Die Kirche Sant’Agostino (lateinisch Sancti Augustini), vollständig Basilica di Sant’Agostino in Campo Marzio ist eine dem Kirchenlehrer Augustinus geweihte Ordenskirche der Augustiner-Eremiten in Rom. Sie gehört seit 1587 zu den Titelkirchen der Stadt Rom und wurde 1999 zur Basilica minor erhoben.

Die Kirche befindet sich an der Piazza Sant’Agostino, ca. 150 m nordöstlich der Piazza Navona im VIII. Rione Sant’Eustachio. Namhafte Künstler wie Isaia da Pisa, Raffael, Andrea und Jacopo Sansovino, Caravaggio u. a. schufen Kunstwerke für die in der Frührenaissance erbaute und im 18. bzw. 19. Jahrhundert umgestaltete Kirche. Die heilige Monika von Tagaste, Mutter des Augustinus, liegt in der Kirche begraben.

mini|hochkant=1.4|Sant’Agostino – Hauptschiff

Geschichtlicher Überblick Vorgeschichte Der römische Adlige Egidio Lufredi schenkte 1286 dem Augustinerorden in Santa Maria del Popolo einige Grundstücke im Campus Martius, um eine Kirche und ein Kloster zu errichten. Papst Honorius IV. (1285–1287) bestätigte diese Schenkung und wies dem Orden die bestehende Kirche San Trifone zu. Diese war eine kleine Saalkirche aus dem 11. Jahrhundert, die östlich der heutigen Kirche in der Via della Scrofa lag und im Zuge der Umbauten im 18. Jahrhundert abgebrochen wurde. Diese Kirche war mit einem Kardinalstitel verbunden, der erst 1587 auf Sant’Agostino überging.

Baugeschichte mini|Stadtansicht 1474 Strozzi mini|Mino da Fiesole – Guillaume d’Estouteville Papst Bonifatius VIII. bewilligte dem Augustinerorden, neben Santa Maria del Popolo, 1296 ein zweites Kloster in Rom. Der wohl von Anfang an vorgesehene Neubau einer Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begonnen und ca. 1446 vollendet – nur wenige historische Quellen sind hierzu vorhanden. 1430 werden auf Veranlassung von Papst Martin V. die Reliquien der hl. Monika von Tagaste von Ostia, wo sie 387 verstorben war, nach Rom überführt. Sie fanden erst in der Kirche San Trifone ihren Platz, bevor sie 1455 in die linke Kapelle neben dem Hauptaltar der Kirche Sant’Agostino umgebettet werden konnten.

Guillaume d’Estouteville, dem französischen Hochadel entstammend und 1439 zum Kardinal ernannt, bewohnte gegenüber der Kirche den Palast Sant’Apollinare. Er war mehrmals Camerlengo des Kardinalskollegiums und Protektor des Augustiner-Eremiten-Ordens in Rom. In den Jahren 1479–1483 initiierte er unter dem Pontifikat Papst Sixtus IV. den Umbau der Kirche und finanzierte die Maßnahmen.http://www.requiem-projekt.de:/ "centum millibus aureorum" (mit 100.000 Goldmünzen) Giacomo di Pietrasanta wirkte als Baumeister, ein erfahrener Steinmetz, der auf den Baustellen von St. Peter und dem Palazzo Venezia nachweislich tätig war. Unterstützt wurde er von seinem Kollegen Sebastiano Fiorentino. An der Fassade ist das Fertigstellungsjahr der Kirche – das gleichzeitig das Todesjahr des Kardinals ist – in großen römischen Zahlen eingemeißelt: 1483.

Im 17. Jahrhundert erfuhren die Kirche und der Konvent zahlreiche Umbauten. 1601 entstand ein Kreuzgang, 1620 erweiterte der Architekt Antonio Casoni entlang der Via della Scrofa das Konventgebäude. 1630 sind weitere Arbeiten an den Klostergebäuden durch den Architekten Orazio Turriani nachweisbar. Unter Papst Alexander VII., aus der Familie der Chigi und Kardinal von Santa Maria del Popolo, wird die Sakristei in die nunmehr auf der östlichen Seite unmittelbar an die Kirche angrenzenden Klostergebäude verlegt. Er lässt ab 1659 die Biblioteca Angelica erbauen und durch den namhaften und hauptsächlich in Rom tätigen Barock-Baumeister Francesco Borromini den Platz vor der Kirche und die Treppenanlage neu gestalten. Ab 1673 wurde das Gebäudeensemble aus Kirche, Konvent und Bibliothek um weitere Klostergebäude an der Via dei Pianellari von dem Architekten Giovanni Battista Covini ergänzt.

Mitte des 18. Jahrhunderts beauftragte der Ordensgeneral Augustinus Gioia (1695–1751) mit Unterstützung des Papstes Benedikt XIV. die Architekten Luigi Vanvitelli und Carlo Murena mit der grundlegenden Sanierung des Konvents sowie des Bibliotheksgebäudes (1745–1763), was nachträglich betrachtet nahezu einem Neubau gleichkam. Der nachfolgende Generalprior Franciscus Xaverius Vásquez (1753–1785) veranlasste die Neugestaltung der Sakristei mit den abgerundeten Ecken und dem Muldengewölbe. Auftretende Bauschäden an der Kirche machten ab ca. 1752 eine umfassende Renovierung nötig, insbesondere eine Erneuerung der Vierungskuppel.

Die Innenausgestaltung und Dekoration erfolgte, wie in Kirchen der Bettelorden üblich, durch zahlreiche Stiftungen und Patronate, zu denen zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch die namhafte Kurtisane Fiametta gehörte. Bedeutende Kardinäle und Bischöfe wurden in der Kirche begraben und erhielten zum Teil aufwändige Wandnischengrabmale der Frührenaissance.

Der heutige Raumeindruck geht auf die Neugestaltung des Kircheninneren in den Jahren 1852–1856 zurück. Die Pfeiler und Wandflächen wurden aufwendig mit Marmor verkleidet und zwischen 1855 und 1868 von dem römischen Maler Pietro Gagliardi mit Fresken bemalt, insbesondere die Decken und die Seiten der drei Schiffe, die Vierung mit der neuen Kuppel und das Querschiff. Im Mittelschiff finden sich Szenen aus dem Marienzyklus, an den Pfeilern Darstellungen der Propheten.

Nach der Annexion des Kirchenstaates 1870 durch das Königreich Italien wurden Kirche und Kloster verstaatlicht. 1930 erhielt der Augustinerorden die Kirche zurück. Die Bibliothek verblieb in Staatsbesitz und untersteht seit 1975 dem italienischen Kulturministerium.Ministero dei beni e delle attività culturali e del turismo Das Konventgebäude ist seit 1932, bis auf einen kleinen den Augustinermönchen verbleibenden Teil, Sitz der Generalstaatsanwaltschaft.Avvocatura dello Stato

Architektur mini|140px|Hauptportal von Sant’Agostino

Außenbau Der Außenbau ist bis auf die Fassade ohne Schmuck; Großlinigkeit, Flächen und Körpermassen bestimmen die Architektur. Die Fassade ist das repräsentative Element und entfaltet ihre Wirkung in ihrer Klarheit und Einfachheit. Heute ist nur noch die linke Außenseite der Kirche zu sehen, die rechte Seite wurde beim Bau des Klostergebäudes integriert. Die Apsis des linken Querhauses aus dem 14. Jahrhundert ist noch original erhalten. Markant ist das Strebewerk aus Backstein, das das linke Seitenschiffdach beherrscht.

Fassade Die Travertinfassade ist in Aufbau und Gestaltung an die wenige Jahre früher entstandene Fassade der Augustinerkirche Santa Maria del Popolo angelehnt (die aber ab 1655 durch Bernini barockisiert wurde) und gehört somit zu den ersten Renaissancefassaden in Rom. Der Innenaufbau der Kirche ist in der Fassadengliederung durch Pilaster und dem hohen Mittelteil angedeutet. Die ein Trapez bildenden Gesimse und das mächtige Tympanon teilen die Fassade in zwei horizontale Felder. Die Ornamentik an den Voluten ist bereits stärker ausgebildet.J. Burckhardt: Kunst der Renaissance in Italien – S. 103: ...berüchtigt durch Hässlichkeit der Voluten, die auch Pontellis geringsten Bau, die Kathedrale von Turin, verunzieren... Die zahlreichen Blendfelder und die drei Okuli über den Portalen strukturieren den unteren Teil der Fassade.

Das kunstvoll gearbeitete, ionische Hauptportal, aus dem 15. Jahrhundert stammend, ist mit einem faszierten Marmorrahmen umgeben und einem Dreiecksgiebel, der das Wappen des Kardinals d’Estouteville und die Inschrift INDULGENTIA PLENARIA QUOTIDIANA PERPETUA PRO VIVIS ET DEFUNCTIS (Vollständiger, fortwährender, täglicher Ablass für die Lebenden und die Toten) trägt. Das stark verwitterte Fresko über dem Hauptportal zeigt Die Übergabe der Ordensregeln der Augustinermönche (Abb.). Der Erbauer der Kirche verewigte sich in der markanten Inschrift: GUILLERMUS DE ESTOUTEVILLA EPISCO. OSTIEN.CARD. ROTHOMAGEN. S.R.E. CAMERARIUS FECIT (Guillaume d’Estouteville, Bischof von Ostia, Kardinal von Rouen, Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche hat sie erbaut) und darunter das Jahr MCCCCLXXXIII (1483), das gleichzeitig das Fertigstellungs- als auch das Todesjahr des Kardinals ist.

Kirchenbau mini|Grundriss der Basilika Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit einem außergewöhnlich hohen und schmalen Mittelschiff. Das Hauptschiff ist zu den Querschiffen im Verhältnis 2:1 konstruiert. Die massiven, rundbogigen Arkaden bilden die Basis für den in jedem Joch durch 2 Rundbogenfenster unterbrochenen Obergaden. Die Einwölbung des Langhauses folgt dem gebundenen System, d. h. ein Joch des Mittelschiffs fasst beiderseits je 2 Joche des Seitenschiffs zusammen.A. Henze: Reclams Kunstführer Rom, S. 121 In den Außenwänden waren ursprünglich jeweils sechs Seitenkapellen in Form von Konchen eingelassen, wobei im Laufe der Zeit zwei entfielen, eine für den linken Seitenausgang und rechts für den Zugang zur neuen Sakristei. Das Querhaus ist schmal gehalten und greift wenig über die Flucht des Langhauses mit seinen Kapellen hinaus. Den Abschluss bildet jeweils eine Apsis mit einer Kapelle.

Die Staffelchoranlage bilden vier Chorkapellen in unterschiedlichen Tiefen, wobei die einjochige Hauptchorkapelle mit einem Halbrund, die Nebenkapellen jeweils mit geradem Chor abschließen. In der Erbauungszeit befand sich rechts eine zweite Kapelle mit der ehemaligen Sakristei, bevor diese in das Klostergebäude integriert wurde. In der Vierung erhebt sich eine Pendentifkuppel mit einer lichtdurchfluteten Laterne, die jedoch erst im 18. Jahrhundert die Architekten Vanvitelli und Carlo Murena, ebenso wie den Glockenturm, in der heutigen Form errichteten.V. Annecchino: S. 3

Viele der architektonischen Proportionen und Maße entsprechen der augustinischen Zahlenlehre und Symbolik – Augustinus liebte die allegorische Bedeutung von Zahlen, z. B. die Zahl 12, die die Universalität der Kirche, die 12 Stämme Israels und die 12 Apostel symbolisiert. In Sant’Agostino tragen 12 Säulen das Hauptschiff, waren einst 12 Seitenkapellen vorhanden, beleuchten 12 Fenster die Kirche. Die Zahl 7 standen für Augustinus für das Alte Testament und die 8 für das Neue Testament, zusammen ergeben sie die Zahl 15 – zusammen tragen 15 Joche das Hauptschiff und die Seitenschiffe.V. Annecchino: S. 6

Innenausstattung Die Kirche birgt zahlreiche Kunstwerke von höchstem Rang.

mini|Madonna del Parto links|mini|Der Prophet Jesaia und Anna selbdritt

Hauptschiff Direkt rechts nach dem Hauptportal befindet sich die von der Bevölkerung hochverehrte Madonna del Parto (1) (Madonna der Geburt), früher auch Madonna del Sasso genannt. Diese Skulptur gab 1516 der Kaufmann Giovanni Francesco Martelli für seinen Patronatsaltar bei Jacopo Sansovino in Auftrag. Seit Jahrhunderten wird diese Madonna von schwangeren Frauen besucht, um Beistand angefleht und mit unzähligen Votivgaben beschenkt. Ihr linker Fuß wurden durch die vielen frommen Hände so stark abgerieben, dass er mit einem Silberüberzug geschützt werden musste.

An der dritten Säule links im Hauptschiff sind zwei der bedeutendsten Kunstwerke der Kirche zu finden, die der luxemburgische Humanist und Apostolische Pronotar Johannes Coricius um 1510 in Auftrag gab: Das Fresko Der Prophet Jesaja (2) von Raffael, der es in den Jahren 1511–1512 ausführte. Vorbild für Raffael war die Darstellung der Propheten des Michelangelo in den Lünetten der Sixtinischen Kapelle. Die Inschrift in der tabula ansata über der Figur des Propheten Jesaja weist u. a. auf den Stifter hin.Anna, Mutter der Jungfrau, der Jungfrau Gottesgebärerin und Christus – Jo(hannes) Cor(icius) Die Schriftrolle in der Hand des Propheten gibt ein Zitat aus dem Buch Jesaja wieder.Jes 26,2 Öffnet die Tore, damit ein gerechtes Volk einzieht, das Treue bewahrt! Bald nach der Fertigstellung wurde das Fresko von Daniele da Volterra zum ersten Mal restauriert und in der Folgezeit mehrfach überarbeitet, zuletzt im Jahr 1998.