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Die Bevölkerung Berlins ist von der wechselvollen Geschichte der Stadt geprägt. In Berlin lebten am nach amtlicher Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage des Zensus 2022 Einwohner auf einer Fläche von 891,82 Quadratkilometern. Nach der Fortschreibung auf der Grundlage des Zensus 2022 waren es am 15. Mai 2022 genau 3.596.999, was eine Überhöhung der vorher verwendeten, aus dem Zensus 2011 fortgeschriebenen Zahlen um knapp 129.000 bedeutete.Zensus 2022 Bevölkerung Die Bevölkerungsdichte der Stadt betrug Einwohner pro Quadratkilometer.

Berlin ist die nach Einwohnern größte deutsche Stadt und größte Stadt der Europäischen Union.Statistiken über europäische Städte. Eurostat, abgerufen am 4. August 2016. Die Agglomeration Berlin hat rund 4,8 Millionen Einwohner, die Metropolregion Berlin-Brandenburg, die beide Bundesländer komplett umfasst, etwa sechs Millionen Einwohner.

37.368 Kinder kamen in Berlin im Jahr 2014 zur Welt (+ 6,6 %). Seit 2011 verzeichnet Berlin in absoluten Zahlen das jährlich größte Bevölkerungswachstum unter den Städten im deutschsprachigen Raum.

Geschichte

1220–1688 Um 1220 hatte Berlin schätzungsweise 1.200 Einwohner. In Cölln lebte etwa die gleiche Anzahl von Menschen. Bis 1300 stieg die Bevölkerung der beiden Städte auf rund 4.000 (Berlin 2.600 und Kölln 1.400). Im Mittelalter und am Anfang der Neuzeit verzeichnete die Doppelstadt wegen der zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder starke Bevölkerungsverluste und im Ergebnis nur ein langsames Wachstum der Bevölkerung. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie Residenz der Kurfürsten von Brandenburg. Wegen ihrer steigenden Bedeutung wuchs die Bevölkerungszahl auf 12.000 (9.000 laut Statistischem Jahrbuch) um das Jahr 1600.Peter Ring: Bevölkerung. In: Berlin Handbuch. 1992, S. 236. Einen starken Rückgang der Bevölkerung Berlins und der Mark Brandenburg verursachte der Dreißigjährige Krieg (1618–1648).

Seitdem betrieben die brandenburgischen Kurfürsten und preußischen Könige eine gezielte Einwanderungspolitik zur Förderung sowohl des Bevölkerungswachstums als auch der wirtschaftlichen Entwicklung des rückständigen Landes. Diese Politik beeinflusste in den kommenden einundeinhalb Jahrhunderten die Bevölkerungszahl und -mischung Berlins. Zunächst wanderten vor allem Friesen und Holländer ein. Ab 1660 kamen Glaubensflüchtlinge aus verschiedenen Teilen Europas hinzu, deren freie Religionsausübung durch zahlreiche Toleranzedikte gesichert wurde. Nach der Vertreibung im 16. Jahrhundert ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm (1640–1688) im Jahr 1671 wieder jüdische Familien ansiedeln, die den Aufbau des verwüsteten Landes und des Warenhandels finanzieren sollten. Um 1700 lebten 585 Juden in Berlin, deren Anteil im Laufe des 18. Jahrhunderts immer weiter anstieg und 1770 rund der Gesamtbevölkerung ausmachte.

mini|hochkant=1.3|Relief von 1885: Der Große Kurfürst begrüßt ankommende Hugenotten

Eine besondere Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung nahmen die französischen Hugenotten ein, die wegen ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der gewerblichen Produktion umworben wurden. Sie arbeiteten zunächst als kleinere Selbständige oder Meister im Textil- und Bekleidungsgewerbe. Neben finanziellen Vergünstigungen wurden ihnen besondere Rechte und soziale Privilegien eingeräumt (Selbstverwaltung, eigene Schulen, Erleichterungen bei der Ausübung ihres Gewerbes). Durch das Edikt von Potsdam von 1685 wanderten 15.000 Hugenotten bis Ende des 17. Jahrhunderts in Brandenburg ein, von denen sich etwa 6.000 in Berlin niederließen. 1698 erreichte der Anteil französischer Einwohner mit seinen Höhepunkt. Als weitere Glaubensflüchtlinge kamen Anfang des 18. Jahrhunderts 1.600 Orangeois, 450 Pfälzer und 500 Welschschweizer hinzu, die sich vor allem in den Vorstädten ansiedelten.Peter Ring: Bevölkerung. In: Berlin Handbuch. 1992, S. 236–237.

Einwohnerzahlen mini|hochkant=2|In der Grafik sind die Einwohnerzahlen von 1220 bis 2018 gegen eine logarithmische Skala aufgetragen. Durch diese Darstellung erkennt man u. a. deutlich einen Einbruch während des Dreißigjährigen Krieges

(jeweiliger Gebietsstand)

Die Einwohnerzahlen von 1220 bis 1688 sind Schätzungen. Vor der Vereinigung 1710 wurden Berlin und Kölln immer zusammen gerechnet.

Jahr Einwohner Quelle 1220 2.400 Berliner Mittelaltergruppe 1250 2.000 Stadtgründung. Luisenstädtischer Bildungsverein, mit Quellenangaben 1300 4.000 1400 7.000 Verein für die Geschichte Berlins 1450 7.000 1450 8.000 auf berlin.de 1576 11.000 1600 9.000 zitiert aus Statistischem Jahrbuch der Stadt Berlin Luisenstädtischer Bildungsverein Jahr Einwohner Quelle 1618 12.000 1631 8.100 Herbert Schwenk: Berliner Stadtentwicklung von A bis Z: kleines Handbuch zum Werden und Wachsen der deutschen Hauptstadt. Luisenstädtischer Bildungsverein, Berlin 1998, ISBN 3-89542-100-6. 1642 7.500 1648 6.000 Wolfgang Schneider: Berlin: eine Kulturgeschichte in Bildern und Dokumenten. 2., verb. Aufl. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig u. a. 1983. 1680 10.000 1685 17.000 1688 18.000/20.000

1709–1822 Im Jahr 1688 lebten in beiden Städten rund 20.000 Menschen. Mit der am 1. Januar 1710 erfolgten Vereinigung der Städte Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt stieg die Bevölkerungszahl der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin auf etwa 55.000. Im Jahre 1747 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, was sie zur Großstadt machte. Ende des 18. Jahrhunderts waren es bereits 170.000 Einwohner, womit Berlin zur sechstgrößten europäischen Stadt aufstieg.Peter Ring: Bevölkerung. In: Berlin Handbuch. 1992, S. 237.

Einwohnerzahlen (jeweiliger Gebietsstand)

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse und beziehen sich auf die „Ortsanwesende Gesamtbevölkerung“, das heißt einschließlich der Garnison.Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus. redigiert von dessen Direktor Dr. Ernst Engel, Verlag der Königlichen Geheimen Oberhofbuchdruckerei, Berlin 1862. Die erste bekannte Volkszählung fand in Berlin 1709 statt. Danach wurde in unregelmäßigen Abständen gezählt, ab 1746 jährlich und ab 1822 alle drei Jahre.

Jahr Einwohner 1709 55.196 1712 61.000 1721 65.300 1726 72.000 1730 72.387 1732 77.993 1733 79.017 1735 86.000 1740 90.000 1746 97.000 1747 107.224 1748 107.635 1749 110.933 1750 113.289 1751 116.483

Jahr Einwohner 1752 119.224 1753 122.897 1754 125.385 1755 126.661 1756 99.177 1757 94.219 1758 92.356 1759 94.433 1760 95.245 1761 98.238 1762 98.090 1763 119.219 1764 122.667 1765 125.139 1766 125.878 Jahr Einwohner 1767 127.140 1768 130.359 1769 132.365 1770 133.520 1771 133.639 1772 131.126 1773 132.204 1774 134.414 1775 136.137 1776 137.468 1777 140.719 1778 124.963 1779 138.225 1780 140.625 1781 142.375 Jahr Einwohner 1782 143.098 1783 144.224 1784 145.021 1785 146.647 1786 147.338 1787 146.167 1788 149.274 1789 149.875 1790 150.803 1791 155.211 1792 157.534 1793 157.121 1794 157.603 1795 156.218 1796 160.733 Jahr Einwohner 1797 164.978 1798 169.019 1799 169.510 1800 172.132 1801 176.709 1802 177.029 1803 178.309 1804 182.157 1805 155.706 1806 155.000 1807 150.489 1808 145.941 1809 151.119 1810 162.971 1811 169.763 Jahr Einwohner 1812 171.000 1813 178.641 1814 185.659 1815 197.717 1816 197.817 1817 195.689 1818 198.125 1819 201.138 1820 201.900 1821 205.965 1822 209.146

Militärbevölkerung 1709–1893 Zur Militärbevölkerung zählten bis zur Heeresreform von 1807 bis 1814 alle in Berlin lebenden Soldaten und Invaliden mit ihren Frauen und Kindern; danach ging infolge der allgemeinen Wehrpflicht der Anteil der Soldatenfamilien und damit der Militärbevölkerung erheblich zurück. + Bevölkerungsstatistik von Berlin Jahr Zivil­bevölkerung Militär­bevölkerung Gesamt­bevölkerung Militär­bevölkerung 1709 49.855 5.145 55.000 19,71 % 1721 53.355 11.945 65.300 19,71 % 1730 58.122 14.265 72.387 19,71 % 1733 63.017 16.783 79.800 21,03 % 1735 67.743 17.957 85.700 20,95 % 1740 68.691 12.409 81.100 15,30 % 1747 85.319 21.905 107.224 20,43 % 1751 92.446 24.037 116.483 20,64 % 1755 100.336 26.325 126.661 20,78 % 1763 99.699 19.520 119.219 16,37 % 1766 103.336 22.542 125.878 17,91 % 1769 105.891 26.474 132.365 20,00 % 1772 102.816 30.310 133.126 22,77 % 1775 106.173 29.984 136.157 22,02 % 1778 105.872 33.088 138.960 23,81 % 1781 110.419 31.956 142.375 22,44 % 1784 111.635 33.386 145.021 23,02 % 1787 114.606 31.561 146.167 21,59 % 1793 126.604 30.517 157.121 19,42 % 1795 130.487 25.731 156.218 16,47 % 1798 142.099 26.920 169.019 15,93 % 1801 148.000 24.988 172.988 14,44 % 1804 156.661 25.496 182.157 14,00 % 1810 153.070 9.901 162.971 6,08 % 1813 166.584 12.067 178.651 6,75 % 1816 182.001 15.716 197.717 7,95 % 1817 182.387 13.470 195.857 6,88 % 1818 184.186 13.939 198.125 7,04 % 1819 184.850 16.288 201.138 8,10 % 1820 185.829 16.071 201.900 7,96 % 1822 189.546 16.763 206.309 8,13 %+ Bevölkerungsstatistik von Berlin Jahr Zivil­bevölkerung Militär­bevölkerung Gesamt­bevölkerung Militär­bevölkerung 1825 203.359 16.609 219.968 7,55 % 1828 219.337 17.157 236.494 7,25 % 1831 229.843 18.839 248.682 7,58 % 1834 247.336 17.786 265.122 6,71 % 1837 265.394 18.328 283.722 6,46 % 1840 309.953 18.739 328.692 5,70 % 1843 330.649 19.159 349.808 5,48 % 1846 378.573 19.194 397.767 4,83 % 1849 387.978 22.748 410.726 5,54 % 1852 401.972 19.203 421.175 4,56 % 1855 411.804 20.881 432.685 4,83 % 1858 468.912 19.676 488.588 4,03 % 1861 524.945 22.626 547.571 4,13 % 1864 609.733 23.546 633.279 3,72 % 1867 680.459 21.978 702.437 3,13 % 1871 804.400 21.941 826.341 2,66 % 1875 947.353 19.505 966.858 2,02 % 1880 1.102.037 20.293 1.122.330 1,81 % 1881 1.136.089 20.293 1.156.382 1,75 % 1882 1.171.780 20.293 1.192.073 1,70 % 1883 1.205.791 20.587 1.226.378 1,68 % 1884 1.243.162 20.034 1.263.196 1,59 % 1885 1.295.052 20.574 1.315.626 1,56 % 1886 1.342.448 20.010 1.362.458 1,47 % 1887 1.389.024 24.408 1.413.432 1,73 % 1888 1.449.635 20.595 1.470.230 1,40 % 1889 1.505.466 20.595 1.526.061 1,35 % 1890 1.559.934 19.596 1.579.530 1,24 % 1891 1.604.717 19.596 1.624.313 1,21 % 1892 1.637.150 19.884 1.657.034 1,20 % 1893 1.658.688 23.484 1.682.172 1,40 %

1825–1919 Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert setzte dann ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Vergrößerung des Stadtgebietes 1861, bei der es zur Eingemeindung von Moabit, Wedding und Gesundbrunnen kam. 1871 stieg Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Reichs auf und zählte bereits 825.000 Einwohner. Die Stadt erlebte bis zum Ersten Weltkrieg einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und enormen Bevölkerungszustrom. Die meisten Zuwanderer kamen aus den landwirtschaftlich geprägten preußischen Ostprovinzen, die durch die allgemein verbesserten Lebensverhältnisse einen erheblichen Geburtenüberschuss verzeichneten. Um dem starken Zuzug gerecht zu werden, entstanden vor allem im Norden und Osten der Stadt Mietskasernen, in denen das städtische Proletariat wohnte. In den angrenzenden Vorstädten kam es zum Bau von Fabriken und ganzer Industriesiedlungen wie etwa Siemensstadt oder Borsigwalde, dessen Wohngebiete sich rasch ausdehnten. 1877 war Berlin Millionenstadt.

Nach der Volkszählung von 1895 hatte die Stadt knapp 1,7 Millionen Einwohner, von denen 12.000 polnisch, 700 russisch und knapp 2.000 eine andere slawische Sprache als Muttersprache nannten. Insgesamt gaben rund 23.000 Einwohner (1,35 %) eine fremde Muttersprache und nahe 5.000 deutsch und eine fremde an. Knapp 27.000 Berliner (1,6 %) waren Ausländer, die meisten davon aus Österreich-Ungarn (13.000) und Russland (4.000).Alle Angaben (gerundet) aus: Königliches statistisches Bureau (Hrsg.): Statistisches Handbuch für den preußischen Staat. Verlag des königlichen statistisches Bureaus, Berlin 1898, zur Muttersprache S. 128–129, zum Ausländeranteil S. 114–115. Der gesamte Berliner Ballungsraum hatte 1914 rund 3,7 Millionen Einwohner und damit fast ebenso viele wie Paris.