Friedrich Wilhelm Winzer (* 8. März 1811 in Mellenbach; † 2. März 1886 in Wismar) war ein deutscher Orgelbaumeister.
Leben Friedrich Wilhelm Winzer wurde in Mellenbach geboren. Seine Eltern waren der Zimmermann Johann Michael Winzer, seine Mutter war Catharine Margarethe Winzer, geb. Francke. Winzer erhielt seine Ausbildung bei Johann Friedrich Schulze in Paulinzella und war auch mehrere Jahre dessen Mitarbeiter. Weitere Firmen, in denen Winzer tätig war, sind nicht bekannt. So arbeitete er auch an den Orgeln in Halberstadt und Wismar. Nach dem Bau der Orgel in der Wismarer Marienkirche ließ er sich 1840 nieder und baute sich dort eine Werkstatt auf. Am 19. Juli 1841 wird Winzer Bürger der Stadt Wismar. Er orientierte sich an den damals fortschrittlichen Prinzipien des Orgelbautheoretikers Johann Gottlob Töpfer, eines Freundes von Franz Liszt.Lexikon norddeutscher Orgelbauer Band 4, Pape Verlag Berlin 2017, S. 624.
In Wismar heiratete er am 23. August 1846 in der Marienkirche seine Frau Louise Elisa Sophie Winzer, geb. Reinke.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Trauungen 1792 bis 1866. S. 591 im Digitalscan. Filmnummer 69653. Sie wurde am 14. Mai 1828 in Mittel Wendorf (Gemeinde Proseken) geboren.Kirchenbuch Proseken. 1805 bis 1889. S. 62 im Digitalscan. Filmnummer 69453 Die beiden bekamen einen Sohn, Louis Friedrich Winzer. Dieser wurde am 7. November 1847 in Wismar geboren.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Taufen 1844 bis 1866. Filmnummer 69654. Kurz nach der Geburt des Kindes, am 16. November 1847, verstarb Winzers Frau Louise im Alter von 19 Jahren.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Sterbefälle 1838 bis 1876. Filmnummer 69654. Louis Winzer verließ am 1. September 1866 Mecklenburg in Richtung New York. Mit dem Schiff „Palmerson“ fuhr er von Hamburg nach Amerika (New York). Als Beruf wird Commis (von frz. commis = Gehilfe) angegeben. Dies ist eine veraltete Bezeichnung für einen Kontoristen, Handlungsgehilfen oder kaufmännischen Angestellten. Weitere Daten über ihn sind bisher unbekannt.Hamburger Passagierlisten 1850 bis 1934. Band 20 (1866) . S. 499 im Digitalscan. Filmnummer PL 175.
Am 25. Oktober 1850 heiratete Winzer die Schwester seiner verstorbenen Frau.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Trauungen 1792 bis 1866. S. 602 im Digitalscan. Filmnummer 69654. Wilhelmine Marie Henriette Winzer, geb. Reinke, wurde am 7. Mai 1831 in Mittel Wendorf (Gemeinde Proseken) geboren.Kirchenbuch Proseken. 1805 bis 1889. S. 70 im Digitalscan. Filmnummer 69453 Die beiden bekamen einen Sohn. Richard Carl Friedrich Winzer wurde am 13. Januar 1863 in Wismar geboren.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Taufen 1844 bis 1876. Filmnummer 69654. Nach der Konfirmation und dem Abitur studierte er Mathematik in Tübingen, Rostock und Leipzig. 1886 veröffentlichte er seine Dissertation mit dem Titel: „Zur Transformation der elliptischen Funktionen, insbesondere der Transformation dritten und neunten Grades.“ (Rostock, Adler 1886). Prof. Dr. Richard Winzer wirkte später als Lehrer in Teterow und Hamburg-Harburg. Dort starb er am 5. Januar 1942.Hamburg Sterberegister 1874 bis 1950. Hamburg 08, 1942 Band 01, S. 19 im Digitalscan.
Winzers zweite Ehefrau Wilhelmine verstarb am 22. Januar 1871 im Alter von 40 Jahren an der Schwindsucht.Kirchenbuch Wismar St. Marien. Sterbefälle 1838 bis 1876, Filmnummer 69654. Winzer setzt sich nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau zur Ruhe. Er verkaufte seine Werkstatt im Frühjahr 1873 an den Stralsunder Orgelbauer Friedrich Albert Mehmel. Dieser betrieb dort eine Filiale seines Geschäfts. Am 2. März 1886 verstarb Winzer in Wismar kurz vor seinem 75. Geburtstag.Lexikon norddeutscher Orgelbauer Band 4, Pape Verlag Berlin 2017, S. 624.
Schüler (Auswahl) Der Orgelbauer Edmund Bruder (1845–1911) wirkte spätestens ab 1869 in der winzerschen Werkstatt mit. Bei der mecklenburgischen Volkszählung 1867 ist sein Name noch nicht zu finden. Auch nach der Übernahme der winzerschen Werkstatt durch Friedrich Albert Mehmel 1873 blieb er dort tätig. 1877 machte sich Edmund Bruder in Wismar selbstständig, als zweiter Orgelbauer neben Mehmels Werkstatt.
Der Orgelbauer Carl Börger (1846–1917) lernte ebenfalls bei Winzer. 1867 wird er als Holz-Arbeiter geführt und absolvierte wohl eine Lehre beim Vater, der Tischler war. Nach seiner Lehrer bei Winzer richtete er sich 1873 eine eigene Werkstatt in Toitenwinkel ein und verlegte diese später nach Gehlsdorf. 1900 erwarb er das Geschäft von Julius Schwarz aus Rostock und fusionierte es mit seinem.
Neubauten (Auswahl) Von Friedrich Wilhelm Winzer hat sich kein Werkverzeichnis erhalten. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat er 40 Orgeln erbaut, von denen 29 bis heute erhalten sind, 11 Instrumente sind entweder im Zweiten Weltkrieg zerstört worden oder wurden im Laufe der Zeit durch neue Instrumente ersetzt. Ein Großteil seiner Instrumente wurde in den vergangenen Jahren restauriert. Nur noch die sechs Orgeln in Damshagen, Kröpelin, Passee, Kavelstorf, Serrahn und Herzfeld warten auf eine Restaurierung. Die kursiv gedruckten Instrumente sind zerstört oder so stark umgebaut, dass sie nicht mehr als Winzer-Orgel gelten können.
Opus Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen01840WismarMarienkircheIII/P56Winzer stellt als Geselle für die Firma Schulze aus Paulinzella die große Orgel der Wismarer Marienkirche auf. Die Orgel wird 1903 von Ernst Röver pneumatisiert und um zwei Register erweitert. Die Kirche samt Orgel wird am 14. April 1945 vernichtet. Das Werk kann nicht als ein Werk Winzers gerechnet werden, aber es bildet den Grund seines Wirkens in Wismar und Umgebung.11841WeitendorfSchlosskirchezentriert|160x160pxI/aP5Die Orgel ist erhalten. Sie wurde 2008 durch Giso Weitendorf aus Schwann restauriert. August Neuburger hat sich mit einer Inschrift in die Windlade eingetragen.21843BützowGefängniskirchezentriert|160x160pxI?Die Orgel ist nicht erhalten. Am 28. Mai 1842 erfolgte die Weihe der Kirche der Großherzoglich Mecklenburg Schwerinschen Landesstrafanstalt zu Dreibergen. Sie befand sich im Andachtsraum im dritten Stock des Hauptgebäudes. Die Anstalt hatte 1944 zwei Orgeln! Die von Winzer stand im Zuchthaus. Die Disposition ist derzeit noch nicht bekannt. Auf dem Bild lassen sich 2x9 Registerzüge erkennen und ein Manual. Die zweite Orgel stand im Frauengefängnis mit zwei Manualen und vier Registern.Orgelmeldebögen 1944 im Kirchenkreisarchiv Schwerin.31843BrüelStadtkirche160x160pxI/P7 + 5 Tr.Die Orgel ist erhalten. 1992/93 fand eine Restaurierung durch Schuke (Potsdam) statt. Alle fünf Pedalregister sind Transmissionen aus dem Manual. Wahrscheinlich gab es die Bestrebungen das Pedalwerk in dem großen Gehäuse zu einem späteren Zeitpunkt eigenständig einzurichten. Dies ist jedoch nicht vollzogen worden.41844DamshagenSt.-Thomas-Kirche160x160pxI/P5 + 1 Tr.Die Orgel ist verändert erhalten. 1974 erfolgte Umbau durch Wolfgang Nußbücker. Eine Restaurierung wäre notwendig.51844Sanitz Dorfkirche Sanitzzentriert|160x160pxI/P6 + 1 Tr.Die Orgel ist nicht erhalten. 1969 erfolgte eine Neubau durch die Firma Sauer-Orgelbau aus Frankfurt/Oder als Opus 1.880.61844Zarrentin am SchaalseeKlosterkirche160x160pxII/P19Die Orgel ist erhalten. Winzer baute 15 Register und ließ vier Schleifen unbesetzt. 1886 erfolgte eine Reinigung der Orgel durch Franz Beyer. 1993 wurde ein Register eingebaute. 2014 erfolgte durch Firma Wegscheider aus Dresden eine Restaurierung, wobei die letzten drei fehlenden Register eingebaut wurden. Dabei wurden Orgelpfeifen aus der Wismarer Winzer-Orgel weiterverwendet.71845KröpelinStadtkirche Kröpelin160x160pxII/P14Die Orgel ist erhalten. Zwei Register der Orgel wurden umdisponiert. Bei der Kirchensanierung wurde die originale Farbigkeit des Prospektes wiederhergestellt. Das Orgelwerk an sich wartet noch auf eine Restaurierung.8 1845 Hohenkirchen Kirche zentriert|160x160px II/P 15 Die Orgel ist erhalten. 1960 wurden zwei Register der Orgel umdisponiert. Sie wurde 2006 durch Andreas Arnold aus Plau am See restauriert und dabei die Originaldisposition wiederhergestellt.91846WismarStadtschuleI/aP5Die Orgel ist nicht erhalten. Die Disposition von Winzer ist bekannt. 1894 erfolgte im Zusammenhang mit dem Neubau der Schule ein Orgel-Neubau durch Edmund Bruder. Der Verbleib der Winzer-Orgel ist unklar. Die alte Schulorgel wurde bereits 1842 nach Demern verkauft. Diese Orgel wurde 1884 durch eine Orgel von Mehmel ersetzt.101847SchönbergSt. Laurentius160x160pxII/P26 Die Orgel ist erhalten. Sie ist die größte erhaltene Winzer-Orgel. 1895 erfolgte eine Neuintonation der Orgel durch Grünberg. 1911 arbeitete Kempper aus Lübeck an der Orgel. 2006 bis 2008 erfolgte die Restaurierung des gesamten Instrumentes durch die Firma Schuke aus Potsdam. → Orgel11 1848 Wittenburg St. Bartholomäuszentriert|160x160px II/P 23Die Orgel ist erhalten. Die Orgel stand ehemals über dem Altar der Kirche. 1937 wurde die Orgel durch Marcus Runge auf die Westempore versetzt. Dabei wurde ein Register im Oberwerk der Orgel und die beiden Mixturen der Orgel verändert. 1995–1997 restaurierte Firma Schuke die Orgel und lieferte neue Prospektpfeifen in Zinn, leider mit einem ahistorischen Labienverlauf. 2023 erfolgte eine Generalüberholung der Orgel nach der Kirchenrestaurierung durch Andreas Arnold aus Plau am See.121850Wismar Georgenkirchezentriert|160x160pxI/P6 + 1 Tr.Die Orgel ist nicht erhalten. Sie stand in der Wismarer Georgenkirche als Interimsinstrument, weil die Kröger-Orgel seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr spielfähig war. Nach dem Neubau durch Mehmel in St. Georgen wurde die Orgel 1888 in die Heiligen-Geist-Kirche versetzt. Dort war sie bis zum Neubau von Böhm aus Gotha, 1968, in Gebrauch. Das genaue Baudatum ist unsicher.Max Reinhard Jaehn: Friese. Norddeutsche Orgeln in fünf Generationen. Band 1. Thomas Helms Verlag Schwerin. Dort S. 824.13 1850 Lübow Dorfkirche Lübow II/P 9 + 1 Tr. Die Orgel ist erhalten. 1997 erfolgte eine Restaurierung durch Wolfgang Nußbückeraus Plau am See.141851Rostock Jakobikirchezentriert|160x160pxIII/P39Die Orgel ist nicht erhalten. Der von Winzer vollzogene Umbau ist als Neubau unter Zuhilfenahme von Altmaterial zu betrachten. WInzer behält den Prospekt bei, baut teilweise neue Windladen, behält aber auch einige alte bei. Er baute 20 neue Register und intonierte die anderen Register sämtlichst um. Die Spiel- und Registertraktur wurde neu gebaut. Beschrieben wird die Orgel in der Urania 1853, Nr. 1, S.1ff. Das Instrument wurde am 26. April 1942 zerstört.151852Lichtenhagen Dorfkirche Lichtenhagenzentriert|160x160pxII/P8 + 1 Tr.Die Orgel ist nicht erhalten. Die Beschreibung der Orgel ist in der Urania 1853, Nr. 10, S.97ff zu finden. Die Orgel wurde bei der Kirchenrestaurierung samt Empore abgerissen um Platz zu machen für einen Neubau der Firma Jehmlich aus Dresden (II/P/16) op. 964 von 1976.16 1855 Camin Dorfkirche II/P 11 Die Orgel ist teilweise erhalten. 1921 erfolgte durch Marcus Runge ein großer Umbau. Beibehalten wurde das Gehäuse und 11 Register von Winzer. Der ursprüngliche Zustand sowie die genaue Disposition sind weiterhin unklar. Runge fügte noch ein zwölftes Register hinzu. 2011 wurde der gewachsene Zustand durch Andreas Arnold aus Plau am See restauriert.171856Stralendorfehemals Dorfkirchezentriert|160x160pxI/P6 + 1 Tr.Die Orgel ist erhalten. Datierung anhand von Zeitungen von 1856. Notiz auf der unteren Balgplatte: Reparatur der Bälge den 7ten Mai 1883 durch Heinrich Goerlach zur Zeit in Stralsund bei H. Mehmel Orgelbauer daselbst.