Die Jenaer Nahverkehr GmbH ist ein Verkehrsunternehmen in Jena. Die Gesellschaft gehört vollständig zur Stadtwerke Jena GmbH und betreibt zusammen mit ihrem Tochterunternehmen JES Verkehrsgesellschaft den örtlichen Nah- und Regionalverkehr im Auftrag der Stadt Jena und des Saale-Holzland-Kreises.

mini|Altes Logo mini|Altes Logo bis 2023 Neben den fünf Hauptlinien des Straßenbahnsystems besteht in Jena ein Stadtbusnetz.

Geschichte Am 1. April 1901 wurde die erste Straßenbahnlinie Jenas polizeilich abgenommen und seit dem 6. April regelmäßig befahren. 1928 wurde der Omnibusverkehr in Jena etabliert. Die Schienen wurden durch 17 Trieb-, vier Bei- und vier Güterwagen befahren.

Bis 1945 Am 3. Februar 1903 ereignete sich der erste Aufsehen erregende Straßenbahnunfall in der Quergasse. Ein Triebwagen fuhr mit erhöhter Geschwindigkeit die Wagnergasse herunter und entgleiste in der Kurve zur Quergasse. Es gab keine Personenschäden, nur der hölzerne Wagenkasten zerbrach. Zur 350-Jahr-Feier der Friedrich-Schiller-Universität wurde am 30. Juni 1908 das Schienennetz erweitert. So verkehrte die Straßenbahnlinie von der Schubertsburg weiter über die Kahlaische Straße bis nach Burgau. Am 1. Januar 1909 wurden erstmals Schaffner eingesetzt. Die Fahrkarten kosteten nun zwischen 10 und 30 Pfennig. Zusätzlich wurden Wochen- und Monatskarten für Arbeiter und Schüler angeboten. Seit dem 3. August 1909 wurde der Holzmarkt zum Zentralen Knotenpunkt des Jenaer Nahverkehrs eingerichtet. Er ist noch heute größter Umsteigepunkt des Nahverkehrs und durch die Nähe zum Busbahnhof, sowie dem Paradiesbahnhof auch an den Regionalverkehr angeschlossen. 1910 mussten erste Instandhaltungsarbeiten am Gleisnetz durchgeführt werden und 1911 wurden zehn Triebwagen mit elektrischen Heizungen ausgerüstet. Die Mitarbeiter mussten trotzdem weiter auf offenen Plattformen arbeiten. Die Strecke Stadtzentrum – Jena-Ost wurde am 30. Mai 1914 eingeweiht. Vorerst verkehrten die Wagen vom Steinweg aus über die damals neugebaute Camsdorfer Brücke zum Gasthof „Grünen Tanne“. Danach wurden zusätzlich fünf neue und leistungsstarke Triebwagen von der Waggonfabrik Görlitz gekauft. Diese waren mit verglasten Plattformen ausgerüstet. Während des Ersten Weltkrieges musste der Straßenbahnverkehr eingeschränkt werden. Auf Grund des Männermangels wurden erstmals Frauen als Schaffner eingesetzt. Das Postamt und das Zeiss-Hauptwerk erhielten ihre Anschlussgleise und waren so durch die Straßenbahn mit den Bahnhöfen verbunden. Die Straßenbahn transportierte von nun an den Güter- und Postverkehr durch die Stadt. Am 14. September 1917 ordnete das Kriegsministerium die starke Einschränkung des Straßenbahnverkehrs an, aufgrund dessen die Linie Botzstraße – Mühltal eingestellt wurde.

Nach dem Krieg wurde der Fahrpreis auf eine Reichsmark (RM) erhöht. Die Preise stiegen auf Grund der Inflation bis auf acht RM an, worauf die Fahrgäste ausblieben. Am 19. Oktober 1922 wurde der Straßenbahnbetrieb vollständig eingestellt. Der Streckenabschnitt Spittelplatz – Schlachthof wurde 1925 zweigleisig ausgebaut, seit 1926 regelte eine Signalanlage den Verkehr vom Holzmarkt am Roten Turm. 1928 wurden die ersten zwei Omnibuslinien in Jena eingeführt. Sie verkehrten von der Talschule über das Stadtzentrum (Holzmarkt) und trennten sich hier, um zur Sickingenstraße oder über die Tatzendpromenade zum Lichtenberger Platz zu fahren. Jedoch erwirtschafteten sie nicht die erhofften Einnahmen. Am 1. Juli 1929 wurden die ersten fünf Neubau-Triebwagen aus Gotha in Dienst gestellt. Ein Jahr später kamen fünf weitere hinzu. Der letzte erhaltene Wagen dieser Baureihe ist heute der historische Triebwagen 26. Ab 1931 verkehrte die Straßenbahnlinie ins Mühltahl nicht mehr durch Quergasse und Bachstraße, sondern direkt durch die Wagnergasse. 1932 wurde der Busverkehr wieder stark reduziert. Im April 1935 wurde die Verbindung Stadtzentrum – Lobeda in Betrieb genommen, nach dem Neubau der Saalebrücke in Burgau. Damit hat das Straßenbahnnetz Ende 1936 eine Ausdehnung von 18,33 Kilometern. 1937 übernahm man zehn gut erhaltene Triebwagen aus der Nachbarstadt Weimar. Sechs dieser Wagen wurden zu Beiwagen umgebaut. Am 6. Januar 1938 startete mit fünf Bussen ein zweiter Anlauf zu einem Omnibusverkehr. 1939 wurden die Straßenbahnlinien umgestellt. Die drei liefen nun wie folgt: Lobeda – Holzmarkt – Zwätzen, Jena-Ost – Holzmarkt – Mühltal und Westbahnhof – Holzmarkt – Saalbahnhof.

Während des Zweiten Weltkrieges erschwerten der Mangel an Materialien und Personal die Aufrechterhaltung des Nahverkehrs. Zusätzlich stiegen die Beförderungszahlen enorm. Der Betrieb der Straßenbahnen wird immer mehr eingeschränkt, bis er im April 1945 nach Luftangriffen auf Jena und der Sprengung der Camsdorfer Brücke völlig eingestellt wird.

1946–1990 Am 13. Juli 1946 wurde der Straßenbahnverkehr über die wieder aufgebaute Camsdorfer Brücke vom Stadtzentrum nach Jena-Ost wieder aufgenommen. 1948 mussten gebrauchte Gleise ausgebaut werden und der Busverkehr konnte zeitweise nicht aufrechterhalten werden, da ein akuter Mangel an Ersatzteilen für Fahrzeuge und Bahnanlagen bestand. Am 1. Juli 1949 gründete sich die VEB (K) Städtischer Verkehr Jena, wodurch man endgültig den Bahnbetrieb von der Elektroenergie-Erzeugung trennte. Die erste Lieferung von Straßenbahn-Fahrzeugen aus DDR-Produktion erfolgte 1951 durch die LOWA. 1954 folgten auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs weitere Fahrzeuge. Zusätzlich konnten die Infrastruktur der Straßenbahn verbessert werden. 1955 fuhren erstmals Omnibusse vom Typ H6B in Jena. 1958 führte man das Prinzip des Sichtkarten-Triebwagens ein. Dabei kontrollierte im Triebwagen der Fahrer die Fahrkarten beim Einstieg. In den Beiwagen wurden immer noch Schaffner eingesetzt. 1960 befuhren 16 Fahrzeuge die Buslinien der Stadt. Von 1961 bis 1962 baute der VEB die Streckenabschnitte Scharnhorststraße – Krankenhaus und Paradiesbahnhof – Felsenkeller zweigleisig aus. Am 15. Mai 1963 stellt man die Straßenbahnlinie 3 (Westbahnhof – Holzmarkt – Saalbahnhof) ein. Die sogenannte Bahnhofslinie sollte zukünftig durch andere Verkehrsmittel befahren werden. Bei der Bevölkerung gab es Unmut gegen die „quietschende, den Verkehr behindernde Straßenbahn“. Sie sollte durch Busse, deren Beschaffungs- und Instandhaltungskosten geringer waren, ersetzt werden.

1964 erfolgte die Streckenverlängerung von der ehemaligen Endhaltestelle Zwätzen zur heutigen Endhaltestelle Zwätzen Schleife. Mit Errichtung der Wendeschleife konnten erstmals Einrichtungsfahrzeuge in Jena eingesetzt werden. Am 23. Juni 1969 wurde an der Endhaltestelle Winzerla eine weitere Wendeschleife eingerichtet. Durch den großen Bevölkerungszuwachs gestaltete sich die Durchführung des Nahverkehrs immer schwieriger. Deshalb wurde 1966 ein Gutachten zur Lösung des Nahverkehrproblems erstellt. Die Straßenbahnlinie zwischen Alt-Lobeda und Winzerla wurde am 16. Juni 1967 eingestellt. Der Grund für die Einstellung war der Baufortschritt der Schnellstraße zwischen Stadtzentrum und Lobeda. Zwei Jahre später nahm am 1. Juni 1969 die Buslinie 16, Mühltal – Neu-Lobeda ihren Betrieb auf. Der Omnibusfuhrpark musste aufgestockt werden, nachdem in Lobeda-West, -Ost und Winzerla immer mehr Menschen angesiedelt wurden.

Bis 1971 wurde die Straßenbahnstrecke nach Norden bis zum Milchhof (heute Kaufland) zweigleisig ausgebaut. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Personenbeförderung nach Lobeda mit Omnibussen zu aufwendig war. Hohes Fahrgastaufkommen und teilweise für den Massenverkehr ungeeigneter Busbestand forderten, dass die Busse in der Hauptverkehrszeit im Minutenabstand fahren mussten – bis mindestens 1977 waren nach Neulobeda noch einige Zweiachser im Einsatz; zudem musste der Betrieb mangels Alternativen ca. 15 Ikarus 280 (z. T. gebraucht) in zweitüriger Überlandversion beschaffen. Das Linienbündel nach Neulobeda wurde bald in zwei Varianten aufgeteilt: die Linien 11 und 12 mit Halt an jeder Haltestelle (in schwarzer Schrift beschildert) und der rot beschilderte „Schnellverkehr“ (später Linien 21 und 22), der an den Haltestellen Jenertal, Sportforum, Neuwöllnitz und Wöllnitz nicht hielt. Mit der Linie 22 waren je nach Busbauart Fahrzeiten zwischen Stadtzentrum und Lobeda-West von 10 bis 12 Minuten möglich; dieser Wert konnte seit den 1980er Jahren nicht wieder erreicht werden.

Durch die Ölkrise erhöhte sich das Fahrgastaufkommen noch einmal deutlich. Überfüllte Bushaltestellen gehörten zum Stadtbild (zur Beschleunigung des Einsteigens wurde im Stadtzentrum stationäres Abfertigungspersonal eingesetzt); es wurde immer mehr die Notwendigkeit der Straßenbahn zur Personenbeförderung deutlich. 1974 wurde der Bus-Betriebshof in Burgau fertiggestellt. 1975 lösten Druckentwerter die Zahlboxen ab, später kamen mit Gebrauchtbussen aus anderen Städten auch Lochentwerter nach Jena. 1976 wurde zum 75. Geburtstag der Jenaer Straßenbahn der neue Traditions-Triebwagen Nr. 26 aus Eisenach vorgestellt; die in Jena vorhandenen fast baugleichen Wagen waren kurz zuvor ausgemustert worden. 1977 befuhren somit 28 Triebwagen und 52 Beiwagen die drei Straßenbahnlinien 1 (Holzmarkt – Nord II – Zwätzen), 1E (nur im Berufsverkehr: Holzmarkt – Nord II) und 2 (Jena-Ost – Holzmarkt – Winzerla). Die Buslinien wurden von 93 Fahrzeugen der Typen Ikarus 66 bis 280 befahren. 1979 erfolgte die Rekonstruktion der Ausweichstelle „Beutenberg“ und ab 1981 sprach man wieder offiziell von der großen Bedeutung der Straßenbahn für den Öffentlichen Personennahverkehr. Deshalb erarbeitete man Studien, um das Lobedaer Neubaugebiet an das Schienennetz anzubinden.

1984 wurde die Strecke nach Winzerla zweigleisig ausgebaut. Am 27. September 1987 wurde das Straßenbahnliniennetz neu gestaltet. So fuhr die Linie 1 danach von Zwätzen bis Winzerla und die Linie 2 nur noch von Jena-Ost zum Holzmarkt.

Ab 1990 mini|Betriebshof in Burgau

Am 1. Juli 1990 wurde aus dem VEB(K) Verkehrsbetriebe der Stadt Jena die Jenaer Nahverkehrsgesellschaft mbH (kurz „JeNah“) gegründet.

Die JeNah erneuerte in den ersten Jahren das bestehende Schienennetz und das Leitsystem. Außerdem wurden die Ikarus-Busse durch Niederflurbusse ersetzt. Ab 1995 wurden auch die vorhandenen Straßenbahnwagen nach und nach durch Niederflurwagen ersetzt. Im März 2003 erfolgte der letzte Einsatz von Gotha-Zügen auf der Linie 1. Die alten Triebwagen wurden größtenteils verkauft (zum Beispiel an die İstanbul Ulaşım), die letzten Beiwagen 2006 verschrottet.

Neben der Sanierung wurde der Stadtteil Lobeda wieder über das Straßenbahngleisnetz an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Dafür entfielen die Buslinien, die über die Schnellstraße nach Lobeda verkehrten. Später wurde die Buslinie 41 wieder eingesetzt, um die Ortschaften an der Schnellstraße (Wöllnitz und Neuwöllnitz) wieder an den ÖPNV anzubinden.

Der Knotenpunkt Stadtzentrum wurde neu strukturiert. Die Haltestelle Stadtzentrum wurde noch einmal in Holzmarkt, Löbdergraben und Teichgraben unterteilt. Die Trennung der Teile liegt zwischen der Hauptfiliale der Sparkasse und der Straßenbahnunterführung (Löbdergraben/Holzmarkt) sowie auf Höhe der Nonnengasse/altes Universitätsgebäude (Holzmarkt/Teichgraben). Die Straßenbahngleise wurde aus der Neugasse entfernt und von der Sparkasse durch die Holzmarktpassage (Straßenbahnunterführung) zum Volksbad geführt. Hier trennen sich die Linien Richtung Burgau und Winzerla. Erstere unterfährt die Saalbahn und folgt der Schnellstraße (ab Hst. Sportforum bis Burgau durch die Wöllnitzer Wiesen), letztere folgt der Saalbahn Richtung Süden, um dann in Richtung Ringwiese – Winzerla weiter zu verlaufen.