mini|David Steindl-Rast (2004)
David Steindl-Rast OSB (* 12. Juli 1926 in Wien als Franz Kuno Steindl) ist ein österreichisch-US-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, sowie spiritueller Lehrer, Autor und Vortragsreisender. Er ist Mönch der Abtei Mount Saviour und wohnt im Europaklosters Gut Aich.
Leben Herkunft und Jugend (1926–1945) David Steindl-Rast entstammt einer ursprünglich adeligen Familie mit einem Stammschloss in der Nähe des Wallfahrtsortes Maria Rast im heutigen Slowenien, von dem die Familie ihren Namen bezieht. Mit seiner Mutter und den zwei jüngeren Brüdern Hans und Max wuchs er in Edlach an der Rax in einem traditionell katholisch geprägten Umfeld auf. Mit zehn Jahren wechselte er an die reformpädagogische Neuland-Schule in Wien, wo er erste Kontakte mit dem Choralgesang knüpfte. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, desertierte nach einem Jahr und lebte im Untergrund. Nach Kriegsende wirkte er beim Aufbau von Flüchtlingslagern und bei der Trümmerräumung auf dem Universitätsgelände in Wien mit.
Ein religiöses Schlüsselerlebnis fand Steindl-Rast in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in der christliche Ars moriendi der Regula Benedicti. Für den damals etwa 20-Jährigen spiegelten sich im Vers „Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben“ seine persönlichen Kriegserfahrungen wider. Er fasste den Entschluss, Benediktiner zu werden.
Erste Kontakte mit dem Ordensleben knüpfte Steindl-Rast in der Neulandschule während des Choralunterrichts und später mit seinem Beichtvater, dem Zisterzienserpater Walter Schücker sowie mit den Benediktinermönchen der Abtei Seckau, wo er ebenfalls regelmäßig Ostern mitfeierte.
Studium in Wien (1946–1952) Von 1946 bis 1952 studierte Steindl-Rast an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss als Restaurator ab. 1952 wurde er in Psychologie mit einer Dissertation zum Thema Die Merkmale von Stimme und Sprechweise als Ausdruck der Einstellung zum Gesprächspartner promoviert. Parallel war er Mitbegründer der Kinderzeitschrift Der goldene Wagen und bereiste als Präfekt der Wiener Sängerknaben die Vereinigten Staaten. Anschließend hielt er sich ein Jahr in Florida auf. Trotz seiner klösterlichen Berufung entschied er sich für ein Studium der Kunst, Psychologie und Anthropologie an der Universität Wien. 2020 beschrieb er die Entscheidung, nicht ins Kloster einzutreten, als eine „Flucht“ vor der Berufung.
Eintritt in Mount Saviour und akademische Jahre (1953–1965) 1953 folgte er seiner in die USA emigrierten Familie und trat in das kurz zuvor gegründete Benediktinerkloster Mount Saviour in Elmira, NY, ein. Dieses Kloster war für sein streng monastisches Leben nach dem ursprünglichen Wortlaut der Regula Benedicti bekannt. Das Noviziat absolvierte er im Kloster Saint-Benoît-du-Lac in Kanada, einem Kloster der Kongregation von Solesmes. Dort erhielt er den Ordensnamen David. 1955 legte Steindl-Rast seine einfache Profess in New York ab. 1958/59 ermöglichte ihm ein Postdoc-Stipendium den Aufenthalt an der Cornell University als Lektor. Von 1982 bis 1997 lebte er bei den Kamaldulensern im Kloster Big Sur, Kalifornien, zunächst um eine mögliche Fusion mit seinem Mutterkloster zu unterstützen, später als Gast.
Interreligiöser Dialog, Zen-Buddhismus und New-Age Ab 1965 suchte er im Auftrag seines Abtes Damasus Winzen den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Buddhismus. Dabei übte er als katholischer Mönch die buddhistische Zen-Meditation. Er praktizierte Zen zunächst in New York bei einigen Zen-Meistern, dann bei Shunryū Suzuki Rōshi im neulich gegründeten Bergkloster Tassajara in Kalifornien. 1968 war er in New York zusammen mit Swami Satchidananda, Joseph Gelberman, einem liberalen chassidischen Rabbi kabbalistischer Prägung, und weiteren Mitbegründern des interreligiösen Center for Spiritual Studies. In den 1970er-Jahren unterstützte er das House of Prayer Movement, dem auch Thomas Merton sowie nach Selbstangabe rund 200.000 Ordensleute angehörten.
1988 sprach Steindl-Rast in Hannover beim Kongress „Geist und Natur“. Vertreter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) wiesen darauf hin, dass seine Teilnahme als katholischer Ordensmann und Zen-Meister zur Legitimierung von New-Age- und Bewusstseinsströmungen beigetragen hätten. Sie vergleichen den Einfluss von Steindl-Rast in den 1980er-Jahren als Meditationslehrer zwischen katholischer Spiritualität und der Zen-Tradition mit der Rolle des deutschen Zen-Meister und Benediktiner Willigis Jäger und beanstanden seine Legitimationfunktion für diverse Zen-Meister.
1989 gründete er zusammen mit dem Zen-Priester Vanja Palmers in Dienten am Hochkönig das Haus der Stille Puregg, Begegnungsstätte und Zentrum spiritueller Praxis und Besinnung. 1999 initiierte Steindl-Rast mit Zen-Priester Palmers die Zen-Gemeinschaft Felsentor am Rigi, das sich zu einem etablierten buddhistischen Seminarhaus entwickelte.
Steindl-Rast leite im San Francisco Zen Center die katholische Taufzeremonie für die Tochter von Fritjof Capra, einem Hauptvertreter der esoterischen New-Age-Bewegung. Diese Taufe wurde nach Steindl-Rast „ganz katholisch und ganz buddhistisch“ vollzogen.
Lehr- und Vortragstätigkeit, Eremit Steindl-Rast verband ab den 1970er-Jahren Eremitenzeiten mit weltweiten Vortragsreisen. Mit dem Theologen John Giuliani gründete er Anfang der 1970er Jahre die Benedictine Grange in Connecticut, ein Zentrum liturgischer Erneuerung. 1975 war er Mitgründer der Sky Farm in Sonoma, Kalifornien,, auf skyfarm.org deren Direktorium er von 2002 bis 2010 angehörte. Von 1994 bis 1997 wirkte er als Teacher in Residence am Esalen Institute in Kalifornien und trat als Referent bei den Waldzell Meetings im Stift Melk auf. Viele Jahre lebte Steindl-Rast, wenn er nicht auf Vortragsreisen unterwegs war, als Eremit unter anderem in der Nähe des Klosters Mount Saviour. Heute lebt er in der benediktinischen Gemeinschaft des Europaklosters Gut Aich in Sankt Gilgen.
Schriftstellerische Tätigkeit und Internet-Projekte Sein erstes Buch A Listening Heart erschien 1983; es war eine Sammlung von diversen teilweise bereits veröffentlichten Kurzbeiträgen. Ein Rezensent bedauerte die häufigen Wiederholungen im ohnehin „kleinen“ Buch von nur 95 Seiten Umfang. Danach folgten zahlreiche Veröffentlichungen in englischer und deutscher Sprache. Von Gratefulness, the Heart of Prayer (1984), schrieb Rezensent Conrad Pepler: „auch wenn es hier und da ziemlich offensichtlich erscheinen mag, sorgt die heitere Ausdrucksweise für eine angenehme und leichte Lektüre.“
Im Jahr 2000 war Steindl-Rast Mitgründer von A Network for Grateful Living und der Webseite grateful.org, die sich der Dankbarkeit als spirituellem Weg widmet. Im deutschsprachigen Raum entstanden in der Folge die Netzwerke Dankbar leben, dankbar leben begegnungsräume sowie die Online-Bibliothek David Steindl-Rast OSB, aus der 2025 auch der KI Bruder David Bot entstand. Sein TED-Vortrag Want to Be Happy? Be Grateful aus dem Jahr 2013 wurde millionenfach abgerufen. 2024 vermachte Steindl-Rast der Salzburger Paris Lodron Universität den Vorlass seiner umfangreichen Sammlung von Dokumenten und persönlichen Aufzeichnungen.
Lehre und Themen David Steindl-Rast, der sich weigert, seinen eigenen Namen großzuschreiben, verwendet an der Stelle des Wortes „Gott“ häufig den Begriff „das Große Geheimnis“.David Steindl-Rast, mit Mario Quintana: Worauf es letztlich ankommt. 100 Fragen • 100 Antworten. Tyrolia, Innsbruck/Wien 2026, ISBN 978-3-7022-4367-8; siehe die Antwort auf die Frage Nr. 30 Er versteht den Menschen grundsätzlich als „Mystiker“; zentrale Themen sind die Dankbarkeit als spiritueller Weg, die Zugehörigkeit zu allen Lebewesen und das Verhältnis von Mystik und gesellschaftlichem Engagement.
Anlässlich des 100. Geburtstags von David Steindl-Rast würdigte der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bei einem Gottesdienst am 11. Juli 2026 in der Benediktinerabtei Kremsmünster dessen Einsatz für den interreligiösen Dialog. Steindl-Rast ermutige zu einem demütigen, angstfreien und friedfertigen Miteinander der Religionen. Grünwidl schloss mit den Worten: „Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden.“
Christliche Positionen (Auswahl) In einem Interview vom Mai 2025, kurz vor seinem 100. Geburtstag, äußerte sich Steindl-Rast im Hinblick auf die biblisch-christliche Eschatologie. Auf die Frage, was nach dem Tod komme, antwortete er: „Nichts! Wir gehen hinüber, aber wir wissen nicht, wie es dort ausschaut.“ In seinem gemeinsam mit Johannes Pausch und Kristina Proleta im Juli 2026 veröffentlichten Buch „Gut leben, gut sterben“ vertritt er das Gegenteil. Dort heißt es: „Uns erwartet kein ewiges Nichts. So … ist auch das Sterben bloß eine Erde, in die wir die Saat eines neuen Lebens legen.“
Im Mai 2025 bezeichnete Steindl-Rast während einer Podiumsdiskussion die weibliche Perspektive im Christentum als „unverzichtbar“. Mit Verweis auf den „Hausverstand“ sprach er sich für das Frauenpapsttum aus: „Man kann auch eine Frau als Papst haben – ich sehe überhaupt keinen Grund, warum nicht.“
Ehrungen und Auszeichnungen 1975: Martin-Buber-Preis für sein Engagement im Dialog der Religionen 2017: Torchbearer Award des Sri-Chinmoy-Zentrums Salzburg 2022: Theologischer Preis der Salzburger Hochschulwochen 2023: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 2025: Sri Chinmoy Peace Prize des Sri-Chinmoy-Zentrums Salzburg 2025: Trompete von Jericho der Österreichischen Kirchenreformbewegungen, gemeinsam mit Martin M. Lintner
Publikationen (Auswahl) A listening heart. The art of contemplative living. Crossroad, New York 1983, ISBN 0-8245-0576-X. Die Achtsamkeit des Herzens. Goldmann, München 1988, ISBN 3-442-30519-5. Überarbeitete Auflage unter dem Titel A Listening Heart. The Spirituality of Sacred Sensuousness. Crossroad, New York 1999, ISBN 0-8245-1780-6. Deutsche Übersetzung der Neuausgabe: Die Achtsamkeit des Herzens. Herder, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05604-6; Neuauflage 2021, ISBN 978-3-451-03310-0. Gratefulness, the Heart of Prayer. An Approach to Life in Fullness. N. J. Paulist Press, 1984, ISBN 0-8091-2628-1. Deutsch: Fülle und Nichts: Von innen her zum Leben erwachen. Herder, 3. Aufl. 2008, ISBN 978-3-451-05653-6.
Belonging to the Universe. Explorations on the Frontiers of Science and Spirituality. Mit Fritjof Capra. Harper, San Francisco 1990, ISBN 978-0-06-250187-5. Deutsch: Wendezeit im Christentum: Perspektiven für eine aufgeklärte Theologie. Mit Fritjof Capra und Thomas Matus. DTV, München 1994, ISBN 3-423-30371-9. The Ground We Share. Everyday Practice, Buddhist and Christian. Mit Robert Aitken. Shambhala Publications, 1996, ISBN 1-57062-219-1. Der spirituelle Weg: Zen-Buddhismus und Christentum im täglichen Leben. Droemer Knaur, München 1996, ISBN 3-426-86117-8. Music of Silence. A Sacred Journey through the Hours of the Day. Mit Sharon LeBell. Ulysses Press, 1995, 2. Aufl. 2001, ISBN 1-56975-297-4. Musik der Stille: die gregorianischen Gesänge und der Rhythmus des Lebens. Herder, Freiburg 2010, ISBN 978-3-451-06278-0. Words of Common Sense for Mind, Body and Soul. Templeton Foundation Press, 2002, ISBN 1-890151-98-X. Common Sense Spirituality. Crossroad Publishing, 2008, ISBN 0-8245-2479-9. Common Sense: die Weisheit, die alle verbindet. Claudius, München 2009, ISBN 978-3-532-62398-5. Credo: Ein Glaube, der alle verbindet. Vorwort vom 14. Dalai Lama. Herder, Freiburg 2010, ISBN 978-3-451-30356-2. Und ich mag mich nicht bewahren. Vom Älterwerden und Reifen. Mit Gedichten von Rainer Maria Rilke und Joseph von Eichendorff. Tyrolia, Innsbruck/Wien 2012, ISBN 978-3-7022-3184-2. Das glauben wir – Spiritualität für unsere Zeit. Mit Anselm Grün. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2015, ISBN 978-3-89680-921-6. Ich bin durch Dich so ich. Lebenswege. Mit Johannes Kaup. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2016, ISBN 978-3-7365-0015-0