Štěpán z Pálče (deutsch Stephan von Palec, , * um 1370; † 1424) war ein böhmischer Theologe und Rektor an der Prager Karls-Universität sowie führender Vertreter der Hussiten.
Leben Er wurde in einem kleinen böhmischen Dorf Páleč geboren, studierte an der Prager Karls-Universität und legte dort 1386 die Prüfung als Bachelor und 1391 als Meister der Freien Künste ab. 1396 bis 1399 war er als Magister artium an der Universität tätig, 1399 wurde er zum Dekan der Fakultät berufen und 1400 zum Rektor der Universität. 1403 legt er weitere Prüfungen in Theologie ab, 1411 wurde er Magister der Theologie, 1412 Dekan der Fakultät für Theologie.
Anfang des 14. Jahrhunderts stand er gemeinsam mit Stanislaus von Znaim, Matěj z Knína, Jan Hus und Hieronymus von Prag auf der Seite der Verfechter der Lehre von John Wyclif. Gegenspieler waren damals die Normalisten Johannes Otto von Münsterberg, Jan Hubner und Jan Arsen z Langenfeldu. Das Streitgespräch gipfelte 1409 im Kuttenberger Dekret und dem Weggang ausländischer vornehmlich deutscher Professoren von der Universität, u. a. nach Leipzig an die Universität Leipzig. Dadurch verlor diese ihre bisher starke Stellung in Europa, von der sie sich nie mehr richtig erholte. So durften nach den Hussitenkriegen beispielsweise nur noch Utraquisten lehren und studieren.
Er predigte mit ihnen gemeinsam an der Kirche des Hl. Havel in Prag, nahm an der Reise der Hussiten nach Rom teil, in der sie dem Papst ihre Ansichten darlegen wollten. In Bologna wurde er jedoch gefangen genommen und erst nach Intervention durch Wenzel IV. wieder freigelassen. Eine Zeit lang vertrat er noch die Wertvorstellungen der Hussiten, kehrte dann aber 1412 von dieser Lehre ab. 1413 wird er zum Kanoniker auf der Prager Burg.
Von 1414 bis 1417 nahm er am Konzil in Konstanz teil. Hier trat er als engagierter Gegner des Jan Hus auf und war maßgeblich an dessen Verurteilung beteiligt. Später wandte er sich wieder den Reformern zu. Nach dem Konzil nahm er 1418 eine Stelle an der Universität Krakau an.
Werke Štěpán z Pálče verfasste mehrere philosophische, teils polemische Schriften. Teilweise befassten sich diese mit seiner Lehre an der Universität, meist jedoch mit Glaubensfragen. Diese waren zunächst reformorientiert, später wandte er sich gegen die Reformer.
Schriften Tractatus gloriosus Replicatio contra quiddamistas Antihus Tractatus contra quattuor articulos Hussitarum Sermo – Resistite fortes in fide Postilla super epistolam ad Romanos Postilla super 1 Cor. De Assumptione B. Mariae Virginis – 1407 Contra duos articulos Vicleph – 1412 Ad clerum – 1420 De Epiphania Quaestio de universalibus Lectura super duos libros sentenciarum Recommendatio theologiae Kommentar zum Wiclifs Traktat De universalibus
Siehe auch Liste der Rektoren der Karls-Universität
Literatur
Václav Novotný: Mistr Jan Hus, 2 Bände, Praha 1919–1921. František Michálek Bartoš: České dějiny, Praha. Ryszard Palacz: Stefan Paleš. In: Materiały i studia do dziejów historii filozofii w Polsce, 1967. Pavel Spunar: Repertorium auctorum bohemorum provectum idearum post universitatem Pragensem conditam illustrans, Wrocław, Warszawa 1985. Vilém Herold: Pražská univerzita a Wyclif, Praha 1985.
Weblinks
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