mini|Hauptsitz im Toranomon First Garden, Minato-ku, Tokio Oki Denki Kōgyō (jap. , Oki Denki Kōgyō Kabushiki-gaisha, engl. Oki Electric Industry Co., Ltd.), üblicherweise als OKI bezeichnet, ist ein japanisches Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie mit Hauptsitz in Minato-ku, Tokio. Die Aktie wird an der Tokioter Börse unter dem Ticker 6703 gehandelt. OKI war bis Oktober 2022 im Nikkei 225 gelistet und wurde im Rahmen einer turnusmäßigen Überprüfung aus dem Index entfernt.
Firmengeschichte
Gründung und Pionierzeit der Telekommunikation (1881–1917)
mini|Automatische Fernschreib-Vermittlungsanlage von OKI
Kibataro Oki (1848–1906) trat 1874 in die Schule für Technologie beim Telegrafenamt ein und war ab 1877 an den ersten Versuchen beteiligt, importierte Bell-Telefone durch Nachbau für den japanischen Markt herzustellen. Am 12. Januar 1881 gründete er in Tokio-Shinsakanacho (Kyōbashi) das Unternehmen Meikōsha (明工舎). Bereits im Gründungsjahr präsentierte Oki sein „Microsound“-Telefon (nach dem Edison-Prinzip) auf der Zweiten Nationalen Industrieausstellung und gewann den zweiten Platz. 1882 lieferte Meikōsha tragbare Drucker nach deutschem Vorbild an die japanische Armee. 1885 gewann das Unternehmen eine Silbermedaille für lackierten Kupferdraht auf der International Exhibition of Inventions in London.
1889 wurde das Unternehmen in Oki Electric Works umbenannt. 1890 wurden in Tokio und Yokohama die ersten Telefonvermittlungsstellen eingerichtet; Meikōsha lieferte Telefone und stellte 1896 Japans erste im Inland gefertigte Magnet-Serienvermittlung für die Tokioter Zentrale bereit. Im selben Jahr wurde die Vertriebsabteilung als eigenständiges Unternehmen Oki & Company ausgegliedert.
Kibataro Oki starb 1906. Das Unternehmen wurde 1907 als Oki & Co., Ltd. neu organisiert und 1912 in Oki Electric Co., Ltd. überführt, mit Soichiro Asano als erstem Vorsitzenden. Im Ersten Weltkrieg erhielt OKI 1916 Auslandsaufträge aus Russland für Feldtelefone und Elektrodraht. 1917 wurden Vertrieb und Fertigung unter dem Namen Oki Electric Company, Limited wiedervereint; das Unternehmen verfügte zu diesem Zeitpunkt über vier Werke und rund 4.000 Beschäftigte.
Automatisierung und Militärproduktion (1920er–1945)
1924 begann OKI die Testproduktion von Radioempfängern. Nach dem Großen Kantō-Erdbeben von 1923, das Tokios Infrastruktur schwer beschädigte, wurden Japans Telefonvermittlungen automatisiert. 1926 schloss OKI ein Technologieabkommen mit der britischen General Electric Company (GEC) zur Herstellung automatischer Vermittlungsanlagen. 1930 lieferte das Unternehmen die erste AEI-Typ-Automatvermittlung an das Nakano-Telefonamt in Tokio. 1934 erschien erstmals das Oki Technical Review, ein bis heute fortgeführtes Fachmagazin.
In den 1930er Jahren wuchs OKI zu einem der führenden Elektrotechnikhersteller Japans heran. Mit zunehmender Militarisierung wurden Ende der 1930er Jahre die Werke Shibaura (Armeekommunikation) und Shinagawa (Marineinstrumente) unter militärische Kontrolle gestellt. Während des Pazifikkrieges stellte OKI fast ausschließlich Militärgüter her, darunter Feldtelefone, Flugfunkgeräte und Hydrophone. 1944 wurden die Hauptwerke offiziell zu Rüstungsbetrieben erklärt. Bei Kriegsende 1945 war das Shibaura-Werk durch Bombenangriffe schwer beschädigt.
Nachkriegszeit und Diversifizierung (1945–1979)
mini|OKI OKITAC-4300C Großrechner
Nach der Kapitulation reduzierte OKI den Betrieb auf fünf verbliebene Werke (Fukushima, Shibaura, Shinagawa, Tomioka, Warabi). Die US-Besatzungsbehörden (GHQ) stuften das Unternehmen als „eingeschränkten Betrieb“ ein; eine geplante Zerschlagung wurde 1948 zurückgenommen. Am 1. November 1949 wurde die bisherige Gesellschaft aufgelöst und unter dem heutigen Namen Oki Electric Industry Co., Ltd. neu gegründet. 1951 erfolgte die Börsennotierung an der Tokioter Börse.
Die 1950er Jahre markierten den technologischen Aufbruch: 1954 schloss OKI Lizenzabkommen mit der französischen Compagnie Industrielle des Téléphones sowie mit Raytheon für Radartechnologie. 1956 lieferte OKI als erster Hersteller kommerzielle Kreuzschienen-Vermittlungssysteme nach Ericsson-Bauart. 1957 begann die Grundlagenforschung für elektronische Computer, die 1959 mit der Fertigstellung des OPC-1-Computers (auf Basis von Parametronen) erste Ergebnisse lieferte.
1961 entwickelte OKI den Großrechner OKITAC-5090 und begann die Massenproduktion von Halbleitern im neuen Werk Hachioji. OKI gehörte zu den „Big Six“ der japanischen Computerindustrie neben NEC, Hitachi, Fujitsu, Toshiba und Mitsubishi Electric. 1963 entstand ein Joint Venture mit Sperry Rand (Univac) zur Großrechnerproduktion (Oki Univac Co., Ltd.). 1964 wurde der OKISAVER entwickelt, ein Terminal für Online-Bankeinlagen – ein früher Vorläufer moderner Bankterminals.
1971 lieferte OKI Online-Bargeldautomaten an die Fuji Bank und das erste elektronische Vermittlungssystem D10 an das Yodobashi-Telefonamt in Tokio. 1972 wurde in den USA die Oki Data Corporation gegründet und OKIs erster Thermodrucker entwickelt. 1973 erhielt das Unternehmen einen Großauftrag für ein nationales Mikrowellennetz im Irak. Weitere Auslandsaufträge folgten aus Kuwait (vollautomatische Telexvermittlung, 1976) und Nigeria (Mikrowellennetz, 1976).
Digitalisierung und Globalisierung (1980–1999)
mini|OKI if800 Business-PC (1980)
1980 entwickelte OKI den 64K-DRAM-Chip und brachte die if800-Reihe von Personal Computern auf den Markt. 1982 stellte OKI mit der AT-100-Serie die ersten Geldautomaten mit automatischen Auszahlungs- und Überweisungsfunktionen vor – das Unternehmen beansprucht die Entwicklung des weltweit ersten Cash-Recycling-ATM, bei dem eingezahlte Banknoten unmittelbar für Auszahlungen genutzt werden konnten.
1984 wurden fünf US-Tochtergesellschaften zur Oki America Inc. zusammengefasst; im selben Jahr eröffnete ein Produktionswerk bei Atlanta (Georgia). 1987 wurde in Schottland die Oki (UK) Limited gegründet. 1990 entstand die Oki (Thailand) Co., Ltd. und eine VLSI-Fabrik in Tualatin, Oregon. 1992 schloss OKI ein Kooperationsabkommen mit Hewlett-Packard im Bereich integrierter Schaltkreise. Neben der Lizenzfertigung von Intel-Prozessoren (u. a. CMOS-Versionen des Intel 8085 und Intel 8088) entwickelte OKI eigene ADPCM-Sprachsynthesechips der MSM-Serie. Insbesondere der MSM5205 (ab ca. 1984) und der MSM6295 (ab 1987) wurden in Hunderten von Arcade-Spielautomaten namhafter Hersteller wie Capcom und Data East eingesetzt und erlangten in der Retro-Gaming-Community Kultstatus.
Im Oktober 1994 wurde das Drucker-, Fax- und Peripheriegerätegeschäft in die neu gegründete Oki Data Corporation ausgelagert. 1998 kündigte OKI eine neue Halbleiterstrategie an. 1999 übernahm das Unternehmen das ATM-Geschäft von Toshiba und brachte das IP-Telefonanlagensystem IPstage auf den Markt.
mini|OKI M80C85A – CMOS-Nachbau des Intel 8085-Prozessors
1984 wurden fünf US-Tochtergesellschaften zur Oki America Inc. zusammengefasst; im selben Jahr eröffnete ein Produktionswerk bei Atlanta (Georgia). 1987 wurde in Schottland die Oki (UK) Limited gegründet. 1990 entstand die Oki (Thailand) Co., Ltd. und eine VLSI-Fabrik in Tualatin, Oregon. 1992 schloss OKI ein Kooperationsabkommen mit Hewlett-Packard im Bereich integrierter Schaltkreise.
Im Oktober 1994 wurde das Drucker-, Fax- und Peripheriegerätegeschäft in die neu gegründete Oki Data Corporation ausgelagert. 1998 kündigte OKI eine neue Halbleiterstrategie an. 1999 übernahm das Unternehmen das ATM-Geschäft von Toshiba und brachte das IP-Telefonanlagensystem IPstage auf den Markt.
Neuausrichtung im 21. Jahrhundert (2000–heute)
mini|OKI-Geldautomat in einer Lawson-Filiale in Japan
2002 erhielten alle japanischen Produktions- und Entwicklungsstandorte die ISO 14001-Zertifizierung. 2004 gründete OKI mit OKI WorkWel ein Telearbeitsunternehmen speziell für schwerbehinderte Menschen. Im selben Jahr wurde OKIs Iris-Erkennungssystem vom deutschen Bundesinnenministerium für die Grenzkontrolle am Flughafen Frankfurt ausgewählt.
2008 wurde der Halbleiter-Geschäftsbereich als Oki Semiconductor ausgegliedert und an Rohm veräußert (2011 umbenannt in Lapis Semiconductor). Ebenfalls 2008 gelang OKI die weltweit erste Übertragung von Daten mit 160 Gbit/s über große Distanzen mittels Glasfaser. 2010 trat OKI dem Global Compact der Vereinten Nationen bei.
2016 lieferte OKI 600 Cash-Recycling-Geldautomaten an die State Bank of India. 2018 wurde das Unternehmen von Thomson Reuters unter die Top 100 Global Technology Leaders aufgenommen. 2019 verabschiedete OKI die Environmental Challenge 2030/2050 und KI-Prinzipien für die gesamte Unternehmensgruppe.
2022 wurde im Honjo-Werk das erste nach dem ZEB-Standard (Zero Energy Building) zertifizierte große Produktionsgebäude Japans fertiggestellt. Im April 2023 reorganisierte OKI sein Geschäft grundlegend in vier Segmente (siehe Unternehmensstruktur) und formulierte den Medium-Term Business Plan 2025.
Unternehmensstruktur und Geschäftsbereiche
Im April 2023 reorganisierte OKI seine bisherige Struktur aus acht Geschäftsbereichen in fünf Divisionen und vier Berichtssegmente:
Public Solutions – Verkehrsinfrastruktur, Katastrophenschutz- und Verteidigungssysteme Enterprise Solutions – Drucker, Geldautomaten (ATMs), Bargeldverarbeitungssysteme, Check-in-Geräte und weitere Unternehmenslösungen (umsatzstärkstes Segment) Component Products – Leiterplatten und Bauteile (82,41 Mrd. Yen / 18,2 % des Nettoumsatzes im GJ 2024/25) EMS (Electronics Manufacturing Services) – Design- und Fertigungsdienstleistungen sowie Leiterplattenproduktion (66,48 Mrd. Yen / 14,7 % des Nettoumsatzes im GJ 2024/25)
Im Geschäftsjahr 2024/25 (endend 31. März 2025) erzielte OKI einen konsolidierten Umsatz von 452,46 Mrd. Yen (ca. 3,0 Mrd. US-Dollar). Die Auslandsquote ist in den letzten Jahren von einem Höchststand von rund 40 % auf etwa 10 % zurückgegangen.
Druckergeschäft
mini|OKI Microline 320 Nadeldrucker
OKI war über Jahrzehnte als Hersteller von LED-Druckern, Multifunktionsgeräten und Nadeldruckern bekannt, die über die Tochtergesellschaft OKI Data Corporation weltweit vertrieben wurden.
mini|LED-Schwarzweiß-Drucker von OKI
Rückzug aus dem amerikanischen Markt
Im September 2020 gab OKI Data Americas bekannt, dass der Vertrieb sämtlicher OKI-gebrandeter Drucker-Hardware (LED-basierte Einzel- und Multifunktionsdrucker sowie Nadeldrucker) in Nord-, Mittel- und Südamerika zum 31. März 2021 eingestellt wird. Als Grund nannte das Unternehmen die strategische Neuausrichtung sowie die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Bürodruck-Nachfrage. In Deutschland wurde der Rückzug aus dem Bürodruck-Geschäft und den MPS-Verträgen ab 2021 sichtbar; Fachhandelspartner kritisierten die fehlende Kommunikation seitens der OKI Systems (Deutschland) GmbH in Düsseldorf. Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile sollen weiterhin verfügbar bleiben.
Europa
In Europa vertreibt OKI Europe Ltd. mit Sitz in Egham (Surrey, Vereinigtes Königreich) weiterhin Drucker und Drucklösungen. OKI Europe beschäftigt rund 200 Mitarbeiter an 15 Standorten und ist in 60 Ländern in Europa, dem Nahen Osten, Indien und Afrika vertreten. Im September 2025 stellte OKI Europe die neuen Modelle B433 und B513 vor, im Februar 2026 folgten neue kompakte A4-Farbgeräte.
Jüngste Entwicklungen
Joint Venture mit Hitachi im ATM-Geschäft (2026)