Die Les Paul (vor allem von deutschsprachigen Gitarristen auch „Paula“ genannt) ist eine E-Gitarre. Sie wird seit 1952 vom US-amerikanischen Unternehmen Gibson hergestellt.

Unter Leitung des Gibson-Präsidenten Ted McCarty in Zusammenarbeit mit dem Musiker Lester William Polsfuss (Künstlername Les Paul) als Antwort auf die Instrumente des Konkurrenten Fender entwickelt, stellte die Les Paul als erste Solidbody-E-Gitarre von Gibson zunächst einen Exoten im Programm des Instrumentenherstellers dar. Trotz schleppender Verkaufszahlen und vorübergehender Produktionseinstellung im Jahr 1961 wurde die Les Paul im Verlauf der 1960er Jahre durch ihren warmen, druckvollen Klang schnell zum Hauptinstrument von Künstlern wie Jimmy Page, Jeff Beck und – zumindest in früheren Jahren – Eric Clapton.Tony Bacon: Gitarren – Alle Modelle und Hersteller. London 1991 S. 82. Nach Wiederaufnahme der Produktion im Jahr 1968 entwickelte sich die Les Paul zum erfolgreichsten Instrument von Gibson. Sie wird bis heute hergestellt und gilt neben der Fender Stratocaster und der Fender Telecaster als Klassiker unter den E-Gitarren.

Geschichte mini|Lester William Polsfuss (Les Paul) 2004; Erfinder der Gibson Les Paul Der junge Musiker und Erfinder Les Paul suchte in den 1930er Jahren nach Wegen, um die Nachteile der zu der Zeit üblichen E-Gitarren zu überwinden. Diese waren oft akustische Instrumente, die nachträglich mit einem elektrischen Tonabnehmer versehen wurden. Der Nachteil dieser Konstruktion ist das Entstehen von unschönen Rückkopplungen bei höheren Lautstärken durch das Mitschwingen des hohlen Korpus. Aus diesem Grund modifizierte Les Paul seine eigene Jazzgitarre stark: Er sägte den Korpus der Länge nach in der Mitte auseinander, montierte Hals, Steg, Saitenhalter und die Elektronik auf einen rechteckigen Holzklotz und fügte an den Seiten des Klotzes die Korpushälften wieder an.Tony Bacon, Paul Day: Das Gibson Les Paul Buch. S. 8. So erhielt er ein Instrument, welches optisch noch einer akustischen Gitarre ähnelte, in der Mitte jedoch massiv gebaut war. Diese Gitarre erzeugte keinen akustischen Ton mehr, hatte dafür einen klaren elektrischen Ton ohne Rückkopplungen. Nachdem Les Paul diese „The Log“ (der Klotz) genannte Gitarre erfolgreich bei Liveauftritten gespielt hatte, stellte er sie 1946 der Firma Gibson in der Hoffnung vor, den Instrumentenbauer zu einer Serienproduktion zu bewegen. Gibson-Präsident Maurice Berlin lehnte Les Pauls Erfindung mit dem Kommentar, man werde keinen solchen „Besenstiel mit Tonabnehmern“ bauen, jedoch ab.Gitarren – Alle Modelle und Hersteller, Tony Bacon, London 1991 S. 58 + 59.

Kurz darauf erzielte der kalifornische Radiotechniker Leo Fender mit seiner neu entwickelten Solidbody-E-Gitarre „Fender Broadcaster“ (im Frühjahr 1951 umbenannt in Telecaster) erste kommerzielle Erfolge. Der neue Gibson-Präsident Ted McCarty entschied, dass Gibson ebenfalls eine massive E-Gitarre ins Programm nehmen müsse, und erinnerte sich an Les Paul und seine „Klotz“-Gitarre. Les Paul und McCarty wurden sich schnell einig, dass eine „Les Paul Gitarre“ entwickelt werden sollte. Wie diese Entwicklung im Detail ablief, ist umstritten:Gitarre & Bass. Sonderausgabe Stromgitarren, S. 130.

Der Musiker und Hobbyerfinder Les Paul behauptet, er habe fast alle Details der Gitarre mit bestimmt. Die Techniker von Gibson sollen einige seiner Designwünsche falsch umgesetzt haben, u. a. die Brücke/Trapez-Saitenhalter-Kombination und die Ahorndecke. Auch die Farbgebung (Gold bzw. später auch Schwarz) gehe auf ihn zurück. Ted McCarty behauptet, die Gitarre sei bereits zuvor in den Gibson-Werkstätten entwickelt worden und Les Paul habe schon bei den ersten Verhandlungen verschiedene Prototypen als Muster erhalten. Nach McCartys Darstellung habe Les Paul lediglich die Brücke/Trapez-Saitenhalter-Kombination und die goldene bzw. schwarze Lackierung der beiden ersten Modelle (Standard und Custom genannt) vorgeschlagen. Ted McCarty entschied sich für eine gewölbte Decke, da sich das Instrument so deutlich von den flachen Brettgitarren der Marke Fender abhob und Fender zum damaligen Zeitpunkt nicht über die Technologie verfügte, eine solche Gitarre zu kopieren.

Sicher ist, dass Les Paul und McCarty bei einem Treffen ca. 1950/1951 einen Vertrag schlossen, der den Bau der Gitarre unter dem Namen Les Pauls möglich machte.Tony Bacon, Paul Day: Das Gibson Les Paul Buch. S. 16. Das Patent der Gitarre wurde später auf McCarty angemeldet, Les Paul erhielt das Patent für den Saitenhalter.

mini|Tonabnehmer (Humbucker) in der Halsposition Im Jahr 1952 erschienen die ersten Modelle der Les Paul auf dem Markt. Diese waren mit zwei P90-Single Coil Tonabnehmern ausgestattet und hatten eine gewölbte Ahorn-Decke, die in der Farbe Gold lackiert war. Daher die inoffizielle Bezeichnung „Gold Top“. Die Farbe Gold sollte laut Les Paul Luxus und Wertigkeit ausdrücken. Im Kontrast zu diesem Anspruch kamen die ersten Modelle mit Konstruktionsfehlern in die Läden: Die Brücke/Trapez-Saitenhalter-Kombination war für die Gitarre zu hoch, weshalb die Saiten in der Regel unter der Brücke hindurch geführt werden musstenGitarre & Bass. Sonderausgabe Gibson, S. 14. – daher konnten die Saiten nicht mit dem Handballen gedämpft werden. Erst im Jahr 1953 wurde dies durch eine veränderte Brücke (das sog. Stud- oder Stop-Tailpiece) behoben. Außerdem war der Halsansatzwinkel anfangs zu klein gewählt worden, weshalb bei diesen frühen Modellen heute oft der Hals neu eingesetzt wird, um sie besser spielbar zu machen.

Neben dem Les Paul (Standard-)Modell mit der goldfarbenen Ahorndecke erschien im Jahr 1954 die Les Paul Custom, ein optisch aufgewertetes Modell in der Farbe Schwarz mit vergoldeten Metallteilen und Ebenholz-Griffbrett, welches den Beinamen „Black Beauty“ und „wegen der flachen Bundstäbchen“ auch den Spitznamen „fretless Wonder“ (Bundloses Wunder) erhielt. Die Custom besaß am Hals den neuen „Alnico“-Singlecoil Tonabnehmer und eine neue Brücken-/Saitenhalterkombination, die aus Saitenhalter (Stop-Tailpiece) und Brücke (Tune-O-Matic) bestand. Seit 1955 wird diese Konstruktion auch auf den meisten anderen Modellen angewendet. Die Les Paul Custom hatte eine gewölbte Decke aus Mahagoni statt aus Ahorn.

Im Jahr 1957 wurde die Les Paul mit den von Gibson-Mitarbeiter Seth Lover neu entwickelten Humbucker-Tonabnehmern ausgestattet. Die Tonabnehmer trugen zu Beginn der Produktion einen Aufkleber „Patent Applied For“ (Patent beantragt), um Nachahmer abzuschrecken. Diese unter Musikern „PAF“ genannten Tonabnehmer gelten bei Sammlern als sehr begehrt. Anstelle der Gold Top wurden ab 1958 das Modell Standard mit einer transparent lackierten Decke in „Sunburst“ angeboten; eine Lackierung, bei der die Farbe von einem dunklen Rot oder Braun am Deckenrand zu einem nahezu transparenten Honiggelb in der Mitte der Decke verläuft. Dies sollte die traditioneller eingestellten Jazz-Gitarristen ansprechen. Dennoch blieben die Verkaufszahlen insgesamt eher enttäuschend. Am meisten von allen Les Paul Modellen verkauften sich die Schülermodelle Les Paul Junior bzw. Les Paul Special, vor allem in den Jahren 1958 und 1959, nachdem sie zu Double-Cut-Modellen (mit zwei Cutaways) modifiziert worden waren.

mini|Gibson SG mit einem Maestro-Tremolo Im Jahr 1961 wurde die Les Paul wegen zurückgehender Verkaufszahlen durch die „Gibson SG“ ersetzt, welche bis 1963 den Namen „Les Paul SG“ trug. Da Les Paul die Form der „SG“ nicht gefiel und sein Vertrag bei Gibson 1962 auslief, zog er sich zurück. Der Name „Les Paul SG“ wurde zu „SG“ gekürzt, welches für „Solid Guitar“ (massive Gitarre) stehen sollte. In späteren Interviews erinnerte sich Les Paul, dass neben der ungeliebten neuen Form der „SG“ die anstehende Scheidung von seiner Ehefrau und Duopartnerin Mary Ford ebenfalls Grund für seinen Rückzug gewesen ist. Les Paul befürchtete hohe Zahlungen an seine Noch-Ehefrau und war an einer lukrativen Vertragsverlängerung mit Gibson nicht interessiert. Höhere Einnahmen hätten für Les Paul auch höhere Unterhaltszahlungen bedeutet, weshalb sich Les Paul zu dieser Zeit nahezu komplett aus dem Musikbusiness zurückzog.Tony Bacon, Paul Day: Das Gibson Les Paul Buch. S. 28 + 29.

Nachdem die Les Paul in den 1960er Jahren zur Kultgitarre des aufstrebenden Bluesrock wurde, entschied man sich bei Gibson im Jahr 1967 zur Wiederaufnahme der Produktion. Da Les Paul nun geschieden war, stimmte er einer Erneuerung des Vertrages zu, die ersten Gitarren der Neuauflage erschienen zu Beginn des Jahres 1968. Seitdem ist die Les Paul in verschiedenen Versionen ununterbrochen im Programm von Gibson.

Konstruktion Der Korpus der Les Paul ist dem der akustischen Gitarre nachempfunden, jedoch mit einem Cutaway am Korpus. Wesentliches Konstruktionsmerkmal der Les Paul ist ein Korpus, der aus einer Mahagoni-Basis besteht und mit einer gewölbten Decke aus Ahornholz versehen ist. Bei der Custom war die gewölbte Decke ursprünglich aus Mahagoni gefertigt. Der Mahagoni-Hals ist in den Korpus eingeleimt. Die Mensur der Gitarre beträgt 628 mm (24,75″).

Für den Klang sorgen bei der Les Paul gewöhnlich zwei Humbucker. Einige Modelle (Les Paul Custom, Les Paul Artisan) haben einen mittleren dritten Humbucker. Verwaltet werden die Tonabnehmer von je einem Ton- und einem Lautstärkeregler. Geschaltet werden die beiden Humbucker über einen dreistufigen Schalter, der entweder den Hals-, den Brücken- oder beide Pickups einschaltet. Gemäß dem Sprachgebrauch der 1950er Jahre ist der Schalter nach dem erzeugbaren Klang der Gitarre, d. h. „Treble“ für den höhenreichen Brücken-, „Rhythm“ für den dunkleren Halstonabnehmer, beschriftet.

Verschiedene Modelle der Les Paul (Junior, 54’ Goldtop und teilweise Special) besitzen statt der Humbucker ein oder zwei Single-Coil-Pickups des Typs P90. Dieser liefert einen dynamischeren, helleren Ton als die Humbucker, bleibt dabei jedoch dennoch recht „fett“ im Ton und ist daher vor allem bei Blues- und Rock-’n’-Roll-Musikern beliebt. Dieser Typ erlebt in den letzten Jahren eine Renaissance.

Modelle mini|hochkant|Gibson Les Paul Custom Gibson hat in seiner Firmengeschichte eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Modellen herausgebracht, die sich in Konstruktion und Ausstattung zum Teil stark voneinander unterscheiden. Häufig fanden die drei Kategorien Standard, Custom und Studio Verwendung.

Standard Die Les Paul Standard entspricht weitgehend dem Modell des Jahres 1958. Dies bedeutet: Massiver Mahagoni-Korpus mit Ahorndecke, Mahagonihals mit Griffbrett aus Palisander, zwei Humbucker-Tonabnehmer mit Chromkappen, einfache cremefarbene Einfassung (Binding) von Korpusoberseite und Griffbrett, Perloid-Griffbretteinlagen in Trapezdesign und verchromte Metallteile.

Die Standard wurde 1976 eingeführt, um das wachsende Interesse an Modellen der Phase 1958–1961 zu befriedigen. Zuvor bot Gibson zwar schon ähnliche Modelle an, Puristen bemängelten jedoch immer wieder die zum Teil unglücklichen Detaillösungen. Falsche Abmessungen und Dimensionen, ungewohnte Farbkombinationen, eine mehrteilige „Sandwich“-Bauweise des Korpus zur Materialeinsparung und die allgemein schlechte Verarbeitungsqualität schreckten bei den Vorgängermodellen zunächst ab.

Seit 2008 wird die Standard mit sogenannten Tonkammern geliefert, Ausfräsungen im Korpus, die Ton und Gewicht verbessern sollen. Weiterhin wurde die traditionelle Elektrik durch eine Platine ersetzt, welche durch die getönte Plexiglasabdeckung sichtbar ist. Zudem wurde das Halsprofil verändert.

Custom Die Custom entspricht weitgehend der Standard, ist jedoch vor allem optisch aufgewertet: Mehrfach beige/schwarz gestreifte Einfassung von Korpusober- und Unterseite sowie der Kopfplatte mit Stechpalmenintarsien, goldfarbene Metallteile, Griffbrett meist aus Ebenholz (bei aktuellen Modellen aus Richlite, einem Papier-Harz-Verbundwerkstoff) und Griffbretteinlagen aus blockförmigen Perlmutt.