mini|Isabel Allende (2007) Fortunas Tochter (spanischer OZ.: Hija de la fortuna) ist ein 1999im Verlag Plaza & Janés Barcelona publizierter Roman von Isabel Allende über das abenteuerliche Leben der Chilenin Eliza Sommers. Die deutsche Übersetzung von Lieselotte Kolanoske erschien 1999.im Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main (= suhrkamp taschenbücher. Band 3236).
Inhalt
Überblick Rose, die unverheiratete Schwester des Leiters der englischen Handelsniederlassung in Valparaíso, nimmt sich eines weiblichen Findlings an und verhilft ihm als Vorbereitung für eine Ehe zu einer standesgemäßen Bildung. Eliza zeigt jedoch wenig Neigung zur Gesellschaftsdame. Sie verliebt sich in Joaquín Andieta, einen radikal sozialistisch denkenden, mittellosen jungen Angestellten, der dem Goldrauschfieber erliegt und nach Kalifornien aufbricht. Schwanger folgt sie ihm als blinde Passagierin, unterstützt vom ehemaligen Schiffskoch des zweiten Bruders ihrer Adoptivmutter, einem Chinesen und verwitweten Heilpraktiker. Er hilft ihr über eine Fehlgeburt hinweg und begleitet sie zunächst – selbst auf Glücksuche – ins Innere des Goldgräberlandes, wo Eliza sich schließlich, als junger Mann verkleidet, alleine durchschlägt. Von ihrem Geliebten heißt es bald, dass er Anführer einer räuberischen Rebellentruppe geworden sein soll. Eliza findet zurück zu ihrem chinesischen Vertrauten, der in San Francisco Sozialarbeit leistet. Als sich die Nachricht bestätigt, dass Joaquín getötet worden ist, wird Eliza klar, dass sie sich schon lange ein eigenes, freies Leben geschaffen hat.
Inhalt
Erster Teil (1843–1848)
Chile 1832: Ein weibliches Baby wird auf der Schwelle der Villa Jeremy Sommers, des Leiters der englischen Handelsniederlassung in Valparaíso, gefunden. Rose, die unverheiratete Schwester des Junggesellen, nimmt sich des Findlings an. Nach einer Affäre der damals 17-Jährigen mit dem verheirateten österreichischen Tenor Karl Bretzner hat ihr Bruder sie und ihr Geheimnis 1830 „mit ans andere Ende der Welt“ genommen. Hier genießt sie einen „Vorzugsplatz in der Gesellschaft“, ist jedoch nicht daran interessiert zu heiraten, denn sie bewahrt den verflossenen Geliebten „in einem Fach ihres Gedächtnisses“ und bleibt in ihrer Phantasie in ihrem „amour fou“. Deshalb wehrt sie, 11 Jahre später, auch die Anträge des von utopischen Idealen schwärmenden Jacob Todd, der sich als Missionar ausgibt, um Bibeln zu verkaufen, ab.
Stattdessen plant Rose für ihre Pflegetochter eine gute Heirat, sorgt für den Aufbau ihrer Aussteuer und ihrer sprachlichen, musikalischen Ausbildung als Vorbereitung für Madama Colberts höhere Mädchenschule. Eliza führt zwar die anstrengenden und sie oft überfordernden Übungen aus, schlüpft aber immer wieder in den Dienerpatio zu Mama Fresia, der einheimischen Köchin und ihrer Vertrauten. In ihrer Wildheit ist sie nicht unähnlich der befreundeten Paula, der Tochter des Großgrundbesitzers Augustín del Valles, die mit Hilfe Todds ihre Vermählung mit dem von ihrem Vater abgelehnten neureichen Minenbesitzer Feliciano Rodríguez de Santa Cruz durchsetzt und mit ihrem Mann in das Minengebiet zieht. Todd wird als falscher Missionar entlarvt und setzt sich mit Hilfe Paulas ins Ausland ab, im dritten Romanteil taucht er als Journalist wieder in der Handlung auf.
Roses sorgfältig geplante Verheiratungsstrategie scheitert: Der von ihr ausgesuchte englische Marineoffizier Michael Steward wirbt um sie und nicht um ihre Pflegetochter. Gleichzeitig verlieben sich Eliza und Joaquín Andieta, ein radikal sozialistisch denkender, mittelloser Angestellter Jeremy Sommers. Mama Fresia befragt eine alte Mapuche-Wahrsagerin, die weise Machi, über Elizas Schicksal und diese diagnostisiert „Versessenheit in der Liebe“, für die es keine Beschwörungen gebe, und prophezeit ihr, dass sie viel leiden müsse. Eliza beginnt eine heimliche Beziehung mit Joaqín, in der sie schwärmerisch ihren Geliebten idealisiert.
Zweiter Teil (1848–1849) Zu dieser Zeit verbreitet sich das Gerücht sagenhafter Goldfunde in Kalifornien. Joaqín hofft, reich zu werden, Eliza heiraten und seine arme Mutter unterstützen zu können, verabschiedet sich von den beiden und lässt seine Geliebte unwissentlich schwanger zurück. Gleichzeitig hat Rose die Liebesbeziehung bemerkt, die ihren Plan einer standesgemäßen Heirat ihrer Pflegetochter gefährden könnte, sich mit ihrem Bruder John darüber beraten und den Plan einer England-Reise mit Eliza entwickelt. Diese erfährt davon und will ihrem Geliebten nach Kalifornien folgen. Als Helfer gewinnt sie Tao Chi'en, den Schiffskoch John Sommers, einen Chinesen und verwitweten Heilpraktiker.Im Roman wird auf ca. 50 Seiten Tao Chi’ens Biographie Vierter Sohn in China eingeblendet: Sklave im Haushalt eines Arztes in Kanton, Ausbildung zum Heipraktiver, Flucht nach Hongkong, Arbeit als Heilpraktiker, Heirat, Tod seiner Frau, Entführung auf John Sommers Schiff Liberty, Arbeit als Koch und Schiffsarzt. Er hat sich von seinem Kapitän getrennt, weil er nicht mit ihm auf einen Dampfer wechseln will. Stattdessen hat er auf einem Segelschiff nach Kalifornien angeheuert und bringt Eiza als blinde Passagierin im Laderaum unter. Er hilft ihr über eine Fehlgeburt und begleitet sie – selbst auf Glücksuche – von San Francisco nach Sacramento. Da die meisten zugereisten Frauen Freudenmädchen sind, verkleidet sich Eliza als chinesischer Jüngling. Während Tao Chi’en als Arzt arbeitet, verdient Erliza mit dem Verkauf von selbst gebackenen Pasteten Geld für ihre Reise ins Innere des Goldgräberlandes, auf der Suche nach ihrem Geliebten. Während Tao Chi’en in Sacramento bleibt und später zur Küste zurückkehrt, schließt sich Eliza, diesmal unter dem Namen Elías Andieta, einer Gruppe Chilenen an, gibt vor, ihren Bruder Joaquín zu suchen, und wandert drei Wochen lang zum American River, um dort Gold zu waschen. Ermutigt wird sie durch Informationen, die ihr bestätigen, auf Joaquìns Spur zu sein.
In Valparaiso sind die Sommers inzwischen auf der Suche nach Eliza und Joaquìn. Um den über die Affäre ihrer Pflegetochter erbosten Jeremy zu besänftigen, enthüllen ihm John und Rose ihr lange gehütetes Geheimnis, dass John Elizas Vater ist.
Dritter Teil (1850–1853)
Paula, die unternehmerische, einfallsreiche Frau des Minenbesitzer Rodríguez de Santa Cruz hat das den Segelschiffen überlegene Dampfschiff Fortuna gekauft, um mit Transporten in das Goldrauschgeschäft einzusteigen, und John Sommers als Kapitän verpflichtet. Auf seinen Fahrten bringt er mit Eis aus Südchile gekühlte Nahrungsmittel von Chile nach Kalifornien und trifft dort auf den inzwischen als Journalist arbeitenden Jacob Todd, der unter dem Namen Freemont Artikel über chinesische Arbeitssklaven, Korruption der Behörden und Prostitution im Goldgräbergebiet schreibt. John bittet ihn, bei der Suche nach Eliza und ihrem Freund zu helfen. Inzwischen haben sich die Goldfunde verringert und es kommt zu Kämpfen zwischen den verschiedenen Gruppen, den Mexikanern, Indianern, Chilenen und den „Yankees“, die von der Regierung unterstützt werden. Freemont durchreist das Gebiet und sammelt Nachrichten von verschiedenen Bandenführern und Rebellen, die er in seinen Zeitungsartikeln zu einem fast mythischen Joaquín verarbeitet, den er angeblich interviewt hat. So entsteht in der Öffentlichkeit eine Phantasie-Robin-Hood-Figur.
Nach ihrer Trennung von Tao versucht Eliza/Elias weiterhin, den Aufenthaltsort von Joaquín herauszufinden. Ihren Unterhalt verdient sie u. a. als Briefeschreiber und Pianist in einem Wanderbordell. Als sich mit der einsetzenden „Zivilisierung“ des „Wilden Westens“ das Bordell zusehends in Respektabilität aufgelöst, kehrt sie, immer noch in Männerkleidung, nach San Francisco zurück. Dort trifft sie Tao Chi’en und hilft ihm, asiatische Kinderprostituierte zu resozialisieren. Ihre chilenische Familie war inzwischen länger in dem Glauben, dass Eliza tot sei. Als Hinweise auftauchen, dass sie in San Francisco lebt, reist Rose nach Kalifornien. In San Francisco erreicht Eliza die Nachricht, dass der Anführer der räuberischen Rebellentruppe von den Autoritäten getötet und enthauptet worden sei. Zusammen mit Tao Chi’en schaut sie sich seinen ausgestellten Kopf an. Auf Taos Frage, ob sie ihren Geliebten darin wiedererkenne, erwidert sie ihm, ohne seine Hand loszulassen, dass sie jetzt frei sei.
Erfolg Das Buch war 22 Wochen lang in den Jahren 1999 und 2000 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.
Sonstiges Isabel Allende selbst äußerte sich zur Protagonistin Eliza wie folgt: „Elizas Reise steht dafür, was mit uns Frauen geschehen ist: Wir mussten unser Korsett abstreifen und uns >vermännlichen<, um dann wieder zu unseren Frauenkleidern zurückzukehren - dieses Mal ohne Korsett!“
Fortunas Tochter kann als die Urgeschichte des Weltbestsellers Das Geisterhaus verstanden werden. Hier werden die Wurzeln gelegt, aus denen sich später die Handlungen und Inhalte des Geisterhauses konzipieren.
Anmerkungen
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Spanisch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Werk von Isabel Allende Kategorie:Chilenische Literatur