mini|hochkant|Hugo Henneberg, Am Kanal, Gummidruck, um 1900

Der Gummidruck, auch Gummibichromatverfahren, ist ein sogenanntes Edeldruckverfahren.

Geschichte

Die Anwendung der Gummidruckverfahren fand ihren Höhepunkt insbesondere in der Kunstfotografie zur Wende zum 20. Jahrhundert. Als Erfinder des Verfahrens gelten sowohl der Franzose Louis-Alphonse Poitevin für das Jahr 1855Vgl. Hofmeister, Theodor: Der Gummidruck und seine Verwendbarkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel in der Photographie, Band 2, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1907, S. 1. als auch der Engländer John Pouncy (1818–1894). Pouncy ließ sich das Verfahren 1858Vgl. Rosenberg, Gert: Bildentstehungstechniken der Fotografie, in: Geschichte der Fotografie in Österreich, Band 2, Bad Ischl: Hrsg. vom Verein zur Erarbeitung der Geschichte der Fotografie in Österreich, Ausstellungskatalog, 1983, S. 27. patentieren.

Als künstlerisch besonders wertvoll gelten die um 1900 entstandenen Gummidrucke der französischen Fotografen Robert Demachy und Constant Puyo sowie diejenigen der Gebrüder Hofmeister und der Gruppe des Wiener Kleeblatts (Heinrich Kühn, Hans Watzek und Hugo Henneberg) aus dem deutschsprachigen Raum.

Grundsätzlich ist zwischen einfachem und mehrschichtigem beziehungsweise kombiniertem Gummidruck zu unterscheiden. Während erstgenannter aus nur einer Druckschicht besteht und nur wenige Tonabstufungen wiedergibt, können durch den mehrfachen Gummidruck mehrere Schichten übereinander kopiert werden, was ein breiteres Spektrum an Tonwerten ermöglicht. Eine Weiterentwicklung des mehrschichtigen Gummidrucks ist das Dreifarben-Verfahren nach Hans Watzek.

Technik des Gummidrucks

Obwohl Kalium- oder Ammoniumdichromat im Reinzustand lichtunempfindlich sind, werden sie in Verbindung mit Kolloiden für fotochemische Reaktionen sensibilisiert. Kolloide sind leimartige Stoffe wie Gummi arabicum, Fischleim oder Gelatine. Lichteinstrahlung bewirkt bei den Chromaten eine momentane Reaktionsbereitschaft mit den Kolloiden, die daraufhin je nach Lichteinwirkung gegerbt werden, beziehungsweise verhärten und somit ihre Wasserlöslichkeit verlieren.http://www.riat-serra.org/graph-7.pdf S. 38. – 24. Oktober 2010 Das Gummidruckverfahren nutzt diese Eigenschaft. Es wird eine Emulsion aus Chromatsalzen, Gummiarabikum und Farbpigmenten vorbereitet, die als dünne Schicht auf ein Papier aufgetragen wird. Das so beschichtete Papier wird durch ein Negativ, Farbauszug-Negativ, im Kontaktverfahren belichtet, worauf die belichteten Stellen gerben und wasserunlöslich werden. Die Gummischicht wird anschließend ausgewaschen. Dabei bleiben die durch das Licht gehärteten Stellen. Die Farbpigmente sind in den belichteten Stellen gebunden, sodass ein Bild zum Vorschein kommt.

Vorgehensweise

Beim Gummidruck wird im Kontaktverfahren das Negativ auf das lichtempfindliche Papier gebracht und belichtet, deshalb sollte zuerst ein Negativ ausgewählt werden, das dann je nach Belieben vergrößert werden kann. Durch das Kontaktverfahren entspricht das fertige Bild der Größe des Negativs. Bis es zur Belichtung kommt, müssen folgende Schritte beachtet werden:

Die Auswahl des Papiers

Das Papier dient als Trägermaterial für die lichtempfindliche Gummiemulsion und sollte aus diesem Grund nicht zu glatt sein, da sonst die Schicht abrutschen könnte. Da es Wasserbädern ausgesetzt wird, eignen sich starkes Aquarell- oder Büttenpapier besonders gut dafür. Bevor das Papier verwendet werden kann, sollte es geschrumpft werden, damit sich die Passgenauigkeit bei mehrfachen Drucken nicht verändert. Zum Schrumpfen wird das Papier in ein 50 bis 60 Grad Celsius heißes Wasserbad gelegt und nach etwa 15 bis 30 Minuten herausgenommen und getrocknet. Die gefärbte Gummiemulsion darf nicht in die Papierfasern eindringen, weshalb ein gut geleimtes Papier verwendet werden sollte. Wenn mehrfaches Drucken geplant ist, ist die Leimung meist nicht ausreichend, sodass eine Nachleimung nötig ist. Dazu wird 25 g Gelatine in 500 ml Wasser gelöst und gleichmäßig mit einem Borstenpinsel auf das Papier aufgetragen und anschließend getrocknet.Pizzighelli, G.: Anleitung zur Photographie, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1904, S. 283. Die Wahl des Papiers bestimmt entscheidend die Körnung und den Charakter des Bildes. Um besondere künstlerische Effekte zu erreichen, wurden bewusst Aquarell- oder teure Büttenpapiere verwendet.

Die Farbe

Die Farbe wird später der Chromgummiemulsion hinzu gemischt, sollte wasserlöslich und nicht ölhaltig sein. Theodor Hofmeister, ein bedeutender deutscher Kunstfotograf, verweist unter anderem auf Tempera- und Aquarellfarben und schreibt weiter: „Jeder Künstler strebt danach, dass seine Bilder auch bezüglich der Farbwirkung unveränderlich bleiben und nach Jahrhunderten noch dasselbe Gesicht zeigen wie zur Zeit der Vollendung des Bildes. Das gerade bewundern wir noch heute an den Bildern der alten Meister.“Hofmeister, Theodor: Der Gummidruck und seine Verwendbarkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel in der Photographie, Band 2, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1907, S. 7. Unter den fotografischen Verfahren kann besonders der Gummidruck diesen Ansprüchen gerecht werden. Die Farbpigmente sind nach der Belichtung fest in der verhärteten Schicht gebunden, blättern nicht ab und erhalten – je nach Lichtbeständigkeit der Farbe – sehr lange ihre Leuchtkraft. Außerdem kann das Hinzukommen der Farbe als eine grundlegende Veränderung in der Fotografie angesehen werden. In den 1850er Jahren sowie um die Jahrhundertwende waren die Fotografien noch schwarz-weiß, der einfache Gummidruck jedoch brachte monochrome Bilder hervor, wobei besonders Brauntöne bevorzugt wurden. Der mehrfache Druck ermöglicht es verschiedene Farben zu kombinieren. Um eine besondere Stimmung zu erzeugen, wurden meist Farbstilisierungen angestrebtVgl. Loescher, Fritz: Hamburger Brief, in: Photographische Mitteilungen 43/1906, S. 256. – die absolut naturalistische Wiedergabe ist bei diesem Verfahren nicht möglich.Vgl. Hofmeister, Theodor : Erwiderung auf den Hamburger Brief, in: Photographische Mitteilungen 43/1906, S. 356.

Die Chromgummiemulsion

Die lichtempfindliche Beschichtung besteht aus einer wässrigen Lösung von Gummiarabikum, Kalium- beziehungsweise Ammoniumdichromat und einem Zusatz an Farbe. Sie wird mit dem Pinsel bei gedämpftem Lampenlicht aufgetragen. Lichteinwirkung bewirkt daraufhin bei den Chromaten eine momentane Reaktionsbereitschaft mit den Kolloiden, die je nach Lichteinwirkung gegerbt werden, beziehungsweise verhärten und somit ihre Wasserlöslichkeit verlieren.http://www.riat-serra.org/graph-7.pdf S. 38. – 24. Oktober 2010 Mit Ammoniumdichromat kann eine 30%ige Lösung hergestellt werden. Diese ist lichtempfindlicher als die höchstens 10%ige Kaliumdichromatlösung, wobei letztere häufiger verwendet wird.Gaedicke, Joh.: Der Gummidruck, Eine Anleitung für Amateure und Fachphotographen, Berlin: Gustav Schmidt, 1906, S. 20. Zur Gummilösung wird Gummiarabikum in Wasser gelöst, – dies kann mehrere Stunden dauern – meist wird eine 40%ige Lösung verwendet. Der Gummidruck ist kein Silberhalogenid-Verfahren. In der Praxis kann auf unterschiedliche Weise die Chromatlösung mit dem gelösten Gummi und Farbe vermischt werden. Wichtig ist letztendlich, dass die lichtempfindliche Schicht möglichst gleichmäßig und nicht zu dick aufgetragen wird. „Bis zum Jahre 1897 wurde das Papier für den Gummidruck derart präpariert, dass eine 40-prozentige Gummilösung mit einem Pigment und einer 10-prozentigen Lösung von Kaliumbichromat gemischt wird und dünn auf das Papier aufgetragen wird.“http://www.riat-serra.org/graph-7.pdf S. 33. Als das neuere Verfahren wird die von James Packham entwickelte Methode bezeichnet, „wonach zuerst das Papier mit dem Chromat getränkt und dann mit der Gummifarbe gestrichen wird. Das Chromat wirkt durch seine wasserabstoßende Kraft wie eine verdoppelte Leimung des Papieres, so dass die Gummifarbe nicht so stark in die Papierfaser eindringt.“Gaedicke, Joh.: Der Gummidruck, Eine Anleitung für Amateure und Fachphotographen, Berlin: Gustav Schmidt, 1906, S. 34. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass der Chromatanteil die Härte des Bildes bestimmt, so dass weichere Bilder durch einen hohen Chromatanteil und härtere Bilder durch einen niedrigeren Chromatanteil entstehen.Vgl. Pizzighelli, G.: Anleitung zur Photographie, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1904, S. 286. Wenn die Gummiarabikumlösung mit der Kaliumdichromatlösung im Verhältnis 1:1 gemischt wird, spricht man von Kraftdruck. Der Mitteltondruck wird durch das Verhältnis 1:2 erzielt, der Lichterdruck schließlich durch das Verhältnis 1:3. Der Lichterdruck „soll alles lasierend bedecken und nur an den höchsten Lichtern das Papier ganz frei lassen.“Heidtmann, Frank: Kunstphotographische Edeldruckverfahren heute, 1. Auflage, Berlin, Berlin, 1978. S. 56. Da pro Druckverfahren nur ein Tonwert kopiert werden kann, werden meistens verschiedene Drucke kombiniert, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Die Belichtung

Wenn das Papier mit der Emulsion beschichtet und getrocknet wurde, ist es lichtempfindlich und kann direkt unter einem Negativ im Kontaktverfahren belichtet werden. In der richtigen Belichtungszeit liegt der Hauptschwerpunkt des Verfahrens,Vgl. Hofmeister, Theodor: Der Gummidruck und seine Verwendbarkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel in der Photographie, Band 2, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1907, S. 14. wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen: wie Sensibilität und Dicke des Aufstrichs, Dichte des Negativs, Verwendung der Farbe, Belichtung mit künstlichem Licht sowie mit Sonnenlicht im Winter oder im Sommer. Die Belichtungszeit spielt sich in einer Größenordnung von ungefähr zehn Minuten ab und ist im Grunde umso kürzer je dünner die Schicht ist und je weniger Farbe und Gummi verwendet werden. Durch einen dicken Aufstrich und eine kurze Belichtung kann ein grobes Korn erzeugt werden, umgekehrt kann ein feinkörniges Bild durch eine dünne Schicht und eine lange Belichtung entstehen. Außerdem ist die Farbwahl entscheidend. „Erfahrungsgemäß brauchen grüne und blaue Farbtöne kürzere – etwa ein Drittel – Kopierzeit, wie schwarze und gelbe oder gar braune, die am längsten kopieren müssen.“Vgl. Hofmeister, Theodor: Der Gummidruck und seine Verwendbarkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel in der Photographie, Band 2, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1907, S. 15. Damit das Bild nicht über- oder unterbelichtet wird, muss die exakte Belichtungszeit getroffen werden. Als Hilfe dient hierzu oftmals ein Photometer. Um eine besondere Unschärfe zu erreichen, kann das Papier auch von der Rückseite belichtet werden, wie es Theodor Hofmeister zeigt.Vgl. Hofmeister, Theodor: Der Gummidruck und seine Verwendbarkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel in der Photographie, Band 2, Halle a. S.: Wilhelm Knapp, 1907, S. 20f.

Die Entwicklung