mini|Löschfunkensender zum Versenden von Morsezeichen im Vorarlberger Elektromuseum mini|Funkraum der Titanic (Schiff) mit Löschfunkensender Der Löschfunkensender, auch Tonfunkensender genannt, war eine Weiterentwicklung des Knallfunkensenders und diente wie dieser zur Übermittlung von Morsesignalen in der drahtlosen Telegrafie. Er wurde 1905 von Max Wien entwickelt und fand in der Anfangszeit der Funktelegrafie, insbesondere im Seefunkverkehr, weite Verbreitung.Hanns Günther: Wellentelegraphie. Ein radiotechnisches Praktikum. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1921, S. 64. So war es auch dieser Sendertypus, der 1909 sowohl den ersten FT‑Notruf überhaupt als auch 1912 das in die Geschichte eingegangene SOS-Zeichen der Titanic übermittelte.

Aufbau Der Löschfunkensender basiert auf dem Prinzip des Anregens eines elektrischen Schwingkreises durch Spannungsüberschläge,Franz Fuchs: Grundriß der Funken-Telegraphie in gemeinverständlicher Darstellung. 12. neubearbeitete Auflage. R. Oldenbourg, München u. a. 1922. getaktet mittels einer Wechselstromquelle von z. B. 500 Hz. Zunächst wird ein Kondensator auf einige Kilovolt aufgeladen. Nach dem Überschreiten der Mindestspannung zündet die Funkenstrecke und der Kondensator entlädt sich über die Spule. Beide zusammen ergeben einen Reihenschwingkreis, der seine Energie an die Antenne abgibt.

Die Funkenstrecke ist im Aufbau in mehrere Abschnitte von 0,2 mm Länge unterteilt. In jeder Einzelstrecke werden die Teillichtbögen durch große Metallpakete gekühlt, damit sie wieder schnell abreißen („gelöscht“ werden). Das ermöglicht bei 500 Hz Wechselspannung ca. 1000 Funken pro Sekunde (je Halbwelle eine Aufladung), gegenüber nur rund 30 Funken beim Knallfunkensender, was sich durch einen „angenehmen“ Summton auf der Empfangsseite bemerkbar macht, der sich im Gegensatz zum „Knarren“ der Knallfunkensendungen gut von atmosphärischen Störungen unterscheiden lässt. Daher nannte man diesen Sendertyp auch Tonfunkensender.

Da die Funken nach wenigen Mikrosekunden wieder abreißen, wird die Stromversorgung nicht beschädigt, obwohl sie immer wieder kurzgeschlossen wird. Ihr Strom ist durch die Eigeninduktivität begrenzt und die Hochfrequenz wird durch Drosselspulen ferngehalten. Die Resonanzkreise von Tesla-Transformatoren werden häufig mit Löschfunkenstrecken betrieben.

1908 führte die Berliner Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken diesen Sendertyp ein. Löschfunken- und Knallfunkensender erzeugen als Morsesignal gedämpfte Schwingungen, die mit sehr einfachen Detektorempfängern gehört werden konnten. Für die Übertragung von Sprache und Musik können jedoch nur konstante (ungedämpfte) Schwingungen verwendet werden, die entsprechend moduliert werden, was andere Schwingungserzeuger erfordert. Für modulierte Übertragungen von Sprach- und Musiksignalen dienten die in Folge entwickelten Lichtbogensender, Maschinensender und dann die Sendeanlagen mit Elektronenröhren.

Verwendete Frequenzen, Wellenlängen und Sendeleistungen Laut einem Buch aus dem Jahr 1921 wurden folgende Parameter von historischen Telegrafie-Funkstationen mit Löschfunksendern genutzt: Funkfrequenzen von Löschfunkensendern während der Ära der drahtlosen TelegrafieVerwendungFrequenz(kHz)Wellenlänge(m)TypischeSendeleistung (kW) Amateurfunk > 1500 < 200 0,25–0,5 Schifffahrt 500, 660, 1000 600, 450, 300 1–10 Marine 187,5–500 1600–600 5–20 Landstationen mittlerer Größe 187,5–333 1600–900 5–20 Transozeanische Stationen 15–187,5 20.000–1600 20–500

Die in dieser Tabelle genannte Frequenz 500 kHz wurde bis Ende der 1990er Jahre, allerdings mit moderner Technik noch im Seefunk als Nofunk und Anrufkanal (engl. distress and calling) mit Morsetelegrafie genutzt. Erst mit Einführung des digitalen Global Maritime Distress and Safety Systems (GMDSS) wurde die Nutzung eingestellt.http://www.seefunker.de/homepage/memo.html

Siehe auch Funkstationen in Deutsch-Südwestafrika Funkverkehr der Titanic Norddeich Radio

Weblinks

Löschfunkensender Telefunken 1,5 TK Löschfunkensender TK05 von Telefunken

Quellen

Kategorie:Funksender Kategorie:Historische Sendeanlage