Der Blaugrüne Faserschirm (Trinia glauca), auch als Scherbet, Erdfaserschirm und Kleiner Faserschirm bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Faserschirme (Trinia) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung mini|links|Stängelbasis mit „Faserschopf“ und Stängelblättern (Herbarbeleg, bitte keine Pflanzenteile aus Naturbeständen entnehmen!) mini|Doppeldolde einer männlichen Pflanze mini|links|Döldchen einer weiblichen Pflanze mini|Frucht mini|Männliches Pflanzenexemplar

Vegetative Merkmale Der Blaugrüne Faserschirm wächst als zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 8 bis 50 Zentimeter. Er wurzelt bis 20 Zentimeter tief. Meist sterben die Pflanzen, wie für Zweijährige typisch, nach der ersten Samenreife. Auch die männlichen Pflanzen sterben im 2. Sommer ab; denn mit der Ausbildung des verzweigten Blütentriebes erschöpfen sich die im Vorjahr – als ganz unauffällige Rosettenpflanze – in der Pfahlwurzel angesammelten Reserven. Alle Pflanzenteile sind kahl. Der Stängel ist stark verzweigt, kantig und mehr oder weniger zickzackförmig hin- und hergebogen. Er ist am Grund von einem dichten Faserschopf aus den Gefäßbündelresten abgestorbener Laubblätter umgeben. Das Pflanzenexemplar ist vom Grund an ausladend verzweigt, sodass sie oft einen halbkugeligen Wuchs bildet.

Die Laubblätter sind von graublau-grüner Farbe, die unteren sind zwei- bis dreifach fiederteilig. Die Fiederabschnitte letzter Ordnung sind bis 3 Zentimeter lang und bis etwa 1,5 Millimeter breit. Die grundständigen Blätter haben einen kurzen und breitscheidigen Blattstiel. Sie sind im Umriss lanzettlich-eiförmig. Die Stängelblätter sind den grundständigen Blättern ähnlich aber kürzer gestielt; die obersten sind bis auf stielförmige, etwa häutig aufgeblasene Blattscheiden mit wenigen Fiederzipfeln reduziert.

Generative Merkmale Die Blütezeit liegt im April und Mai. Der Blaugrüne Faserschirm ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die männliche Pflanze ist dabei auffallend niedriger als die weibliche. Es wird ein doppeldoldiger Blütenstand gebildet. Die Hülle fehlt ebenso wie meistens auch die Hüllchen. Manchmal sind diese jedoch ein- bis dreiblättrig vorhanden. Die Döldchen der männlichen Pflanzenexemplare sind vielblütig, diejenigen der weiblichen Pflanzen vier- bis achtblütig. Die Dolden der weiblichen Pflanzen haben dickere bis 5 Zentimeter lange Strahlen. Die Strahlen der Döldchen sind sehr ungleich lang, die längsten erreichen 15 Millimeter Länge.

Die Krone ist weißlich, etwa 0,3 Millimeter lang und zeigt auf dem Rücken einen grünen oder – bei den Blüten der weiblichen Pflanzen – rötlichen Mittelstreifen.

Die Rippen der schwarz-braunen, etwa 3 Millimeter langen Teilfrucht sind stark hervorspringend und stumpf.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Ökologie Der Blaugrüne Faserschirm handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Vorkommen und Gefährdung Der Blaugrüne Faserschirm ist ein submediterran-subatlantisches Florenelement. Er kommt vom nördlichen Mittelmeerraum bis Mittel- und Westeuropa sowie in Ungarn und Rumänien vor. Das Verbreitungsgebiet reicht von Spanien und dem Vereinigten Königreich bis zur Türkei und der Krim. Nach POWO hat die Art vorkommen in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich, Ungarn, in der früheren Tschechoslowakei, im früheren Jugoslawien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Türkei, auf der Krim und im Iran. Die Art steigt im Aostatal bis in eine Höhenlage von 1300 Meter und im Schweizer Jura bis 1600 Meter auf.

Trinia glauca kommt in Deutschland selten in Rheinland-Pfalz (Naturschutzgebiet Mainzer Sand), dem mittleren Maingebiet, auf Kalkfelsfluren des Oberrheintals und auf der Schwäbischen Alb vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Sie kommt in Mitteleuropa selten vor. In Österreich und der Schweiz ist der Blaugrüne Faserschirm selten und gefährdet. In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands nach Metzing et al. 2018 ist der sehr seltene Blaugrüne Faserschirm in Kategorie 2, als „stark gefährdet“ eingestuft.

Trinia glauca wächst in Trockenrasengesellschaften. Der Blaugrüne Faserschirm gedeiht meist auf warmen, meist kalkhaltigen, steinigen oder sandigen Böden. Er ist pflanzensoziologisch eine Charakterart des Verbands Xerobromion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Festucion valesiacae vor.

mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Trinia glauca subsp. carniolica Systematik Die Erstveröffentlichung unter dem Namen (Basionym) Pimpinella glauca erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 264. Die Neukombination zu Trinia glauca wurde 1827 durch Barthélemy Charles Joseph Dumortier in Florula Belgica Seite 78 veröffentlicht.

Je nach Autor gibt es wenige Unterarten: Trinia glauca subsp. glauca (Syn.: Trinia vulgaris ): Sie kommt in Spanien, Andorra, Frankreich, Korsika, Italien, Großbritannien, Deutschland, in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Ukraine und in der Türkei vor. Trinia glauca subsp. carniolica : Sie kommt in Italien, in Slowenien, auf der Balkanhalbinsel und in Rumänien vor. Trinia glauca subsp. pindica : Sie kommt nur in Griechenland und auf Inseln der Ägäis vor.

mini|Großer Faserschirm (Trinia kitaibelii) in Niederösterreich Verwandte Arten Verwandt mit dem Kleinen Faserschirm (Trinia glauca) ist: Großer Faserschirm (Trinia kitaibelii ; Syn.: Trinia ramosissima , Trinia longipes , Trinia ucrainica ). Bei dieser Art ist ein fünfblättrige Hüllchen vorhanden. Sie ist erst oberwärts stark verzweigt und wird 30 bis 80 Zentimeter hoch. Sie kommt von Österreich bis in den Kaukasusraum vor.

Literatur

Einzelnachweise

Albert Thellung: Umbelliferae. S. 1132–1136. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. Ralf Hand (2011+): Apiaceae. Datenblatt Trinia In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Birgit Nordt: Trinia. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 97. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019. ISBN 978-3-494-01700-6. S. 922.

Weblinks

Datenblatt und Bilder bei Blumen in Schwaben.

Kategorie:Doldenblütler