Der Bremer Roland, eine 1404 errichtete Rolandstatue auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, ist ein Wahrzeichen Bremens und gilt als ältester erhaltener Steinroland.Dieter Pötschke: Ursprung und rechtliche Bedeutung insbesondere der märkischen Rolandstandbilder im forum historiae iuris vom 27. September 1999 Seit 1973 steht der Roland unter Denkmalschutz und wurde im Juli 2004 gemeinsam mit dem Rathaus von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.Konrad Elmshäuser, Hans-Christoph Hoffmann, Hans-Joachim Manske (Hrsg.): Welterbeantrag. Das Rathaus und der Roland auf dem Marktplatz in Bremen. Schünemann, Bremen 2003, ISBN 3-7961-1848-8, S. 79.

Die Figur hat eine Höhe von 5,47 Metern und steht auf einem 60 Zentimeter hohen, gestuften Podest. Im Rücken wird sie von einem Pfeiler gestützt, der von einem gotisch ornamentierten Baldachin gekrönt wird. So erreicht das Denkmal eine Gesamthöhe von 10,21 Metern und ist damit die größte freistehende Statue des deutschen Mittelalters.

Bedeutung mini|hochkant=.6|Der Schild des Roland mit dem Reichsadler des Heiligen Römischen Reiches. Dargestellt ist der aus Liedern und Epen (Rolandslied) bekannte Heerführer und angebliche Neffe Karls des Großen. Roland steht also auf dem Markt als Repräsentant des Kaisers, er verkündet und garantiert die Marktrechte und Freiheiten, die der Stadt angeblich verliehen worden waren.Dieter Hägermann: Einige Bemerkungen zu den gefälschten Urkunden Heinrichs V., Wilhelms von Holland und Wenzels für die Stadt Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Bd. 56, 1978, , S. 15–38. So drückt es auch die Inschrift des (allerdings wohl 1512 erneuerten) Schildes aus:

Die Attribute Rolands, der durch Rüstung (Kettenhemdkragen, Brustpanzer, Beinschienen) und Haartracht als freier Mann von ritterlicher Lebensführung charakterisiert ist, verbildlichen und präzisieren das noch: Das erhobene Schwert ist hier eher ein Symbol städtischer Gerichtsbarkeit als das Standesabzeichen des Ritters, denn ihm fehlt die am Gürtel befestigte Schwertscheide. Der Schild mit dem Doppeladlerwappen des Reiches ist Zeichen des so lange umkämpften Bremer Anspruches auf Reichsfreiheit. Die kleine Gestalt unter den Füßen Rolands wird von der Forschung überwiegend als unterworfener Friesenhäuptling interpretiert.

Für Standort und Blickrichtung der Figur sind die Nähe zum (zeitgleich errichteten) Rathaus und der Bezug auf die Straßenachse Ostertor-Obernstraße wichtig. Während man früher den etwa in Richtung Dom weisenden Blick Rolands als eine gegen den erzbischöflichen Stadtherrn gerichtete Machtgeste ansah,so noch: Volker Plagemann: Bremen und Bremerhaven. 3. völlig veränderte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1979, ISBN 3-422-00113-1, S. 28. so wird heute mit guten Gründen eine demonstrativ gegen Kirche und Erzbischof gerichtete Botschaft dieser Ausrichtung bestritten.Konrad Elmshäuser: Der erste Roland und das erste Rathaus von Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Bd. 84, 2005, S. 9–46, hier S. 14f.

Geschichte mini|hochkant=.6|Der „Krüppel“ zu Füßen des Roland mini|hochkant=.6|Originalkopf des Roland im Focke-Museum Bremen mini|hochkant=.6|Postkarte ~1905, Rolandstatue auf dem Marktplatz Ein Vorgänger des Bremer Roland bestand aus Holz und war in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1366 von Kriegern des Erzbischofs Albert II. umgestürzt und verbrannt worden. Er hatte – wie der neue – das kaiserliche Wappen getragen und war wohl in den 1340er oder 50er Jahren aufgestellt worden.Konrad Elmshäuser: Der erste Roland und das erste Rathaus von Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Bd. 84, 2005, S. 9–46, hier S. 16–26. 1404, noch vor dem Baubeginn des Rathauses, ließ der Bremer Rat den neuen, steinernen Roland errichten. Die Steinmetzen Claws Zeelleyher und Jacob Olde wurden dafür mit 170 Bremer Mark bezahlt.

Die Figur wurde aus Elmkalkstein, der Pfeiler aus Obernkirchener Sandstein gefertigt und war zunächst farbig gefasst. Im 18. Jahrhundert wurde er grau bemalt, später bevorzugte man den sichtbaren Stein mit sparsamer Kolorierung. Ab 1811 geriet der Roland in Gefahr abgerissen zu werden. Bremen war Teil des Département des Bouches-du-Weser, es wurde eine Markthalle geplant, was aber durch das Ende der französischen Herrschaft nicht ausgeführt wurde.Die Widerlegung der Legende von einem drohenden Abtransport nach Paris bei: Rolf Kirsch: Die Ringhallenprojekte von Jakob Ephraim Polzin und Heinrich Averdieck für den Bremer Marktplatz (1811). In: Martina Rudloff (Red.): Klassizismus in Bremen. Formen bürgerlicher Kultur (= Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Bd. 33). Hauschild, Bremen 1994, ISBN 3-929902-21-4, S. 68.

Der Roland wurde mehrfach restauriert. 1939 war er vom Einsturz bedroht und wurde auf neuem Betonfundament neu aufgebaut, einzelne Blöcke wurden dabei erneuert. Am 29. September 1939 bekam er als Luftschutzmaßnahme eine mit Sand gefüllte Holzverschalung und wenig später einen gemauerten Splitterschutz. Das dabei verloren gegangene Gitter wurde bei einer gründlichen Restaurierung 1983/84 erneuert. Der Kopf wurde durch eine materialgetreue Kopie ersetzt, das Original steht seitdem im Focke-Museum. In alter Bremer Tradition wurden diese Kosten von einem Sponsor übernommen. Bei der letzten Restaurierung im Jahr 1989 entdeckte man im Inneren des Standbilds eine Zeitkapsel, die 1938 dort deponiert worden war.

Rezeption Gedichte 1848 schrieb Friedrich Rückert ein später von Franz Magnus Böhme vertontes Gedicht Roland, der Ries’ am Rathaus zu Bremen in acht Versen. Es wurde im Dezember 1863 um drei weitere Verse ergänzt, die sich auf die Rolle Bremens im Vorlauf des Deutsch-Dänischen Kriegs bezogen, als Dänemark die Herzogtümer Schleswig und Holstein in das Herrschaftsgebiet der Krone einbeziehen wollte. Ganz im Gegensatz zu den hansischen Schwesterstädten Hamburg und Lübeck opponierte Bremen am 7. Dezember 1863 stark gegen dieses Vorhaben. Rückerts Verse bringen die Verachtung für die Position Hamburgs und Lübecks zum Ausdruck.

Auch der plattdeutsche Volksmund befasste sich mit dem Standbild und reimte:

Eberhard Michael Iba: Aus der Schatzkammer der Deutschen Märchenstraße. Sagen, Geschichten, Märchen, Erzählungen, Gedichte und Lieder aus Bremen, Bremerhaven, Verden u. Nienburg. Schünemann, Bremen 1987, ISBN 3-7961-1784-8, S. 28.

auf den Westfälischen Frieden.

Philatelie und Numismatik mini|hochkant=.3|Der Bremer Roland auf einer Medaille des Johann Blum 1648 mini|hochkant=.3|Deutsche 2-Euro-Gedenkmünze 2010(die Statue ist in Wirklichkeit wesentlich kleiner und nach rechts ausgerichtet.)

Das Motiv des Bremer Roland wurde in Philatelie und Numismatik aufgegriffen.

Nachbildungen In direktem Bezug zum Bremer Roland steht die vermutlich 1602 aufgestellte, allerdings abweichend gestaltete Brunnenfigur in Bederkesa, das damals zu Bremen gehörte.

Auf dem Neuen Markt in der Bremer Neustadt steht der Kleine Roland als Rolandbrunnen von 1737, nach einem Entwurf des Bildhauers Theophilus Wilhelm Frese.

Der Eiserne Roland, eine hölzerne Nachbildung, stand 1915 bis 1918 im Winkel zwischen Altem und Neuem Rathaus; wer für ein Bremer Soldatenheim gespendet hatte, durfte dort in die Figur einen Nagel einschlagen. Die danach im Rathaus gelagerte Figur ist nicht erhalten.

Eine etwa 1,50 Meter große hölzerne Nachbildung des Bremer Rolands befindet sich in der evangelisch-lutherischen Zionskirche im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sie ist Teil einer Kanzel und war 1890 ein Geschenk der Stadt Bremen an ehemalige Bürger, die in New York eine neue Heimat gefunden haben.

Die brasilianische Stadt Rolândia wurde 1932 von deutschen Auswanderern gegründet und erhielt ihren Namen nach dem Bremer Roland. Seit 1957 besitzt der Ort zudem eine Vier-Fünftel große Nachbildung des Bremer Rolands, gestiftet von Bremer Kaffee-Kaufleuten.

Bremen schenkte der Stadt Quito zum 445-jährigen Jubiläum eine verkleinerte Nachbildung ihres Rolands, der heute an der Avenida Amazonas steht.

Der Japaner Atsuo Nishi ließ 1970 in seinem Freizeitpark in Obihiro auf Hokkaidō eine originalgetreue Nachbildung des Bremer Rolands errichten.The knight statue Abgerufen am 15. März 2022. Sie war Teil einer größeren Märchenstadt mit verschiedenen Nachbildungen deutscher Figuren. Die Ausstellung wurde 2003 geschlossen.Glücks-Königreich auf abandonedkansai.com, abgerufen am 15. März 2022.

Seit 2004 befindet sich ein Miniaturmodell des Rolands im Roland-ParkRolande auf rolandpark.de Abgerufen am 15. März 2022. in der Nähe der Stadthalle von Belgern.

Für eine Werbekampagne mit der Bremer Dettmer Group wurde eine Nachbildung des Bremer Roland mit einer Höhe von 2,50 Meter angefertigt. Erbaut wurde sie vom Künstler Thomas Beecken und besteht komplett aus recyceltem Material. Das geschredderte Material bestand zum größten Teil aus buntem Plastik, aber auch aus Baustoffrecycling oder Füllsand. Heute steht das Modell im „Dettmer-Haus“ in der Bremer Altstadt direkt an der Weser.

Legenden mini|Die vermutete Bremer Elle Weil der Abstand der beiden Kniespitzen mit 55,372 Zentimeter dem Maß der Bremer Elle (im Jahr 1818 auf umgerechnet 57,87 Zentimeter festgesetzt) recht nahekommt, hat R. SpichalReinhold Spichal: Jedem das Seine. Eenem Yeden dat Syne. Markt und Maß in der Geschichte am Beispiel einer alten Hansestadt. Brockkamp, Bremen 1990, ISBN 3-922496-26-1, S. 47–55. vermutet, dass mit diesem Abstand bewusst ein Normmaß gesetzt worden sei. Die spitze Form und die metallene Ausführung scheinen dafür zu sprechen. Auch waren nah bei mittelalterlichen Marktplätzen tatsächlich oft materiell ausgeformte oder an Rathäusern, auch an Kirchenportalen markierte Maße der Allgemeinheit zugänglich. Doch nirgendwo, soweit bisher bekannt, ist ein solches Normmaß älterer Zeit integraler Bestandteil eines Bildwerkes. So bleibt die Idee eine Hypothese, deren Wahrheitsgehalt mangels genauer Kenntnis mittelalterlicher Maßwerte (besonders der Längenmaße) und jeglicher historischer Hinweise auf den vermuteten Zusammenhang einstweilen völlig unbeweisbar bleibt.

In Bremen erzählt man gern, dass die Stadt so lange frei und selbstständig bleibe wie der Roland steht und über sie wacht. Die Legende, dass deswegen eine zweite Rolandstatue als schnell verfügbarer Ersatz in den Kellergewölben des Rathauses versteckt sei, beruht wohl auf der Deponierung des Eisernen Roland (siehe oben) im Rathaus zwischen den Weltkriegen. Unabhängig davon existiert am Neuen Markt mit dem Kleinen Roland eine zweite, wenn auch baulich völlig andere, Rolandsstatue in Bremen.

Die Figur zwischen seinen Füßen wird oft, aber ganz unbegründet als jener Krüppel angesprochen, der 1032 ein Gelände umkrochen haben soll, das die Gräfin Emma dann der Stadt als Bürgerweide schenkte.Herbert Schwarzwälder: „Gräfin“ Emma von Lesum und der „Bremer Krüppel“. Historische Wahrheit – Sage – Dichtung. In: Jahrbuch der Wittheit zu Bremen. Bd. 18, 1974, , S. 387–406.

Als Aprilscherz verbreitete die Bremer Senatskanzlei 2004 die Pressemeldung, dass „mit der Bremer Elle in Wissenschaft und Technik weiterhin gemessen wird“ und „das Längenmaß international unter dem Begriff LMR (Length Measurement Roland) nur in Spezialanwendungen bei Flugzeugbau, Raumfahrt und Unterwasserortung in Gebrauch ist“.

Brauchtum mini|hochkant=.6|Der Roland mit Freimarkts-„Lebkuchenherz“