Die Munduruku (Mundurukú, Mundurucú) sind ein indigenes Volk, das heute im Bundesstaat Pará im brasilianischen Amazonas-Gebiet am oberen Rio Tapajós lebt.

Bekannt sind die Munduruku vor allem für ihre ausgedehnten, im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bis weit ins 19. Jahrhundert geführten Kriegszüge, ihre Tätowierungen und die Kopfjagd. Im Jahr 1794 wurden sie von den Portugiesen besiegt und halfen diesen daraufhin bei der Kriegsführung gegen andere indigene Gruppen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert betrieben die Munduruku regen Tauschhandel, vor allem mit Federschmuck, wodurch viele Objekte durch europäische Forschungsreisende in die Kunstsammlungen europäischer Herrscher gelangten.

Am 22. März 2004 hat Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva genau 2.381.000 Hektar Land den 7.000 Indios der Munduruku im Amazonas-Gebiet übergeben. Das entspricht etwa der Fläche der Toskana.

Entdeckung und Geschichte Die Munduruku wurden erstmals 1768 durch Monteiro Noronha als „Maturucu“ erwähnt, die damals am Rio Maués lebten. 1769 zogen die kriegerischen Mundurucú zum Tapajós und verdrängten die dort lebenden Jaguain bis zum Fluss Madeira, so dass man Truppen gegen sie aussandte. Weitere Eroberungszüge blieben größtenteils erfolglos, das große Gebiet wurde aufgegeben.

Zu den Weißen entstand eine friedliche Beziehung, die auf Handel basierte (Rohstoffe wie Salz, Zucker und Kautschuk wurden gegen Werkzeuge, Waffen und Kleidung getauscht). Doch schrumpfte das Munduruku-Territorium seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als Folge der massiven Gewinnung von Kautschuk und anderen Rohstoffen.

Die Eigenbezeichnung Wuyjuyu oder Weidyénye für die Ethnie, nicht aber die Sprache, bedeutet „Die Unseren“. Ihre Nachbarn, die Parintintin, gaben ihnen den Namen Munduruku, was „Rote Ameisen“ bedeutet und sich auf ihre Art, als großes Heer anzugreifen, bezieht. Sie werden aber auch als Caras pretas (dunkle Antlitze) bezeichnet, weil sie den Brauch pflegen, Gesicht und Körper in dichten Linien zu tätowieren. In: Linguamón. Sprachen der Welt. Abgerufen am 23. Dezember 2013.

Im Juni 2013 wurde eine Gruppe bewaffneter Mukuruku, die für ihre Belange demonstrierte, von der Polizei daran gehindert, in den Präsidentenpalast in Brasilia einzudringen. In: Focus online. 12. Juni 2013.

Unter anderem am Widerstand der Mundukuru scheiterte ein Staudammprojekt am rio Tapajós, einem der großen Nebenflüsse des Amazonas, das 200.000 Hektar Urwald bedrohte. Unterstützung erhielten sie von katholischen Bischöfen. 2016 wurde das mit Korruptionsskandalen in Verbindung gebrachte Projekt abgesagt.Doku über den Widerstand der Munduruku, Zugriff am 3. September 2018.

Sprache Die Munduruku sprechen Mundurukú, eine Sprache der Tupí-Sprachfamilie, deren Idiome, u. a. das bekanntere Guaraní, zu den verbreitetsten Indianersprachen Südamerikas gehören (zur Geschichte siehe Tupí im engeren Sinn).

Die Situation der Sprache ist heute relativ stabil. Nur Gruppenmitglieder, die in Dörfern nahe der Stadt leben, und junge Erwachsene, die sich bereits in der Stadt niedergelassen haben, sprechen Portugiesisch. Die meisten Älteren, Frauen und Kinder, sowie alle in isolierten Dörfern Lebenden sind einsprachig in ihrer autochthonen Sprache.

Nach Ansicht französischer Wissenschaftler haben die Munduruku ein eingeschränktes Vokabular für Zahlen. Sie besitzen z. B. keine Zahlwörter für Zahlen größer als 5, können aber Schätzungen und approximative Rechenoperationen mit größeren Mengen vornehmen, die relativ akkurat sind.Alex Bellos Riley: Alex's adventures in numberland. London: Bloomsbury, 2010, ISBN 978-1-4088-0959-4. Daher sind sie zum Studienobjekt für die Erforschung des mathematischen Denkens geworden. Mit Hilfe geeigneter Untersuchungsprogramme am Laptop konnte mit ihnen eine grundsätzlich logarithmische mathematische Denkstruktur des Menschen nachgewiesen werden.P. Pica, Cathy Lemer, V. Izard, S. Dehaene: Exact and approximate Arithmetic in an Amazonian Indigene Group. In: Science. Band 306, 2004, S. 499–503. (www.sciencemag.org)

Regionale Gruppen Als regionale Gruppierungen gelten: Tapajóz River Group (auf beiden Seiten des Tapajóz) Madeira River Mundurucú (abhängig von den Canumá) Xingú River Mundurucú („Curuaya“) Juruena River Mundurucú (Njambikwaras, umstritten) Wiaunyen (evtl. eine weitere Gruppe der Mundurucú)

wobei es zweifelhaft ist, ob diese Einteilung richtig ist, vermutlich sind die Njambikwara keine Mundurucú und die Wiaunyen ein weiterer Unterstamm der Mundurucú.

Population

(Anstieg der Population vor/während der Eroberungszüge) 1820: 18.000 – 40.000 (Reisebericht des Botanikers Carl Friedrich Philipp von Martius)Joh. Bapt. von Spix, Carl Friedr. Phil. von Martius: Reise in Brasilien in den Jahren 1817–1820. München 1823–1831. 1877: 21 Dörfer, 18.910 Einwohner (Tocantins) 1900: 37 Gemeinschaften, 1.400 Einwohner (Campana) 2004: 7.000 (Gesellschaft für bedrohte Völker) 2009: ca. 11.000 (Nationale Gesundheitsbehörde) (PDF)

Militärische Organisation, Kriegführung und Kriegssitten Krieger wurden von Frauen und Kindern zur Unterstützung begleitet. Vor Beginn einer Kriegsexpedition (meist in der Trockenzeit im Sommer) wurde ein Stab in das Kriegerhaus gereicht und jeder teilnehmende Krieger ritzte einen Strich in diesen Stab, dies gleicht einem rituellen Treuegelöbnis dem Kriegsanführer gegenüber. Frauen nahmen an Kampfhandlungen nicht teil, aber versuchten offenbar, die Pfeile der Gegner zu fangen. Der Kriegsanführer stand hinter dem Schlachtfeld und „dirigierte“ die Schlacht mittels Signalen. Wurde ein Krieger verwundet, wurde sein Name ein Jahr lang nicht ausgesprochen und er wurde für tot „gehalten“, danach wurde ein Fest zu seiner Reintegration in die Gemeinschaft gegeben. Kriegsgefangene Frauen heirateten Munduruku-Männer, gefangene Kinder wurden adoptiert, Köpfe der getöteten Männer wurden als Trophäen aufbewahrt. Die Verbreitung von Kannibalismus ist wissenschaftlich umstritten (vgl. Strömer pro, Kruse contra).

Siedlungsweise

Es wird sowohl von offenem Dorfbau um eine plaza herum ausgegangen (Tocantins und Farabee), als auch verstreuter Häuserbau dokumentiert (Bates), oder reihenartiger Häuserbau um eine Lichtung (Martius). Es kommen eigene Männerhäuser (Gabelbau) für die Krieger und Unverheirateten vor, teilweise in besonders großer Bauart, 100 m lang (Tocantins). Frauen ist der Zutritt dort verwehrt. Als Wohnhaus wurden rechteckige, fensterlose Mehrfamilienhäuser mit niedrigen Wänden und hohem Dach gebaut. Jede Familie hat ihre eigene Feuerstelle darin. Wie viele in einem Haus lebten, ist unklar.

Wirtschaftsweise Die Munduruku betreiben Jagd auf Tapire sowie Krokodile, wobei als Waffen Bogen mit Giftpfeilen verwendet werden. Zudem werden in Netzen Fische gefangen und Beeren, Wurzeln und Früchte gesammelt. Die vorwiegenden Wirtschaftsformen sind der Anbau kultivierter Pflanzen, wie Süßkartoffeln, Tabak, Reis und Bananen, außerdem die Viehhaltung. Das Zubereiten der Nahrung ist Frauenarbeit.

Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände Die Munduruku stellen qualitativ minderwertige Keramik wie Vasen, Körbe aus Ranken und Stroh, sowie verschiedene Waffen her. Zu diesen gehören Bogen mit Pfeilen aus Schilf und Holz, teilweise mit vergifteter Spitze, Speere, Äxte und „Schwerter“ aus Bambus. Auch Steingegenstände dienten früher als Waffen, kommen heute aber nur noch als Kinderspielzeug vor.

Handel Trotz Feindschaft mit den Nachbarn wird Handel mit Federschmuck betrieben. Vermutlich besteht auch wirtschaftliche Abhängigkeit hinsichtlich Giftquellen für den Pfeilgebrauch.

Kleidung Die Alltagskleidung besteht aus dreieckigen Penislitzen (Überzug) aus Wolle; für Riten werden sehr fein und hochwertig gearbeitete Federkleidung für verschiedene Körperteile angefertigt.

Die Munduruku gehörten gemeinsam mit den Mauhé zu den größten Federkünstlern Amazoniens. Zu den zahlreichen Federarbeiten zählen beispielsweise Federhauben mit Nackenfedern, capeartig getragene Federstränge, Federmosaike und von Anführern getragene Federzepter. Typisch ist hierbei die Kombination von roten, gelben und schwarzen Federn, die sogenannte Tupí-Farbkombination. Die im Federschmuck verarbeiteten Federn kommen größtenteils von Papageien, die von den Munduruku in Käfigen gehalten werden. Nachdem die Vögel gerupft wurden, werden die Federn zunächst nach Farben in Körben oder Palmröhren sortiert. Dabei wurden nahezu ausschließlich Arafedern, aber auch Federn des Rotschnabelhokkos sowie seltener des Trompetervogels verwendet. Verarbeitet wurden meist nur gelbe, rote, blaue und schwarze Federn, während braune und weiße nur äußerst selten vorkommen. Angeblich waren die Munduruku auch dazu in der Lage, die Farbe der Federn am lebenden Vogel zu verändern. Hierfür wurde der Vogel gerupft und seine Haut mit einem Froschsekret eingerieben, wodurch die Federn in einer anderen Farbe nachwuchsen. Oft wechselte hierbei die Farbe von grün zu gelb. Um den Federschmuck herzustellen, wurden die Federn meist auf einem Netzgewebe befestigt, wobei die Befestigungen großer Federn oft von Rosetten aus kleinen Federn verdeckt werden. Effekte werden durch alternierende Farben erzielt. Der Federschmuck war ein fester Bestandteil des Ritualszykluses um die Kopfjagd. Dabei wurde auch Federschmuck vom Gegner erbeutet und wie eigener weitergehandelt.

Das Wissen um die Herstellung und den Gebrauch des traditionellen Federschmucks ist allerdings schon seit über 100 Jahren verschwunden.

Tätowierungen und Körperbemalungen mini|Hercule Florence: Indios Munduruku (1828)

Die Körperbemalung besteht aus weit auseinander liegenden, parallelen Linien, die vertikal auf den Gliedmaßen und Torso angeordnet sind, gelegentlich auch horizontale Anordnung. Bis in die 1940er Jahre trugen Männer und Frauen Tätowierungen die ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr gestochen wurden.

Soziale Organisation Die Munduruku haben traditionell ein patrilineares Verwandtschaftssystem mit Matrilokalität.Robert F. Murphy: Matrilocality and Patrilineality in Mundurucu Society. In: American Anthropologist. Vol. 58, Nr. 3, 1956, S. 414–433. Etwa 38 Clans, deren Mitglieder mit namensgebenden Pflanzen und Tieren verbunden sind, gehören zu je einem von zwei exogamen Teilstämmen, die „roten Hälfte“ und der „weißen Hälfte“. Polygamie (Leviratsehe) wird von Männern höheren Ranges praktiziert. Mädchen können früh mit älteren Kriegern verlobt werden, auch wenn die Ehe erst ab der Pubertät in Kraft tritt. Bis dahin versorgt der Krieger die Familie des Mädchens mit. Die Wohnungsnahme erfolgt matrilokal: Ein junger Krieger kann sich durch mehrjährigen Dienst bei der Familie der Verlobten profilieren. Der verheiratete Krieger tritt dann in den Haushalt des Schwiegervaters ein.Brasilienportal Bei Ehebruch wird die schuldige Person vom Stamm ausgeschlossen.

Kulturelemente Tätowierungen (parallele Linien), Federschmuck, Feste zur Fruchtbarkeit und früher auch verschiedene Aspekte der Kriegführung (Rituale zur Kriegerinitiation, Kriegerhaus…); div. Kosmogonien und mythologisierte Problemstellungen, die in der Familie auftreten können (Inzest usw.). Schamanen heilen und regeln den Lebensablauf.

Religiöse Zeremonien