Boxdorf (fränkisch: Bogs-doafW. Wiessner: Stadt und Landkreis Fürth, S. 14. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: bogsdoʳf.) gehört zur kreisfreien Stadt Nürnberg (Statistischer Stadtteil 7 – Nordwestliche Außenstadt).

Lage

Geographie Boxdorf liegt im Nordwesten des Nürnberger Stadtgebietes, unmittelbar westlich der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 4. Der Ort gehört noch zum westlichen Randbereich des Knoblauchslandes. Durch den Ort fließt der Kothbrunnengraben, der ein linker Zufluss der Gründlach ist.

Die Bundesstraße 4 tangiert den Ort östlich und verläuft zu einer Anschlussstelle der A 3 (2,2 km nördlich) bzw. an Buch vorbei zum Altstadtring in Nürnberg (6 km südöstlich). Die Kreisstraße N 3 verläuft nach Großgründlach (1 km westlich) bzw. nach Neunhof (1 km östlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nach Schmalau (1,5 km westlich) bzw. nach Kraftshof (1,7 km südöstlich). Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verläuft zum Fürther Gemeindeteil Braunsbach (1,7 km südlich).

Geschichte Der Ort gehörte vermutlich schon im 8. Jahrhundert zur Königsmark Fürth des Fränkischen Reichs. 1293 wurde ein „Chunradus de Pokkesdorf“ urkundlich erwähnt, was zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist.W. Wiessner: Stadt und Landkreis Fürth, S. 14. Die Urkunde ist im Nürnberger Urkundenbuch unter Nr. 853 aufgeführt. Die Übersetzung der lateinischen Urkunde lautet:

1342 wurde der Ort als „Pokstorf“ erwähnt, 1430 als „Bockstorff“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist das mittelhochdeutsche Wort „bock“ (=Rehbock), der wohl als Beiname für den Gründer der Siedlung verwendet wurde.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Boxdorf aus 24 Anwesen und einem Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegamt Nürnberg. Grundherren waren das Landesalmosenamt Nürnberg (1 Gut); die Nürnberger Eigenherren von Fürer (3 Güter, 1 Seldengut), von Grundherr (3 Güter, 2 Seldengüter), von Imhoff (1 Gut), von Kreß (2 Höfe, 5 Seldengüter, 2 Halbhöfe), von Löffelholz (1 Seldengut), Burkhard v. Löffelholzscher Familienfideikommiß (1 Gut, 1 Seldengut) und von Viatis (1 Gut).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 102f. Die Herrenhöfe verfügten jedoch offenbar nicht über Herrensitze.Vgl. Herrensitze.com

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam Boxdorf zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Boxdorf dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt Buch und der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Boxdorf, zu der Herboldshof und Steinach gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 5 Anwesen von 1823 bis 1835 dem Patrimonialgericht (PG) Boxdorf, 1 Anwesen von 1822 bis 1827 dem PG Buch, 5 Anwesen von 1822 bis 1836 dem PG Haimendorf, 5 Anwesen von 1802 bis 1846 dem PG Neunhof, 2 Anwesen von 1821 bis 1835 dem PG Steinach und 1 Anwesen bis 1812 und von 1823 bis 1835 dem PG Zerzabelshof.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth, S. 227. Ab 1862 gehörte Boxdorf zum Bezirksamt Fürth (1939 in Landkreis Fürth umbenannt) und zum Landgericht Fürth (ab 1876 Stadt- und Landgericht Fürth, 1879 in das Amtsgericht Fürth umgewandelt), seit 1972 ist das Amtsgericht Nürnberg zuständig. Die Finanzverwaltung wurde 1871 vom Rentamt Fürth übernommen (1919 in Finanzamt Fürth umbenannt), seit 1972 ist das Finanzamt Nürnberg zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,112 km².

Am 30. Juni 1972 wurde die Gemeinde Boxdorf im Rahmen der Gebietsreform in Bayern aufgelöst: Herboldshof und Steinach wurden nach Fürth eingegliedert und Boxdorf nach Nürnberg. Der letzte Bürgermeister vor der Eingemeindung war Alfred Rohrmüller.

Baudenkmäler Boxdorfer Hauptstraße 1: Zugehörige Fachwerkscheune auf Sandsteinsockel; wohl erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; Satteldach.G. P. Fehring u. a.: Die Stadt Nürnberg, S. 273. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Boxdorfer Hauptstraße 18: Zweigeschossiges massives, verputztes Wohnhaus, um 1905, mit Krüppelwalmdach; offener Holzdachreiter mit Kuppeldach. Großer Giebelerker mit Jugendstilfachwerk. Erich-Ollenhauer-Straße 1: Zugehörige Fachwerkscheune des 18. Jahrhunderts; zum Teil verbrettert. Satteldach. Hasengasse 7: Bauernhaus Hasengasse 9: Ehemaliges Bauernhaus Steinacher Straße 8: Hofanlage Steinacher Straße 12: Ehemaliges Wohnstallhaus

Einwohnerentwicklung Gemeinde Boxdorf Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 255 323 340 353 370 363 373 405 439 442 456 465 549 544 529 496 549 662 721 867 933 953 1212 2711HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 52 57 66 79 77 86 91 115 204 Quelle Für die Gemeinde Boxdorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Herboldshof (S. 39) und Steinach (S. 88). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 319 Einwohner.

Ort Boxdorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015Einwohner 150 212 239 261 318 419 418 700 1014 2493 2474 2835Häuser 32 38 56 62 67 88 171 644Quelle

Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Georg (Nürnberg-Kraftshof) gepfarrt, heute ist die Pfarrei Zum Guten Hirten (Boxdorf) zuständig. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Thomas (Boxdorf) gepfarrt.

Vereine Der größte Verein in Boxdorf ist der ASC Boxdorf mit einem breiten Sportangebot und dem Schwerpunkt Fußball. Außerdem werden Tischtennis, Volleyball, Wandern, Laufen, Judo, Ju-Jutsu, Taekwondo, Kickboxen, Rock'n'Roll, Gymnastik, Tennis und Theater angeboten.

Weiterhin gibt es den Schützenverein Gut Schuß Boxdorf; hier wurde bis zum Jahresende 2013 Schießen mit Luftdruckwaffen (Luftgewehr, Luftpistole, 5-schüssige Pistole) und Bogenschießen angeboten. Seit 2014 wird nur noch Bogenschießen angeboten. Der Verein schießt unter anderem in der 1. Bundesliga Bogenschießen Gruppe Süd.

Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1884 gegründet.

Wirtschaft Bedeutende Unternehmen mit Sitz in Boxdorf sind das Tagungshotel Schindlerhof die SoftMaker Software GmbH

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Stadtteil von Nürnberg Kategorie:Statistischer Bezirk von Nürnberg Kategorie:Statistischer Distrikt von Nürnberg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Nürnberg) Kategorie:Gemarkung von Nürnberg Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Nürnberg Kategorie:Ersterwähnung 1293 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972