mini|hochkant|Markierungspfahl (ohne Hut) im Verlauf der TAL bei der Bietigheim-Bissingener Kammgarnspinnerei (Sept. 2007) mini|Im Winter ist der Verlauf bei bestimmten Witterungsbedingungen deutlich sichtbar: Schnee, geschmolzen durch Wärmeabgabe von der Leitung. (4. März 2013) mini|Überquerung des Mittlere-Isar-Kanals bei Berglern, km 96,739 (April 2011)

Die Transalpine Ölleitung (TAL, auch Transalpine Pipeline) ist eine Erdöl-Pipeline vom Hafen Triest in der Bucht von Muggia über Ingolstadt nach Karlsruhe und eine von vier zentralen Ölversorgungsleitungen Deutschlands.Passauer Neue Presse, 28. April 2017, Seite 5.

Die Pipeline führt über insgesamt 465 Kilometer mit einem Durchmesser von 40 Zoll (1,016 Meter) von Triest nach Lenting bei Ingolstadt. Hier teilt sich die Pipeline in einen östlichen Teil mit einem Durchmesser von 26 Zoll (66 Zentimeter) über 22 Kilometer zur Bayernoil Raffinerie in Neustadt an der Donau und einen westlichen Teil mit einem Durchmesser von 26 Zoll (66 Zentimeter) über 266 Kilometer nach Karlsruhe zur Mineraloelraffinerie Oberrhein. Sie überquert auf diesem Wege die Alpen und überquert die italienisch-österreichische Grenze beim kärntnerischen Kötschach-Mauthen. Die österreichisch-deutsche Grenze wird bei Kufstein überquert.

Geschichte

Mit dem Bau der ersten Raffinerien in Bayern bei Ingolstadt musste deren Versorgung mittels Pipeline sichergestellt werden. Dazu wurde zunächst die Rhein-Donau-Ölleitung (RDO) als Verlängerung der Südeuropäische Pipeline (SEPL) von Karlsruhe nach Ingolstadt errichtet und 1963 in Betrieb genommen. Die Fließrichtung der RDO wurde später umgekehrt und sie ist seitdem Teil der TAL.

Im Jahr 1963 wurde von der US-amerikanischen Firma Bechtel innerhalb von vier Monaten die Machbarkeit einer Ölleitung über die Alpen festgestellt. Eineinhalb Jahre wurden dann benötigt, um die Wegerechte von mehr als 6000 Eigentümern zu erlangen. Nach drei Jahren Bauzeit konnte die Leitung 1967 in Betrieb genommen werden. Die Gesamtkosten betrugen 192 Millionen US-Dollar.

Seit 2012 verläuft die 370 km lange Ethylen-Pipeline Süd (EPS) zwischen Münchsmünster (Bayern) und Ludwigshafen am Rhein (Rheinland-Pfalz) in weitgehend westlicher Richtung entlang der TAL.

Im April 2022 hatten Mitglieder der „Letzten Generation“ versucht die Pipeline zu sabotieren. Sie drangen in die Schieberstation Niederambach bei Freising ein und konnten aufgrund eines ausgelösten Alarms von der Polizei festgenommen werden.

mini|Markierungspfahl bei Burgrain (Isen), km 72,049 (September 2011)

Am 25. März 2026 wurde ein Defekt einer 132-kV-Hochspannungsleitung in Italien bei Tolmezzo gemeldet. Mit dem Abschalten der Freileitung wurde eine Pumpstation nicht mehr mit Strom versorgt. Damit kam der gesamte Öltransport der TAL zum Stillstand. Später wurde bekannt, dass in unwegsamen Gebiet Stützen eines Stahlgittermasts per Brennschneiden beschädigt wurden, später kippte dieser. Gezielte Sabotage wird angenommen.

Infrastruktur

Die durchschnittliche Überdeckung der Leitung beträgt einen Meter, sie erreicht eine geografische Höhe von bis zu und durchquert den Alpenhauptkamm unter dem Felbertauern in einem 7,3 Kilometer langen Stollen. Darüber hinaus führt sie weiter südlich durch den 6,9 Kilometer langen Plöcken-Stollen und nördlich des Felbertauern durch den Hahnenkamm-Stollen (6,8 Kilometer) bei Kitzbühel.

Die geschweißten Stahlrohre wurden zur Vermeidung von Korrosion mit einer Umhüllung von Bitumen(jute)matten ausgestattet. Zum Schutz gegen Erweichung dieser Matten durch Sonneneinstrahlung bei der Lagerung oder beim Transport wurden sie mit weißem Kalk bestrichen. Der weiße Belag wirkt nicht nur als Strahlungsschild, sondern auch als Trennmittel gegen Zusammenkleben übereinander liegender Rohre oder mit Anschlagmitteln und wirkt korrosionsreduzierend, indem das Calciumcarbonat Huminsäuren neutralisiert.

Die Überwachung der Pipeline obliegt drei Kontrollzentren in Triest, Kienburg bei Matrei in Osttirol und in Lenting. Das italienische Kontrollzentrum wird betrieben durch die „Società Italiana per l’Oleodotto Transalpino S.p.A.“, während die Niederlassung in Österreich die „Transalpine Ölleitung in Österreich Ges.m.b.H“ ist. In Deutschland ist die „Deutsche Transalpine Oelleitung GmbH“ für den Betrieb zuständig.

Zehn Pumpstationen zwischen Triest und Karlsruhe sorgen für den Transport des Erdöls. Tanklager zur Zwischenlagerung des Rohöls stehen in San Dorligo della Valle (Kapazität 2.000.000 Kubikmeter, ) und Lenting (Kapazität 318.000 Kubikmeter, ) zur Verfügung.

Land Ort Anlage Quelle Bemerkungen Bild Triest Seehafenterminal Die unternehmen der Gruppe, auf tal-oil.com Trieste-Ingolstadt pipeline terminal (SIOT = Società italiana per l’Oleodetto Transalpino S.P.A.) rahmenlos|240x240px Triest Kontrollzentrum,Tanklager,1. Pumpstation Tanklager San Dorligo della Valle, auf tal-oil.com Tanklager: San Dorligo della Valle rahmenlos|240x240px Opicina Schieberstation Opicina Schieberstation Schieberstation Schieberstation Schieberstation Sagrado Querung Isonzo oberirdisch rahmenlos|240x240px Sagrado Schieberstation Isonzo Nord Schieberstation Cormons Pumpstation Cormons Remanzacco Schieberstation Remanzacco Povoletto Querung Torre Reana del Rojale Pumpstation Reana Artegna Schieberstation Artegna Osoppo Schieberstation Tagliamento Süd Osoppo 1. Querung Tagliamento parallel zur Autobahn Somplago Pumpstation Cavazzo Carnico Cavazzo Carnico (italienisch), auf tal-oil.com, abgerufen am 1. Oktober 2023 Cavazzo Carnico Schieberstation Tolmezzo 2. Querung Tagliamento unterirdisch Tolmezzo Schieberstation But Süd Tolmezzo Querung But unterirdisch Paluzza Pumpstation Paluzza Plöcken-Stollen Querung des Karnischen Hauptkamms vermutlich hier Grenzübertritt I > A Kötschach-Mauthen Pumpstation Würmlach, Abzweigung Adria-Wien Pipeline Laas Schieberstation Lienz Schieberstation Drau Süd Lienz Querung Drau unterirdisch Huben Pumpstation Kienburg Matrei in Osttirol Schieberstation Gruben Pumpstation Gruben Gruben Querung Tauernbach oberirdisch Felbertauern-Tunnel Felberthal Energierückgewinnungsstation Taimeralm Mittersill Pumpstation Mittersill Mittersill Schieberstation Salzach Nord Jochberg Pumpstation Jochberg Jochberg Schieberstation Jochberg Kitzbühel Rohrleitungsstollen Hahnenkamm Reith bei Kitzbühel Schieberstation Hahnenkamm Nord Stockach Entlastungsstation Bockingrahmenlos|240x240px Schwoich Schieberstation Inn Südrahmenlos|240x240px Kufstein Querung Inn unterirdisch Kufstein Entlastungsstation Inn Nord rahmenlos|240x240px Kiefersfelden Grenzübertritt Österreich – Deutschland rahmenlos|240x240px Kolbermoor Schieberstation Kolbermoor rahmenlos|240x240px Steinhöring Tanklager Steinhöringrahmenlos|240x240px Bockhorn Schieberstation Bockhornrahmenlos|240x240px Berglern Schieberstation Isar-Kanal Berglern Querung Isarkanal oberirdisch rahmenlos|240x240px Niederambach Schieberstation Niederambach Nötting Schieberstation Nötting Vohburg an der Donau Bayernoil Raffinerie Vohburg rahmenlos|240x240px Vohburg an der Donau Querung Donau unterirdisch Vohburg an der Donau Schieberstation Donau Nord Lenting Tanklager Lenting mit Pumpstation Ingolstadt rahmenlos|240x240px Pettenhofen Schieberstation Pettenhofen Hütting Schieberstation Hütting Rohrbach Pumpstation Rohrbach Itzing Schieberstation Itzing Bühl im Ries Schieberstation Bühl Ehringen Pumpstation Ehringen Bopfingen Schieberstation Meisterstall Bopfingen Schieberstation Meisterstall Jagsthausen Schieberstation Jagsthausen Aalen Pumpstation Reichenbach Lindach Schieberstation Lindach Schieberstation Schieberstation Rudersberg Schieberstation Pleidelsheim Schieberstation Neckar Süd Kleiningersheim Querung Neckar Kleiningersheim Schieberstation Neckar Nord Bietigheim-Bissingen Schieberstation Enz Hohenhaslach Pumpstation Hohenhaslach Steinbachhof Schieberstation Steinbachhof rahmenlos|240x240px Lienzingen Schieberstation Dürrn Schieberstation Weingarten Schieberstation Karlsruhe MiRO rahmenlos|240x240px

Pipeline-Kraftwerk

Seit Herbst 2018 ist das weltweit erste Öl-Pipeline-Kraftwerk in Betrieb. Es funktioniert analog einem Trinkwasserkraftwerk, jedoch mit dem Medium Rohöl. Im Abschnitt Felbertauern–Mittersill der TAL wird der Gefälledruck genutztÖl-Pipeline als Stromerzeuger, Tiroler Tageszeitung Online, tt.com, 22. November 2014., um jährlich 11,5 GWh elektrische Energie zurückzugewinnen. Dies deckt 12 % des Pumpaufwandes der TAL in Österreich. Die Anlage wurde in einer dichten Wanne errichtet und zum Schutz vor Naturgefahren großteils eingeschüttet. Der Bau dauerte drei Jahre und kostete 11 Millionen Euro.

Anbindung

Bei Würmlach in Kärnten zweigt die Adria-Wien Pipeline (AWP) der OMV zur Raffinerie Schwechat und an der Pumpstation Steinhöring () der Abzweig ebenfalls der OMV zur Raffinerie Burghausen ab. In Lenting schließt die Pipeline über Kralupy nach Litvínov in Tschechien an.

Folgende Raffinerien werden über die Pipeline versorgt:

Bayernoil in Vohburg an der Donau Bayernoil in Neustadt an der Donau Gunvor in Ingolstadt MiRO in Karlsruhe OMV in Burghausen OMV in Schwechat Unipetrol in Kralupy Unipetrol in Litvinov

Die Raffinerie MiRO ist außerdem über die Südeuropäische Pipeline und die Raffinerie Litvinov über die Erdölleitung Freundschaft angeschlossen.

Seit der Schließung der Central European Line (CEL) 1997 liefert die TAL das gesamte Rohöl für die Erdölraffinerien in Bayern und das bayerische Chemiedreieck.

Österreich oder die OMV werden zu 95 % über die TAL versorgt. 5 % beträgt der Anteil der Förderung in Österreich oder der OMV.

Transportleistung Seit Betriebsbeginn (1967) bis 2019 wurden 1,5 Milliarden Tonnen Rohöl transportiert. 2018 wurden 41,6 Millionen Tonnen transportiert.

Pipeline-Gesellschafter Anteile der Gesellschafter (Stand: 31. Dezember 2005): 25 % OMV 24 % Royal Dutch Shell 16 % ExxonMobil 11 % Ruhr Oel (50 % BP + 50 % Petróleos de Venezuela) 10 % Eni (Agip) 9 % BP (Aral) 3 % ConocoPhillips (Jet) 2 % Total S.A.

Die Raffinerie Ingolstadt wurde zum 31. Juli 2007 von ExxonMobil an die Petroplus verkauft. Der zu dieser Raffinerie „gehörende“ Anteil der TAL wurde ebenfalls an die Petroplus weitergereicht. Der Anteil der ExxonMobil wurde dazu geteilt. 10 % gingen an Petroplus und 6 % verblieben bei ExxonMobil.

Im Oktober 2010 verkaufte Petroleos de Venezuela seinen 50 % Anteil an Ruhr Oel an den russischen Ölkonzern Rosneft.

Die Petroplus ging 2012 in die Insolvenz. Die Raffinerie Ingolstadt und der 10 %ige Anteil an der TAL wurden per 31. Mai 2012 von der Gunvor übernommen. Die Beteiligung wurde später an die Schwesterfirma C-Blue B.V. konzernintern weitergegeben.

Die Mero CR,a.s. ist der Betreiber der Pipeline IKL. Seit dem 1. Juni 2006 befindet sich die Mero im Besitz der Republik Tschechien. Per 21. Dezember 2012 wurde ein Anteil von 5 % an der TAL von Shell übernommen.

Im Jahre 2015 haben sich die BP und Rosneft darauf verständigt, ihre Raffineriebeteiligungen neu zu ordnen. In diesem Zusammenhang wurde die Ruhr Oel aufgelöst und deren Beteiligung an der TAL ging auf Rosneft über. Diese Veränderung wurde nach Zustimmung der Kartellbehörden zum 1. Januar 2017 wirksam.

Anteile der Gesellschafter (Stand: 31. Dezember 2021): 32,26 % OMV Deutschland 19,00 % Shell Deutschland 11,00 % Rosneft Deutschland 10,00 % C-Blue B.V. 10,00 % Eni Deutschland (Agip) 7,74 % ExxonMobil Central Europe 5,00 % Mero 3,00 % JET Tankstellen Deutschland 2,00 % TotalEnergies Marketing Deutschland

Siehe auch Südeuropäische Pipeline Central European Line

Literatur

Hans Hadmar Meyer:

Weblinks

TAL Bericht von Helene Wallner von 1967 auf sagen.at

Einzelnachweise

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