mini|hochkant|Das niederösterreichische Wappen symbolisiert die republikanische Mauerkrone und die fünf habsburgischen Erblande.

Die Geschichte Niederösterreichs deckt sich, da Niederösterreich das Kernland der heutigen Republik Österreich bildet, in vielen Epochen mit der österreichischen Geschichte. Das selbe trifft auf die regionale Geschichte Wiens zu, da Wien bis 1920 Wien Bestandteil des Landes war. Dieser Artikel zeigt die regionsspezifischen Eigenheiten und die Entwicklung zum heutigen Bundesland auf.

Erdgeschichtliche Zeiten

Das Gebiet des heutigen Niederösterreichs lag über Millionen Jahre in und am Randmeer Paratethys, an der Bruchlinie zwischen Laurasia und Gondwana, den Urkontinenten, die sich aus dem letzten Superkontinent Pangaea gebildet hatten. Prägend für die Geologie Niederösterreichs war die Alpidische Gebirgsbildung.

Altertum mini|Die 11 cm große und um 25.000 v. Chr. angefertigte Venus von Willendorf Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung in Niederösterreich stammen aus dem Mittelpaläolithikum und sind etwa 60.000 Jahre alt. Es handelt sich dabei um primitive Werkzeuge, die Neandertaler in der Gudenushöhle und der Teufelslucken zurückgelassen haben. Mehr Funde sind aus dem Jungpaläolithikum (etwa 40.000–9.700 v. Chr.) erhalten. Der bekannteste ist die Venus von Willendorf, vorwiegend fand man Jagdwaffen. Die Jäger und Sammler lebten vor allem im Gebiet entlang der Donau, es entstanden bereits Wandersiedlungen für 30 bis 100 Personen, anfangs um Höhlen und Felsdächer herum. Man benötigte große Streifgebiete, um genügend Nahrung zu finden und bevorzugte Gegenden mit schwachem Waldwuchs. Während der Mittelsteinzeit (etwa 9.700–4.500 v. Chr.) besserten sich die Lebensverhältnisse durch einen starken Temperaturanstieg. Man fand Geräte aus Holz, Knochen und Horn sowie größere Steinbeile. Die Menschen begannen Hunde als Haustiere zu halten, betrieben Jagd mit Pfeil und Bogen, Fischfang mit Harpunen, Angeln und Netzen und sammelten Früchte.Dieser Abschnitt folgt: Karl Gutkas: Geschichte des Landes Niederösterreichs. 6. Auflage. Niederösterreichisches Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH, St. Pölten 1983, S. 11–12.

Jungsteinzeit

Die Jungsteinzeit (Neolithikum), in der der Mensch sesshaft wurde, dauerte in Niederösterreich etwa von 5500 bis 2200 v. Chr. Es entstanden erste dauerhafte Bauernsiedlungen, die verschiedene Getreidearten für die Broterzeugung sowie Bohnen, Linsen, Erbsen und Mohn anbauten. Abseits der mit einfachem Werkzeug bearbeiteten Äcker wurden auch Äpfel und Birnen kultiviert. An Tieren wurden Ziegen, Schafe und Schweine, später auch Pferde und Rinder gehalten, die Schafwolle wurde wie der Gemeiner Lein zu Kleidungsstücken verarbeitet. Die Holz- und Steinbearbeitung wurde qualitativ besser, Frauen- und Tierplastiken sowie erste Tongefäße entstanden. Die meisten Siedlungsgebiete findet man im Weinviertel. Sie bestanden aus bereits festeren Häusern mit Ställen und Vorratsspeichern (vergl. Langhäuser), die in kleinen, Dörfern zusammenstanden, die nach Rodungen im weiten Eichenmischwald errichtet werden konnten. Man kann für diese Zeit bereits unterschiedliche Stämme, vielleicht auch unterschiedliche Kulturen im Raum Niederösterreich vermuten. Um 5000 v. Chr., gegen Ende der linearbandkeramischen Kultur, kam es auf dem Gelände der heutige Ortschaft Schletz (Gemeinde Asparn an der Zaya) zum Massaker von Schletz, dem mehr als 200 Menschen aller Altersstufen zum Opfer fielen. Seit etwa 2000 v. Chr. kam es zu einschneidenden sozialen Änderungen, als erstmals hierarchisch höher stehende, adelige Führungsgruppen entstanden. Dies schließt man aus Siedlungsfunden, die nicht mehr nur aus vielen kleinen Häusern bestehen, sondern um einen zentralen Ort, wie etwa einer Höhle gruppiert sind. Die älteste Wallburg mit einem Durchmesser von 400 m wurde in Falkenstein ergraben. Während der Jungsteinzeit arbeitete man in Niederösterreich auch schon mit Kupfer, die Toten wurden oft in Hockstellung begraben. Die Hauptfundplätze liegen im östlichen Waldviertel und südlich der Donau. Gegen Ende der Jungsteinzeit scheinen auch Wien und Gebiete im Süden der Stadt stärker besiedelt worden zu sein.Dieser Abschnitt folgt: Karl Gutkas: Geschichte des Landes Niederösterreichs, 6. Auflage, Niederösterreichisches Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH, St. Pölten 1983, S. 12–13.

Die über ganz Mitteleuropa verbreitete sogenannte Bandkeramische Kultur wurde in Niederösterreich gegen 3.900 v. Chr. von der Lengyel-Kultur abgelöst, aus der Beispiele von Kannibalismus bekannt sind. Seit etwa 2500 v. Chr. trat die Trichterbecherkultur an ihre Stelle. Gegen 1.900 wurde sie von der Schnurkeramik abgelöst, um 1800 erreichte die von Spanien ausgehende und ab da bald dominierende Glockenbecherkultur Niederösterreich. Auch die Badener Kultur fällt in diese Zeit, für sie ist bereits die Verwendung von Wägen belegt.

Bronzezeit Die Bronzezeit dauerte in Niederösterreich etwa von 1.800 bis 800 v. Chr. Es gab die Urnenfelderzeit und die Hallstattzeit. So wurde im Weinviertel bei Schleinbach bronzezeitliche Gräber aus dem Aunjetitzer Kulturkreis entdeckt, deren Fundstücke im Museum für Urgeschichte in Asparn an der Zaya verwahrt werden.

Eisenzeit Die Eisenzeit dauerte in Niederösterreich etwa von 800 v. Chr. bis zur Zeitenwende.

Kelten In der Frühgeschichte und Antike im 2. Jahrhundert v. Chr. lebten Kelten im niederösterreichischen Voralpenraum und errichteten mit Noricum das erste und einzige keltische Staatsgebilde. Die keltischen Völker mussten dem wachsenden Einfluss des Römischen Reichs im Alpenraum nach und nach weichen und wurden schließlich nach dem Pannonischen Aufstand um das Jahr 8 n. Chr. endgültig unterworfen.

Römer Die Region des heutigen Niederösterreichs südlich der Donau wurde in die römische Provinz Pannonia eingegliedert, im Lauf des 1. Jahrhunderts n. Chr. wuchs die Garnisonsstadt Carnuntum zur Hauptstadt der Provinz heran. Bis heute sind die Ruinen eine Touristenattraktion. Das Heidentor bei Carnuntum ist der einzige oberirdisch erhalten gebliebene Bau aus der Römerzeit. In dieser Zeit entstand auch entlang der Donau der Limes als Verteidigungswall gegen Norden. Auch da gibt es einige erhaltene Reste wie in Tulln oder Zeiselmauer. Der römische Einfluss ging mit der Völkerwanderung zurück und verschwand im ausgehenden 6. Jahrhundert vollständig.

So begannen im Norden des Gebiets Niederösterreichs Ostgoten, Langobarden, Heruler und Rugier (Rugiland) Herrschaften aufzubauen, bevor die Awaren kamen. mini|Lage der Provinz Noricum im Römischen Reich um 116 zentriert|hochkant=2|mini|Römische Siedlungen Niederösterreichs und Oberösterreichs

Mittelalter

Entstehung der Marcha Orientalis Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs hatten ab dem 6. Jahrhundert das asiatische Volk der Awaren sowie die von den Awaren bedrängten Slawen aus dem Osten bzw. Südosten kommend die ehemaligen römischen Provinzen Pannonia und Noricum teilweise besiedelt. Etwa gleichzeitig bildete sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts mit den Agilolfingern die erste bairische Stammesdynastie, die von ihrem Herrschaftssitz in Regensburg aus ihr Hoheitsgebiet bis Mitte des 8. Jahrhunderts nach Osten bis zur Enns und nach Süden bis ins heutige Südtirol erweiterten.

Der Frankenkönig Karl der Große verleibte im Jahr 788 das bis dahin selbstständige Herzogtum Baiern in sein Reich ein. Östlich davon errichtete er um 800 die sogenannte Awarenmark sowie südlich davon die Mark Karantanien, die, als Lehen vergeben, zum Schutz seines Reichs gegen die von Osten vordringenden Awaren dienen sollten. Nach den Erbfolgekonflikten unter Karls Nachfolgern und dem daraus resultierenden Vertrag von Verdun 843 gehörte das Herzogtum Baiern mit den beiden Marken schließlich dem Ostfrankenreich an. Die auf dem oberpannonischen Teil des Gebiets der vormaligen Awarenmark eingerichtete fränkische Provinz Marcha Orientalis ‚Mark im Osten‘, welche sich über alle bairischen Ostlande erstreckte und somit auch als bairisches Ostland bezeichnet wird, hatte als Präfektensitz eine das heutige Niederösterreich großteils abdeckende oberpannonische Donaugrafschaft. Diese Grafschaften lagen beiderseits der Donau von der Enns im Westen bis zur March und Leitha im Osten.

Im 9. Jahrhundert im Osten herausgefordert vom Mährerreich, musste sich im 10. Jahrhundert die ostfränkischen Herrschaft gegen die über das unterpannonische Plattensee-Fürstentum nach Mitteleuropa vordrängenden Magyaren wehren (siehe Schlacht von Pressburg 907), bis diese sich nach der Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 zurückzogen.

mini|Herzogtum Bayern mit der Provinz Marcha Orientalis im 10. Jahrhundert

Ostarrîchi unter den Babenbergern mini|Leopold III., der Heilige, vor Klosterneuburg (Babenberger-Stammbaum, um 1490, Stift Klosterneuburg) mini|Karte der von den Babenbergern bis 1192 erworbenen Territorien. 1156 wurden die Besitzungen zum Herzogtum Österreich. 1192 ging dann das 1180 gegründete Herzogtum Steiermark an die Babenberger.

Zwanzig Jahre später, um 975, etablierte sich in der Marcha Orientalis die Dynastie der Babenberger; es wird vermutet, dass der Begründer dieser Dynastie, Liutpold, Graf des Donaugaues, von Kaiser Otto II. als Belohnung für seine Treue während des bairischen Aufstandes 976 zum Graf der Marchia Orientalis ernannt wurde. Liutpold und seine Nachfolger – die Babenberger regierten bis 1246 – dehnten ihr Herrschaftsgebiet auf Kosten vor allem der Ungarn sukzessive aus. Die Markgrafschaft wurde auch als Ostarrichi (spätere Schreibweise: Österreich) bezeichnet, was als volkssprachliche Übersetzung für Marchia Orientalis gilt.

Besonders Markgraf Leopold III. (später heiliggesprochen, heute Landespatron) erwarb sich durch seine Klostergründungen (vor allem das Stift Klosterneuburg) große Verdienste um die Urbarmachung des Landes. Die Gewinnung von Raum im Bereich des Wienerwaldes und östlich davon drückte sich auch in der Verlegung der Residenz der Markgrafen aus, die von Pöchlarn zuerst nach Melk, dann nach Klosterneuburg verlegt wurde, ehe 1142 Heinrich II. Wien zur Hauptstadt der Markgrafschaft erhob. 1156 wurde Ostarrîchi durch das Privilegium minus zum Herzogtum erhoben. Mit der Ausdehnung der Babenberger Herrschaft 1192 auf die Steiermark begann auch für große Gebiete westlich der Enns die Geschichte Österreichs. Damit begann auch die Unterscheidung zwischen Altösterreich und Neuösterreich und deren Wappen, wobei Altösterreich Niederösterreich ist, bzw. das altösterreichische Wappen jenes von Niederösterreich ist und das Neuösterreichische jenes der Babenberger, das heutige österreichische Wappen wurde.