Eduard Schuster, 1908 Küssaburg und Küssnach haben eine gemeinsame Herkunft. Die historischen Belege (1. Hälfte des 15. Jh. Kussach, 1500 Küssnacht usw.) deuten darauf hin, dass der Ort Küßnach in althochdeutscher Zeit Kussinaha hieß. Das Bestimmungswort ist der Personenname Kusso, bei Küßnach ist -bach oder -ach/-a zweiter Bestandteil (Grundwort). Bei -ach oder -a handelt es sich um Zusammensetzungen mit dem altdeutschen Wort aha ‚Wasser‘.Albrecht Greule: Gewässernamen im Landkreis Waldshut. In: Heimat am Hochrhein 1985, Südkurier Verlag, Konstanz 1984, S. 86 ff.
mini|hochkant=1.3|Burgberg vor der Klettgauebene, 1958
Die ursprüngliche Namensgebung wird auf der Basis durch Archäologie erlangten Wissens bereits als Landgut eines Römers gedeutet, der im südlich der Burghöhe im Tal einen Steinbau (Villa) – möglich ab dem 1. Jahrhundert nach Christus – errichten ließ und mit dem Namen Cossinus überliefert sein kann. -ach wäre vom keltischen akum (Hof) abzuleiten. Siehe auch: Abschnitt zur Römerzeit.
Die Vielzahl der poetischen, manchmal auch spekulativen Namenserklärungen von Geschichtsfreunden, die sich meist auf Vergleiche im Wortklang oder in Schreibweisen beziehen, hat Wolf Pabst, Küssaberg, zusammengefasst.woher hat die Küssaburg ihren Namen ? (PDF; 1,0 MB), Wolf Pabst, auf kuessaberg.info
Baumaterial, Territorium und Topographie mini|Im Vorgelände sind symmetrisch Baumreihen zu erkennen, die an Erdstrukturen angepasst sind, 2007
Der Burgberg besteht aus den hellweißen Gesteinen des Weißen Jura, aus dem auch die Mauern erstellt sind. Die sehr harten Malmgesteine sind nur schwer in Form zu hauen und zerspringen dabei gerne, weshalb man einen Großteil der Treppen, Schießscharten, Fensterfassungen, Laibungen, Stürze und das Wappen am Eingang aus dem unweit in der Nachbarschaft abgebauten braunfarbenen Sandstein der Wutach-Formation dafür verwendete. Sie setzen durch den Farbunterschied auch den typischen lokalen Akzent.
Die Lage des Küssenberges mit seinem Gipfelplateau bot topographisch eine geeignete Position zur Kontrolle eines wichtigen Übergangs aus dem Alpenvorland über den Rhein und die Bergkette des südlichen Randen ins ‚Landesinnere‘, in die mitteleuropäischen Territorien:
„Die Burg besetzt die vorderste, nach Westen gerichtete Weißjuraspitze des Klettgauer Randen, von wo aus man den Sattel mit dem Paßübergang von Bechtersbohl beherrscht.“Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut), Hrsg.: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- u. Frühgeschichte Karlsruhe, Badische Fundberichte, Sonderheft 11 (Katalogband), 1969, S. 126.
Vorgeschichte Nicht nur die Lage macht es wahrscheinlich, dass der Platz schon in Urzeiten besiedelt war: Beim Bau einer Wasserleitung im näheren Burgbereich kam ein schweres Randleistenbeil der frühen Bronzezeit (7000 bis 5000 v. Chr.) zu Tage.
Kelten Da das Plateau der Küssaburg durch die nach drei Seiten steil abfallenden Berghänge und dem schmalen ‚Schlauch‘ am Schwachpunkt der östlichen Seite gut abgeriegelt werden konnte, kann ein keltisches Befestigungswerk vorausgesetzt werden, da auch an weiteren alten Verkehrswegen in der Region Höhenburgen festzustellen sind – wie die Wallburg Semberg bei Schwerzen und der Hornbuck bei Riedern am Sand. Die Funde und Befunde von der Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter machen eine sehr alte Befestigung auf dem Berg wahrscheinlich.
Römer Zudem wird vermutet, dass an gleicher Stelle vor etwa 2000 Jahren ein Wach- und Signalturm stand, um das Teilstück der römischen Heerstraße von Tenedo (Bad Zurzach/Schweiz) bis Juliomagus (Schleitheim/Schweiz) zu sichern. Am Fuß des Berges befand sich ein Gallo-römischer Umgangstempel.Jürgen Trumm: Ein gallo-römischer Umgangstempel bei Oberlauchringen in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1995, Theiss-Verlag, Stuttgart 1996, S. 217 ff.
In der Heimatforschung schreibt Emil Müller-Ettikon: „Auf dem Küssenberg saß ein Kelte, der sich Cossinius nannte, ein Geschlechtername, der mehrfach bezeugt ist. Er gab auch dem Dorfe Küßnach den Namen. Die -ach kommt hier nicht von dem germanischen aha = ach, was fließendes Gewässer bedeutet […], sondern ist das keltische Suffix -akos, lateinisch akum, das den Besitz, die Zugehörigkeit zu einer Person ausdrückt.“Emil Müller-Ettikon: Was die Namen über die Entstehung der Siedlungen verraten. In: Der Klettgau. Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt im Auftrag der Stadt Tiengen/Hochrhein, 1971, S. 61.
In der Forschung gilt als wahrscheinlich (Jürgen Trumm), dass der Name entstand, als ein Römer namens Cossinius vor 2000 Jahren ein Landgut beim ursprünglichen keltischen Dorf bauen ließ. Architektonisch ein Steinbau (Villa), der im Zusammenhang mit militärischen Einheiten errichtet wurde (Legionäre waren Bausoldaten). Umgeben von Holzbauten der Kelten, auch Mühlen in durchdachter Konstruktionstechnik.
mini|Römische Straßenplatte mit eingehauener Wagenspur Als nach dem Ende der römischen Epoche um 500 nach Christus die Steinbauten zerstört waren, ging auch das Wissen um entsprechende Konstruktionstechniken verloren. 200 Jahre später, nach der Wiederentdeckung eines römischen Handbuches, das abgeschrieben wurde, war der Steinbau um 1000 n. Chr. wieder allgemein verbreitet (Burgen, Brücken, Kirchen). Das Material der antiken Bauwerke in der Umgebung wurde für den Neubau in Dörfern und Höhen und Bergen benutzt. Heute zeigen sich zwei Spursteine im Mauermaterial der Küssaburg, die von dem steil abfallenden Straßenstück der hier bis 1871 benutzten Römerstraße von Bechtersbohl in den Klettgau stammen werden. Die Spuren verhinderten das Ausscheren von Wagen.
Alamannen und Franken Im Jahr 386 bauten die Römer zuletzt noch eine Steinbrücke zwischen dem Kastellort Tenedo (Bad Zurzach) und dem Rheinheimer Brückenkopf. In der historischen Literatur wird von einer langen Phase oft friedlicher Koexistenz (Handel) in diesen Zeiten ausgegangen. Nach der Auflösung des Römischen Imperiums und dem Abzug der letzten Truppenverbände von der Hochrheinlinie Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr., konnten sich die Alamannen in der Region ungestört ansiedeln.
mini|Das fränkische Alamannien um 1000 (orange). Doch nach der Niederlage 496 der Alamannen in der Schlacht von Zülpich gegen die Franken (Merowingerkönige) besetzten diese zuerst stützpunktartig Alamannia und gründeten später auch eigene Dörfer – ein Umstand, der in der Forschungen mit entsprechenden Namensendungen der Ortschaften verbunden wird. Die Überlieferungen berichten von einer langen und weitgehenden Autonomie der Alamannen unter fränkischer Herrschaft und von zahlreichen kleinen und größeren Aufständen.
Unter den Karolinger-Königen war Alamannia nur noch eine Provinz des Reiches, das Karl der Große um 800 in die noch heute bestehenden Gaue einteilte. Der ehemalig unter den Alamannen gebräuchliche Herzogstitel wurde von den Franken durch die Einrichtung der Grafen-Ämter abgelöst, die anfangs auch von ihnen besetzt wurden.Pierre Riché: Die Welt der Karolinger, Reclam-Verlag 2009. Aus dieser Zeit stammt auch das erste schriftliche Dokument zu einer Burg auf dem Küssenberg im Archiv des Klosters Rheinau aus dem Jahr 888.