Hanau Hauptbahnhof ist unter den Bahnhöfen in Hanau der einzige Fernbahnhof. Zudem fahren ihn Regionalbahn, -Express und die S-Bahn Rhein-Main an.

Geografische Lage Hanau liegt im östlichen Rhein-Main-Gebiet. Die Lage von Hanau Hauptbahnhof ergab sich durch die Kreuzung der Bebra–Hanauer Eisenbahn mit der bereits bestehenden Bahnstrecke Frankfurt–Aschaffenburg und der anschließenden Weiterführung über die Steinheimer Mainbrücke, die den Fluss rechtwinklig queren musste. Der so gesetzte Zwangspunkt führte zu einer Lage des Bahnhofs weitab vom Hanauer Stadtzentrum. Noch heute ergibt sich daraus ein Problem für die Linienführung des ÖPNV in Hanau, der so zwei Zentren bedienen muss: Den Hauptbahnhof und den innerstädtischen Busknoten Freiheitsplatz.

Technische Parameter Der Kreuzungsbahnhof mit 11 Bahnsteiggleisen gehört zu den 86 Bahnhöfen (Stand 2020) der Preisklasse 2 der DB InfraGO.

Geschichte mini|315px|„Hanau Ost“, Südseite, mit den nach Bayern führenden Gleisen

Im Zuge des Baus der Strecke Bebra–Hanau wurde am Standort des heutigen Hanauer Hauptbahnhofs der vorläufige Endbahnhof Hanau Ost errichtet und am 1. Mai 1867 eröffnet. Funktionaler Vorgänger als Hauptbahnhof von Hanau war der 1848 eröffnete Bahnhof Hanau der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn-Gesellschaft, der sich unmittelbar westlich der Innenstadt an der Stelle des heutigen Haltepunktes Hanau West befand.

Hanau Ost war der Verknüpfungsbahnhof zwischen der Bahnstrecke Frankfurt–Aschaffenburg und der Strecke von Bebra nach Offenbach und Frankfurt. 1905 ging die nördliche Verbindungsstrecke von Hanau West nach Hanau Nordseite in Betrieb.Preuß / Strüber, S. 3. Gleichzeitig mit dem Bahnhof wurde das Bahnbetriebswerk Hanau Heideäcker errichtet.

Am 15. Mai 1927 wurde der Bahnhof „Hanau Ost“ in „Hanau Hbf.“ umbenannt.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, Änderung von Bahnhofsnamen.

Im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof, sein großes Gleisfeld, sein Güterbahnhof und das benachbarte Bahnbetriebswerk Hanau Angriffsziel von Luftangriffen der Alliierten: Erstmals am 1./2. April 1942Stahl: Der Luftkrieg. S. 392. und folgend am 5. November 1944Stahl: Der Luftkrieg. S. 201., am 10. November 1944 (2250 Mehrzweckbomben – mehr als 100 Tonnen – wurden abgeworfen, neun Lokomotiven, 15 Güterwagen und ein Lokomotivschuppen zerstört)Stahl: Der Luftkrieg. S. 216., am 11. Dezember 1944 (22 Tote im gesamten Stadtgebiet)Stahl: Der Luftkrieg. S. 228 ff., am 12. Dezember 1944 (145 Tote im gesamten Stadtgebiet, darunter 18 Zwangsarbeiter)Stahl: Der Luftkrieg. S. 235 f., ein Ablenkungsangriff am 7. Januar 1945, der keine Schäden verursachteStahl: Der Luftkrieg. S. 305., und ein Angriff am 17. Februar 1945 (22,4 Tonnen Sprengbomben).Stahl: Der Luftkrieg. S. 314. Der Hauptbahnhof war auch eines der Ziele bei dem Luftangriff auf Hanau am 19. März 1945, wobei weitere Schäden entstanden.Stahl: Der Luftkrieg. S. 329, 361.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bahnhof von der Hanauer Straßenbahn angefahren.

Zum Kriegsende (Ende April 1945) wurde Hanau Hauptbahnhof Ausgangspunkt für das Railway Operation Battalion (ROB) 759, das den Auftrag hatte, die „650 Meilen lange doppelgleisige Strecke vom Rhein zur Elbe“ (und einige Zweigstrecken) wieder betriebsfähig herzurichten. Am 2. Mai 1945 war die Strecke bis Erfurt wieder befahrbar. Untergebracht war die Einheit in Kasernen in Klein-Auheim.Andreas Knipping: Maschinen für die Invasion. Das Kriegslokprogramm des USATC. In: Züge der Alliierten = Eisenbahn-Kurier Special 126. EK.Verlag, Freiburg 2017. ISBN 978-3-8446-7019-6, S. 16–33 (21). Noch im August 1945 fuhr auch wieder der erste zivile Güterzug Richtung Bayern, ein Nahgüterzug nach Würzburg.Horst Weigelt: Die Bundesbahndirektion Nürnberg zwischen Wiederaufbau und Wiedervereinigung. In: Horst Weigelt (Hg.): Bundesbahndirektion Nürnberg. Fortschritt aus Tradition. Hestra, Darmstadt 1993. ISBN 978-3-7771-0246-7, S. 41–54 (42).

Empfangsgebäude Erstes Empfangsgebäude mini| Das Empfangsgebäude Hanau Ost von Norden um die Zeit der Eröffnung (1867)

Hanau Ost erhielt 1867 ein Empfangsgebäude, das als Inselbahnhof zwischen der Strecke Richtung Bebra (nördliche Gleise) und der Strecke nach Aschaffenburg (südliche Gleise) errichtet wurde. Es bestand aus zwei dreigeschossigen Endbauten, die durch einen eineinhalbgeschossigen Zwischenbau verbunden waren. Für die Gestaltung wählte die Eisenbahnverwaltung die damals modernen Formen des Rundbogenstils mit Elementen der Neorenaissance. Straßenseitig erschloss das Gebäude eine Stichstraße, die von einem Brückenbauwerk, das die Gleise überspannte, zum Empfangsgebäude hinunterführte. Das Empfangsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zu 70 % zerstört, nur provisorisch repariert und erst 1959 eine Planung für einen Neubau vorgestellt.Preuß / Strüber, S. 3. Nach dessen Fertigstellung wurde es 1967 abgerissen.Preuß / Strüber, S. 5.

Die ursprüngliche Situation als Inselbahnhof ist auch heute an der Gleisnummerierung zu erkennen, die alte Straßenanbindung dient heute als Park-and-ride-Parkplatz.

Zweites Empfangsgebäude mini|Empfangsgebäude von 1966

99 Jahre nach der Eröffnung des ersten wurde am 26. September 1966 das zweite Empfangsgebäude in Betrieb genommen.Preuß / Strüber, S. 5. Die bestehende Fußgängerunterführung wurde für den Neubau nach Norden verlängert, wo das neue Empfangsgebäude in Seitenlage entstand. Das ermöglichte auch einen großzügigen Bahnhofsvorplatz. Die Fußbodenhöhe der Hauptebene des neuen Empfangsgebäudes wurde wesentlich von der Lage der bestehenden Fußgängerunterführung bestimmt. Da der Bahnhof teilweise in einem ehemaligen Flussbett des Mains errichtet wurde, gibt es immer wieder, besonders aber nach Gewitterregen, Probleme mit eindringendem Wasser.

Die Architektur des zweigeschossigen Gebäuderiegels ist anspruchslos und erhebt sich kaum über die höher gelegenen Gleisanlagen.

Der den Fahrgästen zugängliche Teil des Empfangsgebäudes wurde nach Aufgabe der Gepäck- und Expressgutbeförderung 1995 grundlegend umgestaltet und modernisiert.Preuß / Strüber, S. 5.

Anbindung mini|Stellwerk

Hanau ist ein zentraler Knotenpunkt im Eisenbahnnetz, dessen Bahnhof sechs Strecken verknüpft. Es treffen hier aufeinander die

Bahnstrecke Frankfurt Süd–Aschaffenburg südliche Richtung: Hanau–Aschaffenburg westliche Richtung: Hanau–Maintal–Frankfurt Süd Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen östliche Richtung: Hanau–Fulda–Bebra–Göttingen westliche Richtung: Hanau–Offenbach–Frankfurt Bahnstrecke Frankfurt Schlachthof–Hanau nach Frankfurt (S-Bahn) Bahnstrecke Friedberg–Hanau nach Friedberg Odenwaldbahn (Hanau–Groß-Umstadt Wiebelsbach–Eberbach)

Gleise mini|ICE-Ausfahrt

Der Hanauer Hauptbahnhof besitzt 11 Bahnsteiggleise: nördlich des alten Inselbahnhofs die Gleise 1–9 und südlich des alten Inselbahnhofs die Gleise 101–106.

Die Gleise 1 und 2 dienen dem S-Bahn-Verkehr. Das Gleis 5 ist das Überholgleis der Kinzigtalbahn. Außerdem enden und beginnen hier die Züge, die nordmainisch zwischen Frankfurt und Hanau verkehren. Das Gleis 6 wird von Zügen in Richtung Frankfurt über die südmainische Strecke genutzt. Das Gleis 7 wird von Zügen in Richtung Fulda genutzt. Das Gleis 9 ist ein Kopfgleis, hier fahren die Züge von und nach Friedberg. Die Gleise 101 und 102 dienen dem Verkehr in Richtung Frankfurt über die nordmainische Strecke. Das Gleis 101 wird nur noch von einzelnen Zügen benutzt. Das Gleis 102 wird von den Regionalbahnen und Regional-Expressen benutzt. Das Gleis 103 dient sowohl den Regionalbahnen nach Aschaffenburg als auch den Regional-Expressen nach Würzburg. Das Gleis 104 wird von den Zügen in Richtung Schöllkrippen benutzt. Das Gleis 106 wird sowohl von den Zügen der Odenwaldbahn von und nach Erbach als auch von den Zügen der Kahlgrundbahn von und nach Schöllkrippen verwendet.

Für die nördliche und die südliche Gleisgruppe gibt es je ein Stellwerk. Aufgrund von Personalmangel verzeichnete das Stellwerk Hanau Südseite zwischen dem 11. August und dem 5. November 2023 Ausfälle von insgesamt 373 Stunden (15,5 Tage), in denen im Südteil des Bahnhofs keine Fahrten stattfinden konnten.schr: Ausfallquote mangels Personal auf den Stellwerken hoch. In: Eisenbahn-Revue International 1/2024, S. 2.

Betrieb Fernverkehr mini|Ein ICE Richtung Frankfurt steht vor den Formsignalen auf der Südseite des Hauptbahnhofs Hanau. In der Abenddämmerung sind Nacht- und Tagzeichen zu erkennen.

Im Schienenpersonenfernverkehr ist die Stadt via Intercity-Express und Intercity mit einem großen Teil Deutschlands sowie einigen Städten im Ausland verbunden.

Linie Strecke Taktfrequenz Berlin – Braunschweig – Hildesheim – Kassel-Wilhelmshöhe – Hanau – Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Freiburg – Basel Zweistundentakt Berlin Ostbahnhof – Braunschweig – Kassel-Wilhelmshöhe – Fulda – Hanau – Frankfurt Süd – Frankfurt Flughafen Zweistundentakt Hamburg-Altona – Hannover – Kassel-Wilhelmshöhe – Fulda – Hanau – Frankfurt – Wiesbaden einzelne Züge (Kiel –) Hamburg – Hamburg-Harburg – Bremen – Osnabrück – Münster – Dortmund – Hagen – Wuppertal – Solingen – Köln – Bonn – Koblenz – Mainz – Frankfurt – Hanau – Würzburg – Nürnberg – Passau/München einzelne ICE (Hamburg–Frankfurt/München),ein IC (Kiel/Fehmarn–Burg–Passau)(Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf) – Köln – Siegburg/Bonn – Montabaur – Limburg Süd – Frankfurt – Hanau  – Aschaffenburg – Würzburg – Nürnberg – MünchenEin Zugpaar täglichICE 521, ICE 522 Hamburg – Hamburg-Harburg – Bremen – Osnabrück – Münster – Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Köln – Bonn – Koblenz – Mainz – Frankfurt – Hanau – Würzburg – Nürnberg – Regensburg – Plattling – Passau – Wels – Linz – Wien Zweistundentaktein ICE von Wien über Solingen – Wuppertal – Hagen nach Hamburg

Nahverkehr mini|Zug der Odenwaldbahn wartet im Bahnhof

Hanau ist im Schienennahverkehr durch mehrere Regional-Express- und Regionalbahn-Linien mit dem Umland verbunden. Seit 1995 enden zudem die Linien S8 und S9 der S-Bahn Rhein-Main am Hauptbahnhof. Am Bahnhofsvorplatz befindet sich zudem eine zentrale Bushaltestelle.

Linie Verlauf Takt Betreiber

Bus Linie Linienweg 1 Hauptbahnhof – Dunlop – Freiheitsplatz – Friedhof Kesselstadt 2 Hauptbahnhof – Freiheitsplatz – Nordbahnhof – Lärchenweg 5 Hauptbahnhof – Marktplatz – Westbahnhof – Königsberger Straße 7 Bruchwiesenweg – Hauptbahnhof/Auheimer Straße – Freiheitsplatz – Hohe Landesschule 8 Hauptbahnhof – Dunlop – Bruchwiesenweg 11 Steinheim Rondo – Steinheim S-Bahnhof – Hauptbahnhof/Auheimer Straße – Technologiepark Ost 20 Hauptbahnhof – Dunlop – Kiefernweg X57 Hauptbahnhof – Freiheitsplatz – Maintal-Dörnigheim – Frankfurt Enkheim U X64 Freiheitsplatz – Hauptbahnhof – Obertshausen – Heusenstamm Bahnhof OF-87 Hauptbahnhof – Klein-Auheim – Hainstadt – Klein Kotzenburg Ostring – Seligenstadt Bahnhof X93 Hauptbahnhof – Dunlop – Rückingen – Langendiebach – Ravolzhausen Unterfeld X94 Hauptbahnhof – Dunlop – Rückingen – Langendiebach – Ravolzhausen – Rüdigheim Rathausstraße 566 Freiheitsplatz – Klinikum – Hauptbahnhof/Auheimer Straße – Großauheim – Großkrotzenburg (– Kahl Bahnhof)

Veränderungen

Zum Fahrplan­wechsel 2005/2006 wurde Hanau von der ICE-Verbindung Ruhrgebiet–Rhein/Main–Nürnberg/München, die von der neuen ICE-3-Generation befahren wird, größtenteils abgekoppelt. Die Begründung – laut Deutscher Bahn – war nicht die mangelnde Wirtschaftlichkeit, sondern bauliche Bedingungen. Da am Bahnhof erst ein Umbau erfolgt war und die Deutsche Bahn ihre Entscheidung nicht mit den zuständigen Behörden absprach, brachte ihr das harsche Kritik seitens der Stadtverwaltung und der Politik ein.

Ein Fortschritt hingegen war die Modernisierung der Odenwaldbahn (RMV-Linie 64), die die Anzahl der Züge auf der Achse Odenwald–Frankfurt am Main deutlich steigerte und in weiteren Schritten steigern wird.

Im Zuge des Fahrplanwechsels 2006/2007 erhielt der Hanauer Hauptbahnhof eine Vielzahl neuer Fernverkehrsverbindungen: