SMS Emden war ein Kleiner Kreuzer der deutschen Kaiserlichen Marine. Sie war nach der Stadt Emden benannt und das zweite Schiff der Dresden-Klasse.
Ihr Einsatzgebiet lag überwiegend im Fernen Osten. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Emden zum selbstständigen Handelskrieg in den Indischen Ozean entsandt. Dort versenkte sie innerhalb von zwei Monaten 23 feindliche Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe oder brachte sie auf. Am 9. November 1914 unterlag sie in einem Gefecht mit dem australischen Kreuzer Sydney nahe den Kokosinseln. Die Emden war der erfolgreichste deutsche Kreuzer in überseeischen Gewässern und gehört zu den bekanntesten Kriegsschiffen der Kaiserlichen Marine.
Bau mini|Seitenriss Kleiner Kreuzer Emden (1908–1914)
Die Emden wurde im Jahr 1905 bei der Kaiserlichen Werft in Danzig als Ersatz für das veraltete Aviso Pfeil in Auftrag gegeben. Die Kiellegung des Neubaus fand am 1. November 1906 statt. Damaligen Berichten zufolge verlief dieser Bau ohne Probleme. Die Emden war der letzte Kleine Kreuzer der Kaiserlichen Marine, der noch mit Kolbenmaschinen ausgestattet wurde. Ihr Schwesterschiff Dresden besaß bereits einen Turbinenantrieb. Bei den verwendeten Kesseln handelte es sich um Kessel des Typs Schulz-Thornycroft.
Am 26. Mai 1908 lief das Schiff vom Stapel. Die Taufe vollzog der damalige Emder Oberbürgermeister Leo Fürbringer. Nach der Fertigstellung wurde das Schiff bis zum 30. September 1909 in der Ostsee erprobt. In dieser Zeit fungierte es im August 1909 als Begleitschiff für die Kaiserliche Yacht Hohenzollern. Nachdem sämtliche Tests erfolgreich beendet waren, wurde die Emden am 1. April 1910 in Dienst gestellt.
Dienstzeit
Dienst bis 1914 Am 12. April 1910 verließ die Emden unter ihrem Kommandanten, dem Korvettenkapitän Waldemar Vollerthun, Deutschland mit dem Ziel Südamerika. Am 10. Mai 1910 erreichte sie Montevideo und nahm ein paar Tage danach, mit dem Kleinen Kreuzer Bremen, in Buenos Aires an den 100-Jahr-Feiern zur Unabhängigkeit Argentiniens teil. Dann setzte das Schiff die Reise nach Ostasien fort. Nach Zwischenstopps in Punta Arenas und Valparaíso wurden in Talcahuano nochmals die Kohlen ergänzt, bevor die Emden dann am 24. Juni 1910 die Pazifiküberquerung begann. Ohne weitere Brennstoffergänzung erreichte sie am 12. Juli 1910 Papeete auf Tahiti (Französisch-Polynesien). Schließlich traf der Kreuzer am 22. Juli 1910 vor der Insel Apia (Deutsch-Samoa) mit dem Großen Kreuzer Scharnhorst, dem Flaggschiff des Ostasiengeschwaders, zusammen. mini|Die Emden auf der Rückseite eines deutschen Notgeldscheins aus Emden, von 1920. Ihren Stützpunkt Tsingtau erreichte die Emden am 17. September 1910. Von Januar bis März 1911 war der Kreuzer an der Niederschlagung des Aufstandes der Sokehs beteiligt. Dann folgte eine erste Überholung in der Werft von Tsingtau. Im Anschluss daran übernahm die Emden wieder ihre Repräsentationspflichten im ostasiatischen Raum. Hierzu besuchte das Schiff Hongkong sowie diverse Häfen in China und Japan. Ende November 1911 trat Waldemar Vollerthun vom Kommando zurück. Im Februar 1913 ging das Schiff wieder in die Werft. Anschließend unternahm die Emden eine Fahrt zu den deutschen Kolonien im Pazifik. Die Reise führte zu den Inseln Yap und Neuguinea, wurde dann jedoch von Unruhen in China unterbrochen. Der Kreuzer wurde auf den Fluss Jangtse beordert und beschoss dort erfolgreich Forts der Aufständischen. Außerdem leistete er Geleitschutz für deutsche Handelsschiffe. Im August 1913 wurden vor Hankau, 500 Kilometer flussaufwärts, mehrere Schiffe von Rebellen beschossen. Vizeadmiral Maximilian von Spee befahl die Emden zur Unterstützung dorthin. Nach Beschießung des Forts Tung-Lin-Chan trat auch dort wieder Ruhe ein.
Nach einer Japanreise mit der Scharnhorst und dem Torpedoboot S 90 lag die Emden Ende 1913 in Shanghai. Im Februar 1914 wurden die Kessel und Maschinen der Emden ein letztes Mal in der Werft von Tsingtao überholt. Am 28. März 1914 kollidierte der Kleine Kreuzer beim Auslaufen zu einem Gefechtsmanöver mit dem Torpedoboot S 90. Die Backbordschraube musste daraufhin repariert werden.
Erster Weltkrieg
Kreuzerkrieg mini|hochkant=2|Die Kaperfahrt der Emden im Indischen Ozean mini|Von der Emden in Brand geschossene Öltanks bei Madras mini|Die Schemtschug
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verließ die Emden am 2. August 1914Mehr über die Emden. Bordgemeinschaft der Emdenfahrer, bgef.de das zum deutschen Kaiserreich gehörende Tsingtao und führte zunächst Kreuzerkrieg in der Tsushima-Straße. Das Schiff wurde mit einem falschen (vierten) Schornstein versehen, um das Aussehen eines britischen Kreuzers der Town-Klasse vorzutäuschen.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Tsingtao verließ der Kleine Kreuzer diesen Stützpunkt am 6. August 1914 erneut, um sich in Pagan auf den Marianen mit dem Ostasiengeschwader zu vereinigen. Um von der Fahrt des Geschwaders unter Admiral Maximilian von Spee durch den Pazifik Richtung Südamerika abzulenken, wurde die Emden als modernster und schnellster der Kleinen Kreuzer des Ostasiensgeschwaders in den Indischen Ozean auf Handelskrieg geschickt. Sie sollte die Aufmerksamkeit der Royal Navy auf sich ziehen, indem sie vorwiegend britische Frachter aufbrachte. Durch die Inselwelt von Niederländisch-Indien erreichte das Schiff den Indischen Ozean und nahm seine Kaperfahrt im östlichen Indischen Ozean und im Golf von Bengalen auf. Innerhalb einer Woche brachte sie vier britische Handelsschiffe auf und kaperte zwei andere, die sie als Versorger benutzte. Die tief beunruhigte australische Regierung hielt daraufhin die Verschiffung der australischen und neuseeländischen Truppenkonvois an.Elmar B. Potter, Chester W. Nimitz: Seemacht, Seekriegsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Deutsche Fassung herausgegeben im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung von Jürgen Rohwer, Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching, ISBN 3-88199-082-8. Am 22. September 1914 beschoss die Emden Ölanlagen bei Madras an der indischen Küste.R. K. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers Emden. 3. Auflage. Heyne, München 1979, ISBN 3-453-00951-7, S. 140 ff.
Vorbei an Ceylon kreuzte die Emden vor den Malediven und machte Station in Diego Garcia im britischen Chagos-Archipel. Dort hatte man vom Kriegsbeginn noch keine Kenntnis und nahm die Besatzung freundlich auf. Der Kreuzer passierte erneut die Malediven und kreuzte im Seegebiet der Lakkadiven. Danach begab sich das Schiff zu den Nikobaren und griff am 28. Oktober 1914 den Hafen von Penang auf der Malaiischen Halbinsel an. Dabei gelang es der noch immer als britischer Kreuzer getarnten Emden, unerkannt in den Hafen einzudringen. Dort eröffnete sie das Feuer auf die Schiffe im Hafen und versenkte den dort vor Anker liegenden russischen Geschützten Kreuzer Schemtschug durch Torpedo- und Geschütztreffer. Der in zwei Hälften gebrochene und brennende Kreuzer sank, wobei 85 Mann der Besatzung ertranken, 250 Mann, darunter 112 Verwundete wurden gerettet.Geoffrey Bennett: Naval Battles of the First World War. Verlag Penguin Books, London 2001, S. 47. Auf dem Weg aus dem Hafen versenkte sie dann noch den französischen Torpedobootzerstörer Mousquet. Mit dem Schiff gingen 40 Besatzungsangehörige unter. Die Besatzung der Emden rettete danach 36 Überlebende des französischen Schiffes. Danach lief die unbeschädigt aus dem Gefecht hervorgegangene Emden entlang der Westküste Sumatras bis zur Sundastraße, um dann Kurs auf die Kokosinseln zu nehmen.
Hier sollte am 9. November 1914 ein Treffen mit dem Versorgungsschiff Buresk stattfinden. Außerdem führte die Besatzung der Emden ein Landungsunternehmen gegen die Kabelstation auf Direction Island durch, die zerstört werden sollte. Dieses Kommando, unter dem jungen Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke, bestand aus drei Offizieren, sechs Unteroffizieren sowie 41 Mannschaften, darunter ein ehemaliger französischer Fremdenlegionär. Sie führten vier Maschinengewehre mit je 2000 Schuss Munition, 29 Gewehre Typ Mauser G98 sowie 24 Pistolen mit. Die Besatzung der Funk- und Kabelstation ergab sich kampflos, doch gelang es ihr, einen Notruf abzusetzen. Dieser Notruf wurde auf dem australischen Kreuzer Sydney empfangen, bis er plötzlich abbrach. Die Sydney gehörte zum Begleitschutz eines australischen Truppenkonvois, der zufällig an diesem Tag in etwa 50 Seemeilen Entfernung die Kokosinseln passierte.
Gefecht bei den Kokosinseln mini|Die Kokosinseln mini|Die Sydney Die gegenüber der Emden überlegen bewaffnete und schnellere Sydney wurde daraufhin aus dem Geleit entlassen und gegen die Emden angesetzt. Der Kommandant der Sydney hoffte, die Emden zu überraschen und im Kampf stellen zu können. Dies gelang nicht vollständig, da der Ausguck der Emden die Rauchfahne der mit hoher Fahrt herankommenden Sydney frühzeitig sichtete. An Bord des deutschen Kreuzers sah man diese jedoch zunächst als zum erwarteten Kohlentender Buresk gehörend an. Erst auf nähere Entfernung wurde das sich nähernde Schiff als gegnerischer Kreuzer erkannt. Es blieb keine Zeit mehr, den abgesetzten Landungszug wieder an Bord zu nehmen, und die Emden lief aus der engen Reede von Port Refuge heraus dem Gegner entgegen.
mini|Das Wrack der Emden von Steuerbord Die Emden setzte ToppflaggenDas Setzen der Kriegsflagge im Großtopp (das heißt an der Spitze des höchsten Schiffsmastes) war das traditionelle Zeichen, dass sich ein Kriegsschiff im Gefecht mit feindlichen Einheiten befand. Es galt als unmissverständliches Signal, dass man bereit war, einen Kampf anzunehmen und durchzuschlagen. Das Niederholen der im Großtopp gehissten Flagge signalisierte dementsprechend die Bereitschaft zur Kapitulation. Diese Regulierungen galten so streng, dass selbst offensichtlich kampfunfähige Schiffe weiter beschossen wurden, solange die Großtoppflagge – evtl. nur noch aus technischen Gründen, wenn z. B. eine Beschädigung der Takelage das Niederholen verhinderte – wehte (so z. B. im Fall der Emden nach der Strandung oder bei der Versenkung des zerschossenen britischen Panzerkreuzers Monmouth durch den deutschen Kreuzer Nürnberg nach dem Seegefecht bei Coronel). und eröffnete das Feuer auf das feindliche Schiff, wobei dessen genaue Identität zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt war. Die Sydney erwiderte den Beschuss unmittelbar nach der Feuereröffnung, erzielte zunächst aber keine Treffer auf der Emden. Zahlreiche 10,5-cm-Granaten des deutschen Kreuzers hingegen fanden ihr Ziel, richteten aber aufgrund der überlegenen Panzerung der Sydney – abgesehen von einem Treffer in die Feuerleitanlage und einem Blindgängereinschlag in eine Munitionskammer – nur geringe Schäden an. Sich der überlegenen Reichweite und Durchschlagskraft seiner 15,2-cm-Granaten bewusst, vergrößerte der Kommandant der Sydney in der Folge den Abstand zur Emden, wobei der australische Kreuzer wegen seiner überlegenen Geschwindigkeit nicht zu fürchten brauchte, dass die Emden seinem Zugriff entkommen konnte.