mini|hochkant=1.4|St. Nikolai Greifswald (2015) Der Greifswalder Dom St. Nikolai ist ein gotischer Backsteinbau, Wahrzeichen der Hansestadt Greifswald und liegt im westlichen Zentrum der Stadt. Der Greifswalder Dom war 1947–2012 die Haupt- bzw. Bischofskirche der Pommerschen Evangelischen Kirche. Heute ist er Predigtstätte des Regionalbischofs für den Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und er wird von der Kirchengemeinde St. Nikolai genutzt.

Namensgebung und Patronat Das Patrozinium der Kirche geht auf Nikolaus von Myra, den Schutzheiligen der Seefahrer und Händler, zurück. Wegen dieses Schutzheiligtums war St. Nikolaus vor allem in den norddeutschen Küstenländern beliebt und als Patron weit verbreitet. Da diese Kirche zusammen mit St. Marien und St. Jacobi das Stadtbild Greifswald prägt, wird sie im Volksmund ob ihres hohen Turmes auch „langer Nikolaus“ genannt.Norbert Buske, Thomas Helms: Die Jacobikirche in Greifswald. In: Bilderbogen Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin 2002, S. 2.

Geschichte Mitte 13. Jh. – frühes 16. Jh. Ursprünge Für das Jahr 1249 ist ein Vorgängerbau der Nikolaikirche urkundlich belegt. In der gleichen Zeit wurde mit dem Bau des heutigen Kirchengebäudes begonnen. Durch die Zusammenlegung einiger Siedlungen um St. Marien und St. Nikolai erhielt das Gebiet unter dem Patronat des Klosters Eldena eine eigenständige Pfarrei. hochkant=2.5|mini|Die markante Silhouette Greifswalds wird vor allem durch den hohen Turm von St. Nikolai (Mitte) bestimmt. (Foto: 2015) Mit einer Glockenstiftung 1262/1263 wird der heutige Bau der Nikolaikirche erstmals urkundlich erwähnt. Er ist somit der älteste überlieferte Kirchenbau Greifswalds. Einige Autoren legen den Zeitpunkt der Ersterwähnung jedoch im Zusammenhang mit einer Schenkungsurkunde erst in das Jahr 1280.

Beweggrund zum Bau der Kirche war möglicherweise die Idee, eine Verbindung zwischen der Altstadt um St. Marien, und der Neustadt um St. Jacobi, zu schaffen. Auch war St. Nikolai vermutlich von der Gründung an eng mit der damaligen städtischen Führungsschicht verknüpft und wurde vor allem von Kaufleuten der Stadt genutzt.Joachim Wächter: Festschrift zu den 700-Jahrfeiern der Greifswalder Kirchen. Greifswald 1980, S. 42.

Bereits in seinen Anfängen erwies sich St. Nikolai als geistliches Zentrum Greifswalds und etablierte sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sogar zum kirchlichen Zentrum des Herzogtums Pommern.

Einige Jahre vor 1300 wurde die Pfarrei St. Nikolai zu einer Propstei erhoben und erhielt damit größere Bedeutung im Vergleich zu den anderen beiden Greifswalder Stadtkirchen, St. Marien und St. Jacobi. Ein Propst kann erstmals für das Jahr 1294 belegt werden. Im gleichen Zeitraum wurde auch ein Viceprobst erwähnt, was die damalige Bedeutung der Propstei unterstreicht. Mit der Erhebung zur Propstei wurden die Greifswalder Stadtkirchen und auch einige Pfarrkirchen aus dem Greifswalder Umland St. Nikolai unterstellt. Auch die archidiakonalen Rechte des Klosters Eldena wurden sukzessiv mit der Propstei in Greifswald verbunden.

Exemplarisch für die schrittweise Bedeutungssteigerung der Greifswalder Propstei steht auch die Kleiderordnung der Kirche: 1395 gestattete der Bischof von Cammin der Propstei, dass auch Geistliche in der St. Nikolaikirche das Barett tragen dürfen. Dieses Privileg war sonst nur höheren Geistlichen vorbehalten.

Kollegiatkirche In Verbindung mit der Gründung der Universität Greifswald 1456 wurde St. Nikolai im Jahr darauf zur Kollegiatkirche erhoben.Dirk Brandt, André Lutze: Stadtpfarrkirche St. Nikolai. In: Greifswalder Beiträge, 4 (2010), S. 26. In diesem Zusammenhang kann auch von einem Universitätskollegiatstift gesprochen werden. Die formelle Ernennung zum Kollegiatstift erfolgte noch 1457 durch den damaligen Camminer Bischof Henning Iven, und das Greifswalder Stift wurde direkt dem Dom in Cammin zugeordnet.Evangelische Landeskirche Greifswald (Hrsg.): Amtsblatt der Evangelischen Landeskirche Greifswald. Nr. 10. Greifswald 30. Oktober 1985, S. 125. Auch wenn die Bedeutung der Kirche St. Nikolai durch diesen formellen Akt weiter wuchs, fungierte sie auch weiterhin als Stadtpfarrkirche. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts bürgerte sich der Namenszusatz „Dom“ für St. Nikolai ein.Imhof, Michael und Kunz, Tobias: Deutschlands Kathedralen, Geschichte und Baugeschichte der Bischofskirchen vom frühen Christentum bis heute, In: Greifswald, Dom St. Nikolai. 2007, S. 142.

Universität und Kirche Sowohl institutionell als auch räumlich lässt sich eine enge Verbindung von St. Nikolai zur Universität der Stadt Greifswald seit ihrer Gründung 1456 feststellen. Schon die Gründungsfeier am 17. Oktober 1456 wurde in der Kirche durchgeführt.Brandt, Dirk/Lutze, André: Stadtpfarrkirche St. Nikolai. In: Greifswalder Beiträge, 4 (2010), S. 27. Mit der Gründung der Universität gingen die Patronatsrechte der Greifswalder Kirchen vom Zisterzienserkloster Eldena auf die Universität über. Die Bedeutung der Kirche St. Nikolai für die Universität unterstreicht zum einen die vom Bürgermeister und ersten Rektor der Universität, Heinrich Rubenow, gestiftete „Rubenow-Tafel“, die sich heute noch im Dom befindet. Zum anderen weist die „Bet- und Professorenglocke“ auf die Verknüpfung hin.Brandt, Dirk/Lutze, André: Stadtpfarrkirche St. Nikolai. In: Greifswalder Beiträge, 4 (2010), S. 27.

Am 21. Oktober 1456 kam es zu einem Vertrag zwischen der Universität, dem Domkapitel und dem Rat der Stadt, der den gegenseitigen Beistand versicherte und den Aufbewahrungsort von Urkunden sowie Akten der Universität in der Nikolaikirche festlegte.Norbert Buske: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: derselbe (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 48. Auch wurde die Gründungsurkunde der Universität in der Bürgermeisterkapelle archiviert. In den Jahren von 1437 bis 1439 fanden die Doktorpromotionen der Universität Rostock in der Greifswalder St. Nikolaikirche statt. Die Promotionen der Greifswalder Universität wurden ab ihrer Gründung bis weit in die Zeit der Reformation im Dom abgehalten. Der Sold für die Universitätslehrer kam durch die Pfründen an der Kollegiatkirche zu Stande. Um St. Nikolai herum bildeten sich Professorenhäuser, die nicht nur als Wohnraum, sondern auch als Unterrichtsstätten dienten und zum Teil bis heute erhalten sind.

Laut Statuten waren die Stiftsherren auch Professoren der Greifswalder Universität. Ebenso war der Generalsuperintendent gleichzeitig auch der Prokanzler der Universität. Der erste Pfarrer der Kirche nach der Reformation übernahm auch gleichzeitig die theologische Professur. Die 300-Buske, Norbert: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: derselbe (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 53., 400-Norbert Buske: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: derselbe (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 55. und ebenso die 500-Jahr-Feier der Greifswalder Universität fand jeweils in St. Nikolai statt.Buske, Norbert: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: derselbe (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 57.

Zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg (1531–1648) mini|hochkant|Relief als Erinnerung an den Einzug Gustav Adolfs in Greifswald Auf Einladung des Stadtrats besuchte der lutherische Theologe Johannes Knipstro Greifswald und hielt am 16. Juli 1531 die erste evangelische Predigt in der Nikolaikirche.Norbert Buske: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: derselbe (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 50. Die letzte katholische Messe in St. Nikolai wurde wenige Monate später, am 1. November 1531, gehalten.

Trotz der Einführung des reformierten Glaubens wurden katholische Institutionen wie das Kollegiatstift nicht formell aufgelöst. Das Propstamt wurde im Zusammenhang mit den Erneuerungen als Stadtsuperintendentur weitergeführt, und als erster Stadtsuperintendent trat Nikolaus Glossenus 1539 das Amt an. 1544 wurden die beiden Ämter des Generalsuperintendenten und des Stadtsuperintendenten zusammengelegt. Die Generalsuperintendentur von Pommern-Wolgast hatte ihren Sitz ursprünglich als herzogliches Amt in Wolgast. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Stadt und Kirche St. Nikolai in Greifswald wurde das Amt 1553 nach Greifswald verlegt.

Greifswald entwickelte sich zunehmend zum geistlichen Zentrum der Region Pommern-Wolgast. So wurde am 29. September 1541 die erste protestantische pommersche Generalsynode in Greifswald durchgeführt.

Die seit 1602 in der Nikolaikirche beheimatete Bibliothek des Geistlichen Ministeriums umfasst neben der ursprünglichen Bibliothek der St. Nikolaikirche unter anderem sämtliche Bücher aus dem Besitz ehemaliger Greifswalder Klöster und der Marienkirche. Seit 1755 befand sich die Bibliothek im Chorumlauf hinter dem Altar. Nach mehreren Umlagerungen der Bücher und der Sanierung des Raumes wurde die Bibliothek 2012 neu eröffnet. Ihr heutiger Standort auf der Nordseite des Chores ist auch der ursprüngliche Bibliotheksraum.

Anders als in anderen Städten und Dörfern Europas kam es in der Stadt Greifswald im 16. Jahrhundert zu keinem reformatorischen Kirchen- bzw. Bildersturm. Die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges machten sich jedoch im Herzogtum Pommern stark bemerkbar. Auch Greifswald war von ihnen betroffen, lagerten doch ab 1627 kaiserliche Truppen in der Stadt. Trotz der Kriegshandlungen wurde am 25. Juni 1630 an der theologischen Fakultät und in der Nikolaikirche das 100. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses feierlich begangen. Am Abend zuvor hatten schwedische Truppen unter der Anführung des Königs Gustav II. Adolf in Peenemünde deutschen Boden betreten. Am 13. Juni 1631 zogen die kaiserlichen Truppen aus Greifswald ab, nachdem zwei Tage zuvor der kaiserliche Stadtkommandant, Oberst Perusi, bei einem Erkundungsritt von schwedischen Truppen erschossen worden war. Daraufhin rückten die Schweden am 16. Juni in Greifswald ein. König Gustav Adolf erreichte Greifswald am 17. Juni 1631. An dieses Ereignis erinnert eine Bronzetafel, die eines der Südportale des Doms flankiert. Bis ins 19. Jh. wurde alljährlich die „Befreiung Greifswalds“ mit dem Perusi-Fest am Sonntag nach dem 16. Juni begangen.Buske, Norbert: Bedeutsame Gottesdienste und Veranstaltungen im Greifswalder Dom St. Nikolai – ein geschichtlicher Überblick. In: Ders. (Hrsg.): Symposium und Ausstellung anläßlich der Wiedereinweihung des Doms St. Nikolai in Greifswald im Juni 1989. Zur Geschichte zum Bau und zu den Restaurierungen des Doms. Schwerin 2005, S. 51.

Unter schwedischer Herrschaft (1648–1815)