mini|Eingangsbereich zum alten Areal von Zbrojovka Brno Die Zbrojovka Brno (deutsch: Waffenwerke Brünn), die 1918 als Československá státní zbrojovka (Tschechoslowakische staatliche Waffenfabrik) gegründet wurde, gehörte zu den bedeutendsten Konzernen der Rüstungs- und Maschinenbauindustrie in der Tschechoslowakei und war bei einigen Produkten führend in der Welt. Ihre Produkte, zu denen außer Waffen (Gewehre, Maschinengewehre, Pistolen) auch Automobile, Traktoren, Werkzeugmaschinen, Motoren und andere gehörten, wurden meist unter dem Markenkürzel Z beziehungsweise ZB hergestellt.
Die 1918 gegründete und zuletzt unter dem Namen Zbrojovka Brno tätige traditionsreiche Firma wurde 2006 nach einem Konkurs abgewickelt; das 2004 entstandene Unternehmen Brno Rifles, das sich Lizenzen und Markenrechte besorgte und 2010 in Zbrojovka Brno umbenannt wurde, produziert als Tochtergesellschaft der Česká zbrojovka (Uherský Brod) (ČZUB) mit dem 2010 erstandenen Namen bis heute.
Firmengeschichte mini|hochkant|Flugabwehrkanone PLDvK vz. 53/59 auf Lafette In Brünn befanden sich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die österreichisch-ungarischen Artilleriewerkstätten, die K. u. k. Waffenhauptfabrik – Filiale in Brünn (1916–1918), eine Filiale des Wiener Arsenals, die für die k.u.k. Armee Waffen herstellte.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurden das Areal und die Werkstätten im November 1918 durch den Brünner Nationalausschuss übernommen und trugen verschiedene Namen, wie Státní zbrojovka a strojírna v Brně bzw. Československá zbrojovka a strojírna v Brně (Staatliche bzw. Tschechoslowakische Waffen- und Maschinenbaufabrik in Brünn). Es wurden vor allem verschiedene Maschinenteile repariert. Am 20. Januar 1919Die ebenfalls (selten) anzutreffende Angabe 1. Februar 1919 ist offensichtlich fehlerhaft. wurde das Werk zur Československá státní zbrojovka (Tschechoslowakische staatliche Waffenfabrik) umbenannt.Auszug aus der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums in Prag, online auf: upm.cz/…Historie Zbrojovky Brno [Geschichte der Zbrojovka Brno], Portal der Firma, online auf: zbrojovka-brno.cz/…David Pazdera: Zbrojovka Brno – high quality firearms since 1918?, online auf: Ab 1923 hieß das Unternehmen Československé závody na výrobu zbraní (Tschechoslowakische Fabrik für die Herstellung von Waffen). 1924 kam es zu einer rückwirkenden Umbenennung auf Československá zbrojovka Brno, die Firma wurde zugleich zur Aktiengesellschaft.Jaromír Vykoukal: Zbraně pro pěchotu první republiky 3. díl. Kapitola třetí: Vybudování československého moderního zbrojního průmyslu (Die Entstehung der modernen tschechoslowakischen Industrie), online auf: vojsko.net/…Založena Československá státní Zbrojovka, Beitrag in Internetová encyklopedie dějin města Brna (Online-Enzyklopädie der Stadt Brünn), online auf: encyklopedie.brna.cz/… Nach der Besetzung der Tschechoslowakei wurde das politisch unerwünschte Attribut „tschechoslowakisch“ aus dem Namen gestrichen und es entstand die Zbrojovka Brno, die den Hermann-Göring-Werken unter dem deutschen Namen Waffenwerke Brünn angegliedert wurde. Am 27. Oktober 1945 wurde die Fabrik verstaatlicht und hieß weiterhin tschechisch Zbrojovka Brno. In der Zeit 1954 bis 1968 trug das Unternehmen den Namen Závody Jana Švermy Brno (Jan-Šverma-Werke Brünn), danach kam es zu einer Rückumbenennung in Zbrojovka Brno.VHJ Závody Jana Švermy Brno, online auf: historiepocitacu.cz/vhj-zavody-jana-svermy-brno Nach 1989 hat die Firma wieder die Rechtsform einer Aktiengesellschaft angenommen.
Bereits in den 1960er-Jahren nahm die kommunistische Regierung Umschichtungen und Ausgliederungen der Produktion vor (insbesondere in den 1980er Jahren zugunsten der Firma Česká zbrojovka in Uherský Brod, auch ČZUB, welche die Produkte jedoch weiterhin unter dem ursprünglichen Markenzeichen ZB vermarkteteBrno Arms (Zbrojovka Brno) Gun Values, online auf: ); auch infolgedessen geriet das Unternehmen unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen in den 1990er-Jahren zunehmend in Schwierigkeiten. Dem versuchte man entgegenzutreten, indem 1999/2000 ein Umbau des Unternehmens durchgeführt wurde, der darin bestand, dass eine Holding mit vier durch Produktionsausgliederung entstandene Tochterfirmen errichtet wurde: Zbrojovka Brno Trade Zbrojovka Brno Arms Zbrojovka Brno Metal (gegründet 1999, durch Beschluss der Gesellschafter zum 13. Juni 2006 aufgelöstZbrojovka Brno Metal s.r.o. - v likvidaci, Brno IČO 25564366 – Obchodní rejstřík firem, Auszug aus dem Handelsregister, online auf: rejstrik-firem.kurzy.cz/...) Zbrojovka Brno Technologies (nach dem Konkurs von 2002 ersetzt durch Zbrojovka Brno Výroba)
Die Mutterfirma selbst schrumpfte zusammen und beschäftigte 2001/2002 nur ein Dutzend Angestellte.Zbrojovka Brno je od konce letošního března v konkursu, in: Konkursní noviny (Konkurs-Zeitung) 16. April 2003, online auf: Jan Dvořák: CO JE NOVÉHO VE ZBROJOVCE BRNO?, Agrární WWW portál AGRIS, 5. Dezember 2000, online auf: agris.cz/… Im März 2003 musste Zbrojovka mit den Tochtergesellschaften nichtsdestoweniger Konkurs anmelden, sie wurde abgewickelt, die Produktion 2006 eingestellt und 2007 wurde das firmeneigene Gelände einschließlich Immobilien und Inventar versteigert.Wir über uns, Portal der Firma, online auf: zbrojovka-brno.cz/…
Parallel dazu wurde am 14. Mai 2004 die Firma Brno Rifles als eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der ČZUB gegründet, die schon früher Repetierbüchsen für Jäger herstellte und Interesse an vorhandenen Neukonstruktionen von Zbrojovka hatte. Bereits 2006 ersteigerten ČZUB und Brno Rifles Teile der Produktionsstätten von Zbrojovka Brno und übernahmen die meisten Beschäftigten. Nachdem Mitte 2010 die ČZUB die Markenrechte und das Logo der Zbrojovka Brno für sich sichern konnte, benannte sie am 2. Juli 2010 die Tochtergesellschaft Brno Rifles in Zbrojovka Brno (GmbH) um. Výpis z obchodního rejstříku. ZBROJOVKA BRNO, s.r.o., C 45994 vedená u Krajského soudu v Brně (Auszug aus dem Handelsregister des Justizministeriums), online auf: or.justice.cz/…ZBROJOVKA BRNO, s.r.o., online auf: daty.cz/…Zbrojovka Brno pokračuje, Brno Rifles nekončí, in: Myslivost 12/2010, S. 80, online auf: myslivost.cz/… Auch wenn beispielsweise die heute erreichbare Webseite „Zbrojovka Brno“ gepflegt wird und sich auf die Tradition bis hin zum Jahr 1918 beruft, sollten diese zwei Unternehmen miteinander nicht vertauscht werden.ZBROJOVKA BRNO Gun Values, online auf:
Entwicklung der Produktpalette Die erste Tätigkeit der neuen Waffenfabrik entsprach keineswegs den Ansprüchen, gemessen an dem Namen des Unternehmens. Es handelte sich um Reparaturen militärischer Werkzeuge, Schmiede- und Metallverarbeitungsarbeiten. Erst ab Frühjahr bzw. Sommer 1919 wurden Gewehre hergestellt. Die neue entstandene Tschechoslowakei baute eine eigene Armee auf und wollte die Waffen selbst herstellen. Während einige Schwerindustriebetriebe wie Škoda Pilsen oder ČKD mit der Herstellung von Kanonen, Panzern und gepanzerten Wagen beauftragt wurden sowie beispielsweise Avia, Aero oder Letov mit der Produktion von Flugzeugen, fiel der Zbrojovka die Aufgabe zu, Infanteriewaffen herzustellen – diese Produktion lief etwa ab Frühjahr 1919 an und die Firma gelangte zu einem guten Weltruf.David Sáňka: Zbrojní průmysl v ČR – historie a perspektivy, Bachelorarbeit an der Wirtschaftsuniversität Prag, online auf: www.vse.cz/…, S. 17
mini|Motorrad Manet-90 In den 1920er- und 1930er-Jahren verwandelte sich das Unternehmen zu einem weltweit operierenden Mischkonzern mit dem Schwerpunkt Feuerwaffen, wo es weltweit zu den Marktführern gehörte, daneben aber auch Werkzeugmaschinen, Druckmaschinen, Industriewaagen, Pressen, Motorräder (so die Prototypen der Marke Manet oder Z 2) und Fahrräder (Marke Z mit einem optionalen Motorantrieb), Automobile, Flugzeugmotoren, Spezialwerkzeuge, elektrotechnische Geräte. Das Unternehmen besaß Produktionsstätten in 70 Ländern der Welt.Eva Staffová: ZBROJOVKA BRNO, Diplomarbeit an Fakultät für Architektur der TU Brünn, online auf: vutbr.cz/…, S. 5Z historie firmy Zbrojovka Brno mezi dvěma světovými válkami, in: Bulletin A.S.I. (Asociace strojních inženýrů ČR), 49/2010, online auf: asicr.cz/…
Während des Zweiten Weltkrieges fertigte das Unternehmen für die Wehrmacht und Waffen-SS deutsche Gewehre wie den Mauser-Karabiner 98k und das Gewehr 33/40 sowie ehemals tschechische Modelle unter neuen Bezeichnungen; produziert wurde auch ein Maschinengewehr und eine Flugabwehrkanone.
In der Nachkriegszeit musste Zbrojovka Brno in der zentralistisch geleiteten Wirtschaft auf Teile der Produktion, insbesondere die Waffenproduktion, verzichten, es blieben nur Sport- und Jagdwaffen. Die Produktion wurde auf „zivile“ Bereiche umorientiert, darunter Büro- und Kommunikationstechnik, EDV und Rechentechnik, Dieselmotoren für Traktoren, Werkzeugmaschinen und andere. In den 1980er-Jahren arbeiteten im Werk an die 10.000 Beschäftigte.
Infanterie- und sonstige Waffen mini|Gewehr vz. 24 mini|Maschinengewehr Bren Am Anfang beschäftigte sich die Zbrojovka insbesondere mit Reparaturen von Gewehren und Maschinengewehren, es wurden auch Ersatzteile hergestellt. Es handelte sich um das Gewehr Mannlicher 1895 sowie das Maschinengewehr Schwarzlose aus Restbeständen der österreichischen Armee in größerer Zahl.
Aus dem Schwarzlose-MG wurde das eigene Model vz. 7/24 (bzw. M07/24) entwickelt und in großer Zahl hergestellt. Die Produktion beziehungsweise Weiterentwicklung der Mannlicher-Gewehre wurde zugunsten der Modelle von Mauser weitgehend aufgegeben. Da infolge des Versailler Vertrages die Waffenproduktion in Deutschland stark eingeschränkt wurde, kaufte die Firma (mit einer finanziellen Hilfe des Verteidigungsministeriums in Prag) den kompletten Maschinenpark, die Lizenzen und die Dokumentation der Repetierbüchse Mauser Karabiner 98 in Oberndorf – genauso wie die Lizenz der Pistole Mauser 1914. Diese beiden Waffen wurden unter den Bezeichnungen Gewehr vz. 24 und Pistole vz. 24 hergestellt; der Konstrukteur der Pistole, Ing. Josef Nickl, arbeitete später selber in Brünn. Besonders das Gewehr vz. 24 wurde zu einem Erfolgsprodukt der Zbrojovka Brno: von diesem Modell wurden bis 1938 2 Millionen Stück hergestellt, die tschechoslowakische Armee kaufte etwa 750.000 Stück, der Rest wurde in die ganze Welt exportiert.