mini|Gerresheim von Osten gesehen: Basilika und Quadenhof
Gerresheim ist ein Stadtteil von Düsseldorf und liegt im Stadtbezirk 7 im Osten der Stadt an den Randhöhen des Niederbergischen Landes. Die ehemals eigenständige Stadt ist eine von vier städtischen Siedlungen, die sich im Mittelalter auf dem heutigen Düsseldorfer Stadtgebiet entwickelt haben. Die Ursprünge des Ortes liegen in einem Frauenstift des 9. Jahrhunderts. Der Name des Ortes wurde durch die dort – ehemals – ansässige Gerresheimer Glashütte über Deutschland hinaus bekannt. 1909 wurde Gerresheim nach Düsseldorf eingemeindet; der Ort hat den Charakter einer eigenständigen Kleinstadt bewahrt. Ende Dezember 2016 hatte der Stadtteil 29.585 Einwohner und eine Fläche von 6,74 Quadratkilometern.
Geographie Lage Gerresheim liegt im Osten Düsseldorfs. Benachbarte Stadtteile sind im Norden Ludenberg, im Nordwesten Grafenberg, im Westen Flingern-Nord und Lierenfeld und im Süden Vennhausen und Unterbach. Im Osten grenzt Gerresheim an die Stadt Erkrath im Kreis Mettmann.
Klima mini|Niederschlag in Gerresheim Das Klima in Gerresheim entspricht im Wesentlichen dem des Düsseldorfer Raumes. Es ist ozeanisch geprägt mit häufig nördlichen und westlichen Windströmungen, die feuchte Luftmassen herantragen, die jedoch an den Ausläufern der Höhenzüge häufiger abregnen als es im übrigen Stadtgebiet der Fall ist. So liegt der Niederschlag in Gerresheim im langjährigen Mittel mit 832 mm pro Jahr deutlich über dem für das gesamte Stadtgebiet gemessenen Durchschnitt von 770 mm pro Jahr. Aufgrund der Lage am Rande eines großstädtischen Ballungsraumes, einer lockeren Bebauung und der Einbettung in Grünflächen und Wälder von drei Seiten hat der Ort ein Dorfklima. Dies und die etwas höhere Lage sowie östliche Fallwinde sorgen insgesamt für gering niedrigere Temperaturen als in anderen Gebieten der Stadt. Im Sommer führt dies zu angenehmeren Nachttemperaturen und im Winter zu häufigeren Schneefällen.
Geologie und naturräumliche Gliederung mini|hochkant|Der Pillebach in Gerresheim Wie die gesamte Niederrheinische Bucht war Gerresheim für viele Millionen Jahre Teil eines Meeres, woran der im Süden des Ortes gelegene Sandberg (auch Hardenberg genannt) erinnert. Im Tertiär zog sich das Meer zurück, während der Rhein hier zunächst ein Delta bildete und sich später sein heutiges Flussbett grub. mini|Eingang des Gerresheimer WaldesGerresheim liegt unmittelbar unterhalb der Gerresheimer Höhen, die dort die Kante der Hochterrasse des Rheins bilden. In dieser Übergangszone von der Mittel- zur Hochterrasse ist das Gelände, im Gegensatz zu weiten Teilen des Düsseldorfer Stadtgebietes, sehr bewegt. Der niedrigste Punkt Gerresheims liegt im Westen auf , der höchste auf dem östlichen Höhenzug auf und der historische Ortskern selbst auf etwa .Höhenmessung durch Google Earth An der Torfbruchstraße ist der Übergang von der Ebene zu den Höhen abrupt in Form einer deutlichen Geländekante sichtbar. Östlich des Ortskerns fließt unterhalb des Höhenzuges von Nord nach Süd der Pillebach, ein Zufluss der nördlichen Düssel, die, von Erkrath kommend, Gerresheim im Westen durchfließt. Die abfließenden Niederschläge der Hochflächen sowie ein hoher Grundwasserstand (Schichtenwasser) führten in diesem Bereich zur Entstehung eines weitläufigen Sumpfgeländes, das über Jahrhunderte größtenteils trockengelegt wurde.
Geschichte Von den Ursprüngen bis zur Stadterhebung mini|hochkant|Der Quadenhof um 1840, Federzeichnung von Caspar Scheuren
Die ersten Zeugnisse menschlicher Besiedlung im Raum Gerresheim stammen aus der Jungsteinzeit.Karl Bernd Heppe: Rheinische Kunststätten Düsseldorf-Gerresheim, Heft 350. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1990, ISBN 3-88094-652-3, S. 3. Im Norden Gerresheims sowie im Bereich Unter den Eichen und der Dreherstraße wurden Gräberfelder aus der älteren EisenzeitThomas Ruppel: Urgeschichte und vorrömische Metallzeiten. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 1, Patmos, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34221-X, S. 113 f. und an der Quadenhofstraße Siedlungskeramik aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Aus römischer Zeit stammen die Überreste eines germanischen Brandgrabes mit römischer Keramik als Beigabe.
Das erste überlieferte Ereignis ist die Gründung eines Frauenstifts im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts durch den fränkischen Adeligen Gerrich auf seinem Gut im Pillebachtal.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. 9. Auflage. Triltsch, Düsseldorf 1993, ISBN 3-7998-0000-X, S. 18. Dieses Jahr wird überwiegend als das Gründungsjahr des Ortes angesehen.
Entsprechend einer Urkunde vom 13. August 882 war Ende des 9. Jahrhunderts im Ort bereits eine Kirche vorhanden. In dieser Urkunde verpflichtete sich eine Familie in „Gerricheshaim“ zum „Wachszins“ und „Kurmede“ für die dem heiligen Hypolit geweihte Kirche.Urkunde 73. In: Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln. Band 1: Von dem Jahr 779 bis 1200 einschliesslich. … Düsseldorf 1840, , S. 38 (digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de).
Weitere Urkunden des frühen 10. Jahrhunderts lassen vermuten, dass Gerresheim bereits früh ein kirchlicher und kultureller Mittelpunkt war. Auf die Gründung folgten friedliche Jahrzehnte des kontinuierlichen Aufbaues. Von den Normannenüberfällen Ende des 9. Jahrhunderts blieb Gerresheim verschont. Während der Ungarneinfälle brandschatzte eine kleine Streitmacht von Magyaren im Jahre 919 das Stift und zerstörte es fast vollständig. Die männlichen Bewohner wurden getötet oder als Geiseln entführt und die Bewohner des Stiftes flüchteten.
Nach dem Überfall wurden die zerstörten Anwesen wieder aufgebaut und im Laufe der Zeit entwickelte sich um das Stift ein Ort mit Marktplatz. Bereits Ende des 10. Jahrhunderts war Gerresheim ein Ort mit Privilegien. Kaiser Otto II. bestätigte dem Frauenstift am 12. Ostermonat (April) 976 das Recht, einen Zoll in Gerresheim zu erheben.Urkunde V. In: Akademische Beiträge zur gülisch und bergischen Geschichte. Band 3, 1781, S. 8. Kaiser Heinrich II. bestätigte dieses Zollrecht am 11. Heumonat (Juli) 1019 erneut.Urkunde XI. In: Akademische Beiträge zur gülisch und bergischen Geschichte. Band 3, 1781, S. 16.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau einer neuen großen Stiftskirche begonnen. Vermutlich im Jahre 1236 wurde sie, die heutige Basilika St. Margareta, eingeweiht. Südlich davon, auf dem Gerricusplatz, stand die viel kleinere Pfarrkirche von 1142. Für die Verwaltung und Vertretung nach außen war ein Vogt zuständig. Möglicherweise war der im Jahre 1056 genannte Vogt Adolf identisch mit dem gleichnamigen Vogt des Klosters Werden, Adolf von Berg.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Gerresheim 870–1970 Beiträge zur Orts- und Kunstgeschichte. Schwann, Düsseldorf 1970, S. 16 f. 1298 wurde das erste steinerne Wohnhaus erwähnt. Verwaltungsmäßig gehörte der Ort zum 1363 gegründeten Amt Mettmann.
Gerresheimer Frauenstift
Wie bereits angeführt, wurde das Stift in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts durch den Edelherrn „Gerrich“ gegründet. Die Bestätigung des Stiftes erfolgte nach Meinung mehrerer Historiker, darunter Hugo Weidenhaupt, auf der Kölner Synode im September 870. In einer Urkunde von 874 bestätigte die Tochter von Gerrich, Äbtissin Regenbierg, eine Stiftung in Gerresheim durch ihren Vater und schenkte dem Kloster ihre Erbgüter.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 68. 1840, Teil 1, 779–1200, S. 34.
Das Gerresheimer Stift gehört damit zu den ältesten Kanonissenstiften der Erzdiözese Köln.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Gerresheim 870–1970 Beiträge zur Orts- und Kunstgeschichte. Schwann, Düsseldorf 1970, S. 9. Eine erste direkte urkundliche Erwähnung des Stiftes stammt allerdings erst aus den Jahren 905/906.
Beim Überfall durch die Ungarn 919 wurden die Gebäude des Stiftes weitgehend zerstört, aber die Äbtissin und die Kanonissinnen konnten rechtzeitig fliehen. Bei der Flucht ins Kölner Sankt-Ursula-Stift wurden die Reliquien des Stiftspatrons, des Heiligen Hippolyt, mitgenommen. Erst über tausend Jahre später, im Jahre 1953, kehrten die Überreste des Stiftspatrons nach Gerresheim zurück.
mini|hochkant|Agnes von Mansfeld-Eisleben, Kanonissin des Stifts Gerresheim
Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude des Stifts erfolgte in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Im Jahre 970 weihte der Kölner Erzbischof Gero eine neue Kirche ein. Kaiser Otto II. bestätigte im Jahre 976 dieser neu errichteten Stiftskirche ihr Recht auf Zollerhebung.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 119. 1840, Teil 1, 779–1200, S. 73.
Das Stift entwickelte sich durch die Übertragung von Pfründen und Erbschaften in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens zu einer wohlhabenden Einrichtung. Unter Äbtissin Gertrud (1208 bis 1215) hatte das Stift 27 Kanonissinnen.Anton Fahne: Die Fahnenburg und ihre Bildergallerie. 1873, S. 32. Zur gleichen Zeit gehörte dem Stift umfangreicher Grundbesitz mit vielen Gütern und Höfen. In einer Aufstellung von 1218 wurden unter zwölf „Haupthöfen“ viele Unterhöfe angeführt. Neben den Höfen gehörten auch sieben Mühlen zum Besitz, die aber fast alle verpachtet waren.
Der Haupthof Dern, der im Gebiet von Gerresheim lag, war Sitz des „Hofs-Behandigungs- und Lehn-Gerichtes“. Ursprünglich musste dreimal im Jahr dieses Gericht unter Vorsitz des Vogtes der Stiftung und mit Beteiligung der Abgesandten der elf anderen Haupthöfe tagen. Bei diesen Sitzungen wurden alle offenen Fragen und die Abgaben und Lehnleistungen der einzelnen Höfe geklärt. Allerdings wurde im Laufe der Zeit die Bedeutung dieses „Lehn-Gerichts“ immer geringer. Beispielsweise tagte das Gericht im 16. Jahrhundert nur noch einmal im Jahr bei deutlich verringerten Zuständigkeiten.Anton Fahne: Die Fahnenburg und ihre Bildergallerie. 1873, S. 13.
Wie weit die Höfe im Raum Niederrhein verteilt waren, wird durch die Haupthöfe dokumentiert. Neben dem Haupthof Dern im Bereich Gerresheim waren die elf weiteren Haupthöfe: 2. Hubbelrath, 3. Erkrath (Hof de Monte), 4. Hoesel (Hof Masshof), 5. Sonnborn/Wupper, 6. Eppinghofen/Erft, 7. Keldenich/Brühl, 8. Rheinheim I (Mündelheim), 9. Gyverthem (Nonnighoven bei Dinslaken), 10. Viehof (Gerresheim), 11. Mintard (Hof Neden) und 12. Rheinheim II. Bis auf die Haupthöfe „Viehof“ und „Rheinheim II“, die Einzelhöfe waren, unterstanden den anderen Haupthöfen zum Teil bis weit über 20 Unterhöfe. Der Haupthof Dern hatte 1218 beispielsweise 65 Unterhöfe im heutigen Großraum Düsseldorf. Bei einer Aufteilung des Stiftsvermögens wurden dem Stift die Haupthöfe 1 bis 9 und der Äbtissin die Haupthöfe 10 bis 12 zugeteilt.Anton Fahne: Die Fahnenburg und ihre Bildergallerie, Kapitel Stift Gerresheim. 1873, S. 25 bis 36.
Durch die vielen Pfründen und Erbschaften hatte bis Ende des 15. Jahrhunderts das Stift hohe Einkünfte. Ein 1466 vorhandenes hohes Barvermögen wurde an die Stadtkasse von Gerresheim ausgezahlt und dafür die Freigabe von allen Diensten und Abgaben an die Stadt erreicht.Anton Fahne: Die Fahnenburg und ihre Bildergallerie, Kapitel Stift Gerresheim. 1873, S. 34.