Peter Paul Nahm (* 22. November 1901 in Gensingen, Kreis Bingen; † 15. Januar 1981 in Lorch) war ein deutscher Journalist und politischer Beamter (CDU). Er war von 1953 bis 1967 beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte sowie von 1969 bis 1970 im Bundesministerium des Innern.
Leben und Beruf
Nahm besuchte das Alte Gymnasium in Mainz und studierte von 1921 bis 1925 Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Innsbruck. 1925 wurde er mit einer Arbeit zu Kultur- und Siedlungsgeschichte der römisch-fränkischen Zeit in Bingen und Umgebung promoviert.
Nahm war dann Hauptschriftleiter (Chefredakteur) der Mittelrheinischen Volkszeitung, die 1934 von den Nationalsozialisten verboten worden ist. Nach Berufsverbot und mehrwöchiger „Schutzhaft“ im KZ Osthofen arbeitete er bis 1945 als Weinhändler.
1959 wurde Nahm Vorsitzender des Katholischen Flüchtlingsrates bei der Deutschen Bischofskonferenz. Er behielt dieses Amt bis zu seinem Tode. 1960 erhielt er wegen seines Einsatzes für die Sudetendeutsche Landsmannschaft die Lodgman-Plakette.Der Spiegel 15/1960, abgerufen am 9. Juli 2012.
Partei In der Weimarer Republik gehörte Nahm der Zentrumspartei an. Nach 1945 schloss er sich der CDU an.
Öffentliche Ämter Nach dem Zweiten Weltkrieg war Nahm von Juni 1945 bis Juni 1946 von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzter Landrat des Rheingaukreises mit Sitz in Rüdesheim. Das von ihm dort entwickelte Konzept zur Eingliederung der Heimatvertriebenen machte ihn auch überregional bekannt. Der hessische Ministerpräsident machte ihn 1946 zu seinem Berater in Vertriebenenfragen. Von 1947 bis 1949 war Nahm Leiter des hessischen Landesamtes für Vertriebenen- und Flüchtlingsfragen, anschließend bis 1952 Ministerialdirektor im hessischen Innenministerium. Zusätzlich ernannte ihn die Bundesregierung unter Konrad Adenauer 1951 zum Bundeskommissar für die Umsiedlung, womit eine Binnenumsiedlung von Vertriebenen zwischen stark besetzten Aufnahmeländern und solchen mit größeren Arbeitsplatzkapazitäten gemeint war.
Im Februar 1953 wurde Nahm als Leiter der Zentralstelle für Flüchtlinge aus der Sowjetischen Besatzungszone (DDR) ins Bundesministerium für Angelegenheiten der Vertriebenen nach Bonn berufen. Im selben Jahr ernannte ihn der Bundesvertriebenenminister Hans Lukaschek (CDU) zum beamteten Staatssekretär dieses Ministeriums. Diese Funktion behielt Nahm auch unter den sieben folgenden Ministern bis zum Eintritt in den Ruhestand im November 1967. Im April 1969 wurde er noch einmal als Staatssekretär reaktiviert. Als das Bundesvertriebenministerium im Oktober desselben Jahres von der sozial-liberalen Regierung Willy Brandts aufgelöst und sein Zuständigkeitsbereich dem Bundesministerium des Innern angegliedert wurde, wechselte Nahm als Staatssekretär ins Innenministerium, bis er im Oktober 1970 endgültig in den Ruhestand trat.
Veröffentlichungen Nach zwei Jahrzehnten. Erlebnisberichte über Flucht, Vertreibung und Eingliederung. Grenzland-Druckerei, Wolfenbüttel, o. J. Dokumente Deutscher Kriegsschäden. Bonn 1960. Kunstwerke im ländlichen Raum. Grote Verlag, Köln 1966. Geburtsstunde einer multinationalen Friedensordnung. München 1966. Doch das Leben ging weiter. Skizzen zur Lage, Haltung und Leistung der Vertriebenen, Flüchtlinge und Eingesessenen nach der Stunde Null. Grote Verlag, Köln 1971. Daheim in einer anderen Welt. Gieseking, Bielefeld 1975. Kultur und Politik im Spannungsfeld der Geschichte (Hans-Joachim von Merkatz zum 70. Geburtstag). Gieseking Verlag, Bielefeld 1975.
Literatur Walter Henkels: 99 Bonner Köpfe, durchgesehene und ergänzte Ausgabe, Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1965, S. 193ff.
Ausgewählte Literatur zu Nahms Rolle in der Eingliederung der Heimatvertriebenen in Hessen: Staatsbeauftragter für das Flüchtlingswesen (Hrsg.): Hessen und das Flüchtlingsproblem. Ein Rechenschaftsbericht der Zahlen und Tatsachen. Wiesbaden, 1949. 53 S. Krisztina Kaltenecker: Über die Entstehung der ungarndeutschen Siedlung Sankt Stephan bei Darmstadt. Eine kommentierte Quellenausgabe. In: Josef Schwing (Hrsg.): Suevia Pannonica. Archiv der Deutschen aus Ungarn. Jahrgang 21 (31). CHROMA Druck & Verlag GmbH, Römerberg-Berghausen 2003, , S. 37–47. Krisztina Kaltenecker: Önsegély és tétlen várakozás válaszútján. A Magyarországról elűzött németek szervezetei Darmstadtban (1946–1951). [Auf dem Scheideweg zwischen Selbsthilfe und passivem Abwarten. Die Organisationen der aus Ungarn vertriebenen Deutschen in Darmstadt 1946–1951]. In: Levente Sipos (Hrsg.): Múltunk. Politikatörténeti folyóirat. Budapest, Jahrgang XLVIII (2003), Nr. 4, , S. 198–245. Rolf Messerschmidt: Aufnahme und Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge in Hessen 1945–1950. Zur Geschichte der hessischen Flüchtlingsverwaltung. Forschungen zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Hessen 1945, Bd. 4, Wiesbaden 1994, ISBN 978-3-922244-94-3. Martina Skorvan: Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche und seine Flüchtlingsarbeit in Hessen 1945–1955. Hrsg. von dem Hessischen Hauptstaatsarchiv in Verbindung mit der Historischen Kommission für Nassau. Wiesbaden 1995, ISBN 3-922244-99-8. York Rasmus Winkler: Flüchtlingsorganisationen in Hessen 1945–1954. BHE – Flüchtlingsverbände – Landsmannschaften. (= Forschungen zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Hessen 1945, Bd. 6). Historische Kommission für Nassau. Wiesbaden 1998, ISBN 3-930221-04-7.
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Einzelnachweise
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