Als Internetradio (auch Webradio) bezeichnet man ein Internet-basiertes Angebot an Hörfunksendungen. Die Übertragung geschieht in der Regel als Streaming Audio; zur Nutzung sind entsprechende Streaming-Clients erforderlich. mini|Internetradio Studio von RauteMusik.FM mini|Ein Blick ins detektor.fm-Studio
Geschichte Bereits 1995–1996 veranstaltete das damals neu gegründete Info-Radio Berlin-Brandenburg von ORB und SFB gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin den Streaming-Dienst Info-Radio on Demand.
Ein ähnliches Projekt führte der SWF durch. Hier wurde ein Teil des SWF-Sendearchivs digitalisiert. Mitte 1995 lagen bereits über 190.000 Stunden Wort- und Musikbeiträge vor.
Die Medienöffentlichkeit wurde auf Streaming Media um 1998 aufmerksam, in der Blütezeit der New Economy also. Es setzte eine Art automatischen Zugzwangs ein, beispielsweise begannen zahlreiche Hörfunksender, Teile ihrer Programme einfach deshalb zu streamen, weil es andere auch taten. Parallel hierzu wurden unabhängige Webradios gegründet. Ein Beispiel hierfür war youwant.com.
Ende 2002, also mitten in der Krise der kommerziellen Internet-Nutzung, startete America Online das exklusive Radioprogramm Broadband Radio@AOL für seine Breitband-Kunden; dabei setzte AOL nicht die Streamingtechnik des strategischen Partners Real Networks ein, sondern verwendete eine von Nullsoft programmierte Eigenentwicklung namens Ultravox; Nullsoft war 1999 zusammen mit Spinner.com von AOL übernommen worden.
Ähnlich wie im US-amerikanischen Pressewesen gibt es auch im Hörfunk Fälle, in denen Internetsender von Mitarbeitern eingestellter etablierter Sender gegründet wurden. So entstand in Berlin Radio multicult2.0 als Reaktion auf die Schließung des RBB-Senders Radio Multikulti.
Anbieter mini|Ein Internetradiostudio im Jahr 2010. *) = Näheres im Kapitel Distribution und Reichweite
Wie auch bei den terrestrischen Radiosendern werden viele Sparten und Musikarten bedient. Allerdings ist hier allein schon durch die im Vergleich zum terrestrisch verbreiteten Hörfunk sehr kostengünstige Möglichkeit, ein Internetradio zu betreiben, eine größere Vielfalt an Spartenkanälen für jegliche Art von Musikstilen und Wortbeiträgen möglich. Anders als bei z. B. UKW gibt es im Internet aber auch nicht das Problem einer begrenzten Anzahl von Frequenzen, wodurch eine (nahezu) unendliche Anzahl von Radiosendern möglich ist. Die Anzahl der an einem Internetanschluss empfangbaren Webradiosender geht in die Zehntausende, gleichzeitig können jedoch nur wenige „Sender“ genutzt werden *). Die meisten terrestrischen Radiosender senden ihr Signal auch über das Internet. Darüber hinaus gibt es viele reine Webradioanbieter. Sendet ein Anbieter über das Internet, ist dessen Signal an (fast) jedem Internetanschluss weltweit empfangbar *).
Entwicklung der Anzahl der Internet-Radiosender in Deutschland: 2006 450 2009 2.000 2010 2.700 2011 3.055 Seit 2015 stabil bei etwas mehr als 2.400 2016 2.453
Seit 2006 wuchs die Anbieterzahl in Deutschland pro Jahr um rund 56 Prozent. Im April 2010 gab es laut einer Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) rund 2700 deutsche Webradios. Davon sind 80 Prozent ausschließlich im Internet empfangbar (Internet-Only-Angebote), die anderen sind überwiegend Live-Streams der UKW-Radio-Sender (Simulcast-Streams). Gegenüber 2009 stieg die Anzahl laut BLM-Studie „Webradiomonitor 2010“ um über 700 Sender.
Der „Webradiomonitor 2016“ (Hrsg.: Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. und Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. – VPRT) ermittelte insgesamt 2.453 Webradios. Davon waren 73 Prozent ausschließlich im Internet empfangbar (Online-Only-Angebote). Die Live-Streams der UKW-Radio-Sender (Simulcast-Streams) und deren Online-Submarken machten 17 bzw. 10 Prozent aus. Die jährlich durchgeführte Erhebung zeigte außerdem, dass die Zahl der reinen Webradios seit ihrem Hoch im Jahr 2011 (3055 Angebote) zurückging und sich seit 2015 stabil bei etwas mehr als 2400 Angeboten eingepegelt hat, während die Zahl der sonstigen Online-Audio-Angebote (User Generated Radiostreams oder kuratierte Playlists) in den vergangenen Jahren kontinuierlich stieg.
Nutzung Nach der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 hören 8 % der Internetsurfer wöchentlich Webradio per Livestream, 26,6 % zumindest selten. Im Jahr 2003 waren es noch 5,3 % bzw. 17,6 %. (PDF; 193 kB), Seite 370. Parallel dazu stieg der Anteil der DSL-/Breitbandnutzer zwischen 2003 und 2008 von 24 % auf 70 %. Bereits 2006 hörten europaweit mehr als 20 Millionen Menschen Webradio. Im zweiten Quartal 2014 waren es in Deutschland laut Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. (VPRT) 52 Millionen Sessions pro Monat. Laut dem Webradiomonitor 2017 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) wächst die Nutzung von Internetradio und Online-Audio-Angebote wie Podcasts weiter sehr stark. Demnach hören 71 Prozent Livestreams von bestehenden Radiosendern („Simulcast“), 28 Prozent reine Onlineradios und 17 Prozent Podcasts.
Erstverwerter/Native Internet-Sender Als Internet-Broadcaster (englisch Internet broadcaster) bezeichnet man einen Internet-„Sender“, der entweder nur im Internet sendet oder zumindest seine Erstverwertung im Internet durchführt und Teile des Programms dann später an andere Stationen verkauft (Content-Syndication).
Internet-Broadcasting (englisch Internet broadcasting) unterscheidet sich von konventionellen Sendern vor allem durch die im Vergleich zu herkömmlichen Stationen geringere Hörerzahl, da mehrheitlich nach wie vor überwiegend terrestrisch empfangbare Radiosender genutzt werden. Zudem sind die Senderbetreiber i. d. R. mit ihren beschränkten Marketingbudgets nicht in der Lage, den eigenen Sender in der Konkurrenzflut von mehreren tausend anderen bekannter zu machen.
Ein Beispiel sind Universitätssender, die ihre Programme über das Internet bereitstellen. In diesen Fällen wird der Begriff Webradio auch synonym für den Anbieter oder das Programm verwendet.
Darüber hinaus gibt es meist von Privatpersonen geführte Webradios.
Zweitverwerter/Reguläre Hörfunksender Das Onlineradio wird von zahlreichen Hörfunksendern als alternative Übertragungstechnik für eine Zweitverwertung ihrer Programme genutzt. Der Empfang soll so auch Hörern ermöglicht werden, die das Programm weder terrestrisch noch über Kabelanschluss oder Satellit empfangen können.
Radio im Internet bieten beispielsweise die deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an, die Stammhörer außerhalb ihres Sendegebiets erreichen wollen, wie Auswanderer oder Studenten bei einem Auslandsaufenthalt.
Auch fast alle Freien Radios und Offenen Kanäle streamen ihr komplettes Programm im Internet, da sie terrestrisch in der Regel nur mit sehr geringer Sendeleistung ausgestattet sind und so nur in einem sehr begrenzten Gebiet empfangbar wären.
Die Übertragung von aktuellen Programmen wird häufig durch Archivierung und Bereitstellung früher gesendeter Beiträge ergänzt (Audio-on-Demand bzw. On-Demand-Streaming).
Zahlreiche deutschsprachige Hörfunksender bieten zumindest Teile ihrer Programme via Live-Streaming über das Internet an. Im Streben nach Marktanteilen sehen es fast alle Programmanbieter als unerlässlich an, auch auf dem Übertragungsweg Internet Präsenz zu zeigen. Jedoch kann dies zu einem finanziellen Dilemma führen, dem besonders der reguläre Hörfunk mit seinen hohen Grundkosten durch die Sendernetze und durch die zusätzlichen neuen Herausforderungen seitens der Übertragung im Internet ausgesetzt ist.
Internetradio versus herkömmlicher Hörfunk Internetradio unterscheidet sich grundsätzlich vom traditionellen Hörfunk:
Distribution und Reichweite Im Gegensatz zum konventionellen Rundfunk, der uneingeschränkt viele Empfänger innerhalb seines Sendegebietes mittels Funkwellen erreicht, beschränkt das Internet die maximale Anzahl der gleichzeitig möglichen Empfänger durch die verfügbare Bandbreite. Lösungsansätze sind Multicast-Streaming sowie die Nutzung spezieller Streaming-Dienstleistungen beziehungsweise Provider. Haushalte, die mehrere konventionelle Radios durch Internet-Radios ersetzen, können mit einem DSL-Anschluss zwischen sieben und 112 Radiosender gleichzeitig empfangen. Internetanschlüsse mit geringerer Bandbreite als 128 kB/s ermöglichen nicht einmal den Empfang von einem einzigen Sender, der die Qualität des herkömmlichen Rundfunks erreicht. Wenn die Bandbreite durch Rundfunkinhalte genutzt wird, können Einbußen bei anderen Internet-spezifischen Anwendungen auftreten. Die Belastung der Netze ist allerdings weniger gravierend als durch die Video-Streaming-Angebote, die mit zunehmender Bildqualität durchaus in den Megabit/s-Bereich gehen.
Der herkömmliche Rundfunk wird zunehmend digitalisiert. Durch die Digitalisierung wird die Sendeinfrastruktur ständig erweitert. Davon profitiert nicht nur der Rundfunk, sondern auch das Internet.
Ein Sender, der einen Satellitenkanal besitzt, erreicht im Einzugsgebiet des Satelliten eine unbegrenzte Empfängerzahl, da die Empfänger weder einen Rückkanal benötigen noch eine eigene Netzwerkbandbreite zur Verfügung stellen müssen, um den Sender zu empfangen.
Rundfunk mit Rückkanal über private Netzwerke kann nur eine begrenzte Empfängerzahl erreichen. Die Kommunikationsnetzwerke sind für eine hohe Senderzahl, die gleichzeitig unbegrenzt viele Empfänger erreichen sollen, nicht geeignet, da einem Internet-Sender keine ständig verfügbare Bandbreite zugeordnet wird. Internet-Sender verwenden oft fremde Sende-Infrastruktur, um die Informationen zum Empfänger zu transportieren. Die Informationen müssen durch senderfremde Serversysteme laufen, sie werden dort empfangen und erneut gesendet. Dabei auftretende technische Störungen befinden sich daher oft außerhalb des Einflussbereiches der jeweiligen Sender, und Störungen zu beheben, gestaltet sich meist schwieriger als beim herkömmlichen Rundfunk.
Ein Vorteil des Internetradios ist die weltweite Empfangbarkeit. Während Radioprogramme im UKW-Bereich regional beschränkt sind oder auf Satelliten zum Senden ihrer Inhalte zurückgreifen, gestaltet sich der weltweite Zugriff auf Internetsender wesentlich leichter und im Prinzip kann man von überall auf der Welt auf einen bestimmten Internetradiosender zugreifen. Es ist also ein regelrechter „Weltempfänger“. Viele Tausende Programme aus aller Welt sind über Portale wie z. B. SHOUTcast empfangbar.
Im Gegensatz zu den traditionellen Kurzwellen-Weltempfängern, die ebenfalls Sender aus der ganzen Welt empfangen, ist die Zahl der Sender deutlich höher.
Die meisten bekannten Radiostationen senden mittlerweile parallel auch im Internet. Es gibt jedoch Ausnahmen der Erreichbarkeit, wenn das Internet zum Beispiel von nationalen Behörden oder Providern teilweise oder komplett gesperrt und/oder gefiltert wird.
Das Webradio ist auch ein nicht unbedeutendes Distributionsmedium für Independent-Labels und Musikstile, die im konventionell empfangbaren Hörfunk nur wenig Platz und Beachtung finden.
Klangqualität Die Klangqualität (bzw. die Übertragungsqualität) hängt wesentlich von der verwendeten Bitrate und dem Kompressionsverfahren (z. B. Advanced Audio Coding oder MP3) ab. Im Prinzip ist alles möglich, von „Telefonqualität“ bis zur CD-Qualität. Die meisten Radios bieten einen recht guten, rauschfreien Klang, vergleichbar mit dem UKW-Radio. Wenn die Musikstücke (Sound-Dateien) gleich digital eingespielt werden, gibt es auch keine Verluste durch Analog-Umwandlung mehr. Viele Stationen aus Übersee bieten aus Bandbreitenmangel nur Bitraten um 32 kbit/s. Für Musik ist das zu schlecht, aber Sprache ist damit noch sehr klar zu verstehen. Die Qualität ist i. d. R. deutlich besser als mit einem Kurzwellen-Weltempfänger. Klassischerweise werden 128 kbit/s eingesetzt.
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