mini|William Kentridge (2025) William Kentridge (* 28. April 1955 in Johannesburg) ist ein südafrikanischer Künstler, der Zeichner, Schöpfer von Animationsfilmen, Bühnenbildner, Schauspieler und Regisseur ist. Er arbeitet als Autor für Film und Bühne und realisiert Theater- und Opernprojekte. Insbesondere ist er für Kohlezeichnungen und Filme in Stop-Motion-Technik bekannt.

Leben und Werk Kentridge wurde während der Apartheid in Johannisburg geboren und wuchs in einer Familie mit jüdisch-litauischen Wurzeln auf. Beide Elternteile waren Rechtsanwälte und setzten sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ein. Seine Mutter Felicia Kentridge war 1979 Mitbegründerin des Legal Resources Centre. Sein Vater Sydney Kentridge verteidigte während des Treason Trial, der von 1956 bis 1961 dauerte, Nelson Mandela, Desmond Tutu und Albert John Luthuli. Des Weiteren vertrat er die Familie Steve Bikos.

Schon im Grundschulalter begann William Kentridge mit Kohle zu zeichnen. 1974, nach einem kurzen Studium der Bildenden Kunst an der Witwatersrand-Universität, wechselt Kentridge bis zum Abschluss 1976 zu Politikwissenschaft und Afrikastudien. Von 1976 bis 1978 studierte er bei Bill Ainslie an der Art Foundation in Johannesburg. Kentridge war Mitbegründer der Junction Avenue Theatre Company und betätigte sich dort als Schauspieler, Regisseur, Szenograf und Plakatgestalter. Er beteiligt sich an Anti-Apartheid-Aktivitäten. 1981 studierte er ein Semester lang an der Theaterschule Jacques Lecoq in Paris. Er heiratete 1982 und hat drei Kinder (1984, 1988, 1992). Kentridge lebt und arbeitet in Houghton Estate, Johannesburg.

Seit 1984 entstehen Kurzfilme und Animationsfilme, für die seine Kohlezeichnungen die Basis bilden. 1985 gründete Kentridge mit Angus Gibson die Johannesburg Free Filmmakers Cooperative, um unabhängigen Film zu fördern. 1992 beginnt Kentridges Kooperation mit der Handspring Puppet Company aus Kapstadt. Gemeinsam mit den Malern Deborah Bell und Robert Hodgins realisierte er die Computeranimation Easing the Passing (of the Hours). Kentridge eröffnete 2010 ein zweites Studio für die Herstellung größerer skulpturaler Objekte in Maboneng, Johannisburg. 2016 gründete er The Centre for the Less Good Idea in Johannisburg. Ab 2017 entwickelt er mehrere Kammeropern in Zusammenarbeit mit den Komponisten Philip Miller, Thuthuka Sibisi, Nhlanhla Mahlangu und Kyle Shepherd.

alt=Bemalte Mauer mit riesigen Schatten am Ufer des Tiber, die die Siege und die Niederlagen der römischen Geschichte symbolisieren|mini|Performance von Kentridges Werk Triumphs & Laments (Rom 2016) In den 1980er Jahren begann Kentridge Animationsfilme zu produzieren, in denen er die Geschichte und die sozialen Umstände Südafrikas reflektiert. Er zeichnet jedes Einzelbild seiner Produktionen von Hand mit Kohle, Graphitstift oder Pastellfarben. Es entstehen so unzählige Einzelbilder mit minimalen Abweichungen, aus denen sich dann seine bewegten Werke zusammensetzen. Mehrfach war er mit Animationsfilmen Teilnehmer der Biennale Venedig. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gestaltete er ein Plakat.

Eine große Retrospektive von Kentridges Schaffen wurde 2012 in Rio de Janeiro zusammengestellt und war daraufhin in anderen Städten Lateinamerikas zu sehen. Im selben Jahr präsentierte Kentridge die Charles Eliot Norton Lectures an der Harvard-Universität und wurde zum Mitglied der American Philosophical Society und der American Academy of Arts & Sciences ernannt. Seit 2011 ist er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters und seit 2012 assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique. Im Jahr 2017 inszenierte er die Oper Wozzeck von Alban Berg bei den Salzburger Festspielen.

Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 2004: William Kentridge, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. 2010/2011: William Kentridge. Fünf Themen – Five Themes, Albertina, Wien; vorher 2009 im San Francisco Museum of Modern Art 2011: Zeno Writing, 2002, Städel/Goethe-Universität, Frankfurt am Main; im I.G. Farben-Gebäude, DVD/Ton Loop 11:32 Minuten 2013/14: William Kentridge: The Refusal of Time. A five-channel video installation, Metropolitan Museum of Art, New York, im Institute of Contemporary Art, Boston, Massachusetts und danach in der Johannesburg Art Gallery 2015: William Kentridge – The Nose, Museum Haus Konstruktiv, Zürich 2015/2016: Double Vision: Albrecht Dürer & William Kentridge, Kupferstichkabinett Berlin (2015/2016) und Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (2016/2017) 2016: Not It Is!, Martin-Gropius-Bau, Berlin (Kurator: Wulf Herzogenrath) 2017: William Kentridge. Thick Time. Installationen und Inszenierungen, Rupertinum, Salzburg (Kuratorinnen: Sabine Breitwieser mit Tina Teufel) 2017/18: William Kentridge. Smoke, Ashes Fables. Sint-Janshospital/Memlingmuseum (Kurator: Margaret K. Koerner) Brügge 2018: William Kentridge. O Sentimental Machine, Liebieghaus, Frankfurt am Main. 2019: William Kentridge. Shadow Procession, Kunsthalle, Mannheim. 2019: William Kentridge – A Poem That Is Not Our Own, Kunstmuseum Basel 2020/21: William Kentridge - Why should I hesitate: Putting Drawings To Work, Deichtorhallen Hamburg. 2022: William Kentridge - That which we do not remember, Nationalmuseum Kaunas 2022: William Kentridge, Royal Academy of Arts, London 2025/26: William Kentridge. Listen to the Echo. Museum Folkwang, Essen und Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Gruppenausstellungen 1993: 45. Biennale di Venezia, Venedig 1997: documenta X, (Kuratorin: Catherine David), Kassel 1998: Biennale von São Paulo, Sao Paulo 1999: 48. Biennale di Venezia, Venedig 2002: documenta 11, (Kurator: Okwui Enwezor), Kassel 2005: 51. Biennale di Venezia, Venedig 2008: Biennale of Sydney, Sydney, Australia 2012: The Refusal of Time dOCUMENTA (13), (Kuratorin: Carolyn Christov-Bakargiev), Kassel 2015: More sweetly play the dance, Lichtsicht 5, Bad Rothenfelde (Kurator: Peter Weibel) 2017: Performa 17, New York 2024: Self-Portrait as a Coffee Pot, 60. Biennale di Venezia, Venedig

Werke (Auswahl) 1993: Felix in Exile, Zeichnung auf Papier, 84 × 103 cm (Versteigerung Januar 2010 im Auktionshaus Stephan Welz & Co., Johannesburg). 1999: Stereoscope. 2007: Zeichnung für den Film Il Sole 24 Ore, Kohle, Gouache, Pastell und Buntstifte auf Papier. 2009: mit Gerhard Marx: Fire Walker, 11 Meter hohe bemalte Stahlskulptur, Newtown, Johannesburg. 2011: Lecture Performance mit Kentridge im Market Theatre, Johannesburg: Dancing with Dada mit dem Komponisten Philip Miller und der Tänzerin und Choreographin Dada Masilo. 2014: Inszenierung von Schuberts Winterreise im Rahmen der Wiener Festwochen.Wenn die Stürme toben, bin ich so elend nicht in FAZ vom 12. Juni 2014, Seite 11 2018: The Head & The Load, Eröffnung der Ruhrtriennale 2018

Filmprojekte Drawings for Projection (1989–2020) besteht aus 10 Kurzfilmen 1989: Johannesburg, 2nd Greatest City after Paris (1989, 16 mm, Videotransfer, 3:11 Min.) 1990: Monument 1991: Mine (6 min.) 1991: Sobriety, Obesity & Growing Old (9 min) 1994: Felix in Exile (9 min.) 1996: History of the Main Complaint 1998: Weighing and Wanting 2003: Tide Table 2011: Other Faces 2020: City Deep

Self-Portrait as a Coffee Pot (2024) besteht aus 9 Kurzfilmen A Natural History of the Studio Self-Portrait as a Coffee-Pot Vanishing Points Finding One's Fate AS IF Harvest of Devotion Metamorphosis Oh To Believe In Another World In Defence of Optimism

Filme (unvollständig) 2001: Medicine Chest 2009: Kentridge and Dumas in Conversation

Preise, Auszeichnungen, Ehrungen 1985: Blue Ribbon Award beim American Film Festival, „New York für Salestalk“ (16 mm, 30:00 Min.), einen Kurzspielfilm mit echten Schauspieler:innen, den William Kentdridge geschrieben, inszeniert und geschnitten hat.1991: Rembrandt Gold Medal, 1991 Cape Town Triennial 1986: AA Life Vita Award als Playwright of the Year 1986: AA Mutual Life Vita Arts Now Award, Johannesburg 1987: Standard Bank Young Artist Award (in der Kategorie Fine Art), Johannesburg 1988: The AA Vita Award, Johannesburg 1999: 53er Carnegie Preis, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, Pennsylvania; William Kentridge ist der erste Filmemacher, der den Preis erhielt 2003: 6th Sharjah Biennial Preis, Vereinigte Arabische Emirate 2003: Goslarer Kaiserring, Mönchehaus Museum für Moderne Kunst, Goslar 2004: Ehrendoktorat in Literatur Honoris Causa, University of the Witwatersrand, Johannesburg 2005: Max-Beckmann-Professur der Städelschule 2006: Jesse L. Rosenberger Medal, University of Chicago, inklusive des Kovler Fellowship 2007: Order of Ikhamanga in SilberListe der Ordensträger 2007 (englisch), abgerufen am 19. Juni 2014 2008: Oskar-Kokoschka-Preis, WienORF: Kokoschka-Preis 2008 geht an William Kentridge, abgerufen am 1. Dezember 2018Der Standard: William Kentridge erhält diesjährigen Oskar Kokoschka-Preis 2008: Ehrendoktorat, Rhodes-Universität, Grahamstown 2010: Kyoto-Preis für Beiträge auf dem Gebiet der Kunst und Philosophie, Inamori-Stiftung, KyotoKyoto-Preis William Kentridge wird für sein Lebenswerk geehrt, Die Zeit 2010: Ehrendoktorat des Royal College of Art, Royal College of Art, London 2011: Ehrendoktor, University of London, London 2011: International Art Critics Association Award, New York (für die Performance I am not me, the horse is not mine, in Verbindung mit Performa 11) 2011: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters, New York 2011: MassArt President’s Award for Creative Achievement, Boston 2011: Southern Graphics Council International Award for Lifetime Achievement in Printing, St. Louis 2012: Mitglied der American Philosophical Society, Philadelphia 2012: Member of the American Academy of Arts and Sciences, Cambridge 2012: Mitglied der Königliche Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste Belgiens, Brüssel 2012: Komtur, Ordre des Arts et des Lettres, Frankreich 2012: Dan-David-Preis (for the Present Time Dimension in the Field of Plastic Arts), Tel Aviv University 2013: Distinguished Visiting Humanist, University of Rochester, New York 2013: Ehrendoktorat of Fine Arts, Yale University, New Haven 2014: Ehrendoktorat für Literatur, University of Cape Town, Kapstadt 2015: Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts, London 2015: Association internationale du film d’animation, Krakau 2015: Ehrendoktor für Bildende Kunst, School of the Art Institute of Chicago 2017: Prinzessin-von-Asturien-Preis 2018: Ehrendoktor für Bildende Kunst, Universität Pretoria 2018: Internationaler Antonio-Feltrinelli-Preis, verliehen von der Accademia Nazionale dei Lincei, Rom 2019: Praemium Imperiale in der Sparte Malerei 2019: Praemium Imperiale verliehen von der Japan Art Association, Tokyo 2019: Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (für außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet des Films), Los Angeles 2021: Ruth Baumgarte Kunstpreis, Hannover 2021: Mitglied im Ausland, Französische Académie des Beaux-Arts, Paris 2021: Ehrendoktorwürde, gemeinsam verliehen von der Vrije Universiteit Brussel, der Universität des Westkaps und der Universität Gent 2021: Mitglied im Ausland, Französische Académie des Beaux Arts, Paris 2022: Doktor der Geisteswissenschaften, Columbia University, New York 2022: Ehrendoktor, Accademia di Belle Arti di Palermo 2022: Orden des Sterns von Italien, Rom 2022: Queen Sonja Print Award, Preis für das Lebenswerk, Oslo 2023: Laurence Olivier Award for Outstanding Achievement in Opera für Sibyl, London 2024: Internationaler Folkwang-Preis, vom Folkwang-Museumsverein e.V. in Essen 2025: Doktor der Bildenden Kunst, Brown University, Providence, Rhode Island

Veröffentlichungen Sechs Zeichenstunden: Die Charles Eliot Norton Vorlesungen, 2012, Verlag Walther König, Köln 2016, ISBN 978-3-86335-949-2.