Der Ausdruck Medienmanipulation wird in zweierlei Weise verwendet:
Meist wird er verwendet, um eine tatsächliche oder vermeintliche Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Medien zu bezeichnen. Ebenfalls Verwendung findet der Begriff, um eine Manipulation der Medien mit dem Ziel einer bestimmten Veröffentlichung zu beschreiben. Abgrenzung: Sofern dies nicht als Manipulation, sondern als Information transparent und den journalistischen Handwerksregeln gemäß erfolgt, spricht man von Pressearbeit oder Medienarbeit.
Manipulation durch die Medien Manipulation durch die Medien bezeichnet eine einseitige, tendenziöse und/oder verzerrte Darstellung von Fakten und Geschehnissen in den Massenmedien. Diese Manipulation kann erfolgen durch Personengruppen, die i. d. R. berufsmäßig Informationen verbreiten, z. B. durch Journalisten, Fotografen, Dokumentatoren oder Nachrichtenproduzenten, zunehmend auch durch nicht-professionelle Autoren und Bildschaffende über vielgelesene Websites (Twitter, Soziale Netzwerke, Wikipedia usw.). Die Manipulation erfolgt bereits durch eine einseitige Vorauswahl eines Themas, dann durch seine Platzierung und schließlich durch die Art der Berichterstattung. Dadurch entsteht eine verzerrte Wahrnehmung beim Rezipienten. Die Medienmanipulation wird abgegrenzt von der Fälschung, also zum Beispiel der nachträglichen Manipulation von Fotografien oder Videos oder dem Erfinden von Interviews.
Die Forderung nach Objektivität, als neutraler und unabhängiger Standpunkt, der Medien stößt naturgemäß und teils unbeabsichtigt an Grenzen. Es ist (journalistisch) nicht möglich, über alle vorhandenen Geschehnisse zu berichten; eine zusammenhängende Darstellung geht zwangsläufig einher mit einer Vorauswahl der Fakten (nach z. B. Newton, 1989). Ein Manipulationsvorwurf kann deswegen, neben berechtigter Kritik, auch den Charakter eines Kampfbegriffs beinhalten. Eine gewisse „Manipulation“ ist schon aus formalen Gründen schwer vermeidbar.
Beispiele
Selektion Ein grundsätzliches Element jeder Berichterstattung ist die Selektion von Informationen durch die Redaktion. Steffens sagt dazu: „Über 99 % aller Nachrichten (…) gelangen nie vor das Auge des Lesers, weil sie als zu unbedeutend, zu fragmentarisch, zu polemisch oder – nach den jeweils herrschenden Vorstellungen – zu unsittlich aussortiert werden.“Manfred Steffens: Das Geschäft mit der Nachricht. München 1971, S. 9 ff.
Journalisten können unmöglich über alle erhältlichen Informationen und Nachrichten schreiben und gleichzeitig über ausgewählte Fakten in zusammenhängender Weise berichten – dies ist eine praktische Grenze der Neutralität der Medien: Eine Beschränkung und Ausrichtung ist unumgänglich. Welche Nachrichten es wert sind, gedruckt zu werden, entscheidet sich auch an der Auswahl anderer Journalisten und Autoren. Ein Vorgang, über den berichtet wird, ist allein deshalb berichtenswerter, weil über ihn an anderer Stelle berichtet wird. Dazu Niklas Luhmann: „Kommunikation ist ein Prozess, der auf Selektionen selektiv reagiert, also Selektivität verstärkt.“Niklas Luhmann: Veränderungen im System gesellschaftlicher Kommunikation und die Massenmedien. In: Oskar Schatz (Hrsg.): Die elektronische Revolution. Graz 1975, S. 21.
Die Selektion führe gemäß Schulz zu einer „Norm der Realität“, denn die Frage nach einem „wahren Bild“ der Realität sei eine metaphysische und nicht zu beantworten.Winfried Schulz: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. München 1976, ISBN 3-495-47331-9, Seite 27 Durch Selektion von Informationen in den Medien kann bei Rezipienten leicht ein als Manipulation empfundenes Zerrbild entstehen. Selbst wenn die einzelnen Meldungen den Tatsachen entsprechen, kann die Masse die Wirkung einer Desinformation erzielen.
Günter Wallraff beschreibt hingegen in seinem Buch „Der Aufmacher“ die von ihm wahrgenommenen Manipulationen der Bild-Zeitung als das „Bild-System“.Günter Wallraff: Der Aufmacher. Köln 1977, ISBN 3-462-01257-6, S. 9. Gezielte Manipulation durch bewusste einseitige Berichterstattung widerspricht den Grundsätzen unabhängiger journalistischer Berichterstattung und journalistischer Ethik sowie den Regeln des Deutschen Presserates.
Gewichtung der Informationen Eine weitere Herausforderung für Journalisten liegt in der Gewichtung, die sie unterschiedlichen Positionen und Argumenten beimessen. So mussten alle relevanten Positionen und Argumente aufgezeigt sowie durch eine Gewichtung verdeutlicht werden, dass die Argumente unterschiedliche Relevanz und Seriosität haben. Gelingt das nicht, so spricht man von tendenziöser Berichterstattung.
Darunter versteht man eine verzerrte oder falsch gewichtete Darstellung von Fakten, was gegen die journalistische Ethik verstößt. Das Ziel und der Schweregrad nicht-objektiver Berichterstattung werden in vielen Ländern kontrovers diskutiert, da sie sowohl praktische als auch theoretische Ursachen haben und Wirkung präjudizieren. Allerdings stellt zum Beispiel der Schweizer Presserat fest: „Aus der ‚Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten‘ kann keine berufsethische Pflicht zu objektiver Berichterstattung abgeleitet werden. Deshalb ist auch eine einseitige, parteiergreifende Berichterstattung zulässig.“
Einzelne Zeitungen oder Sender vertreten bewusst bestimmte Positionen. So versteht sich beispielsweise die Frankfurter Rundschau als linksliberal. Die entsprechende Tendenz („Färbung“) der Berichterstattung ist keine Manipulation, sondern ein Ausdruck der Meinungsfreiheit der Redaktion oder des Verlags (siehe auch Tendenzschutz).
Die Gewichtung von Information kann ebenfalls ein (subtiles und damit wirksames) Instrument der Manipulation sein. Durch hohe Selektion kann zum Beispiel die Position eines „Gegners“ für ein Strohmann-Argument oder für eine „Dämonisierung“ verzerrt werden. Auch kann von bedeutenden Ereignissen abgelenkt werden, indem über andere Themen ausführlicher berichtet bzw. ihre Bedeutung übertrieben wird.
Die Rolle der Sprache Der Gebrauch eines Wortes mit positivem bzw. negativem Beigeschmack (meliorativ bzw. pejorativ) an Stelle seines neutralen Synonyms ist geeignet, den Leser zu beeinflussen. Sind Themen strittig, so zeigt sich dies meist auch darin, dass die Parteien gleiche Sachverhalte mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnen (zum Beispiel „Flucht und Vertreibung“ (in Deutschland übliche Wortwahl) und „Umsiedlung“ (in Polen übliche Wortwahl)). Auch hier wird die Verwendung der Begrifflichkeit einer Partei leicht als parteilich oder manipulativ wahrgenommen.
Ein Problem stellen Übersetzungen aus anderen Sprachen dar. Hier hat der Übersetzer Gelegenheit zur Manipulation, indem er nicht wortwörtlich und originalgetreu übersetzt.
Die Sprache kann auch als politischer Faktor in den Massenmedien auftreten, besonders in den Fällen, wo eine Gesellschaft durch eine Sprachenvielfalt gekennzeichnet wird. Die Wahl der Sprache in den Massenmedien kann am ehesten eine Manipulation im Sinne jener Gruppe darstellen, die diese Sprache beherrscht. Diejenigen, die anders sprechen, werden dadurch hingegen von einer journalistischen Beteiligung ausgegrenzt. Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache als Verkehrssprache kritisiert man US-amerikanische und englischsprachige Medien häufig von vornherein als publizistische – und damit manipulative – Übermacht.
Zahlreiche mit Sprache und Manipulation befasste Medientheoretiker verweisen auf die Medien der USA, einem Land, in dem von der überwiegenden Mehrheit Englisch gesprochen wurde. Einige argumentieren, dass eine Standardsprache noch lange keine nationale Einheitlichkeit schaffe; weiterhin blieben große Unterschiede bestehen, die in den Massenmedien Ausdruck finden.
Die Rolle des Visuellen Neben der Selektion, der Platzierung und der Wortwahl spielen nicht-sprachlich vermittelte Informationen, in erster Linie die Bebilderung durch Fotos, Tabellen, Grafiken oder auch die Größe, die Platzierung und Farbwahl oder die Schriftart eine wichtige Rolle. In audiovisuellen Medien spielen in der Suggestion unter anderem folgende Stilmittel eine wesentliche Rolle: visuelle Gestaltung (Einstellungsgröße, Bewegung, Bildkomposition), visuelle Stilmittel (Licht, Farbe), akustische Gestaltung (Sounddesign), narrative Gestaltung (Struktur, Zeitgestaltung), strategische Kommunikationsgestaltung (Framing).
Denkbare Manipulatoren Journalisten Die Berichterstattung erfolgt primär durch den Journalisten selbst. Aus den politischen Positionen, finanziellen Abhängigkeiten und Karrierebeziehungen eines Journalisten können Verquickungen erwachsen, die oftmals eine tendenziöse Berichterstattung zur Folge haben. Bei Medienmanipulation handelt es sich um eine – der journalistischen Ethik beziehungsweise Medienethik zuwiderlaufende – Verzerrung an Stelle einer an der Chronistenpflicht geschuldeten Perspektive eines Journalisten oder Artikels durch den Journalisten.
Verlage und Eigentümer Die Eigentümer der Medien bestimmen die publizistische Ausrichtung der Medien (Tendenzschutz) und können damit Medienmanipulation betreiben. Wenn zum Beispiel ein Thema die geschäftlichen Interessen des Eigentümers berührt, kann ihn das zu einer tendenziösen Berichterstattung veranlassen.
Zu den Faktoren, die bei den Medienunternehmern zu einer manipulierten Darstellung führen können, zählen der Besitz der Nachrichtenquelle, die Auswahl der Mitarbeiter oder die Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe. Der Platz oder die Sendezeit für Berichte sowie die notwendigen Stichtage können zu unvollständigen bzw. tatsächlich oder scheinbar manipulierten Berichten führen.
Kunden bzw. Werbewirtschaft Auf der anderen Seite steht die Manipulation als willkürliche Einflussnahme von außen auf das journalistische Geschehen. Hier wird in erster Linie der Druck der Werbeindustrie genannt. Aber auch Einflussnahmen von Parteien, Verbänden und sonstigen Interessengruppen („Lobbyismus“) sind denkbar.
Dieser Druck kann auch im Nachhinein durch Sanktionen ausgeübt werden. Ein bekannter Fall in Deutschland war die Werbeabbestellung von Aldi in der «Süddeutschen Zeitung», nachdem diese 2004 kritisch über Arbeitsbedingungen bei Aldi berichtet hatte., 18. April 2004.
Eine Studie von Helmut Volpers im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW zeigt eine vermehrte Vermischung von PR und redaktioneller Berichterstattung in der journalistischen Praxis. Dabei werden Beiträge von PR-Agenturen als Beiträge des Mediums getarnt und eingebracht.Frontal21: , Sendung vom 17. Juli 2007. Pionierin dieser Forschungsrichtung ist Barbara Baerns.
Maßnahmen gegen die Manipulation Gegen eine mögliche Manipulation der Medien besteht eine Reihe von Maßnahmen:
Selbstverpflichtung der Medien Medienmanipulation steht im Widerspruch zum Berufsethos des Journalisten. In vielen Ländern bestehen Ehrenkodizes der Journalistenverbände (zum Beispiel in Deutschland: Pressekodex, in Österreich: Ehrenkodex für die österreichische Presse), in denen Regelungen getroffen sind, die eine Medienmanipulation verhindern sollen.
Gesetzliche Regelungen zur Sicherstellung der Ausgewogenheit In Deutschland besteht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, dessen Organisation gemäß den Rundfunkurteilen des Bundesverfassungsgerichts eine „Binnenpluralität“ der gesendeten Berichte sicherstellen muss. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk der ARD in Deutschland hat einen Programmbeirat, die die beratende Aufgabe haben, sich intern stellvertretend für die Gesellschaft kritisch mit dem Programmangebot auseinanderzusetzen. Kritisiert wurde z. B. 2014 die nach Ansicht des Beirates oft zu oberflächliche und parteiische Berichterstattung ohne essentielle Hintergrundinformationen über den Konflikt in der Ukraine.
Einige Länder verfügen über Gesetze, um in den staatlichen Medien eine Ausgewogenheit zu erzwingen. Seit 1991 unterstehen die CBC und SRC von Radio Kanada dem Broadcasting Act. Dieses Gesetz legt unter anderem fest: