Schulze war eine Orgelbauerfamilie, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts im thüringischen Solsdorf, von um 1750 bis 1826 in Milbitz und von 1826 bis 1881 in Paulinzella tätig war.

Geschichte Hans Heinrich Schulze Hans Heinrich Schulze war der erste Orgelbauer der Familie Schulze. Von ihm ist lediglich ein einziges Werk in Cottendorf von 1705 bekannt.

Elias Schulze Hans Elias Schulze wurde am 26. November 1688 getauft und starb am 15. August 1762 in Solsdorf. Er war der Sohn von Hans Heinrich Schulze und sowohl als Tischler als auch als Orgelbauer tätig.

Johann Heinrich Schulze Johann Heinrich Schulze wurde am 16. August 1716 in Solsdorf geboren und starb 1762 in Nottleben. Er war der Sohn von Hans Elias Schulze.

Johann Daniel Schulze Johann Daniel Schulze wurde am 23. Mai 1720 in Solsdorf geboren und starb am 10. Mai 1785 in Milbitz. Er war ebenfalls ein Sohn von Hans Elias Schulze. Verheiratet war er mit Christiane Elisabeth Schulze, sie starb am 23. September 1810.

Johann Andreas Schulze mini|Prospekt von Johann Andreas Schulze (1789) in der Stadtkirche St. Marien (Stadtilm) Johann Andreas Schulze wurde am 23. September 1753 in Milbitz geboren und starb am 22. April 1806 in Milbitz. Sein Vater war Johann Daniel Schulze. Er trug den Titel „Fürstlich schwarzburgischer und gräflich priviligierter Orgelbauer“.

Johann Friedrich Schulze Johann Christoph Friedrich Schulze wurde am 27. Januar 1793 in Milbitz geboren und starb am 9. Januar 1858 in Paulinzella.

1806 trat Schulze in vierter Generation in das Geschäft seines Vaters Johann Andreas Schulze (1753–1806) ein und begann eine Ausbildung beim Orgelbauer Johann Benjamin Witzmann in Stadtilm. Geschwister hatte Johann Friedrich Schulze keine. 1815 machte er sich selbständig. Den Firmensitz verlegte er 1826 von Milbitz nach Paulinzella, war aber auch für einige Jahre in Mühlhausen/Thüringen tätig. Bald war er einer der berühmtesten Orgelbauer in Europa. Neben Eberhard Friedrich Walcker gilt Schulze als produktivster und fortschrittlichster deutscher Orgelbauer seiner Zeit.

Johann Friedrich Schulze heiratete 1820 Johanna Dorothea Sophia geb. Kühn aus Oberrottenbach. Das Ehepaar hatte eine Tochter und sechs Söhne, von denen zwei, nämlich Edmund Schulze und Eduard Schulze, ebenfalls Orgelbauer waren.

Schüler von Johann Friedrich Schulze Er war ein hervorragender Meister und Lehrer. Zu seinen Schülern gehörten: Friedrich Wilhelm Winzer, Friedrich Albert Mehmel, Wilhelm Heerwagen, Gebrüder Karl-August und Heinrich Louis Witzmann.

J. F. Schulzes Söhne Die Söhne Schulzes Edmund und Eduard führten nach dem Tod des Vaters 1858, unter Mitarbeit ihres Bruders Oskar, den väterlichen Betrieb unter der Firmierung „J. F. Schulzes Söhne“ fort. 1881 wurde nach dem Tod von Edmund, Oskar und Eduard Schulze das Unternehmen aufgelöst.

Edmund Schulze mini|Edmund Schulze Edmund Schulze wurde am 26. März 1824 in Milbitz geboren und starb am 13. Juli 1878 in Paulinzella. Er war ein Sohn von Johann Friedrich Schulze und führte ab 1858 die Firma zusammen mit seinem Bruder Eduard. Er baute einige Instrumente in England und nahm damit erheblichen Einfluss auf den englischen Orgelbaustil.

Bernhard Oskar Schulze Bernhard Oskar Schulze wurde am 9. Dezember 1825 in Milbitz geboren und starb am 3. April 1878 in Paulinzella. Er war ebenfalls ein Sohn von Johann Friedrich Schulze und kein Orgelbauer, sondern Mathematiker, Physiker, Chemiker und Philosoph. Er war, obwohl kein Orgelbauer, in der Werkstatt „J. F. Schulzes Söhne“ tätig.Der Musikwissenschaftler Otto Wangemann nannte ihn in seinem Werk Die Orgel, ihre Geschichte und ihr Bau. Mit authentischen Abbildungen und Original-Zeichnungen (Leipzig 1891) auf Seite 110 einen "Theoretiker" im Orgelbaufache.

Eduard Schulze Franz Eduard Schulze wurde am 21. März 1830 in Paulinzella geboren und starb am 11. Februar 1880 in Paulinzella. Auch er war ein Sohn von Johann Friedrich Schulze und führte ab 1858 die Firma zusammen mit seinem Bruder Edmund.

Herwart Schulze Herwart Schulze wurde am 27. Mai 1836 in Paulinzella geboren und starb am 7. September 1908 in Gräfinau. Er war der vierte Sohn von Johann Friedrich Schulze. Er war ebenfalls kein Orgelbauer, sondern als Bildhauer im Unternehmen tätig. Nach der Auflösung 1881 war er zum Teil in Nordhausen tätig.

Adolph Oskar Schulze Adolph Oskar Schulze wurde am 30. März 1857 in Paulinzella geboren. Er war der Sohn von Edmund Schulze und wanderte nach Amerika aus, wo sich seine Spuren verlieren. Ob er Orgelbauer war, ist nicht bestätigt.

Werkliste (Auswahl) Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ für ein angehängtes Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist oder lediglich noch der Prospekt aus der Werkstatt stammt.

Hans Heinrich Schulze Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1705 Cottendorf St. Katharina Neubau

Elias Schulze Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1738 Unterwirbach St. Gangolf II/P 15 Neubau, mehrfach umgebaut und umdisponiert 1740 Milbitz St. Nikolaus II/P 22 Neubau

Johann Heinrich Schulze Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1755 Dachwig St. Petri Neubau

Johann Daniel Schulze Johann Daniel Schulze baute Orgeln hauptsächlich im damaligen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt.

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1750 Oberhain St. Lukas Neubau 1752 Thälendorf Dorfkirche II/P 11 Neubau 1755 Königsee II/P 26 Neubau 1764 Altremda Dorfkirche Neubau 1766 Heilsberg St. Bonifatius II/P 17 Neubau, 1839 Umbau durch Johann Friedrich Schulze, 2012–2014 Restaurierung durch Eule 1774 Milbitz St. Nikolaus II/P 22 Neubau, unter der Mitarbeit von Johann Andreas Schulze, um 1870 Umdisponierung durch Edmund Schulze 1776 Ellichleben Zum Frieden Gottes 160x160px II/P 20 Neubau, 2003–2010 Restaurierung durch Orgelbau Schönefeld 1779 Oberweißbach Hoffnungskirche 160x160px|zentriert II/P 38 Neubau, 1894 pneumatischer Umbau durch Julius Strobel auf II/P, 27; 1991 Restaurierung durch Rösel & Hercher Orgelbau 1779 Engelsbach Kapelle Neubau, evtl. zusammen mit Johann Andreas Schulze 1780 Cottendorf St. Katharina I/P 8 Neubau, 1871 durch Neubau von Louis Witzmann unter Wiederverwendung zweier Keilbälge ersetzt 1783 Hochdorf St. Udalricus zentriert|160x160px II/P 17 Neubau, 1805 Umbau Johann Andreas Schulze

Johann Andreas Schulze Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1774 Milbitz St. Nikolaus II/P 22 Neubau, Mitarbeit bei seinem Vater Johann Daniel Schulze, um 1870 Umdisponierung durch Edmund Schulze 1785 Stadtilm St. Marien zentriert|160x160px Neubau, Gehäuse erhalten 1787 Kleinhettstedt Dorfkirche Neubau 1791 Quittelsdorf St. Wenzel II/P 22 Neubau 1796 Kahla St. Margarethen II/P 26 Neubau 1798 Auleben St. Petrus und Paulus II/P 22 Neubau, später mehrfach umgebaut und umdisponiert Orgel 1802 Haßleben St. Michael zentriert|160x160px II/P 33 Neubau, 1840 Erweiterung auf III/37 durch Johann Friedrich Schulze 1805 Hochdorf St. Udalricus zentriert|160x160px II/P 17 Umbau der Orgel von Johann Daniel Schulze von 1783 vor 1806 Hengelbach Dorfkirche Neubau, Gehäuse erhalten vor 1806 Rittersdorf St. Georg Neubau vor 1806 Geilsdorf Dorfkirche Neubau vor 1806 Niederwillingen St. Peter und Paul Neubau

Johann Friedrich Schulze Von Johann Friedrich Schulze sind mehr als hundert Neubauten und weitere Arbeiten bekannt, vor allem in Thüringen, aber auch in Norddeutschland und an anderen Orten. Einige sind erhalten.

Jahr Opus Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1814 Traßdorf Dorfkirche II/P 14 Neubau, Fertigstellung 1815 1 Horba Dorfkirche I/P 10 Neubau 1815 Mellenbach St. Katharin II/P 18 Neubau 1817 Weimar St. Jakob zentriert|160x160px II/P 18 Neubau, Gehäuse erhalten 1817 Horsmar St. Pankratius II/P 16 Neubau im alten Prospekt 1821 Allendorf Heilig Kreuz II/P 16 Neubau, unter Verwendung von Teilen der Vorgängerorgel von Johann Andreas Schulze von 1779, 2013 Restaurierung durch Eule Orgelbau 1821 Rottdorf Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 10 Neubau 1823 Mühlhausen Divi Blasii III/P 34 Neubau, 1959 ersetzt durch die „Bach-Orgel“ von Alexander Schuke Potsdam Orgelbau 1825 Rettwitz Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 9 Neubau 1825 Großrettbach St. Gotthard zentriert|160x160px II/P 15 Neubau 1826 Weimar Herderkirche zentriert|160x160px III/P 58 Umbau der Trampeli-Orgel 1813 1826 Mühlhausen St. Kiliani I/P 8 Neubau 1826 Zimmern St. Martini I/P 10 Neubau 1826 Siebleben St. Helena zentriert|160x160px II/P 28 Neubau, Gehäuse erhalten 1827 Rastenberg Liebfrauenkirche II/P 25 Neubau 1828 Großfurra St. Bonifatius II/P 16 Neubau, Gehäuse erhalten 1828 Kaisershagen St. Gotthardi 160x160px|zentriert II/P 10 Neubau, unspielbar erhalten 1829 Reiser St. Johannes I/P 6 Neubau 1829 Schwarza Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 9 Neubau, zusammen mit August Witzmann als Geselle 1830 Nägelstedt St. Georg II/P 19 Neubau 1830 Görmar St. Martin I/P 10 Neubau 1831 Windeberg St. Nikolaus I/P 12 Neubau 1832 Gräfinau-Angstedt Kirche St. Maria zentriert|160x160px II/P 21 Neubau 1832 Thangelstedt St. Georg I/P 10 Neubau, 1896 verbrannt 1832 Kiliansroda Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 7 Neubau, unter Verwendung von Teilen der alten Orgel aus Thangelstedt 1833 Heiligenstadt St. Martin II/P 25 Neubau, 1973 durch Neubau von Gerhard Böhm ersetzt 1833 Mühlhausen St. Petri zentriert|160x160px II/P 18 Neubau, Gehäuse erhalten, 1910 durch Neubau von Rühlmann ersetzt 1834 Hopfgarten St. Veit zentriert|160x160px II/P 26 Neubau, Orgelabnahme durch Johann Gottlob Töpfer 1834 Dörna St. Georg II/P 26 Neubau, 1985 ersetzt durch Wender-Orgel aus der Allerheiligenkirche in Mühlhausen 1834 Schwerstedt St. Peter und Paul zentriert|160x160px II/P 10 Neubau 1835 Sargstedt St. Stephanus II/P 18 Neubau → Orgel 1835 Herschdorf Dorfkirche II/P 21 Neubau, zusammen mit Johann Michael Menger 1836 Quedlinburg St. Benedikti III/P 44 Umbau der Orgel von 1667 Orgel 1837 Unterpörlitz Dorfkirche II/P 16 Neubau 1837 Felchta St. Petrus zentriert|160x160px I/P 8 Neubau, erhalten; 2015 Instandsetzung durch Orgelbau Brode 1838 Merxleben St. Martini II/P 14 Neubau 1838 Großgrabe St. Georg zentriert|160x160px II/P 20 Neubau 1838 Wismar St. Marien II/P 17 Neubau, Interimsorgel, 1842 Umgesetzt nach St. Nicolai, Röbel; 1869 neuer Zinn-Prospekt, 1987 abgerissen, Gehäuse erhalten 1838 Halberstadt St. Martini zentriert|160x160px III/P 47 Umbau der Beck-Orgel von 1596 → Gröninger Orgel 1839 Weißenfels Schlosskirche St. Trinitatis II/P 32 Umbau der Förner-Orgel von 1673 1840 Warza St. Johannes 160x160px|zentriert II/P 20 Neubau 1840 Eldena St. Johannes II/P 20 Neubau, zusammen mit Johann Michael Menger 1840 Bad Berka St. Marien 160x160px|zentriert II/P 26 Umbau der Trebs-Orgel von 1743 1841 Wismar St. Marien III/P 58 Neubau, 1945 zerstört 1841 Gotha Augustinerkirche 160x160px|zentriert II/P 34 Neubau, um 1934 ersetzt durch Neubau von Wiegand Helfenbein 1842 Trzebiatów St. Marien zentriert|160x160px II/P 32 Neubau 1843 Halle St. Moritz zentriert|160x160px III/P 39 Neubau, Gehäuse erhalten 1843 Prettin St. Marien zentriert|160x160px II/P 28 Neubau 1843 Heringen St. Michael zentriert|160x160px II/P 25 Neubau