Das Niederrheinische Tiefland (vereinzelt auch Niedermaas-Niederrhein-TieflandHeinrich Müller-Miny: Geographisch-landeskundliche Erläuterungen zur Tranchot-v. Müfflingschen Kartenaufnahme der Rheinlande 1801–1828 – mit Bezug auf die heutigen Blätter der Topographischen Karte 1:25 000. Eine Beispielsammlung von Kartenblättern dieser Aufnahme landeskundlich und didaktisch interpretiert (= Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: Nachrichten aus dem Öffentlichen Vermessungsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen, 10. Jahrgang, Heft 2, Sonderheft, Dezember 1977). Druck und Vertrieb Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg 1977, S. 83–114 (hier: S. 85, 89). (Digitalisat)) ist eine deutsche Großlandschaft, die sich östlich und westlich des Rheins nördlich von Düsseldorf bis an die niederländische Grenze erstreckt. Es umfasst die Kreise Heinsberg (teilweise), Viersen, Neuss, Wesel, Kleve und die Städte Mönchengladbach, Krefeld, Duisburg, Oberhausen sowie den Raum Bocholt im Kreis Borken.
Geografie Das Niederrheinische Tiefland grenzt im Nordosten und Osten an die Westfälische Bucht, im Südosten an das Bergische Land, im Süden an die Niederrheinische (Kölner) Bucht und im Westen und Nordwesten an die Niederlande.
Das Niederrheinische Tiefland ist eine Flussterrassenlandschaft von Rhein, Maas und ihren Nebenflüssen. In die ebenen Terrassen gibt es verschiedene Einschaltungen wie die Sohlentäler, die Flussauen, Altstromrinnen (regional Kendel genannt) oder den Stauchmoränenwall der Niederrheinischen Höhen. Unterhalb von Kalkar bzw. Millingen geht die Flussaue in die Niederrheinischen Flussmarschen über.Karlheinz Paffen: Natur- und Kulturlandschaft am deutschen Niederrhein. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 20. Band, 2. Heft (März 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 177–228 (hier: S. 180, 184). Die Höhenlage beträgt fast durchgängig weniger als .
Naturräumliche Gliederung Das Niederrheinische Tiefland wurde im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands als eine von 86 sogenannten Haupteinheitengruppen Deutschlands ausgewiesen, es erhielt die Kennziffer 57 und wurde in neun auf „57“ beginnende, dreistellige sogenannte Haupteinheiten untergliedert, wobei eine zehnte, die Deutschland ebenfalls marginal berührt (Eltener Höhen), bereits in die Karte von 1960 eingezeichnet war, jedoch zunächst ohne Nummernvergabe.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960). In den Jahren 1963 bis 1978 erfolgte dann eine Feingliederung im Maßstab 1 : 200.000 auf den Einzelblättern Düsseldorf/Erkelenz (Südteil, 1963), Kleve/Wesel (Nordteil, 1977) und Köln/Aachen (nur Teile der Selfkant im äußersten Süden; 1978).
Insgesamt wurden die folgenden Teil-Naturräume ausgewiesen:Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten Blatt 95/96: Kleve/Wesel (Wilhelm von Kürten 1977; 75 S.) → Karte 95/96 (PDF; 6,9 MB) Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny 1963; 55 S.) → Karte 108/109 (PDF; 7,1 MB) Blatt 122/123: Köln/Aachen (Ewald Glässer 1978; 52 S.) → Karte 122/123 (nur kleine Selfkant-Anteile!; PDF; 9,1 MB) 57 Niederrheinisches Tiefland 570 Selfkant 570.0 Selfkant-Terrassenplatte 570.00 Geilenkirchener Lehmplatte 570.01 Hahnbusch 570.02 Teveren-Gangelter Heide und Bruch 570.03 Niederländische Grenzheide 570.1 Rodebachniederung und Schalbruch 570.2 Untere Rurebene 570.20 Wurmniederung 570.21 Heinsberger Ruraue 570.22 Wassenberger Terrassenleiste 570.23 Effeld-Ophovener Heidewald 570.3 Teveren-Heerlener Heide 570.4 Gangelter Bruch (Bezeichnung von Blatt 123 Köln; = 570.1X RodebachniederungBezeichnung auf Blatt 109 Düsseldorf) 571 Schwalm-Nette-Platte 571.0 Elmpt-Kaldenkirchener Grenzwaldungen 571.00 Birgelen-Elmpter Heidewald 571.01 Brüggener Schwalmbruch 571.02 Brachter Wald 571.03 Venloer und Heronger Heide 571.1 Schwalm-Nette-Ackerebene 571.10 Schwalmebene 571.11 Nette-Ebene 571.2 Mönchengladbach-Rheindahlener Lehmebene 571.3 Süchtelner Höhen 572 Niersniederung 572.0 Untere Niersebene 572.1 Twistedener Sandplatten 572.10 Hees-Hauptterrassenplatte 572.11 Wembscher Bruch 572.12 Twistedener Terrassenplatte 572.13 Kleinkevelaerer Niederung 572.14 Lüllingen-Walbecker SandplatteIm Süden von Blatt Wesel geht „572.14“ in „573.00“ über; Grenze laut Blatt Wesel offenbar irgendwo auf Blatt Düsseldorf gelegen. 573 Kempen-Aldekerker Platten (Niersplatten) 573.0 Straelen-Grefrath-Mönchengladbacher Terrassen 573.00 Straelener TerrassenplatteDer knapp größere Westteil der Landschaft, die im Norden von Blatt Düsseldorf als „573.00“ abschließt, heißt auf Blatt Wesel „572.14“! 573.01 Grefrath-Viersener Terrassenleiste 573.02 Mönchengladbacher Terrasse 573.1 Mittleres Nierstal 573.10 Obere Niers- und Trietbrüche 573.11 Neersener Niersbruch 573.12 Mittlere Niersniederung 573.13 Nieukerker und Aldekerker Bruch 573.2 Büttgener Lehmplatte 573.3 Kempener Lehmplatte 573.4 Aldekerker Lehmplatte 573.5 Schaephuysener Höhenzug 574 Niederrheinische Höhen 574.0 Bönninghardt 574.1 Hees 574.2 Balberger Höhenrücken 574.20 Balberger Sandlöß-Rücken 574.21 Balberger Höhenrand 574.3 Uedemer Bruch 574.4 Pfalzdorfer Höhen 574.40 Pfalzdorfer Löß-Plateau 574.41 Pfalzdorfer Höhenrand 574.5 Reichswald-Höhen 574.6 Kranenburger Höhenrand 575 Mittlere Niederrheinebene 575.0 Linksniederrheinische Niederterrassenebene 575.00 Neußer Terrassenleiste 575.01 Moerser Donkenland Kamper Berg und Niersenberg (Blatt Wesel); Hülser Berg, Gulix-, Rayener, Eyllscher und Dachsberg sowie Egelsberg (Blatt Düsseldorf) (Singularitäten ohne Nummer) 575.02 Hülser Bruch 575.03 Dachsbruch und Vluyn-Busch 575.04 Moerser und Baerler Sandplatten (Bezeichnung von Blatt Wesel; im Süden identisch mit 575.1 (Blatt Köln)). 575.05 Alpener Rheinebene 575.06 Veen-Sonsbecker Bruch 575.1 Moerser und Baerler Heide (s. 575.04) 575.2 Düsseldorf-Weseler Rheinaue (Bezeichnung von Blatt Wesel; Blatt Düsseldorf: Düsseldorf-Duisburger Rheinaue) 575.20 Oberkasseler Aue 575.21 (ohne Namen; Uerdinger Aue im erweiterten Sinne) 575.210 Uerdinger Aue (i. e. S.) 575.211 Lank-Latumer Niederterrasseninseln 575.212 Hohenbudberg-Rumelner Niederterrasseninseln 575.213 Östrum-Homberger Niederterrassensporne 575.22 Rheinberger Aue 575.3 Rechtsniederrheinische Niederterrassenebene 575.30 Düsseldorf-Duisburger Rheinebene 575.31 Wedau-Tiefenbrucher Markwälder 575.32 Ruhr-Emscher-Mündungsgebiet 575.320 Untere Ruhraue 575.321 Ruhr-Emscher-Platte 575.33 (nicht existent)Blatt Düsseldorf bezeichnet mit 575.33 das, was auf Blatt Wesel „575.34“ heißt, während Blatt Wesel damit bezeichnet, was auf Blatt Düsseldorf 575.32(1) heißt; offenbar Nummerierungsfehler des später erschienenen Blattes Wesel. 575.34 Dinslakener Rheinebene 575.340 Spellener Dünen 575.35 Untere Lippeaue 576 Isselebene 576.0 Obere Isselebene 576.00 Drevenacker Dünen 576.01 Weseler Ebene 576.02 Isselbruch 576.03 Dingdener Flugsandleisten 576.1 Diersfordt-Wittenhorster Sandplatten 576.10 Diersfordter Dünen 576.11 Wittenhorster Sandplatten 576.2 Millingen-Bocholter Ebene 576.20 Millinger Ebene 576.21 Isselburg-Werther Bruchniederung 576.22 Bocholter Sandebene 577 Untere Rheinniederung 577.0 Xantener Bucht 577.00 Xanten-Marienbaumer Rheinebene 577.01 Labbecker Bruch 577.1 Reeser Rheinniederung 577.10 Appeldorn-Kalkarer Rheinniederung 577.100 Reeser Stromaue 577.101 Wisseler Dünen 577.11 Rees-Bislicher Rheinniederung 577.2 Kleve-Emmericher Rheinniederung 577.20 Grieth-Klever Rheinniederung 577.200 Emmericher Stromaue 577.21 Millingen-Emmericher Rheinniederung 577.3 Kranenburger Bruch 577.300 Zyfflicher Sandplatte 577.4 Kranenburger Bucht 577.5 Emmericher Sandplatte 577.500 Borghees 577.6 Eltener Sandebene 578 Niederrheinische Sandplatten 578.0 Königshardter Sandplatten 578.00 Königshardter Hauptterrassenplatte 578.01 Hiesfeld-Sterkrader Mittelterrassen 578.02 Hünxe-Gahlener Flachwellen 578.1 Hünxe-Gahlener Lippetal 578.10 Krudenburger Lippeaue 578.11 Hünxe-Gahlener Terrassen 578.12 Damm-Emmelkämper Terrassen 578.2 Brünen-Schermbecker Sandplatten 578.20 Brünen-Freudenberger Hauptterrassenplatte 578.21 Schermbecker Flachwellen 578.22 Bakel-Emmelkämper Dünen 578.23 Marienthaler Ebene 578.3 Rhede-Krechtinger Talebene 578.30 Krechtinger Aatalaue 578.31 Rheder Talebene 578.32 Südliche Krechtinger Randebene 578.4 Vardingholter Sandplatten 578.40 Vardingholter Hauptterrassenplatte 578.41 Holtwicker Bachtalniederung 579 Eltener Höhen 579.0 (ohne Namen) 579.00 Eltener Stauchwall-Höhen 579.01 Eltener Höhenrand (ohne Nummer) Maasebeneunnummeriert, da nur marginal in Deutschland; per Grenzliniendicke als eigenständige Haupteinheitengruppe identifizierbar, auf Blatt Düsseldorf jedoch unmittelbar unterhalb 571.3 abgehandelt
Geologie Hauptartikel: Geologie der Niederrheinischen Bucht
Das Niederrheinische Tiefland ist der Nordteil der geologischen Struktur Niederrheinische Bucht. Seine Geologie ist bestimmt durch Senkungsbewegungen in den letzten 30 Mio. Jahren, welche in diesem Tiefland ein Sedimentpaket von bis zu 1.300 m Mächtigkeit haben entstehen lassen.
Klima Die Jahresniederschläge liegen bei 700 bis 800 mm, die mittlere Jahrestemperatur bei 9,5 bis 10,5 °C. Es herrscht ein atlantisch geprägtes Klima mit milden, meist schneearmen Wintern, mäßig warmen Sommern und einer langen Vegetationsperiode.
Siehe auch Liste der Landschaften in Nordrhein-Westfalen
Literatur Karlheinz Paffen: Natur- und Kulturlandschaft am deutschen Niederrhein. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 20. Band, 2. Heft (März 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 177–228.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Region in Europa Kategorie:Region in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Landschaft in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Niederrhein Kategorie:Naturraum im Norddeutschen Tiefland