mini|Vereinslogo der Südtiroler HochschülerInnenschaft Die Südtiroler HochschülerInnenschaft (SH, auch sh.asus, , ) ist die interethnische Vertretungsorganisation der Südtiroler Studierenden. Gegründet am 15. April 1955 als gemeinnütziger Verein (heute „Verein zur Förderung des Gemeinwesens“, VFG),Gründungsakt der SH, Originaldokument, Vereinsarchiv. vertritt die SH im gewerkschaftlichen Sinn die aus Südtirol stammenden Studierenden in Italien und im Ausland. Hauptsitz und Büro befinden sich in Bozen, sechs Außenstellen bestehen in größeren Universitätsstädten in Österreich und in Oberitalien.
Aufgaben der sh.asus Die sh.asus versteht sich als interethnischer Verein, der die studentischen, sozialen und gesellschaftlichen Interessen der Studierenden vertritt. Sie bezieht zu studentischen und bildungspolitischen Themen ebenso Stellung wie zu kulturellen, sozialen und gesellschaftspolitischen Anliegen. Weitere Tätigkeitsfelder sind die Maturantenberatung und die Organisation kultureller Veranstaltungen. Die sh.asus erhebt den Anspruch, zusammen mit anderen lokalen bzw. regionalen Institutionen und Organisationen, auch für junge Generation im Allgemeinen zu sprechen.
Aufbau Zentrale Vereinsorgane Der Verein wird von einem Gesamtausschuss geleitet, der sich aus den jeweiligen Ausschüssen (Vorständen) der Außenstellen zusammensetzt. Die Anzahl der von jeder Außenstelle zu entsendenden Delegierten, mithin das politische Gewicht der einzelnen Sektion, ist an die Mitgliederzahl vor Ort gekoppelt. Der Ausschuss ist das zentrale Organ der Willensbildung und Plattform für die Diskussion und Bewertung der Tätigkeit des Vorstandes, der Rechenschaft ablegt und gleichzeitig die Meinung des Ausschusses zu grundsätzlichen Fragen, die die sh.asus betreffen, einholt. Der oder die Vorsitzende wird vom Ausschuss gewählt und ist nach außen und innen die zentrale Bezugsperson des Vereins. Er/sie wirkt impulsgebend auf die Arbeit des Vorstandes, dessen Mitglieder auch von ihm oder ihr ernannt und vom Ausschuss bestätigt werden. Der Vorstand ist das eigentliche Leitungsorgan des Vereins und bestimmt dessen konkrete politische Ausrichtung. Eine rein beratende Funktion kommt darüber hinaus dem Ehemaligenrat der sh.asus zu, der sich aus verdienten ehemaligen Funktionären und sonstigen Altmitgliedern des Vereins zusammensetzt.Statut der sh.asus, VFG, Fassung vom 20. Juli 2019
Ab Dezember 2023 hatte Alexander von Walther das Amt des Vorsitzenden inne, er wurde im Dezember 2025 von Neha Bhati aus Brixen abgelöst. Vizevorsitzende ist Julia Bozzetta.
Hauptsitz in Bozen Am Hauptsitz in Bozen kümmern sich vier hauptamtliche Mitarbeiter um die Belange von rund 15.000 Studierenden. Der größte Teil der Arbeitszeit wird in die Beratungstätigkeit gesteckt. Alle Maturanden und Oberschüler haben die Möglichkeit, sich über ihr zukünftiges Universitätsstudium beraten zu lassen. Allein zum Online-Ansuchen für eine Studienbeihilfe der Südtiroler Landesverwaltung wenden sich jährlich rund 1.000 Studierende an das Büro. Zusätzlich wird eine kostenlose psychologische Beratung für Studierende angeboten.
Außenstellen Der gesellige und kulturelle Teil des Vereinslebens spielt sich in den Außenstellen (Sektionen) ab: in Innsbruck, Graz, Salzburg, Wien, Bologna und der Südtiroler Sektion Bozen-Brixen-Bruneck. Die Außenstellen bieten Übernachtungsmöglichkeiten und organisieren Veranstaltungen im kulturellen Rahmen, aber auch Veranstaltungen für Sport und Freizeit. Alle Studierenden haben die Möglichkeit, sich am Geschehen zu beteiligen und eigene Vorschläge und Ideen einzubringen.
Mitglieder Mitglied kann jede Person werden, die das Statut der sh.asus akzeptiert. Die Mitgliedschaft steht allen unabhängig von ihrer Herkunft, Sprachgruppe usw. offen. Passives Wahlrecht haben allerdings nur Studierende. Der Verein verfügt über rund 1.600 Mitglieder.
Politische Tätigkeit Die bei der Beratungstätigkeit gewonnenen Einblicke werden bei der Vertretung im gewerkschaftlichen Sinne umgesetzt. Die sh.asus ist mit zwei Stimmen im Landesbeirat für das Recht auf Hochschulbildung vertreten. Dort und im ständigen Kontakt mit der Landesverwaltung, verschiedenen Südtiroler Parteien und Politikern setzt sie sich primär für Verbesserungen rund ums Studium ein. Traditionell bildet die Anerkennung der Studientitel zwischen Österreich und Italien einen Schwerpunkt. Des Weiteren versucht die sh.asus das Studienbeihilfensystem des Landes Südtirol an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anzupassen. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, dass das Recht auf Hochschulbildung auch umgesetzt, das heißt, materiell gesichert wird. Die sh.asus spricht sich gegen Studiengebühren als bildungspolitisches Lenkungsinstrument aus und bekennt sich zu einer starken staatlichen bzw. öffentlichen Rolle in den meisten Lebensbereichen, besonders in Bildung, Kultur und Mobilität. Gemäß seinem Statut (Satzung) verurteilt der Verein jede Form von Faschismus, wirtschaftlicher Ausbeutung, Diskriminierung, Rassismus und Sexismus. Ziel ist es, die antifaschistisch-demokratischen Grundwerte im Bündnis mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu verbreiten und im politischen Geschehen auf lokal-regionaler Ebene zu verankern. Die Südtiroler HochschülerInnenschaft bekennt sich zu einem wissenschaftlichen Weltbild und erachtet es als Aufgabe der akademischen Jugend, die geistigen Errungenschaften der Moderne gegen Verschwörungstheorien und Obskurantismus zu verteidigen.Statut der sh.asus, VFG, Artikel 1.2 Jugendliches Engagement für soziale und ökologische Nachhaltigkeit wird unterstützt und gefördert.siehe Facebookseite der sh.asus
Seit 2019 ist die Südtiroler HochschülerInnenschaft (wieder) Mitgliedsorganisation im Südtiroler Jugendring, in dem die maßgeblichen Jugendverbände des Landes vereint sind.
Kulturelle Tätigkeit Die kulturelle Tätigkeit der sh.asus ist ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit. Sie äußert sich zum einen in Form von Diskussions- und Vortragsabenden, Ausstellungen, Lehrfahrten und Podiumsdiskussionen, zum anderen in der Herausgabe der Vereinszeitschrift, des "Skolasten" (ehemals: der fahrende skolast). Diese wird seit 1956 herausgegeben (heutzutage: ein- bis zweimal jährlich) und zählt zu den ältesten mehrsprachigen Publikationen Südtirols. Die vor allem auf Betreiben von Rainer Seberich und Franz von Walther umgesetzte Idee einer eigenen Zeitschrift hat sich zu einem der historisch erfolgreichsten Projekte der SH entwickelt. Die Themenwahl wird durch aktuelle Anlässe und studentische Anliegen bestimmt, die Publikation erfolgt durch eine von den anderen Vereinsorganen autonom arbeitende ehrenamtliche Redaktion.
Geschichte Gründung und Aufbauphase Die Ursprünge liegen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Südtiroler Studenten hatten sich im „Bund der Südtiroler Hochschüler“ für kurze Zeit zusammengeschlossen. Diese Vereinigung kümmerte sich vor allem um die Regelung der Ausreiseformalitäten und um die Gleichstellung der Südtiroler Studenten mit ihren österreichischen Kommilitonen. Zu Beginn der 1950er Jahre existierte der Studentenbund aber de facto nicht mehr.Ingrid Hasler, Der skolast im literarischen Leben Südtirols unter besonderer Berücksichtigung der Jahrgänge 1956 bis 1969, phil.Dipl. Innsbruck 199, S. 16.
Um 1955 belief sich die Zahl der Südtiroler Studenten auf etwa 300. Hauptmotivation für die Gründung einer neuen Hochschülervereinigung war vor allem die Erhaltung des kulturellen Erbes und des Zusammenhalts der Südtiroler Studenten an den Universitäten außerhalb Südtirols.
Dieser Hintergrund, aber auch die offene Studientitelfrage sowie die wirtschaftliche Unterstützung und organisatorische Hilfe für die Studenten drängten Josef Ferrari dazu, die Gründung einer Hochschülervereinigung voranzutreiben. Der Vizeschulamtsleiter war der geistige Vater der SH. „Es war vor allem dessen Sorge um die Zukunft der deutschen Schule, welche ihn dazu bestimmte, die Universitätsstudenten zur Mitarbeit und zur Initiative anzuspornen.“
Nachdem bis 1949 durch das faschistische Hochschulgesetz das Studium im Ausland für die Staatsangehörigen nichtitalienischer Volkszugehörigkeit der neuen Provinzen verboten war, kam 1952 durch die Unterzeichnung des österreichisch-italienischen Kulturabkommens Bewegung in die Studientitelfrage. Nach der Ratifikation des Abkommens 1954 zeichnete sich für das kommende Jahr ein Zusammentreffen der Expertenkommission ab, die eine Liste mit jenen in Österreich erworbenen Studientiteln zusammenstellen sollte, die den Studientiteln, die in Italien erworben werden können, gleichgestellt sind.Rainer Seberich, Südtiroler Schulgeschichte. Muttersprachlicher Unterricht unter fremden Gesetz, Bozen 2000, S. 241. Die Gründung einer Vereinigung der Hochschüler drängte also, ein Mitspracherecht in der heiklen Studientitelfrage konnte nur über ein gemeinsames Auftreten erreicht werden.
Entscheidend gefördert wurde die Bildung einer Hochschülerorganisation durch die Meraner Hochschulwochen, die 1954 vom Südtiroler Kulturinstitut erstmals veranstaltet wurden und bei denen Südtiroler Studenten aus verschiedenen Studienorten diese Thematik erörterten. Nach einem unbefriedigenden Zusammentreffen im Dezember 1954 kam zu Ostern 1955 Bewegung in die Sache. Ein vorläufiges Statut wurde abgefasst und eine Gründungsversammlung für den 15. April 1955 im Bozner Gasthof Sargant einberufen. Dr. Paul Stacul wurde zum provisorischen Präsidenten der Südtiroler Hochschülerschaft gewählt. Unmittelbar nach dieser Versammlung begann man damit, das Sekretariat aufzubauen, Mitglieder zu werben, Verbindungsmänner zu suchen und Kontakt mit den Behörden aufzunehmen.
Während es Josef Ferrari vorrangig um eine Erstellung der Hochschulstatistik und die Werbung von akademisch ausgebildeten Lehrkräften ging, vergrößerte sich der Aktionsradius der Hochschülerschaft bereits unmittelbar nach der Gründung um mehrere Agenden: die Maturantenberatung, das Eingreifen in die Studientitelfrage, die Herausgabe einer Hochschülerzeitung („Der fahrende Skolast“) und die Veranstaltung von Studientagungen.
Die erste ordentliche Vollversammlung wurde am 12. September 1955 abgehalten. Dabei wurde die Organisation rechtmäßig konstituiert und Franz von Walther zu ihrem ersten Präsidenten gewählt.
Im Februar 1956 erschien die erste Einzelnummer des „fahrenden Skolasten“. Profilieren konnte sich die junge Organisation in der Folgezeit auch über die ab 1957 jährlich stattfindenden Studientagungen, an denen regelmäßig hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur teilnahmen. Auch bei den Meraner Hochschulwochen engagierte sich die Hochschülerschaft als Mitveranstalterin. In den ersten Jahren ihres Bestehens organisierte die SH Ferienreisen, half bei der Gründung von Hochschulgruppen und der Beschaffung der „Buden“, sorgte sich um die Stipendienbewerbung und Kulturbeiträge.
Die SH musste sich in ihrer Gründerzeit auch mit der politisch schwierigen Situation in Südtirol auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist die „Passfrage“ von 1963.SH-Archiv, v. Num. 7. Die SH intervenierte bei den zuständigen politischen Stellen, um die restriktiven Aus- und Einreisebestimmungen im Sinne der Südtiroler Studenten in Österreich zu lockern.
Die SH als „oppositionelle“ Plattform in Südtirol Bedingt durch rasch ansteigende Mitgliedszahlen musste schon bald das organisatorische Modell reformiert werden. Das 1965 und 1968 geänderte Statut der SH sah schließlich die Ablösung der Vollversammlung durch einen Ausschuss vor sowie die Ersetzung des Präsidenten durch einen Vorsitzenden. 1964 wurde der spätere Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder zum Vorsitzenden der SH gewählt.