Deep Purple [] (deutsch: Tiefes Purpur, dunkelviolett) ist eine im April 1968 gegründete britische Rockband. Mit ihrem Stil, der vom Klang der Hammond-Orgel, markanten Gitarrenriffs, Improvisation, treibender Rhythmusarbeit und markantem Gesang geprägt ist, zählt sie zu den ersten und einflussreichsten Vertretern des Hard RockIn Beat Instrumental im November 1970: „Deep Purple, since their formation from the debris of the Artwoods, Lord Sutch and others have become increasingly recognized as one of the most progressive and forceful of all British hard-rock bands.“ und des aufkeimenden Heavy Metal.Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert: Lebensformen und Lebensstile. () Das Guinness-Buch der Rekorde verzeichnete Deep Purple 1975 dank ihrer 10.000 Watt starken Marshall-PA-Anlage, die bis zu 117 dB erreichte, als „lauteste Popgruppe der Welt“ (Loudest Pop Group).Norris McWhirter, Ross McWhirter: Guinness Book of World Records. Sterling Publishing 1975, S. 242. Deep Purple gehört mit über 130 Millionen verkauften AlbenDeep Purple | New Studio Album Now What?! – Out April 2013 – nach manchen Schätzungen sind es 150 Millionen – zu den weltweit kommerziell erfolgreichsten Rockbands.

Im Verlauf der von zahlreichen Besetzungswechseln geprägten Bandgeschichte erfolgten dabei auch musikalische Neuausrichtungen. Im Frühwerk der Band stehen Hard Rock, Psychedelic Rock, Progressive RockJürgen Seifert: Pop & Rock: Die Geschichte der Pop- und Rockmusik, S. 189 () und Bluesrock (Hush) neben Annäherungsversuchen zwischen Rockmusik und Klassik (Concerto for Group and Orchestra, April). Stilprägenden Einfluss hinterließ dann jedoch vor allem die klassische Mark-II-Besetzung der 1970er Jahre, deren Schaffen stilbildende Alben wie Deep Purple in Rock, Machine Head und Made in Japan und prägnante Hard-Rock-Songs mit eingängigen Riffs wie Black Night, Smoke on the Water und Highway Star einschließt, aber auch von besonderer Improvisationsfreude geprägt ist. Diese äußert sich einerseits in Titeln von ungewöhnlich langer Spieldauer wie Child in Time, andererseits bei den Live-Darbietungen der Songs, wie Space Truckin’, die gegenüber den Studioversionen wesentlich in ihrer Länge ausgedehnt wurden. Deep Purple gelten durch Songs wie Fireball als Vorreiter des Genres Speed MetalMartin Popoff: Riff story du hard rock au heavy metal. ISBN 978-2-35779-545-7, S. 106 () und mittels der Einflüsse des Gitarristen Ritchie Blackmore auf Songs wie Burn als Begründer des Neoklassischen Metal. Die musikalische Bandbreite umfasst neben weiteren Einflüssen aus Jazz, Funk und Soul auch Balladen wie Soldier of Fortune. Die Band zählte von Anfang anJerry Bloom: Black Knight: Ritchie Blackmore. S. 134 () zu den bekanntesten und am meisten tourenden Liveacts der Rockgeschichte.Dave Thompson: Smoke on the Water: The Deep Purple Story. S. 137 ()

Deep Purple löste sich nach zahlreichen Querelen 1976 auf. Die Mitglieder formierten Nachfolgebands wie Rainbow, Whitesnake und Gillan, in denen ihre Musik ein musikalisches Erbe fand. Die Besetzungen seit der Wiedervereinigung von 1984 orientieren sich musikalisch an dieser erfolgreichsten Phase der Band, wenn auch seit den frühen 1990er Jahren verstärkt unter Hinzunahme poppiger und jazziger Elemente.

2016 wurde Deep Purple mit den ersten drei Bandbesetzungen – Mark I, Mark II sowie Mark III – in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Bandgeschichte Gründung Deep Purple entstand, als die Londoner Geschäftsleute Tony Edwards und John Coletta 1967 beschlossen, in eine Rockband zu investieren, und Jon Lord mit der Gründung einer Rockgruppe beauftragten. Aus der Band Roundabout, die sich damals aus Ritchie Blackmore, Jon Lord von den Flowerpot Men, dem Ex-Searchers-Schlagzeuger und Sänger Chris Curtis (Gesang), Dave Curtiss (Bass) und Bobby Woodman (Schlagzeug) zusammensetzte, bildete sich im April 1968 nach dem Ausscheiden von Curtis, Woodman und Curtiss Deep Purple. Die Besetzung war vorher durch Rod Evans (Gesang), Ian Paice (Schlagzeug) (beide Ex-The Maze) sowie Nick Simper (Bass) vervollständigt worden.Siehe auch CD-Booklet von Shades Of Deep Purple – The Deep Purple Remastered Collection (2000) mit der Gründungsgeschichte, von Simon Robinson verfasst. Für ihren neuen Namen entschied sich die Band nach einer kurzen Tour durch Skandinavien; er bezieht sich laut Blackmore auf den Jazzstandard Deep Purple von Peter DeRose. In einem Interview mit dem New Musical Express im Jahr 1973 brachte Lord zum Ausdruck, dass die Band Deep Purple für ihn von Beginn an „kein Vehikel für gesellschaftliche Rebellion, sondern für musikalische Perfektion war“.

Erste Erfolge Deep Purple spielte in der sogenannten Mark-I-Besetzung drei Alben ein.

Das Debütalbum Shades of Deep Purple aus dem Jahr 1968 war von einer Mischung verschiedener musikalischer Ansätze geprägt, die mit der typischen Deep-Purple-Musik der 1970er Jahre noch wenig Verwandtschaft zeigt. Das Album selbst wurde innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen. Der noch an der Popmusik der Beatles orientierte Sound war in seiner Härte für die damalige Zeit teilweise ungewöhnlich. Er wird daher von Kritikern als Grundlage für die Entwicklung des Hard Rocks und späteren Heavy Metals angesehen. Das Album enthält neben eigenen Songs wie Mandrake Root, das lange Zeit die Basis für die ausufernden Live-Duelle der Band war, auch einige Coverversionen, unter anderem Help! von den Beatles, den durch Jimi Hendrix bekannt gewordenen Song Hey Joe und das von Joe South geschriebene Hush. Mit Letzterem hatte die Band ihren Durchbruch in den USA und Kanada, wo die Single Platz 4 bzw. Platz 2 der Charts erreichte. Am 6. Juli trat die Band im Vorprogramm der Byrds erstmals auf britischem Boden auf.

Noch im selben Jahr wurde das zweite Album The Book of Taliesyn veröffentlicht, das teilweise auch Merkmale des Progressive Rock sowie die später oft verwendeten Zitate klassischer Musik aufweist (hier in einer Kurzversion von Beethovens zweitem Satz seiner siebten Sinfonie in Exposition). Ein Beispiel für die Verwendung klassischer Instrumente und Formen ist der Mittelteil von Anthem, in dem ein vierstimmiges Fugato eines Streichquartetts erklingt. Das Album beinhaltet neben eigenen Kompositionen Coverversionen von Klassikern wie We Can Work It Out (The Beatles) und Kentucky Woman (Neil Diamond). Kritiker wie die Zeitschrift Disc & Music Echo lobten, obwohl sie auf dem „leicht enttäuschenden Album“ den wirklichen ‚Kick‘ vermissten, den „Sinn der Band für Dynamik sowie die Verbindung instrumentaler Passagen mit bekannten Themen“. Nach der Veröffentlichung tourte Deep Purple als Vorgruppe von Cream und danach auf eigene Faust durch die USA.

mini|zentriert|550px|Die ersten beiden Stimmeinsätze des Fugatos aus dem Titel Anthem () Das dritte, schlicht Deep Purple betitelte Album erschien 1969. Manche Songs, wie das zwölfminütige April, das eine Dreiteilung (Band – Orchester – Band) aufweist, verweisen wieder auf klassische Modelle und Ästhetik. Der Titel war eine der ersten der bald darauf beliebten Rocksuiten von Progressive-Rock-Bands wie The Nice, Emerson, Lake and Palmer oder Genesis. Zudem zeigt sich auf diesem Album erstmals auch vermehrt der Hard Rock, durch den die Band zu weltweiter Bekanntheit gelangte. So zum Beispiel in Bird Has Flown oder The Painter. Mit Lalena von Donovan ist auch nur noch eine Coverversion vertreten.

Wechsel zur klassischen Mark-II-Besetzung und wachsende Popularität Mitte 1969 wurden Evans und Simper auf das Betreiben Blackmores hin durch den Sänger Ian Gillan und den Bassisten Roger Glover ersetzt. Die beiden hatten zuvor schon mehrere Jahre lang in der Band „Episode Six“ zusammen gespielt. Mit der Verpflichtung dieser Musiker entstand die klassische Mk-II-Besetzung mit Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice.

Zunächst standen für die neue Besetzung primär Jon Lord und dessen Musikvorstellungen im Rampenlicht. Der klassisch ausgebildete Musiker hatte ein Werk für Rockband und Orchester geschrieben, Concerto for Group and Orchestra, das gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra in der Royal Albert Hall unter der Leitung von Malcolm Arnold uraufgeführt wurde. Es war einer der ersten Versuche, klassische und Rockmusik zu kombinieren, und die erste Aufführung einer Rockband mit einem kompletten Orchester. Obwohl das Projekt vom Publikum und Teilen der Kritiker wohlwollend aufgenommen wurde, waren einige Bandmitglieder, vor allem Blackmore, damit nicht zufrieden. Unter anderem aufgrund der Sorge um einen Imageverlust der Band wurde beschlossen, einen neuen, musikalisch härteren Weg einzuschlagen. mini|zentriert|550px|Dialog zwischen Orgel und Gitarre im Titel Speed King ()

Weltweiter Erfolg der Mark-II-Besetzung Deep Purple in Rock Das 1970 veröffentlichte Album Deep Purple in Rock kann als ein Wendepunkt in der Geschichte der Band wie auch in der Geschichte der Rockmusik gesehen werden. Das erste auch in Europa erfolgreiche Album bedeutete den weltweiten Durchbruch der Band und fokussierte internationale Aufmerksamkeit, was zahlreiche Goldene Schallplatten und Spitzenchartplatzierungen belegen. In Großbritannien erreichte es die Chartposition vier und verbrachte in Deutschland gar zwölf Wochen auf Platz eins. Das Werk vereint die für die Folgezeit typischen musikalischen Merkmale: Markante Heavy-Metal- und Hard-Rock-Riffs Blackmores, Lords klassische Kadenzen und Figuren, Gillans ekstatischen Gesang sowie die in Titeln wie Speed King, Child in Time und anderen Songs besonders live offen ausgetragene Konkurrenz zwischen Lords Orgel und Blackmores Gitarre. Diese Konkurrenz ist allerdings, häufig in der Form eines Call and Response (wie im Notenbeispiel zu Speed King), musikalisch durchaus fruchtbar. Child in Time ist ein Protestsong gegen den Vietnamkrieg und zählt zu den wohl bekanntesten und wichtigsten Liedern der Rockmusik überhaupt. Werner Faulstich stellt in seinem Buch Die Kultur der siebziger Jahre das Lied Speed King als Paradebeispiel des Hard Rock vor: „Das Stück beginnt mit einer instrumentalen Einleitung, in der zwei Kontrahenten vorgestellt werden: Eine wilde Rockgitarre und eine sanfte Orgel. Zwei Grundlinien und ihr Kontrast deuten sich somit an, von denen die gesamte Rockmusik der siebziger Jahre geprägt war: Hart versus weich.“Werner Faulstich: Die Kultur der siebziger Jahre. S. 132. () Die harten Rockriffs von Blackmore haben sich nun definitiv durchgesetzt. Die von Jon Lord eingebrachten klassischen Elemente finden sich nun zunehmend weniger in der Instrumentierung als in Harmonik und Melodik, was den Stil der Band vom üblichen, stark bluesbetonten Hardrock jener Zeit abgrenzt, und zusammen mit der exakten, treibenden Uptempo-Rhythmusarbeit von Paice und Glover zu einem wichtigen Wegbereiter des Heavy Metal macht. Das im Anschluss an das Album produzierte Lied Black Night wurde die erfolgreichste Single der Band seit Hush. Black Night gelangte auf Platz 2 der britischen Charts und als bisher einziges Lied von Deep Purple auf Platz 1 europäischer Singlecharts (in der Schweiz für vier Wochen im Herbst 1970).

Fireball