Ollantaytambo (auch Ollantaitambo, ; in älterer Literatur lediglich Tambo genannt) ist eine Stadt und archäologische Stätte im südlichen Teil von Peru in der Provinz Urubamba, in der Region Cusco.

Geografie Die Stadt liegt etwa 60 km nordwestlich von Cusco und 21 km von Urubamba entfernt in einer Höhe von 2848 m am rechten Ufer des Río Urubamba. Nach einer Legende soll der Gott Viracocha die Inka angeleitet haben, die Stadt zu bauen.

Die Stadt ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts. Beim Zensus 2017 wurden 3050 Einwohner gezählt.

Geschichte Ollantaytambo ist das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung aus der Inka-Zeit. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Die geraden und engen Straßen bilden 15 quadratische Blocks (canchas), die je einen Eingang zum zentralen Innenhof besitzen, der von Häusern umgeben ist. Einige vornehme Häuser bestehen aus perfekt gearbeiteten Inka-Mauern aus dunkelrosa Stein. Die Inka bauten in Ollantaytambo Verwaltungs-, Landwirtschafts-, Militär- und religiöse Einrichtungen.

Auf der dem Berg zugewandten Seite von Ollantaytambo befindet sich ein imposanter Inka-Komplex, der, auf Grund seiner außerordentlich starken Mauern, landläufig fortaleza (dt. Bollwerk oder Festung) genannt wird. Tatsächlich war dieser Komplex strategisch günstig gelegen, um das Heilige Tal der Inka zu dominieren. Hierhin zog sich auch 1537 Manco Cápac II. nach der gescheiterten Belagerung von Cuzco zurück, um seine verbliebenen Soldaten im Kampf gegen die Conquistadoren zu sammeln.

1932 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss.Robert D. Whetham: Railways of Peru. Volume 2: The Central and Southern Lines. Trackside Publications, Bristol 2008. ISBN 978-1-900095-37-2, S. 73.

Mögliche ursprüngliche Errichtung durch Tiwanakaner Der Architekturhistoriker Jean-Pierre Protzen von der University of California, Berkeley merkt an, dass in der Vergangenheit oft argumentiert wurde, der alte Monumental-Kern von Ollantaytambo (z. B. die Mauer der sechs Monolithen des sogenannten Sonnentempels) sei das Werk der früheren Tiwanaku-Kultur und sei von den Inka lediglich wiederverwendet worden:

In Ollantaytambo findet man laut Protzen jedoch nur T-förmige Krampenfassungen, während in Tiwanaku Krampenfassungen mit einer breiten Palette von Formen – L, T, Doppel-T oder ‡, U, Y, Z – und Abmessungen gefunden werden.Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: A Study of Architecture and Construction. Band 75. Cotsen Institute of Archaeology Press, University of California, Los Angeles 2013, S. 192. Eine Parallele zwischen Ollantaytambo und Tiwanaku wurde ebenso von Heinrich Ubbelohde-Doering, Alphons Stübel und Max Uhle bemerkt.Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: A Study of Architecture and Construction. Band 75. Cotsen Institute of Archaeology Press, University of California, Los Angeles 2013, S. 12. Frühere Ausgrabungen hätten keine Tiwanaku-Artefakte ans Licht gebracht, was eine frühere Tiwanaku-Besiedelung scheinbar ausschließe. Ohne Ausgrabungen und weitere Untersuchungen könne die Frage nach einem möglichen Tiwanaku-Ursprung nicht abschließend geklärt werden.Jean-Pierre Protzen, Stella Nair: The Stones of Tiahuanaco: A Study of Architecture and Construction. Band 75. Cotsen Institute of Archaeology Press, University of California, Los Angeles 2013, S. 204 ff.

Nach Alfons Stübel und Max Uhle weisen die Ruinen Ollantaytambo starke Ähnlichkeit mit den Ruinen von Tiwanaku auf. Unter anderem sehen sie Parallelen in den pfeilerartigen Blöcken und in rechten Winkeln ausgearbeiteten Steinen. Ein Teil der Ruinen würde aber mit bekannten Inkabauten übereinstimmen. Daher würden die Konstruktionen in Ollantaytambo aus unterschiedlichen Kulturepochen stammen. Nach Stübel und Uhle würden die nicht kyklopischen Bestandteile von Ollantaytambo „[…] den Inca nicht zugeschrieben werden dürfen.“Alfons Stübel, Max Uhle: Die Ruinenstätte von Tiahuanaco im Hochlande des alten Perú: Eine kulturgeschichtliche Studie auf Grund selbständiger Aufnahmen. Leipzig 1892, Zweiter Teil, S. 48 ff. (digi.ub.uni-heidelberg.de).

Auch das wenige Kilometer von Ollantaytambo entfernte Naupa Iglesia weist formale Ähnlichkeit zur Tiwanaku-Architektur auf.César Paternosto: The stone and the thread: Andean roots of abstract art. University of Texas Press, 1996, S. 140.

Steinvorsprünge

mini|hochkant=1.6|Noppen an der Mauer des unvollendeten Tores Nach der Kunsthistorikerin Jessica Joyce Christie handelt es sich bei den Noppen um abgerundete oder eckige Vorsprünge von glatten Oberflächen. Sie werden allgemein als Intiwanatanas interpretiert. Nach Christie wisse niemand, wie solche Sonnenuhren funktioniert hätten. Der Grund für die Interpretation als Intiwanatanas sei die oberflächliche formale Ähnlichkeit der Noppen mit dem Intiwanatana (Quechua für „der Ort an dem die Sonne gebunden wird“) von Machu Picchu, der lediglich durch Bingham als solcher bezeichnet wurde. Erwähnenswerte Noppen gebe es nach Christie am „Sonnentempel“ in Pisaq und in Ollantaytambo.Jessica Joyce Christie: Memory landscapes of the Inka carved outcrops. Lexington Books 2015, S. 44 f. (books.google.de).

Ufo-Enthusiasten Ufo-Enthusiasten führen die Monumentalarchitektur Ollantaytambos auf außerirdische Intervention zurück. Der Architekturhistoriker Jean-Pierre Protzen schreibt dagegen, er habe „keinen Zweifel daran“, dass die Baumeister der Anden ihre Bautechniken und Fähigkeiten unabhängig von äußeren Einflüssen, weltlichen oder außerirdischen, entwickelt haben.Jean-Pierre Protzen: Inca architecture and construction at Ollantaytambo. New York: Oxford University Press, 1993, Preface Seine Arbeit habe gezeigt, dass es den Inkas unter der Verwendung der damaligen Werkzeuge und ohne außerirdische Intervention möglich gewesen war, Strukturen zu errichten, bei denen die Steine derart eng aneinander liegen.Jean-Pierre Protzen: Inca architecture and construction at Ollantaytambo. New York: Oxford University Press, 1993, S. 191.

Galerie

Verkehr Ollantaytambo liegt an der schmalspurigen Bahnstrecke Cusco–Quillabamba.

Literatur Eliana Gamarra (Hrsg.): Historias de mi pueblo. Ollantaytambo, Maras, Pumahuanca, Yucay (= Biblioteca de la tradición oral andina. Bd. 18). Centro de Estudios Regionales Andinos Bartolomé de Las Casas, Cuzco 1999, . Jean-Pierre Protzen: Inca architecture and construction at Ollantaytambo. New York: Oxford University Press, 1993 Lisbet Bengtsson: Prehistoric stonework in the Peruvian Andes : a case study at Ollantaytambo. Göteborg : Etnografiska Museet, 1998. ISBN 91-85952-76-1

Weblinks

Informationen zu Ollantaytambo (englisch)

Anmerkungen

Einzelnachweise

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