alt=|mini|Christian Springer (2020) Christian Springer (* 31. Dezember 1964 in München-Haidhausen) ist ein deutscher Kabarettist und Autor.

Leben Seine ersten Bühnenauftritte hatte Springer in den 1970er-Jahren im Münchner Nationaltheater als Mitglied des Kinderchors der Bayerischen Staatsoper (Hänsel und Gretel, Carmen). Bereits während seiner Schulzeit gründete er 1983 zusammen mit Andreas Rüttenauer und Helmut Schleich das Kabarett Fernrohr. Springer begann ein Studium in Semitistik, Philologie des christlichen Orients und Bayerische Literaturgeschichte an der LMU München, schloss das Studium aber nicht ab.

Gemeinsam mit Andreas Rüttenauer und Helmut Schleich hatten sie bis 1997 über tausend Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum und sie gehören zu den Mitbegründern des Münchner Kleinkunst-Nachwuchsfestivals Kabarett Kaktus. Seit 1998 tritt Christian Springer als Solokünstler auf. Zusammen mit Helmut Schleich war Springer als Heinzi und Kurti im Hörfunkprogramm Bayern 1 von 2003 bis 2011 zu hören.

Daneben war Springer Autor für Ottis Schlachthof (1997–2012) und in gleicher Funktion auch für den Bayerischen Kabarettpreis (1999–2002) und den Bayerischen Fernsehpreis (2001) tätig gewesen. Als Autor und Darsteller wirkte er beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg (1999–2001) mit und zeichnete 2008 erstmals verantwortlich für die Fastenpredigt des neuen Bruder Barnabas, Michael Lerchenberg. Im März 2010 erklärten Springer und Lerchenberg, Letzterer zugleich Ko-Autor, ihren Rücktritt, nachdem heftige Kritik an einem KZ-Vergleich im Zusammenhang mit Guido Westerwelles strittigen Äußerungen zum Sozialstaat und dem Umgang mit Hartz-IV-Empfängern in ihrer Fastenpredigt laut geworden war. Von 2006 bis 2011 führte Springer beim Aschermittwoch der Kabarettisten als Moderator durch den Abend. Seit 2012 moderiert er gemeinsam mit Michael Altinger einmal im Monat die Nachfolgesendung von Ottis Schlachthof schlachthof im BR Fernsehen.

Christian Springers Feder entstammt die Figur des Fonsi (süddeutsch für Alfons). Als Kassenwart von Schloss Neuschwanstein gehören eine blaue Kassiereruniform und Aktentasche zu Fonsis Markenzeichen. Er interpretiert die Welt als mürrischer, aber liebenswerter Grantler. Als Fonsi spielt er neben Auftritten in zahlreichen BR-Produktionen seit 1999 auch den Wiesn-Kritiker im gleichen Sender. Außerdem hält er regelmäßig Rückschau in Nix für ungut, dem kabarettistischen Wochenrückblick des Bayerischen Fernsehens. 2008 war Springer zudem in einer kleinen Rolle als Kriminaloberrat Wellisch in der Tatort-Folge Der oide Depp zu sehen. 2007 spielte er einen Heimatpfleger im BR-Spielfilm Das große Hobeditzn.

Für das Kabarettprogramm Sand in der Wasserpfeife erhielt Springer 1999 den Goldenen Wiener Kleinkunstnagel. 2002 wurde er für seine Autorentätigkeit mit dem Kunstpreis Sigi-Sommer-Taler ausgezeichnet. Seit 2004 ist Springer Mitglied der Münchner Turmschreiber.

Christian Springers Interesse und Augenmerk gilt seit Jahren besonders Syrien, wo er häufig hinreist, wie es auch auf seiner Website deutlich wird. Dabei war es insbesondere der Umgang Syriens mit dem NS-Kriegsverbrecher Alois Brunner, der dazu führte, dass Springer nach dessen Aufenthaltsort forscht. 2006 berichtete Michaela Haas am 6. April in der Zeit über die Rechercheaktivitäten bezüglich Brunner in Syrien. Springer gelangte in den Besitz eines Testaments des angeblich 2001 gestorbenen Brunner.

Im Herbst 2011 erschien Christian Springers Buch Wo geht’s hier nach Arabien? im Blessing Verlag. Für die knapp 40 Kurzgeschichten über die Orientreisen prominenter Deutscher erhielt Springer im September 2011 den AZ-Stern der Woche.

2012 gründete er den Verein Orienthelfer. Er selbst und sein Freiwilligenteam fahren seit Dezember 2011 regelmäßig in den Libanon und nach Jordanien, um den Flüchtlingen, aber auch den Einheimischen dort zu helfen. Für dieses Engagement erhielt er am 23. Dezember 2012 den AZ-Stern des Jahres 2012 und am 30. November 2014 den Waldemar-von-Knoeringen-Preis.

2015 moderierte er zusammen mit Michael Altinger die Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises.

2019 veröffentlichte Springer einen Aufruf an Zeugen, sich bei ihm zum Brandanschlag auf das Wohnheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München aus dem Jahr 1970 zu melden und zu helfen, den Anschlag aufzuklären. Dies führte sechs Jahre später dazu, dass sich eine Person mit entscheidenden Informationen bei ihm meldete und die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter ermitteln konnte, der wenige Jahre zuvor gestorben war.

Fernsehen 1999–2014: Die Komiker (Comedy-Reihe mit Eva Mähl, Constanze Lindner, Monika Gruber und Michael Altinger), BR 2008: Der Bulle von Tölz: Bulle und Bär 2008: Tatort – Der oide Depp 2009: Tatort – Um jeden Preis 2012: Tatort – Der tiefe Schlaf seit 2013: Schlachthof (Nachfolgesendung zu Ottis Schlachthof, mit Michael Altinger), BR 2016: Der Schein des Geldes mit Christoph Süß, BR 2018: München Grill (Folge 1)

Programme

Solokabarett

ab Herbst 2024: Leider ab Herbst 2020: nicht egal! 2018–2020: Alle machen. Keiner tut was! 2016–2018: Trotzdem 2014–2016: Oben ohne 2011–2014: Jetzt reicht’s! …leider nicht für alle, als „Der Fonsi“, Regie: Harald Helfrich 2005: Das merkt doch keiner, als „Der Fonsi“, Regie: Georg Büttel 2004: Machts so weiter, als „Der Fonsi“ 2001: Türschlosspanik, Regie: Claus Steigenberger 1999: Was Weiß Ferdl, Regie: Claus Steigenberger 1995: Sand in der Wasserpfeife

Mit Constanze Lindner u. a. 2004: Das Schweigen der Rauten, Kabarettprogramm mit Christian Springer, Constanze Lindner, Tom Hake, Manfred Kempinger 2003: Sternhagelbairisch – Am Abgrund der Gemütlichkeit, Kabarettprogramm mit Christian Springer, Constanze Lindner, Tom Hake, Manfred Kempinger

Duo mit Ecco Meineke 2000: Award 1997: StirningerMan

Mit Helmut Schleich und Andreas Rüttenauer 1983–1994: Kabarett Fernrohr, Zehn Kabarettprogramme mit Helmut Schleich und Andreas Rüttenauer

Diskografie 2001: Was Weiß Ferdl, WortArt, Köln 2002: Türschlosspanik, WortArt, Köln 2005: Der Fonsi, die Welt und die Wiesn, BRW-Records, München

Veröffentlichungen Wer mag denn schon … d’Wiesn? Fonsi grantlt übers Oktoberfest, edition schulz, München, 2000, ISBN 3-932142-22-5. Wer mag denn schon … d’Promis? Fonsi grantlt über die Wichtigen, edition schulz, München, 2002, ISBN 3-932142-23-3. Fonsis boarisches Fuaßboi-Lexikon. Für Anfänga und Brofis und für de, de bloß mitredn mächtn, (Mit Franz Eder), Verlag Sankt Michaelsbund, München, 2006, ISBN 3-920821-87-4. Wo geht’s hier nach Arabien?, Karl Blessing Verlag, München, 2011, ISBN 3-89667-461-7. Nazi, komm raus! Wie ich dem Massenmörder Alois Brunner in Syrien auf der Spur war, Langen Müller Verlag, München, 2012, ISBN 978-3-7844-3313-4. Landesvater, cool down – Kabarettist an Seehofer. Eilt!, CS Wort, München, 2015, ISBN 978-3-00-051424-1. Wir müssen Freiheit aushalten. Die 50. Münchner Kanzelrede, CS Wort, München, 2017, ISBN 978-3-9818358-1-6. Die Antwort auf Söders Kreuz … ist 240 Jahre alt, CS Wort, München, 2018, ISBN 978-3-9818358-2-3. Bitte sagen Sie die Klimakatastrophe morgen ab! Ich habe wichtige Termine. CS Wort, München, 2020, ISBN 978-3-9818358-3-0. Ich und der Russe, CS Wort, München, 2022, ISBN 978-3-9818358-5-4. Bayerischer Mob – wie die Gewalt in die Politik einzog, Hg. mit Kerstin Schweiger, CS Wort, München, 2024, ISBN 978-3-9818358-6-1. Sisi in Gaza – Was Sie über Gaza nicht wussten und nicht wissen müssen, aber wissen sollten, CS Wort, München, 2025, ISBN 978-3-9818358-7-8.

Auszeichnungen 1999: Goldener Kleinkunstnagel 2002: Sigi-Sommer-Taler 2012: AZ-Stern des Jahres Sparte Engagement 2013: Bayerischer Kabarettpreis 2013: Kabarettpreis der Landeshauptstadt München 2014: Waldemar-von-Knoeringen-Preis der Georg-von-Vollmar-Akademie 2015: Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa 2015: Bayerischer Poetentaler 2015: Rupert-Mayer-Medaille in Gold 2016: Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing 2019: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber 2019: München leuchtet in Gold

Weblinks

christian-springer.de orienthelfer.de

Einzelnachweise

Kategorie:Kabarettist (Deutschland) Kategorie:Darstellender Künstler (München) Kategorie:Träger der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Mann