Stand April 2026 betrieben 30 Staaten weltweit 415 Kernreaktoren mit einer gesamten elektrischen Nettoleistung von 379,5 Gigawatt.Power Reactor Information System (PRIS). der internationalen Atomenergieorganisation IAEAhttps://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2025/05/18/2003837074 Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung ging von 16,6 % im Jahr 2000 auf 8,9 % im Jahr 2025 zurück.Ember Data Center, abgerufen am 23. Juli 2026

mini|294x294px|Stand der wirtschaftlichen Kernenergienutzung weltweit: mini|hochkant=2.5|Anteil der Kernenergie an der Gesamtstromerzeugung (dunkelgrün: hoch, hellgrün: gering). Stand: Juni 2015

Geschichte mini|hochkant=1.4|Zeitliche Entwicklung der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Leistung aller neu installierten Kernkraftwerke [durchgezogener Rahmen] bzw. aller zerstörten oder permanent stillgelegten Kernkraftwerke [gepunkteter Rahmen] – aufgeschlüsselt nach Jahren und Staaten. Die Legende gibt die ISO-3166-1-Kodes der Staaten an. Quelle: International Atomic Energy Agency

Mit der zivilen Nutzung der Kernenergie in Kernkraftwerken begann man Mitte der 1950er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nutzung der Kernenergie gesellschaftlich höchst umstritten und wurde mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki assoziiert. US-Präsident Dwight D. Eisenhower skizzierte 1953 seine Vision einer friedlichen Nutzung der Kernenergie in der Rede Atoms for Peace vor den Vereinten Nationen.Atom-Euphorie in den 1950ern Erste kommerzielle Kernkraftwerke waren 1956 die Magnox-Reaktoren des Kernkraftwerk Calder Hall und 1957 der Druckwasserreaktor Kernkraftwerk Shippingport, der von den U-Boot-Reaktoren entlehnt war und die Zukunft der friedlichen Nutzung der Kernenergie bis heute prägt.

1957 wurde zu diesem Zweck die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) gegründet. In den folgenden Jahrzehnten wurden in vielen Industriestaaten Kernkraftwerke gebaut; deren Leistung pro Reaktor wuchs schnell an.

In den 1970er Jahren wurde die Atom-Euphorie von zwei Ölkrisen befeuert, obwohl damals noch wenige Einsatzbereiche von Öl durch elektrische Energie ersetzt werden konnten. In Deutschland wurden elektrische Nachtspeicherheizungen propagiert. Seit den 1970er Jahren gewannen auch Anti-Atomkraft-Bewegungen an Bedeutung, die die zivile Nutzung von Kernenergie (und teilweise auch von Kernwaffen) ablehnten. 1978 beschloss Österreich nach einer Volksabstimmung, das bereits fertiggestellte Kernkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb zu nehmen; das Land blieb damit atomkraftfrei. Die partielle Kernschmelze im Kernkraftwerk Three Mile Island 1979 verstärkte die Wahrnehmung der Risiken von Kernkraftwerken im öffentlichen Bewusstsein.

1980 beschloss Schweden – als erster Staat – einen Atomausstieg. Er sollte bis zum Jahr 2000 realisiert werden und wurde später revidiert. Italien stieg nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl unmittelbar aus der Atomkraft aus und ersetzte die wegfallende Leistung weitgehend durch Importe. Weitere Staaten haben die Stilllegung von Kernkraftwerken beschlossen und/oder Neubauten verboten („Moratorium“). In manchen Staaten wurden derartige Beschlüsse verzögert umgesetzt oder revidiert (Ausstieg aus dem Ausstieg, Laufzeitverlängerung).

Ab den 1990er Jahren verlangsamte sich der Ausbau der Atomkraft deutlich. Während zuvor in manchen Jahren über 30 AKW in Betrieb gingen, waren es nach 1990 selten mehr als sechsNumber of Operating Reactors by Age. auf: iaea.org und 2008 erstmals seit den 1960er Jahren Null.Auch im Jahr 2008 kein Aufstieg der Atomkraft. auf: oekonews.at, 11. Januar 2009. So stieg die installierte Leistung zwischen 1990 und 2005 von 328 GW auf 369 GW an.Peter Hennicke, Susanne Bodach: Energierevolution. Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien als neue globale Herausforderung. herausgegeben vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, München 2010, S. 25. Infolge der nur niedrigen Zubaurate sowie der Außerbetriebnahme von Reaktoren, insbesondere nach den Kernschmelzen im japanischen Fukushima, betrug 2011 die weltweit installierte Leistung 366 GW.

Zu Beginn der 2000er Jahre wurde unter dem Schlagwort einer „nuklearen Renaissance“ mit einem umfangreichen weltweiten Ausbau der Kernenergie gerechnet. Der erwartete Aufschwung blieb jedoch insbesondere in den traditionell industrialisierten Staaten aus. Während in Ländern wie China, Russland, Indien, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Kernenergiekapazitäten weiter ausgebaut wurden, stagnierte der Neubau in vielen anderen Ländern; zugleich wurden bestehende Kernkraftwerke stillgelegt. Zu den Ursachen zählten unter anderem die Folgen der Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima, die zu strengeren Sicherheitsanforderungen und teilweise längeren Genehmigungsverfahren führten, sowie der starke Anstieg der Förderung unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen, insbesondere durch Fracking in den USA, wodurch kostengünstige fossile Energieträger verfügbar wurden. Hinzu kamen hohe Investitionskosten und Verzögerungen bei großen Neubauprojekten, die das Vertrauen in deren Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit beeinträchtigten.

Seit der Jahrtausendwende hat sich die Nutzung der Kernenergie weltweit regional unterschiedlich entwickelt. Mehr als 100 Reaktoren wurden dauerhaft stillgelegt, insbesondere in Europa, Japan und den Vereinigten Staaten; gleichzeitig gingen rund 120 neue Reaktoren in Betrieb. Die weltweite Zahl der betriebenen Reaktoren blieb dadurch insgesamt relativ konstant. Der Schwerpunkt des Neubaus verlagerte sich dabei zunehmend nach Asien. Insbesondere China verfolgt ein umfangreiches Ausbauprogramm. Auch Indien, Südkorea und Russland bauen ihre Kernenergiekapazitäten aus. In den westlichen Industriestaaten wurden dagegen nur wenige neue Reaktoren fertiggestellt, vielfach mit erheblichen Verzögerungen. Der relative Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion ist seit den 1990er Jahren rückläufig.

Seit den 2020er Jahren ist weltweit ein erneutes Interesse an der Kernenergie zu beobachten. Hintergrund sind insbesondere die klimapolitischen Ziele vieler Staaten und die zunehmende Anerkennung der Kernenergie als CO2-arme Ergänzung zu erneuerbaren Energien. Mehrere Länder haben daher ihre Ausbauziele für die Kernenergie bis 2050 ausgeweitet; in einigen Regionen erleichtert zudem die Einordnung der Kernenergie in nachhaltige Finanzierungssysteme die Finanzierung neuer Projekte. Parallel dazu werden neue Reaktorkonzepte entwickelt. Insbesondere Small Modular Reactors (SMR) sollen durch eine modulare Bauweise eine flexiblere und teilweise kostengünstigere Errichtung ermöglichen. Reaktoren der Generation IV zielen unter anderem auf eine bessere Brennstoffausnutzung, höhere Sicherheit und eine Verringerung radioaktiver Abfälle. Daneben wurden bestehende Kernkraftwerke technisch verbessert und ihre Betriebszeiten in zahlreichen Ländern auf 60 bis 80 Jahre verlängert. Auch Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Robotik und additive Fertigungsverfahren gewinnen für Betrieb und Instandhaltung an Bedeutung. China entwickelte sich zum Standort mit den meisten wissenschaftlichen Publikationen zur Kernenergie, während Forschung aus den USA und Europa aber insgesamt einflussreicher ist.

Die Europäische Kommission unterstützt die wirtschaftliche Nutzung der Kernenergie. Sie hat Pläne für eine grundlegende Überarbeitung des EU-Energiemarktes vorgestellt und hält seit 2007 Kernenergie für eine der Triebkräfte, die Europa mittels einer „dritten industriellen Revolution“ in ein kohlenstoffarmes Zeitalter führen können. auf: euractiv.com, 3. Oktober 2007.

Dem erneuten Ausbau stehen weiterhin hohe Investitions- und Finanzierungskosten, die Konkurrenz durch zunehmend kostengünstige erneuerbare Energien sowie gesellschaftliche und technische Fragen der Entsorgung radioaktiver Abfälle gegenüber.

Entwicklung der Kernkraftwerkskapazität im Überblick Jahr Reaktoren Leistung (GW) 1960 15 1 1965 48 6 1970 84 18 1975 169 70 1980 245 133 1985 363 246 1990 416 318 1995 434 341 2000 435 350 2001 438 353 2002 439 357 2003 437 360 2004 438 365 2005 441 368 2006 435 370 2007 439 372 2008 438 371 2009 437 371 2010 441 375 2011 435* 369 2012 437* 372 2013 437* 372 2014 438* 379 2015 441 383 2016 447 390 2017 448 392 2018 450 396 2019 443 391 2020 442 392 2021 442 394 2022 439 (422)** 394 (378)** 2023 412 370 2024 417 377 2025 413 377

Nach dem GAU in Fukushima am 11. März 2011, bei dem vier Reaktoren zerstört wurden, waren zwischenzeitlich alle übrigen 50 japanischen Reaktoren vom Netz gegangen. Von 2015 bis 2019 gingen 8 Reaktoren wieder ans Netz, 21 wurden endgültig abgeschaltet und 25 waren inaktiv. Stand 2022 arbeitete die japanische Regierung daran, möglichst viele davon wieder ans Netz zu bringen. Seit 2022 trennt das Power Reactor Information System (PRIS) die aktiven Reaktoren und deren Leistung von denen, die im Langzeitstillstand sind. Die erste Zahl gibt die Reaktoren inkl. der im Langzeitstillstand befindlichen Reaktoren an, damit sie mit den vorherigen Jahren vergleichbar sind. Die Zahl in der Klammer gibt Reaktoren ohne die im Langzeitstillstand befindlichen Reaktoren an.

Übersicht Weltweit nutzen 31 von 195 Staaten Kernenergie.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über alle Staaten, die Kernenergie nutzen, genutzt haben, nutzen wollen oder ein Atomprogramm begonnen und wieder abgebrochen haben (Stand: ).World Nuclear Power Reactors and Uranium Requirements, World Nuclear Association, Stand Januar 2025.