mini|400px|Naturräumliche Großregionen nach BfL (Meynen, Schmithüsen et al.):1. Ordnung (dunkelrot)2. Ordnung (orange)3. Ordnung (violett) bzw. Haupteinheitengruppen (violett, dünner)nach der Bundesanstalt für Landeskunde(Die Namen einiger Großregionen 2. bzw. 3. Ordnung sind nicht genau bekannt!)

Eine Gliederung Deutschlands in naturräumliche Großregionen, Haupteinheiten und Untereinheiten berücksichtigt in erster Linie geomorphologische, geologische, hydrologische, biogeographische und bodenkundliche Kriterien, um die Landschaft in größere einheitliche Gebiete aufzuteilen. Politische Grenzen spielen dabei, abgesehen von den nationalen Außengrenzen, keine Rolle.

Neben der naturräumlichen Aufteilung gibt es inzwischen auch von offizieller Seite eine Aufteilung in sogenannte Landschaftsräume, die sich stärker nach der Nutzung der Regionen als Kulturlandschaften durch den Menschen richtet und entsprechend zum Teil deutlich andere Grenzen zieht.

Grundlagen durch die Bundesanstalt für Landeskunde (BfL) Die naturräumliche Gliederung Deutschlands, wie sie heute sowohl vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als auch von den meisten Landesinstituten benutzt wird, basiert in der Hauptsache auf den Arbeiten des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands der Bundesanstalt für Landeskunde (BfL) der Jahre 1953 bis 1962. Herausgeber waren der Institutsleiter Emil Meynen sowie Projektleiter Josef Schmithüsen. Diese teilte das heutige Bundesgebiet (damals: BRD und DDR) in 86Die Zahl erklärt sich dadurch, dass die Kennzahl 47/48 für nur eine Gruppe verwendet wurde und die Zahlen 49, 65 und 66 nicht vorkamen. sogenannte Haupteinheitengruppen mit zweistelligen Kennziffern zwischen 01 und 90 ein, die wiederum in bis zu 10, im Einzelfalle auch mehr Haupteinheiten (dreistellig) aufgespalten wurden. In den Übersichtskarten der Einzelblätter 1:200.000, die der Erarbeitung von Regionen 5. und niedrigerer Ordnung (Nachkommastellen hinter der dreistelligen Haupteinheitenkennzahl) dienten, wurden die Haupteinheitengruppen ab 1959 nochmals in übergeordneten Großregionen zusammengefasst.Emil Meynen und Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)

Im Ergebnis entstand eine Gliederung Deutschlands in: fünf (1963–1979: vier) naturräumliche Großregionen 1. Ordnung („Großlandschaften“), die sich in insgesamt 18 (seit 1964: 19) Großregionen 2. Ordnung aufspalten. „Haupteinheitengruppen“ stellen darin in der Hauptsache Großregionen 3. Ordnung dar; zum Teil fassen Großregionen 3. Ordnung auch mehrere Haupteinheitengruppen zusammen. Die „Haupteinheiten“ stellen Regionen 4. Ordnung dar.

Manche Großregionen 2. Ordnung enthalten nur eine Haupteinheitengruppe (Mecklenburgisch-Vorpommersches Küstengebiet, Harz, Thüringer Becken, Obermainisch-Oberpfälzisches Hügelland, Südliches Alpenvorland), andere fassen namentlich bekannte Großlandschaften zusammen (Rheinisches Schiefergebirge, Südwestdeutsches Stufenland), wieder andere gruppieren völlig neu.

In den sich bis in die 1990er Jahre ziehenden Nachfolgearbeiten in Einzelblättern 1:200.000 stellte sich heraus, dass einige Grenzen der Großregionen 2. und 3. Ordnung korrigiert werden mussten und in Einzelfällen damit nicht mehr mit den Grenzen der Haupteinheitengruppen übereinstimmen. Dies spielt jedoch in der dem dekadischen System folgenden Nummerierung, die erst ab der 3. Ordnung beginnt, keine Rolle.

Die Großregionen 1. Ordnung sind zonal gerichtet und ließen sich daher auch als Zonen ansprechen. In der zweiten Ordnungsstufe sind die beiden Mittelgebirgsregionen hingegen meridional gegliedert, während in Norddeutschem Tiefland, Alpenvorland und Alpen wiederum eine zonale Untergliederung vorliegt. Bei den Großregionen 3. Ordnung lässt sich keine solche Zuordnung des Gliederungsprinzips mehr vornehmen.Heinrich Müller-Miny: Deutschland: Die Großregionen als naturräumliche Erscheinungen. In: Emil Meynen (Hrsg.): Geographisches Taschenbuch und Jahrweiser zur Landeskunde 1960/61. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1960, S. 267–286 (hier: S. 267/268).

Umordnungen und Neugliederungen durch Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Sächsische Akademie der Wissenschaften Umordnung durch Ssymank 1994 (BfN) mini|hochkant|Regionen nach BfN (Ssymank et al.): Umnummerierung, Einteilung in sogenannte „Großlandschaften“ In den Jahren 1992 bis 1994 überarbeiteten Axel Ssymank et al. im Auftrage des BfN die Haupteinheitengruppen 01-90. Hierbei blieben diese meistens in ihren Grenzen erhalten, indes wurden im Einzelfalle zwei bis vier Haupteinheitengruppen nach dem Handbuch zusammengefasst, während bei Nord- und Ostsee eine bisherige Gruppe in vier neue aufgespalten wurde.

Die Nummerierung der neuen Einheiten D01 bis D73 erfolgte völlig neu von Norden nach Süden und nicht, wie im Handbuch, in umgekehrter Richtung. Daher ist sie nicht mit der Nummerierung der Haupteinheiten und Untereinheiten kompatibel und hat sich in den Landesämtern nicht durchgesetzt. Sogar das BfN selbst folgt in der Systematik seiner Landschaftssteckbriefe weitgehend der älteren Systematik des Handbuchs.Biogeografische Regionen und naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands (PDF; 216 kB) nach Ssymank (1994), Übersicht und Kommentar; Bundesamt für Naturschutz. Achtung: Im Dokument wird irreführenderweise der Begriff Haupteinheiten für Haupteinheitengruppen (im Sinne des Instituts für Landeskunde) verwendet!

Die Naturräume fasst Ssymank zu acht sogenannten Großlandschaften zusammen, die etwas weniger fein untergliedert sind als die Großregionen 2. Ordnung der Bundesanstalt für Landeskunde. Die Mittelgebirgsgebiete werden in drei Großlandschaften aufgeteilt, die die jeweils folgenden Großlandschaften nach Müller-Miny enthalten: Östliche Mittelgebirge Östliche Mittelgebirgsschwelle Thüringer Becken Westliche Mittelgebirge Harz Rheinisches Schiefergebirge Pfälzisch-Saarländisches Schichtstufenland Südwestliche Mittelgebirge / Stufenland Oberrheinisches Tiefland Südwestdeutsches Stufenland Oberpfälzisch-Obermainisches Hügelland Hauptdiskrepanz gegenüber der Bundesanstalt für Landeskunde ist die Abspaltung der (genetisch jüngeren) westlichen Schichtstufenländer zu einer Einheit mit dem Rheinischen Schiefergebirge (und dem Harz).

Die wesentlichste Diskrepanz zwischen beiden Systemen ist indes Ssymanks Aufspaltung des Norddeutschen Tieflandes in einen Ost- und einen Westteil, was mit der klimatischen Aufteilung in atlantisch und kontinental begründet wird. Die Grenze wird willkürlich unmittelbar östlich der Einheiten D22, D24, D28, D31 und D33 gezogen. Die Trennlinie durchtrennt insbesondere den Lößgürtel nördlich der Mittelgebirgsschwelle und spaltet von der Nordostdeutschen Seenplatte den Schleswig-Holsteinischen Teil ab.

In der Literatur sind die Großlandschaften nach Ssymank, außerhalb der Zitierung jener Gliederung, bislang nicht in Verwendung.

Landschaftssteckbriefe des BfN Das BfN hat auch bundesweit eine Untergliederung in sogenannte Landschaften in Auftrag gegeben, für die jeweils sogenannte Landschaftssteckbriefe erstellt wurden. Diese dienten in erster Linie einer groben Kategorisierung in 28 Landschaftstypen, die sich in insgesamt 856 Landschaften gliedern, und der Bestandsaufnahme von Schutzgebieten und Landnutzung. Sie stellen keine naturräumliche Gliederung dar und wurden mit relativ geringem Aufwand erstellt; insbesondere wurden Landschaften nur in seltenen Fällen vor Ort analysiert, sondern in der Hauptsache durch Satellitenbilder und vorhandene Listen beurteilt. Zusätzlich wurden einzelne Infos aus den Einzelblättern 1:200.000 zusammengefasst, soweit diese existierten.

Die Landschaftssteckbriefe haben fünfstellige Kennziffern, deren erste drei meistens der naturräumlichen Haupteinheit nach dem Handbuch entsprechen; Ballungsräume werden davon getrennt sortiert.

Neuansätze durch die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig Im Rahmen der Neuordnung der Naturräume in Sachsen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ab 1994 wurde insbesondere von Günther Schönfelder im Jahr 2008 auch ein Ansatz für die Gliederung der deutschen Großlandschaften erarbeitet, der weit in die benachbarten Bundesländer hinein reicht. Er baut auf dem sachseninternen System auf, ist jedoch z. T. auch mit den Ansätzen Müller-Minys kompatibel. Eine große Analogie zeigt sich insbesondere in den Lößbörden (bei Schönfelder: Lößgürtel), die im sächsischen System sogar eine gleichberechtigte Stellung zu Tiefland und Mittelgebirgen haben und nicht, wie bei BfL, als Teil des Tieflands gewertet werden.

Liste der Großregionen 1. bis 3. Ordnung Die Haupteinheitengruppen, die mehr oder weniger Großregionen 3. OrdnungDie Großregionen 3. Ordnung fassen zum Teil mehrere Gruppen zusammen. entsprechen, werden nachfolgend Großregionen 2. Ordnung und diese wiederum Großregionen 1. Ordnung zugeordnet. Diese Unterteilung entstammt in der Hauptsache den Publikationen des Instituts für Landeskunde seit 1959: Der erste Entwurf von Heinrich Müller-Miny erschien in der aktualisierten Karte zum Handbuch, den Übersichtskarten der Einzelblätter ab Erscheinungsjahr 1959 sowie im Handbuch 9. Lieferung (1962).Naturräumliche Großregionenkarten 1959–1963, 1964–1978 und 1979–1994 nach Müller-Miny et al. (PDF; 1,2 MB) In dem 1960 erschienenen Geographischen Taschenbuch 1960/61 erläuterte Müller-Miny in einem Aufsatz seinen Kartenentwurf, der dort auch eine Legende mit den Namen der Großregionen enthielt und diese zudem über ihre Grenzen hinweg nach gemeinsamen Eigenschaften typisierte.Heinrich Müller-Miny: Deutschland: Die Großregionen als naturräumliche Erscheinungen. In: Emil Meynen (Hrsg.): Geographisches Taschenbuch und Jahrweiser zur Landeskunde 1960/61. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1960, S. 267–286. (mit Karte Die Großregionen Deutschlands als naturräumliche Einheiten; Maßstab 1 : 3 Millionen) In den Einzelblättern ab Erscheinungsjahr 1964 wurde dieser Entwurf leicht verändert: Das Oberpfälzisch-Obermainische Hügelland stieg von der Großregion 3. Ordnung zu einer zweiter Ordnung auf. Die Region 2. Ordnung Lössbörden wurde erweitert, insbesondere im Westen. Eine weitere Änderung gab es in den Einzelblättern ab 1979 (Blatt 182 Burghausen) bis zu den letzten erschienenen (Blätter München und Tegernsee 1994): Die Region 1. Ordnung Mittelgebirge wurde, wie schon zwischen 1959 und 1963, zweigeteilt in die Großregionen 1. Ordnung Mittelgebirgsschwelle und Schichtstufenland. Die etwa seit Auflösung des Instituts für Landeskunde veröffentlichte und beständig weiterentwickelte Gliederung Naturräume in Sachsen gliedert den größeren Nordteil der Haupteinheitengruppe Oberlausitz den Lössbörden zu, sodass nur das Lausitzer Bergland im Süden in der Mittelgebirgsschwelle verbleibt.

Durch die Änderungen im Bereich der Lössbörden kommt es dazu, dass sich einige wenige Haupteinheitengruppen nunmehr auf zwei verschiedene Großregionen 2. oder gar 1. Ordnung verteilen.

Zur besseren Übersicht werden die Großregionen 1. und 2. Ordnung von Norden nach Süden, in zweiter Linie von Westen nach Osten geordnet aufgeführt. Innerhalb einer Region 2. bzw. 3. Ordnung folgt die Listung dann den vorangestellten Nummern nach Handbuch; die Nummern nach BfN (bzw. nach Ssymank) sind in Klammern hintenan gestellt. Echte Großregionen 3. Ordnung sind fett und kursiv geschrieben.

Zur besseren Orientierung stehen rechts der Listen Ausschnittskarten, die alle im selben Maßstab gehalten sind.

Nord- und Ostsee Hier erfolgt ausnahmsweise eine Listung der dreistelligen Haupteinheiten der Gruppe 90, da diese de facto Großregionen 3. Ordnung darstellen.

Nordsee mini|hochkant=1.2

900 Deutsche Bucht (ohne Felssockel Helgoland) (D70) 901 Doggerbank und angrenzende zentrale Nordsee (D71)

Ostsee 902 Westliche Ostsee (D72) 903 Östliche Ostsee (D73)