Lavizzara ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kantons Tessin. Sie bildet zugleich den Kreis Lavizzara und gehört zum Bezirk Vallemaggia. Die Gemeinde entstand am 4. April 2004 durch die Fusion der damaligen Gemeinden Broglio, Brontallo, Fusio, Menzonio, Peccia und Prato-Sornico.

Geographie mini|275px|Brontallo mini|225px|Val Lavizzara, Blick nach Nordnordosten, Pizzo Massari. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1954)

Die Gemeinde umfasst den gesamten nordöstlichen Teil des Bezirks Vallemaggia. Haupttal ist das Val Lavizzara, an welches sich nördlich bei Fusio das Val Sambuco anschliesst. Die wichtigsten Seitentäler sind das Valle di Peccia, ein westliches Seitental, welches bei Peccia nach Westen abzweigt, und das Val di Prato östlich von Prato. Im Nordwesten der Gemeinde liegt der Lago del Narèt (), dem der Fluss Maggia entspringt. Die Maggia fliesst von dort durch das Val Sambuco in den Lago del Sambuco (); dieser Stausee wurde im Jahre 1956 angelegt.

Die Laghetti östlich vom Lago del Narèt, der Lago di Mognòla () östlich des Weilers Mogno und der Lago di Tomé () im Südosten der Gemeinde sind weitere grössere Seen. Grösster Zufluss in die obere Maggia ist der Fiume Peccia, welcher bei Peccia von rechts einmündet. Es gibt zahlreiche kleinere Bäche auf Gemeindegebiet. Ein Grossteil der Gemeinde besteht aus Hochalpen und Gebirge. Das gesamte Tal wird von einem Gebirge umschlossen, welches wie ein nach Südwesten orientiertes liegendes Hufeisen aussieht.

Die bedeutendsten Gipfel sind der Cristallina (), der Pizzo Campo Tencia (), die Corona di Redòrta () und der Monte Zucchero (). Zwischen dem Val Bavona, dem Valle di Peccia und dem Val Lavizzara (von West nach Ost) liegt ein weiteres hufeisenförmiges Gebirge, das meist eine Höhe von erreicht. Der höchste Gipfel dieser Gruppe ist der Poncione di Braga mit

Vom gesamten Gemeindeareal von über 187 km² sind mehr als die Hälfte, nämlich 53,9 %, unproduktive Flächen (meist Gebirge und Seen). Weitere 30,2 % sind von Wald und Gehölz bedeckt. Nur 15,2 % der Gemeindefläche können landwirtschaftlich genutzt werden; überwiegend sind dies Hochalpen, welche nur Viehzucht (Schafe, Ziegen und Kühe) zulassen. Das restliche Gebiet von 0,7 % ist Siedlungsfläche.

Nachbargemeinden sind Airolo, Cevio, Dalpe, Faido, Maggia und Verzasca.

Bevölkerung Seit der Fusion am 4. April 2004 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:Die Bevölkerung der am 4. April 2004 fusionierten Gemeinden Broglio, Brontallo, Fusio, Menzonio, Peccia und Prato-Sornico entwickelte sich bis 2003 wie folgt:Das Gebiet konnte niemals viele Menschen ernähren. Deshalb wanderten schon vor Jahrhunderten Bewohner aus. Viele zogen nur saisonal nach Italien, Frankreich und in die Niederlande, wo sie sich als Kaminfeger, Maurer, Flechter und Handlanger verdingten. Im 19. Jahrhundert begann eine dauerhafte Massenauswanderung; Hauptziele waren Kalifornien und Australien.

Etliche Siedlungen haben sich so entvölkert. Im 20. Jahrhundert verliessen viele junge Leute wegen der Abgeschiedenheit und der fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten ihre Heimat und liessen sich in Locarno, Lugano und anderen Wirtschaftsräumen des Tessins nieder. In vielen Weilern leben heute mehrheitlich betagte Menschen. Dies zwang die verschiedenen Gemeinden des Kreises Lavizzara, sich zu einer einzigen Gemeinde zusammenzuschliessen.

Sprachen Die Umgangssprache der alteingesessenen Bewohner ist ein westlombardischer Dialekt (ün, dü, tri «eins, zwei, drei», vgl. italienisch uno, due, tre). Zugewandert sind einige Italiener und Deutschschweizer.

Herkunft – Nationalität Ende 2020 waren von den 500 Einwohnern 470 (= 94 %) Schweizer Staatsangehörige. Die meisten Ausländer sind italienischer Herkunft.

Politik Der Gemeinderat besteht aus sieben Personen. Gemeindepräsident ist Gabriele Dazio (Stand: 2024).

Wirtschaft In früheren Zeiten lebte der Grossteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Viele Leute arbeiten heute in anderen Gemeinden des Maggiatals und in der Region Locarno. Die Zahl der von der Landwirtschaft lebenden Personen hat sich von 1970 bis 2000 von 89 auf 20 verringert. Auch die Zahl der in Industrie und Gewerbe Tätigen ist zurückgegangen, wenn auch nicht so stark. Heute arbeitet die Mehrzahl der Leute in Dienstleistungsberufen. Die Zahl der Wegpendler hat in den letzten zwanzig Jahren massiv zugenommen. Nur noch in Peccia und Prato-Sornico arbeitet die Mehrzahl der Erwerbstätigen in der eigenen Gemeinde. Der Tourismus spielt in diesem Teil des Maggiatals keine bedeutende Rolle.

Im Ortsteil Peccia befinden sich der einzige Marmorbruch der Schweiz sowie eine Bildhauerschule (Scuola di Scultura di Peccia).

Verkehr Die Dörfer und Weiler der Gemeinde sind mit Postautokursen erschlossen. Allerdings verkehren diese nur mit wenigen Kursen pro Richtung und nur tagsüber. Daher benutzen die meisten Bewohner ihr Privatauto. Die Strasse hinunter nach Locarno ist in gutem Zustand auch im Winter befahrbar.

Sehenswürdigkeiten mini|225px|Kirche Santa Maria Assunta in Fusio mini|225px|Kirche San Giovanni in Mogno

Im Ortsteil Fusio: Pfarrkirche Santa Maria AssuntaSimona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 262–268. Turmhaus (1898) Im Ortsteil Fusio: Albergo Pineta (1905) Siedlung bei Mott d’OréiSiedlung bei Mott d’Orei Im Ortsteil Fontaned: Oratorium Santa Maria delle Grazie Im Ortsteil Mogno: Pfarrkirche San Giovanni Battista, Architekt: Mario Botta Im Ortsteil Piano di Peccia: Oratorium Madonna della Neve mit Renaissancefresken Im Ortsteil San Carlo: Säule mit Kreuz aus Stein Im Ortsteil Veia: Oratorium Madonna del Carmine Im Ortsteil Peccia: Pfarrkirche Sant’Antonio Abate Oratorium Madonna della Misericordia Wohnhaus mit Fresko Madonna mit Kind und Heiligem Antonio abate und Rocco Betkapelle del Filiz Bürgergemeindehaus Im Ortsteil Sornico: Kirche San Martino Gemeinschaftshaus (1500) Wohnhaus Moretti (17. Jahrhundert) Im Ortsteil Prato: Pfarrkirche Santi Fabiano und Sebastiano Oratorium di Vedla Oratorium San Carlo Im Ortsteil Broglio: Pfarrkirche Santa Maria Lauretana und Beinhaus Wohnhaus Pometta ehemals Coreggione d’Orello Betkapelle Sacro Cuore Im Ortsteil Monti di Rima: Oratorium Madonna della Neve und monolytischer Steinbrunnen Vier Betkapellen Drei aufgeständerte Getreidespeicher Im Ortsteil Menzonio: Pfarrkirche Santi Giacomo und Filippo Oratorium Vergine Assunta mit Werken von Bildhauer Gianfredo Camesi Im Ortsteil Brontallo: Pfarrkirche San Giorgio Beinhaus Oratorium Sant’Antonio Steinbrücke della Merla Wasserleitung (Acquedotto) di Canaa Militärische Befestigungen beidseitig auf Anhöhen des Tales der 1940 erstellten Lavizzara-Stellung.

Persönlichkeiten Paolo Bagnato, Baumeister, Vater des Barockbaumeisters Johann Caspar Bagnato, wurde in Peccia geboren Giovanni Giulio Gerolamo Berna (1717–1804), römisch-katholischer Geistlicher und Bibliotheksgründer, geboren in Prato Giuseppe Belli (* 14. August 1752 in Prato (Vallemaggia); † nach 1802 ebenda), Vertreter des Kantons Lugano im helvetischen Senat und Mitglied der kantonalen TagsatzungCelestino Trezzini: Giuseppe Belli. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Basel – Egnach. Paul Attinger, Neuenburg 1924, Seite 87. (Digitalisat). Martino Signorelli (* 10. Juli 1896 in Prato (Vallemaggia); † 14. November 1975 in Locarno), Priester, Musikdozent, Direktor des Priesterseminars von Lugano, HistorikerMartino Signorelli auf ricercamusica.chMartino Signorelli, un dissenziente fedele auf editore.ch

Literatur Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.

Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 239–240, 249–252, 289, 297, 301–302, 374–378, 391–396, 398, 407–408, 409.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Lavizzara

Amt für Statistik des Kantons Tessin: Lavizzara (italienisch) Lavizzara: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Gemeinde